MOLOsovskysCHRONIK
Netztagebuch eines amœnokratischen Phantasten, Skribblers, Kritikers & Übersetzers


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geschrieben von molosovsky,
am: Montag, 20. Feb. 2012
Eintrag No. 760 — Nur für den Fall, dass dieser Kandidat tatsächlich der nächste Präsi wird, hier schon mal meine Abreaktion zu diesem Fetzenschädel (was der Mann über Hartz IV, Occupy, Sarrazin und andere Sachen vom Stapel gelassen hat, lässt mir den Kamm schwellen).



Geschieben von TheWawa,
am: Freitag, 24. Feb. 2012
Endlich mal ein inhaltlich begründeter kritischer Kommentar zum next BuPrä. Die Medien haben ihre erste Euphorie zwar nun auch hinter sich und nörgeln rum, aber das sieht aus wie ein Kater nach dem Rausch ...
Ich nenne ihn immer genauso: "Joachim not-my-president Gauck". Ich möchte gern meinen Präsidenten selber wählen und ihn nicht vorgesetzt bekommen. Ich möchte gern, dass sowas wie die Hartz-IV-Thematik (von der ich gerade selbst betroffen bin) oder die Occupy-Thematik ans Licht kommen und die Leute unruhig machen. Gauck: überheblicher und mit allen Wassern gewaschener Wende-Adel. Die friedliche Revolution war das historische Nonplusultra für ihn, eine Einmaligkeit, vor der alles andere verblasst. Da schwillt ihm die Brust. Alles andere ist Popelkram, alle anderen sind Dummies.
Leider Gottes hat die Wende auch solche Typen nach oben gespült. Da wird mir schlecht. Der Mann ist sowas von gestern ... man könnte es schon fast "reaktionär" nennen. Eine schöne, ungewöhnlich offene Kritik von Friedrich Schorlemmer erschien diese Tage in der LVZ.
Ich will, verdammtnochmal, meinen Präsidenten selbst wählen!

Geschrieben von molosovsky,
am: Mittwoch, 29. Feb. 2012
Danke, The Wawa, für Ihren Kommentar. HartzVierling war ich auch mal, insofern drücke ich die Daumen, dass Sie mit allen Unbillen, die Ihnen da entgegenschlagen, gut zurechtkommen.

›Wende-Adel‹ ist ein schöner Begriff.

Geschieben von yiyippeeyippeeyay,
am: Dienstag, 28. Feb. 2012
Vorweg: Das Bild ist wie immer Klasse! Salut dafür!

Was aber hat Gauck konkret zu Occupy gesagt? Meines Wissens, dass er die Proteste Ok fände, und die Protestler bewundere, aber die von einigen von denen geplante Besetzung des EZB für albern hielte. Also - wenn das stimmt, und er selber behauptet das - nicht die ganze Bewegung, nur einige wenigen Ideen. Ich fände es auch etwas albern, die EZB zu besetzen, da sie ja wahrscheinlich irgendwann durch "Gelddrucken" die Griechen retten wird, wenn die Deutschen nichts mehr für die Rettung zahlen wollen. Wohl auch einige Occupier dann (in 1-2 Jahren?) nicht...

Was hat er zu Sarrazin gesagt? Er fände einige der Dinge, die dieser anspricht, besprechenswert, und respektiere nicht viel aber zumindest dessen Mut, seinen verquirlten Kram vorzutragen. Fragt sich, ob ein manipulatives Arschloch Mut haben kann/darf... Ich denke schon. Kästner hat mal in Pünktchen & Anton darauf hingewiesen, dass man Mut & Wut unterscheiden sollte, die manchmal ähnlich aussehen. Nun, Sarrazin kommt mir nicht sehr wütend vor. Eher sehr selbstsicher in seiner elitären pseudowissenschaftlichen (IQ! :-P) Verblendung.

Scheint mir in den beiden Fällen also etwas hochgekocht - von mir eher unbekannten WWWutkochmeistern, vielleicht. Die Anti-Präsi-Wut weiter in die Suppe streuend.

Bleibt Hartz IV. Was Gauck dazu sagte, habe ich vergessen. Ich warte jetzt erstmal ab, und gebe ihm den "benefit of the doubt". Der Zweifel, der nach Recherche der ersten beiden Bläh-Zitate, bei mir angekeimt ist. Bin eben im Herzen ein Blumenkind. :-)))

Geschrieben von molosovsky,
am: Mittwoch, 29. Feb. 2012
Hi yippie.
Die Berichte zu den jeweiligen Interviews und Äußerungen Gaucks, die ich zur Kenntnis genommen habe, ließen mich nicht so milde gestimmt zurück, wie Dich.

Und heute morgen sehe ich den nächsten Brocken unverdaulicher Pastorensülze: Joachim Gauck sieht Internet als Bedrohung der Meinungs- und Pressefreiheit.

Geschrieben von Marengo,
am: Sonntag, 04. Mrz. 2012
Sicher gab es da einige nicht so arg sinnvolle Polemik; man kann sich darüber streiten, ob Gauck den Holocaust relativiert hat oder ob da ein Zitat aus dem Zusammenhang gerissen wurde etc. Die Kommentare zu Hartz IV sind natürlich unter aller Sau, aber leider weit verbreitetes Ressentiment. Und wieso Sarrazin Mut gehabt haben soll, entzieht sich mir, denn wenn das Beispiel Sarrazins eines zeigt, dann dass man nach wie vor nicht den geringsten Mut braucht, um in Deutschland als Rassentheoretiker aufzutreten – im Gegenteil, man wird dadurch zum Bestseller-Autor und ohne Ende von den Medien hofiert.

All das sind aber keine Eigentümlichkeiten Gaucks, sondern wohlfeile Allgemeinplätze, die man ständig zu hören bekommt. Es sind genau diese reaktionären Plattitüden, die heutzutage als »abseits vom Mainstream« oder »gegen politisch korrekte Denkverbote« gerichtet abgefeiert werden, als ob da irgend jemand etwas ungewöhnliches oder bemerkenswertes von sich gegeben und nicht einfach das wiedergekaut hätte, was ohnehin allerorten als Common Sense verkauft wird. Und das beste ist: Dieser altbekannte Murks wird als die erlösende Alternative zu Wulffs nervtötendem Dorfdisco-Charme und verlegenem Grinsen dargestellt.

Das Amt des Staatsoberhaupts politisch zu entmachten, war der erste Schritt in die richtige Richtung. Den Bundespräsidenten direkt zu wählen, bringt da auch nichts mehr. Es wird Zeit, das Amt des Staatsoberhaupts einfach abzuschaffen.

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