PentaLink: Tsundoku, Stanley Kubrik, Lovelace & Babbage, Politische Korrektheit, Wu Ming

Bevor ich morgen für ein paar Tage in der Pampas verschwinde (gehe seit langer Zeit mal wieder auf einen Follow-Con, wobei ich nicht so recht weiß, ob es Follow eigentlich noch gibt, bzw. wie weit der langsame Verfall dieses ältesten deutschsprachigen Fantasy-Vereins vorangeschritten ist), will ich den ersten Eintrag der Reihe »PentaLink« loswerden.

Eine der häufigsten Fragen von Molochronik-Lesern lautet: »Wann gibt’s ‘nen neuen Wochenrückblick?« — Offizelle Antwort: so ziemlich sicher gar nimmer mehr. Brotjob, Übersetzen und lektorieren für Golkonda, zwei geheime Übersetzungsprojekte, sowie ein im Werden befindliches Podcast-Projekt halten mich von der nicht unerheblichen Arbeit ab, die so ein Wochenrückblick machte.

Lösung: immer wenn ich fünf Link-Tipps zusammen habe, werde ich die nun weitergeben. Kurz, dreckisch, ohne Terminplan.

Und los gehts.

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Andrea Diener — bekannt als Kommentatorin des Bachmann-Wettlesens, Reisenotizen-Bloggerin, eine der vernünftigen Stimmen bei der FAZ, und als WRINT-Weltenbummlerin — hat nach einigen arbeitsreichen Jahren nun wohl wieder mehr Zeit für sich, und also ein eigenes ›Spaßprojekt‹ begonnen: »Tsundoku«, ein Bücherpodcast. Neuste Folge ist am Sonntag online gegangen — »TSU005: Zen und Zebrafische«.

Ich empfehle auch schwer die beiden Folgen, in denen Andrea Gäste empfängt: einmal »TSU002: Smartphone vs. Distelfink«, wenn sie mit Hanna Lühmann, und dann »TSU004: Ein bisschen wie wachträumen«, wenn sie mit Julia Bähr über Literatur babbelt. Ich beobachte wohlig, wie sich ein kleines Thema einschleicht (bzw. halt zufällig so ergibt): lobende Erwähnung von Phantastik-Literatur (für Leute, die eigentlich keine Phantastik mögen) zum Ende der Sendung (einmal Michael Ende, dann »Die Frau des Zeitreisenden« von Audrey Niffenegger).

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»Renegade Cut« (Englisch) von Leon Thomas ist eines meiner liebsten Video-Bloggs. Mai war bei ihm Kubrik-Monat und er hat feine, kleine Besprechungen zu »2001 — A Space Odyssey«, »Dr. Strangelove«, »Eyes Wide Shut« und »The Shining« zusammengestellt.

Nicht verpassen sollte man seine vierteilige Analyse von »A Clockwork Orange« Teil Eins, Zwei, Drei, Vier.

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Wie gerufen, auasi als kleiner Nachklapp zu meiner ausführlichen Empfehlung des brillanten Comics »The Thrilling Adventures of Lovelace & Babbage«, kommt dieser Auftritt der Schöpferin Sydney Padua bei »Talks at Google«:

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Meine lebende Lieblings-Feministin (und Unruhestifterin, Kulturkritikerin) Laurie Penny (von der ich einen Text ihrer Begegnung mit dem späten Terry Pratchett übersetzt habe »Sex, Tod und Natur«; und ich empfehle nachdrücklich ihre Streitschriften »Fleischmarkt« und »Unsagbare Dinge«), hat einen dringend nötigen Text für ›The New Statesman‹ (Englisch) geschrieben: »What’s wrong with political correctness?«.

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Seit ewig und drei Tagen wird wurde das italienische Autorenkollektiv Wu Ming (ehemals Luther Blissett) bei uns von den Verlagen ignoriert, obwohl ihr Debütroman »Q« als Taschenbuch bei Piper vielfache Neuauflagen erfahren hat. Es freut mich, dass nun mit ›Assoziation A‹ ein kleiner Verlag endlich die Eier hat, diesem Ignoranz-Übel entgegen zu wirken und nun die vorzüglichen Werke von Wu Ming auf Deutsch veröffentlicht. Es geht los mit »54«, einem wüsten Mix aus Thriller, Spionage- & Mafia-Farce, wenn Cary Grant, Tito, Heroinschmuggler und Partisanenschicksale aufeinandertreffen.

Thekla Dannenberg hat eine schöne Empfehlung für die Krimi-Kolumne ›Mord und Ratschlag‹ des ›Perlentauchers‹ geschrieben: »Keine Moral ohne Eleganz«.

Sydney Padua: »The Thrilling Adventures of Lovelace & Babbage«, oder: Auf zur Differenz-Maschine!

Most important: Thanx to Nick Harkaway who recommended this gem in his blog & on goodreads. FULL OF WIN!

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Interesse an den geschichtlichen Wurzeln der Computertechnologie? Am sozialen Leben von Nerds, Erfindern, unkonventionellen Individualisten in der frühen Viktorianischen Epoche? An Mathematik, Kybernetik und Technikgeschichte? An Problemen zur historischen Quellenkunde und wie man sich der (menschlichen) Wahrheit anhand von Überlieferungen annähert? An Gedankenspielen und Alternativuniversen? — Dann auf, und rann an dieses Buch.

Wie es Sydney Padua gelingt, a) scheinbar ganz lässig einerseits ›einfach nur‹ lustige Cartoons zu bieten, und b) durch Anbringen von Fußnoten (die auch wieder Fußnoten haben können), Endnoten und einem umfangreichen Anhang mit extrem gut verständlichen Sachkundeausflügen zu vermengen, und dann c) die eigene Rolle als begeisterte Amateur-Biographin-Historikerin zu reflektieren, ist atemberaubend.

Entsprechend ist es schwer für mich, meine Begeisterung für den meisterlich umgesetzten Stoff und die gewitzte Autorin/Zeichnerin auseinanderzuhalten. Sydney Padua ist eine dieser einnehmenden, aufgeweckten Personen, die ihr Herz und Ideengestöber scheinbar stets auf der Zunge spazieren führen — und dass sie sich dabei selbst köstlich auf den Arm nimmt, macht sie nur sympathischer. Eigentlich verdient sie ihre Brötchen als Animatorin & Visual FX-Artist (u.a. für »The Iron Giant«, »The Golden Compass« und »John Carter of Mars«) und stolperte in eine Karriere als Comiczeichnerin, weil eine Kumpanin sie für den Ada Lovelace Day 2009 um einen Cartoon gebeten wurde. Computergeschichtlich Gebildete (oder Science Fiction-Leuz, die »Die Differenz Maschine« von Bruce Sterling & William Gibson kennen/mögen) wissen meist zumindest vage, wer Ada Lovelace war.

Fünf längere Cartoons bietet der Band:
a) Die Vorgeschichte von Ada Lovelace & Charles Babbage, und wie ein Trottel von der Zeitstrang-Polizei versehentlich ein Alternativuniverum kreiert, in dem die Lebenswege von Lovelace und Babbage nicht so tragisch verlaufen wie in der tatsächlich stattgefunden haben Wirklichkeit und aus der Difference bzw. Analytival Engine mehr wird, als lediglich Pläne und Teil-Prototypen;
b) Die junge Königin Victoria besucht das Erfinderteam, welches versucht, ihr die Maschine zwecks finanzieller Förderung schmackhaft zu machen, u.a. als Mittel die Weltherrschaft zu erlangen und Verbrechen zu bekämpfen (wobei Verbrechen für Ada — aufgrund ihrer Kindheit als Tochter des berüchtigten Lord Byron und ihrer damit verbundenen, mutmaßlichen Anfälligkeit für Wahnsinn — ›Poesie‹ als Verbrechen gilt, während Babbage allen nervigen Straßenmusikern Londons den Kampf erklärt hat);
c) Wirtschaftskrisen & Pleitebanken gefährden die Gesellschaftsordnung, also bauen Ada & Charles eine Maschine, um die wirtschaftliche Entwicklungen zu prognostizieren (mit einem fulminanten Gastauftritt von I. K. Brunel);
d) Die Analytical Engine soll ein für alle Mal Rechtschreibfehler merzen (mit kleinen Gastauftritten von Charles Dickens, Wilkie Collins und Thomas Carlyle), und bei einem Testlauf verirrt sich eine ganz putzig portraitierte George Eliot, aka Marian Evans, in den Eingeweiden der riesigen Maschine;
e) Ada ist von der Idee Imaginärer Zahlen fasziniert und macht eine »Alice im Wunderland«-artige Reise in ihre Psyche, bei der sie über die Verwandtschaft von Mathematik und Poesie nachdenkt (mit einem Gastauftritt von Lewis Carroll).

Dazwischen gibt es immer wieder kleinere Cartoons z.B. wie Babbage anhand einer seiner Statistiken Maschinenstürmer davon überzeugt, dass Maschinen gar nicht sooo böse sind; oder wie fatal es für den Logiker George Boole ist, nur mit »Nein« und »Ja« auf die Bewirtungsfragen des Dieners von Babbage zu antworten.

Am meisten Respekt gebührt Padua allerdings dafür, wie tief sie in den historischen Quellen — Briefen, Biographien, Büchern mit Klatsch & Trasch der Epoche — geschürft hat, um zig unglaubliche Details zu finden.

Mein persönlicher Favorit: Während Ada beim Besuch der Queen in die Machineninnereien aufbricht, um einer Fehlfunktion nachzuspüren, gibt sich Babbage Mühe, die Königin abzulenken zu unterhalten.

»Erzähl bloß nicht die Geschichte mit dem Käse!«, denkt sich Ada noch.

In ihrer Fußnote erklärt Padua dann, dass sich Babbage eine frühe SF-Story ausgedacht hat, über kleine Wesen, die in einem sich ausweitenden Universum leben. Es entpuppt sich dann, dass die Wesen Käsemilben und das Universum ein Käse ist. Und publiziert hat Babbage das als Sprensel seiner Biographie. Und in einer weiteren Fußnote führt Padua weitere Käsemilben-Geschichten auf, Satiren und Gedichte u.a. von Arthur Conan Dolye dem Erfinder von Sherlock Holmes.

Vollends haben sich dann meine Augen staunend geweitet, aufgrund der Hingabe und dem Vermögen, mit dem Padua etwas so irr Komplexes und Wahnwitziges anschaulich zu erklären vermag, wie die mechanischen Computer aus Zahnrädern, Schneckenwellen, Hebeln, Lochkarten und tausend anderen pfiffigen Vorrichtungen, die Babbage erfunden, und für die Lovelace 1843 (!!!) die ersten Programme geschrieben hat. Ich mein: das ist ein vollwertiger Computer, den man mit einer Kurbel bedient! — Hier ein Beispiel aus Paduas Blog (Katzen jagen die Mäuse, die in den Rechengetrieben der Maschine sonst für Fehler sorgen würden), und der ganze Blogeintrag.

Berührend fand ich, wie das Comic-Sachbuch-Wunderding mit großer Anteilnahme erzählt, was für eine außergewöhnliche Freundschaft Lovelace & Babbage verbunden hat. Beide waren komplizierte, schwierige Menschen, selbst in einer an Exzentrikern reichen Epoche wie dem frühen 19. Jahrhundert. Doch Ada war die einzige Person, die tatsächlich begriffen hat, was für eine mathematische, informationstechnologische und damit gesellschaftliche Revolution die Maschine von Charles in sich barg.

Kurz und knapp also: Charmantes, lehrreiches, unterhaltsames, lustiges und schlaues Wunderbuch. Sprichwörtlich eine eierlegende Wollmichsau. — 5 von 5 Sternchen von mir bei Goodreads, und aufgenommen in die edle Schar meiner Allzeit-Lieblinge.

Wieder einer dieser Titel, dem ich die Daumen drücke, dass ein deutscher Verlag seinen Mumm zusammenkratzt, um ihn auch vielen deutschen Lesern und vor allem jungen Leserinnen zugänglich zu machen.

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Padua, Sydney: »The Thrilling Adventures of Lovelace & Babbage«; Zehn Kapitel und zwei Sach-Anhänge auf 317 Seiten; Gebundene US-Ausgabe mit Schutzumschlag; Pantheon Books, 2015; ISBN: 978-0-307-90827-8.
Auch als eBook erhältlich.

Grenzübergang 2013 / 2014

Ich stecke fest und der diesjährige Jahresrückblick kommt nicht voran. Habe mich nun entschieden, dass ich via Twitter — Molos Zwitscherei — bescheid gebe, wenn ich fertige Kategorien hier ergänze. Damit ihr geschätzte MolochronikLeser aber schon mal was habt, hier das bisherige ›Work in Progress‹.

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Willkommen bei meinem Jahresrückblick zu den edelsten Zeitverschwendungen, der explosivsten Unterhaltungsmunition, lindernsten Seelenmedizin & potentesten Bewusstseinshanteln des Jahres 2013.

Überflüssig zu erwähnen – aber sicherheitshalber hier noch extra betont –, dass dies meine persönlichen Favoriten des Jahres 2013 sind, & ich deshalb mit GOttgleicher Objektivität alle anderen Bestenlisten zunichte mache. Wenn Eure Lieblinge hier nicht aufgeführt werden, könnt Ihr ja zur Abhilfe Haare raufen & mit den Zähnen klappern. Vielleicht bringts ja was.

Titel, die ich nicht gesehen, gelesen, gehört oder gespielt habe, bleiben natürlich aussen vor. Vor allem bei den Filmen & Games wurde ich vieler Sachen, die mich brennend interessiert hätten, 2013 noch nicht habhaft (ganz besonders bitter beklage ich, dass der neuste in Deutschland anlaufende Ghibli-Zeichentrickfilm »Der Mohnblumenberg« in der ach so mondänen Metropole Frankfurt grad mal eine Woche in den Kinos war).

Die Sortierung folgt diesmal dem Alphabet (nach Autorennachnamen oder Titel), die Reihenfolge stellt also in sich keine Wertung dar (besondere Hervorhebungen wurden in die Kurzbeschreibung integriert).

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GUT BUCH (Prosa)
  • »Pulsarnacht« von Dietmar Dath: Siehe meine Besprechung in diesem Blog. Spontane Kurznotiz nach Beenden des Buches: »Es ist für mich 100 x vergnüglicher, mich mit den Romanzumutungen von Dath abzurackern, als Spaß zu haben mit den mundgerechten Schreibformel-Ergebnissen eines Eschbach«
  • »Nimmèrÿa 1: Geschichten aus Nimmèrÿa« von Samuel R. Delany: Meine erstes Buch von Delany mit dem er sich in meine oberste Fantasy-Liga katapultiert hat (in der sich auch Mervyn Peake, John Harrison & China Miéville befinden). Mit wunderschöner Sprache & erlesenem Stil schildern fünf Kurzgeschichten Schicksale größtenteils einfacher Leuz in einer gut geerdeten Fantasywelt (kann aber auch eine verschollene, unbekannte Vorgeschichtsepoche sein, wie ein fiktives akademisches Vorwort andeutet). Es geht um die Queste der Erkundung der eigenen Sexualität, um sozialen Wandel im Zuge sich ausbreitenden Handels & Geldwirtschaft, um Adelsintrigen, Drachenreiter & Befreiungen aus Verließen. Mich begeistert, wie scheinbar spielerisch Delany es versteht hohen Ton, philosophische Spekulation und gewöhnliches Leben zu vereinen. Freue ich schon sehr auf die weiteren Bände dieser deutschen Ausgabe der Geschichten aus Nimmèrÿa und anderer Bücher von Delany.
  • »The Quantum Thief« (Jean le Flambeur #1)von Hannu Rajaniemi: Was für ein Debüt! Schon mal vom Start weg grandios, wenn ein Hi-Tech-SF-Thriller sich vor dem ehrenwerten Klassiker »Arsene Lupin« von Maurice Leblanc verbeugt. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt: interessanten Weltenbau; entsprechend der vielfältigen ausgeklügelten Technik-Gadgets & Szenerien wohlfeile SF-Poesie. Die Handlung verläuft zweigleisig: a) ein Meisterdieb auf der Suche nach seinem irgendwo versteckten Selbst und b) ein idealistischer Amateurdetektiv soll einen Mord an einen Chocolatier aufklären. Die Äktschnszenen sind bombastisch, Humor- & Emotionseinlagen sind gelungen, die Schreibe ist komplex & kompakt und der Roman damit ein Feuerwerk der Vielfalt: Kurz: ein Spitzen-Titel der Lust auf mehr macht (Band zwei »The Fractal Prince« liegt schon bereit).
  • Thomas Pynchon hat sich seit »Against the Day« in den letzten Jahren zu einem meiner Helden gemausert, zu einem der Autoren, von denen ich mich mit Freuden überfordern lasse. »Mason & Dixon« & »Gravity’s Rainbow« stehen mir noch bevor. Zweiteren habe ich mittlerweile drei Mal angefangen & stecke immer noch irgendwo in der Mitte. — Aber folgende beiden Romane habe ich letztes Jahr genossen:
    »Bleeding Edge«
    »Vineland«
  • Neal Stephenson:
    »Zodiac«
    »Interface«
  • Tad Williams: »The Dirty Streets of Heaven« (Bobby Dollar #1), ungekürztes engl. Hörbuch, gelesen von Joe May: Finde ich ja total toll, dass ich nach vielen, vielen Jahren mal wieder was von Tad Williams gefunden habe, was mir richtig gefällt (Mega-Verrisse schreibe ich nämlich eigentlich nicht so gern). Obwohl dieser Roman nicht mehr darstellt, als dass Herr Williams aufgeschlossen hat an die Mode, sich klassische Mythen, wozu auch der Fundus phantastischer Figuren & Themen der Bibel gehören, in zeitgenössischer Stadtlandschaft tummeln zu lassen (er ist nun also da angekommen wo »The Sandman«, die »Books of Blood«, »Hellblazer«, »Preacher« & mannigfache andere urbane Fantasy schon seit Jahrzehnten weilen), ist das Ergebnis doch eine sehr kurzweilige Freude. Krimi, Komik & Tragik, Spannung, ein bisschen Horror, dargeboten durch einen sich am Noir Krimi-Schnodder orientierenden Erzähler, eine gute Portion »Fuck You!« in Richtung religiöses Schwarz-Weiß-Denken, ein Engel der sich mit einer Höllenschönheit im Bett wälzt … und die Sache ist perfekte Kurzweil. — Habe leider noch nicht prüfen können, was die deutsche Fassung taugt & bin sehr gespannt, welche Umsetzung & Reaktionen Buch 2, »Happy Hour In Hell«, auf dem Deutschen Markt erleben wird, denn da dreht Williams richtig heftig auf und bietet (für seine Verhältnisse heftig krasse) Grausamkeit, Groteskerien, Blutorgien & Ekelsex, dämonische Frauen die mit bezahnten Muschies Männer vergewaltigen, bis zum wonniglichen Brechreiz.
  • Desweiteren erwähnenswert & einen Versuch wert:
    • J. R. R. Tolkien: »The Lord of the Rings«, ungekürztes Hörbuch gelesen von Rob Inglis:
    • Suzanne Collins: »The Hunger Games«-Trio (»The Hunger Games«, »Catching Fire«, »Mockingjay«)
GUT BUCH (Sach)
GUT COMIC
  • Hiromu Arakawa: »Fullmetal Alchemist«:
  • China Miéville: »Dial H for Hero«:
  • Osamu Tezuka: »Buddah«, 8 Bände
  • :
GUT MUKKE
  • »Random Access Memory« von Daft Punk:
  • »The Last of Us« von Gustavo Santaolalla:
  • »The Golden Age« von Woodkid:
GUT GAME (PS3)

Zum ersten Mal die Sparte ›Games‹ & hier kommt die alphabetische Sortierung voll sinnvoll zum Zug, denn mich bei diesen Titel entscheiden zu müssen, welches nun die anderen überragt, ist mir unmöglich. Alle Gold!

  • »The Last of Us« von Naughty Dog: Immer wieder klopfe ich meine Gemütslage in Sachen Games ab, & komme stets zu dem Ergebnis, dass TLoU mein bisheriger Lieblingstitel aller Zeiten ist. Okey, der Multiplayer ist mörderschwer & ich inmitten lauter Kopfschuss- & Schleichkünstler eine absolute Nulpe. No Fun. Aber wer braucht Mehrspieler, wenn die Einzelspieler-Geschichte so überragend gut geschrieben & inszeniert ist. Das Genöle von Rezensenten, die meinen, TLoU wäre eigentlich arg flach & glänze nur darin, die Spieler ›emotionell zu manipulieren‹, entstammt zwar einer durchaus bedenkenswerten Kritik-Tradition, die 90° zur ›Effekt bewirkt Affekt‹-Programmatik des Urvaters der modernen Reisser-Poetik Edgar Allan Poe verläuft, aber völlig verkennt & entsprechend fehlurteilt, wie heftig & imho relevant die Tragödie ist, die dieses Spiel erzählt & spürbar macht. — Ein Mensch reisst nieder, weil er nicht loslassen kann; wird zum Zerstörer, weil er Nähe erzwingen will; raubt der Mehrheit die Hoffnung, weil er seine eigene Verzweiflung alleine nicht bewältigen kann. — Nicht nur die reisserischen, spektakulären, schockenden Sequenzen & Aspekte wurden hochwirkungsvoll umgesetzt, auch & gerade die umsichtige Sorgfalt, mit der die zarten (»You’re gonna so sing for me when we get through this«), kleinen (»Gnomes are super cute. Not Fairies though. They creep me out.«), beiläufigen (»Your watch is broken«) menschlichen Details platziert wurden, macht das Spiel für mich so groß. Überall subtil verteilte Spuren von Kindern & zerstörten Familien, der Härte des Überlebens in der Postapokalypse. und dann erst die Giraffen, der Schwan, der Hirsch, der Schneehase. — Taschentücher bereithalten.
  • »Grand Theft Auto V« von Rockstar: Eingestanden, dass auch mich leichte Wehmut umflorte, weil der Titel nicht mit der Wirkmacht bei mir einfetzt, wie ich erwartet habe. Andererseits war meine Erwartung eben auch ungescheit heftig uffgedreht … eine Grundstellung, mit der man sich fast zwangsläufig einen Kick ins Gemüt reserviert. Doch trotz der ein oder anderen nervigen Nebenfigur, kleiner Macken des Einzelspieler-Modus, & des mich ziemlich frustrierenden, weil lahmarschigen Mehrspieler-Modus, wurde ich beschert mit einer überwältigend gestalteten Welt, vielen amüsanten Details, ‘nem flockigen Gameplay & mit Michael, Franklin & Trevor eine wuchtige Spielfiguren-Trio. — Sonderpunkte gibt’s für den coolen Soundtrack unter anderem mit Tangerine Dream. — Weitere Sonderpunkte gibt’s für Yoga als Minispieleinlage. Macht immer gute Laune, wenn Michael mit hochrotem Kopf wieder in die Senkrechte kommt.
  • »Ni no Kuni« Take-5 & Studio Ghibli: Dummerweise habe ich »Ni no Kuni« gar nicht fertig spielen können, weil mein Speicherstand bei einem Crash verlorenging. Aber die ¾ der Geschichte, die ich absolviert habe, riechen locker (!) für einen Platz unter den Jahresbesten. Die Gestalter von Studio Ghibli & ihr Hauskomponist Joe Hisaishi brillieren darin, allen zu zeigen, wie umfassend doll ein Game daherkommen kann. Die Bossfights auf ›normal‹ brachten mich lustvoll zum Schmitzen. Besonders begeistert mich, wie die Story unerschütterlich auf Prinzipien des Ausgleich-Schaffens und der Harmonie-Verbreitung aufbaut. Hier kann man seine (völlig unironisch gemeint) Gutmenschen-Mukkis trainieren, und das sollten viel mehr große Titel wagen. — Zur Sicherheit Taschentücher bereithalten. — Genuss des Spieles kann dazu führen, dass man mit Decke als Umhang und Stecken als Schwert durch die Nachbarschaft rennt um Leuten zu helfen.
  • »Ico« von Team Ico: Okey, ich hinke ein klein wenig hinterher, dass ich erst im vierten Quartal 2013 dazu kam, diesen Klassiker aus dem Jahre 2001 zu spielen. Ändert aber nix an meiner Begeisterung für dieses eigentlich sehr simple Spiel. Junge mit Hörnern & Mädchen in Weiß wollen aus einer gigantischen Burgruine entkommen. Rufen. Händchen halten. Schattenmonster kloppen. Kisten schieben. Klettern. Hebel umlegen. Was für eine überraschende Stimmungs-Melange aus kraftvoller Zärtlichkeit & unheimlicher Menschenleere. Habe nach über 10 Jahren sofort verstanden, was ein Freund damals meinte, als er mir »Gormenghast«-Fan dieses Spiel empfahl. — Für den Schluss unbedingt Taschentücher bereithalten.
GUT FILM
  • »Django Unchained«: Herr Tarantino trifft stets meinen Geschmack & jeder seiner Flicks beglückt mich mit grandiosen Ideen, kreativem Erzählen, aufwühlenden Wendungen & Perspektiven, vor allem aber mit knackigen, langen Dialogen. Herr Waltz diesmal als heldenhaft guter Deutscher, Herr Caprio zu Abwechslung mal als egomanischer Herrenmensch & viele weitere Darsteller in hinreissenden Rollen. Zudem: angenehm humorig-launig diese engagierte Anklage des ansonsten missachteten Themas Sklaverei in USA.
  • »The East«: Überraschungstreffer. Wollte eigentlich nur mal wieder einen Film mit der mich stets begeistern Ellen Page gucken. Trotz der enttäuschend konventionell-feigen Schlussvolte ein aufwühlender, ruhiger Film über die Rache der Leute mit zuviel Gewissen. Allein die Szene mit der Widerstandskämpfer-Initiation beim gemeinsamen Abendessen zog mir den Teppich unter den Füssen weg. So geht Publikumsbeschämung die inspiriert. — Ein halbes Taschentuch bereithalten.
  • »Gravity«: Abgesehen von der umwerfen Achterbahnfahrt im All; den spektakulär perfekten Bildern & teilweise irre langen Kamereinstellungen; der überzeugenden Veranschaulichung, dass das Kaporresgehen von Dingen große Schönheit zeitigt; erstaunte mich hier, wie gut Frau Bullock sein kann, wenn man ihr entsprechend was zu tun gibt.
  • »The Hobbit (2): The Desolation of Smaug«: Siehe meine Besprechung in diesem Blog. Kurzfassung: Bisher mein liebster Mittelerde-Rambazamba.
  • »Jack Reacher«: Derzeit mit liebster Film mit Tom Cruise, was weniger an Herrn Cruise liegt (der hier schlicht gutes Handwerk abliefert), sondern der geschickten, angenehm altmodischen Inszenierung zu verdanken ist. Absoluter Hammer allerdings ist Werner Herzog (& seine leblosen, vor niederträchtiger List funkelnden Augen) als gieriger, strenger & grausamer Oberböser. — Siehe auch meine Rezension zu dem (hier nicht verfilmten) ersten Roman von Lee Child mit Titelhelden Jack Reacher.
  • »Pacific Rim«: Auch Herr del Toro ist so einer, der bisher nichts abgeliefert hat, was mir missfällt. Guckt genau hin, wie edel, wahrhaftig & freudvoll stumpfe Prügeleien zwischen Riesenmonstern & Titanen-Roboterrüstungen sein können, wenn sie ohne dummes Ironie-Augenzwinkern, sondern mit viel Detail-Liebe & Choreographie-Können aufgeführt werden. Bienchen jeweils für Rinko Kikuchi als zarte aber wehrhafte Mako Mori; den feinen Stockkampf; & die allerliebst gestaltete fremdartige Welt, aus der die Monster kommen. — Mein persönlicher Lieblingsfilm des Jahres!
  • »Silver Linings Playbook«: Sozusagen »Harry Meets Sally« für Leuz mit bipolarem Dachschaden (also MelanchoManiker wie mich, auch wenn ich bisher nur laienhaft von meinen Freunden diagnostiziert wurde). Nicht mehr als eine Gute Laune-Romanze, aber eben erfreulich herzhaft gegen das verständliche Theater anstänkernd, normal & brav sein zu wollen. Wenn schon normal sein, dann weil es einem selbst gut tut, nicht weil es ›die anderen‹ halt gern so hätten. Hut ab für das Tanzfinale, das mit all seiner Ungeschicklichkeit menschlich berührt. — Mindestens ein Taschentuch bereithalten.
  • »12 Years A Slave«: Neben »The East« sicherlich der ernsteste, erwachsenste Film dieser Liste, & im Gegensatz zu »Lincoln« eine rundum gelungene, notwendige, schmerzliche, intensive & plättende Geschichtslektion. Auch die Inszenierung traut sich immer wieder Sachen aufführen, die man selten so konsequent gemacht vorgesetzt bekommt. Ein Meisterwerk. — Mindestens eine Packung Taschentücher bereithalten.
  • Ebenfalls gut, wenn auch mit Abstrichen oder Vorsicht zu genießen:
    »The Conjuring«: Gute Gespensterfilme sind rar, aber hier wurde fast alles richtig gemacht. Herausragende Geräusch- & Klanggestaltung, sachte Steigerung, geschickte Kamera & überzeugende Darsteller — Bienchen für Lily Taylor — sowie eine Menge frischer Ideen lassen diese eigentlich ausgelutsche Formel knackig-firsch erscheinen.
    »Elysium«: Schade, dass Herr Blomkamp das Niveau nicht halten kann, das er mit »District 9« selbst vorgelegt hat. Aber immerhin trumpft Sharlto Copley als energischer Söldner & Judy Forster als skrupellose Präsidentin auf. Zudem immer noch einer der besten SF-Weltenbauten der letzten Jahre & unübersehbar sozialkritisch obendrein.
    »Hänsel & Gretel: Witch Hunters«: Sicherlich der behämmerste Streifen, der es auf diese Liste geschafft hat. Da aber hier Schwachsinn erstaunlich hoch gestapelt wird, gepaart mit haarsträubend planlosen Schauspielern & einer Schwemme lachhafter Gimicks ein kurzweiliges Vergnügen … vorausgesetzt man hat was zu Kiffen oder (wie in meinem Fall) Saufen.
    »How I Live Now«: Frau Ronan seh ich ja immer gern, & wenn schon Bürgerkrieggrauen & Atombombendystopie, dann bitte auch mal einfach aus der Sicht von Jugendlichen auf dem Land, die von den anspringenden Ausnahmezustand-Maßnahmen überrollt werden & ums Zusammenfinden & Überleben kämpfen. Mindestens ein Taschentuch bereithalten.
    »Iron Man 3«: Shane Black hat’s halt druff & deklassiert locker die Vorgänger-Teile. Überraschend, wie bissig so ein Megabudget-Vehikel die jüngere ›War on Terror‹-Zeitgeschichte kommentieren kann. Bienchen für Ben Kingsley der in diesem Film wieder Mal zeigt, wie groß seine Bandbreite ist.
    »I Spit On Your Grave«: Wollte dieses Remake eines stur durchgezogenen Schnetzlers eigentlich nur nebenbei gucken. Die ersten ca. 40 Minuten sind äußerst unangenehm, wenn eine Schriftstellerin ausführlich zuerst belästigt, dann psychisch & schließlich körperlich vergewaltigt wird. Der erbarmungslose Racheparkour mit seinen originell-grausamen Hinrichtungsmethoden entschädigt jedoch voll & hat mich begeistert. Der sadistische Feministen-Sympatisant in mir kam voll auf seine Kosten.
    »Lincoln«: Mit seiner ungehemmt aufdringlichen Absicht, hier ein schultaugliches Geschichtslehrstück abzuliefern nervt Spielberg freilich volle Kanne, aber das mindert nicht das Vegnügen, Herrn Lewis dabei zuzusehen, wie er sich in den beliebtesten Präsi der USA verwandelt.
    »Prisoners«: Die Kamera von Meister Deakins & die ruhige Musik von Jóhannson machen aus diesem beklemmenden Depri-Thriller um eine entführte Tochter etwas ganz Besonders. Bienchen für die Person, die sich am Ende als Bösewicht entpuppt. — Ganz toll & mich fibbern lassend: Regiesseur Denis Villeneuve wird die von mir ins Deutsche übertragene Geschichte »Geschichte Deines Lebens« von Ted Chiang verfilmen!!!
    »Rush«: Ich hasse Autos & noch inniger hasse ich Formel 1. Aber Daniel Brühls Portrait von Niki Lauda ist atemberaubend. Zudem wird eine beherzigenswerte Lektion über fruchtbare & schädliche Arten Rivalitäten zu pflegen geliefert.
    »The Worlds End«: Obwohl dies der schwächste Teil der ›Cornetto‹-Trio ist, wird hier vor dem Hintergrund einer clandestinen Alien-Invasion wieder mal die Geistlosigkeit provinzieller Bürgerlichkeit vorgeführt & zudem die Herausforderung des Erwachsenwerdens sowie Verzweiflung des Klammerns am Jugendlichkeitswahn veranschaulicht. Und Herr Pegg glänzt als ergreifender Tragikomiker.
    »World War Z«: Als Verfilmung der packenden, fiktiven Interview-Collage von Max Brooks freilich Mist, aber wenn man das mal außen vor lässt & den Film für sich nimmt, ein ganz vergnüglicher Zombie-Äktschnkracher, mit unverschämt wimmeligen & quirligen Untoten-Tsunamis. Bienchen für Daniella Kertesz als zähe israelische Soldatin.
GUT SERIE
  • »Elementary«:
  • »Legend of Korra«, Staffel 1 »Air«, Staffel 2 »Spirits«:
  • »Person of Interest«:
  • »Sleepy Hollow«:
  • »Star Trek« (»Next Generation«, »Deep Space Nine«, »Voyager«, »Enterprise«):
  • »Veronica Mars«:
  • »West Wing« und »The Newsroom«:
BESTE/SCHLIMMSTE MOMENTE
  • Twittern macht großen Spaß. Traue mich auch immer mehr auf Englisch zu schreiben.
  • Kaum gebloggt. Molochronik hat darben müssen.
  • Zum ersten Mal via Bildschirmtelefonie mit jemanden über große Strecke kommuniziert (Hi David!). — Würd ich gern öfter machen.
  • Sommerurlaub in Berlin inkl. Übersetzerklause & Grillfest beim Golkonda Verlage.
  • Einen Abend in Berlin angeregt mit einem sehr hellen Zehn(?)-Jährigen über Kosmologie, Wissenschaftstheorie & Mathematik ausgetauscht.
  • Gäste im Herbst. Unter anderem wurde eine Kurzgeschichte geschrieben (wobei mir eine Zeichnung aus dem Ärmel geplumpst ist) & an einem Roman gearbeitet (ich durfte als Ideenabklopf-Gehilfe dienen) .
  • Erschöpfte Verfassung meinerseits & Brüllangriff gegen meine Person führte zu schlaflosen Alptraumtagen & -nächten.
  • PS3-Leseköpfe kaporres. Dann aber Wahnsinninsaktion von hilfreichem Freund, der sich darum kümmerte, dass Ersatz gestellt wird (im Zuge dieses Vorgangs ist mir die zweite Zeichnung des Jahres aus dem Ärmel geplumpst).
  • BuCon in Dreieich. Michael Marrak wiedergetroffen! Spontan für Herrn Mäurer die zwei von Carl Amery herausgegeben G. K. Chesterton-Bände der SF-Klassiker-Reihe des Heyne-Verlages beim anwesenden Antiquariathändler besorgt.
  • Musste Zähne knrischend aus Zeitgründen zurücktreten von dem Projekt, die zweiteilige Bastei-Ausgabe von »Perdido Street Station« für die im März 2014 bei Heyne erscheinende einbändige Neuausgabe abzuklopfen. — Konnte immerhin bescheid geben, dass ›theology‹ auf Deutsch nicht ›Theosophie‹ heißt.
  • TV-Literaturkritiker Denis Scheck empfiehlt den von mir übersetzten Golkonda-Band mit Kurzgeschichten von Ted Chiang (»Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes«) sowohl auf der Buchmesse, als auch in seiner Sendung »Durckfrisch« als eines der besten Bücher des Jahres.

Grenzübergang 2012 / 2013

Es ist wieder soweit: Hier der Jahresrückblick meiner Lese-, Glotz- & Lausch-Glanzlichter.

Gut Buch (Prosa)
Erstmal: Ich werde mich bei dieser Liste auf jene Titel beschränken, denen ich auf meiner 2012-Goodreads-Seite vier oder fünf Sterne gegeben habe (was aber nicht bedeutet, dass die dort von mir mit ›nur‹ drei Sternen bewerteten Sachen lau sind … ich habe seit Jahren nix mehr gelesen, was ich richtig schlecht oder auch nur seicht & langweilig fand, weshalb meine Qualitätsmaßstabe mittlerweile wohl etwas verzerrt sind).

Dann: Muss ich bei der Reichskulturkammer dafür Abbitte leisten 2012 keine deutsche Prosa gelesen zu haben (hab zwar zig Texte im Buchladen oder im Netz angelesen, von denen konnte mich jedoch keiner verführen).

  • »The Mirage« von Matt Ruff: ›IX.IX.‹ und ›War on Terror‹ auf den Kopf gestellt, in einer Alternativwelt, die irgendwann zur Zeit des Ottomanischen Reiches von unserer Realwelt abzweigte. Ruff beweist wieder einmal, dass er einer der besten derzeit schreibenden Weltenbauer ist, wenn er durchspielt, wie es wäre, wenn der arabisch-islamische (angeführt von den UAS = United Arab States) und der euro-nordamerikanisch-christliche Kulturraum (unser Hegemon sind ja die USA) ihre weltgeschichtlichen Rollen tauschen würden. — Großartig, wie die erzählenden Kapitel ergänzt werden durch Einträge der ›Library of Alexandria‹, dem Wiki dieser Alternativwelt. Viel Gelegenheit für Denkanregungen und Popkultur-Witzelein. — Doll fand ich, wie eigentlich immer bei Ruff, die große Bandbreite an Stimmungen und Themen. Da gibts Humor, Thrillerspannng, grandiose Äktionsequenzen, politische Satire, berührende familiäre Geschichten und nicht zuletzt geheimnisvolle Fantasy-Magie.
  • »Angelmaker« von Nick Harkaway: Auch der zweite Roman (nach »The Gone-Away World«) von Nick rockt voll Pulle. Seine Virtuosität der Abschweifung entzückt mich, ebenso die Bandbreite der Stimmungen und Themen seiner ›Existenzialismus-Pulp‹-Romane. Hier müssen sich der nach Ruhe & Normalität sehnende Sohn eines legendären Londoner Gangsters und eine betagte Superspionin samt knorzigen Köter in einem apokalyptischen Plot gegen einen nach Apotheose gierenden Finsterling bewähren. Enthält neben vielem anderen eine wunderbare Verbeugung vor der ›Craftmanship‹-Ethik von John Rushkin; eine der pfiffigsten Sex-Szenen, die ich seit einiger Zeit gelesen habe; sowie Elephanten-Rachengel, U-Boot- & Eisenbahnabenteuer, apokalyptische Uhrwerk-Bienen, und eine wuchtige Hymne, wie geil es ist, mit einer Tommy-Gun alles kurz und klein zu ballern.
  • »Year Zero« von Rob Reid: Als Hörbuch genossen und reichlich geschmunzelt und gelacht. Kommt 2013 mit extrem doofem Cover unter dem Titel »Galaxy Tunes®« als Heyne-Taschenbuch zu uns. Begeistert hat mich, wie es Rob Reid (als ›listen.com‹-Gründer und Internet-Unternehmer hat der Mann einfach Ahnung) gelingt, die Themen Urheber- & Lizenzrecht, also trockenes Juristen-Mumbo-Jumbo, in Form einer satirischen SF-Klamotte durchzuschütteln (nebst vielen trefflichen Späßchen auf Kosten der Popkultur und des Zeitgeschehens). — Für Musikfans die auch Science Fiction mögen eigentlich ein Muss!
  • »Railsea« von China Mieville: Es zeichnet sich der Trend ab, dass Miéville bei seinen Büchern für junge Leser (dessen zweiter »Railsea« nach »Un Lun Don« ist) ungezügelter drauflos-abenteuert und -fabuliert, als bei seinen Stoffen für Erwachsene. Was als staunensreich-verquere Homage auf Melvilles »Moby Dick« anhebt (fanatische Kapitänin einer Jagdtmanschaft stellt mit Eisenbahn im Schienenmeer einem gigantischen fahlem Maulwurf nach) entwickelt sich zu einer wendungsreichen Meditation über die Natur des Erzählens, die Ethik von Besessenheiten und die Rechnungen, die einem für das Verfolgen von Wachsumsideologien präsentiert wird.
  • »Alif the Unseen« von G. Willow Wilson: Lange <a href="molochronik.antville.org" target=_blank">Rezension gibt’s hier — Kurzfassung: Gelungene & durch Engagement glänzende Mischung aus ›Urban Fantasy‹, hAcktivim-Thriller, Bürgerrechts-Panorama und Liebesgeschichte. Wenn dieser Roman nicht fluggs von einem deutschen Verlag aufgegriffen wird, ist das ein gleissendes Zeichen dafür, dass die Programmgestalter dort einfach null Ahnung haben.
  • Desweiteren kann ich als lesenswert empfehlen (bzw. dazu raten, nach den event. noch erscheindenden deutschen Übersetzungen Ausschau zu halten):
    »The Folly of the World« von Jesse Bullington: Nach »The Sad Tale of the Brothers Grossbart« und »The Enterprise of Death« der dritte Roman von Bullington. Ein schwules Verbrächerpärchen – ein ab & zu halluzinierender Schlagmichtot und ein skrupellose Pläne schmiedender Edelmann-Bastard – machen sich mit einem halbwilden Meisterschwimmer-Mädel auf, sich fette Beute zu ergaunern. Bullington traut sich Finten und Wendungen auszuführen, wie nur wenige. Im Mittelteil etwas planlos, aber als Ganzes sehr stimmungsvoll, sprachlich von großer Wucht (wo’s derb ist) und Schönheit (wo’s z.B. um das Setting geht, die überschwemmten Niederlande des 15. Jahrhunderts).
    »Soulless« von Gail Carringer: Einer meiner Ausflüge in das für mich sehr wundersame Genre der ›Vaginal Fantasy‹ (gepriesen sei Felicia Day für diesen nützlichen Genre-Begriff) und ich bin entzückt. Die Krimihandlung um Vampire, Werwölfe und ihre Gegener im viktorianischen England ist eher Stangenware und reichlich vorhersehbar, aber die stets für humorvolle Griffe bereite Sprache, sowie die stellenweise exzessiven Flirt- & Knutsch-Einlagen zwischen Heldin Alexia und Werwolfrudelführer Lord Maccon sind allererste Kajüte. — Muss unbedingt rumgranteln, dass die deutschte Übersetzung der Titel einfach nur furchtbar ist (ich muss dass hier einfach auflisten. Die englischen Titel der 5 Romane der ›Parasol Protectorate‹-Reihe heissen: 1. »Soulless«; 2. »Changeless«; 3. »Blameless«; 4. »Heartless«; 5. »Timeless«. Und daraus wurde auf Deutsch: 1. »Glühende Dunkelheit«; 2. »Brennende Finsternis«; 3. »Entflammte Nacht«; 4. »Feurige Schatten«; 5. »Sengendes Licht«) und dass die deutschen Coverbilder auch nicht sooo der Hit sind. — Ach ja: Dank an Ju für den Tipp!
    ›Acacia‹-Trilogy von David Anthony Durham (1. »The War With The Mein«; 2. »The Other Lands«; 3. »The Sacred Band«): Große Polit-Fabel auf Sklaverei, Rohstoffabhägigkeit, die Fragwürdigkeit ›gerechter Kriege‹, Völkerverständigung, Machterhalt und Bevölkerungsunterwerfung und nicht zuletzt darüber, die wie Kommerzfürsten alle gegeneinander ausspielen und bescheissen. Hätte durchaus noch einen Lektoratdurchgang vertragen können, denn teilweise is datt Janze ein bisschen sentimental, und mir sind in der englischen Originalfassung einige ungeschickte Wortwiederholungen aufgefallen. Dennoch: tolle, ›fast klassische‹ Fantasywelt, die den Mumm zeigt, so mancher Routine vors Schienbein zu treten und mit vielen Details gewohnte Klischees geistreich umzukrempeln (vor allem was Geschlechterrollen, Rassen & Kulturen betrifft). Dadurch z.B. einige sehr interessante weibliche Hauptfiguren. Mit Magie und Zauberwesen geht’s erst ab Band zwei so richtig los, dann aber mit Wumms (wo gekämpft wird) & allerliebst (wenn z.B. wunderschöne Vogelechsen-Drachen gezähmt werden und die dann auch noch Eier legen). — Nochmal »Mercie!« an Gero für seine Empfehlung auf dem Dreieich-Con 2012!
    »John Saturnall’s Feast« und »The Pope’s Rhinocerous« von Lawrence Norfolk: Hier geht es zur ausführlichen Rezension von »Ein Rhinozeros für den Papst«. Dauerte ›nur‹ ca. 16 Jahre gedauert, mich durch dieses reichlich vertrackt geschriebene Renaissance-Abenteuer zu kämpfen, hat sich aber dicke gelohnt. — »Das Festmahl des John Saturnall« ist der bisher zugänglichste Roman von Norfolk, auch weil er sich immer wieder eines etwas märchenhaften Duktus bedient (und die Stimmung hat mich streckenweise entfernt an Mervyn Peakes »Gormenghast« erinnert), bzw. Fantasy-Flair aufkommen lässt. Mit den Wirren der Cromwell-Zeit als Hintergrund wird der Aufstieg des Sohns einer Kräuterfrau/Hexe zum angesehensten Koch seiner Ära geschildert. Sehr gefallen hat mir die Behandlung von protestatischem Glaubens-Eifer und der Überlieferung von (römischer) Geschichte in Form von Legenden, bzw. wie sich Biblisches und Heidnisches in Legenden mixen zu neuen Rezepten können. Zudem ein feines Stück über Arbeit, in diesem Fall vor allem natürlich der, die in der Küche anfällt. Und die Liebesgeschichte geht auch ans Herz.
    ›Millenium‹-Trilogy von Stieg Larsson (1. »The Girl With The Dragon Tattoo«; 2. »The Girl Who Played With Fire«; 3. »The Girl Who Kicked The Hornet’s Nest«): Wenn das Ex- & Hopp-Mainstream-Unterhaltungsliteratur ist, dann gerne her damit, bzw, dann kann’s um den Geschmack ›der gemeinen Massen‹ sooo schlimm nicht bestellt sein. Selten hab ich dicke Dinger derart flott weggefräst. Nicht nur, dass Larsson mit Lisbet Salander eine atemberaubende soziopathisch angehauchte, ›Opfer schlägt zurück‹-AntiHeldin geschaffen hat, mir taugen auch seine Themen und seine Politik (AntiFa, AntiSexismus, Anti-Frauenhandel, Kritik an Selbstermächtigung von Geheimdiensten usw.).
    ›Raylan Givens‹-Geschichten von Elmore Leonard (Romane: »Pronto«, »Riding The Rap«; Kurzgeschichte: »Fire In The Hole«): Die TV-Serie »Justified« hat mich überzeugt, und da habe ich mir die Vorlagen besorgt. Leonards sparsame aber hocheffektvolle Prosa ist respektgebietend (Genial simpler Rat für alle Autoren, und ich fände es spannend, wenn sich mehr Fantasy-Schöpfer davon anregen ließen: »Lass die Stellen weg, welche von Lesern übersprungen werden«). Und schön zu sehen, wie fein sich Western-Athmo in die heutige Welt übertragen lässt. Bleibt zu beklagen, wie kümmerlich die Auswahl deutscher Leonard-Ausghaben ist, aber immerhin scheint sich nun Suhrkamp kümmern zu wollen (dort erschient 2013 der dritte Raylan-Roman, der einfach nur »Raylan« heißt, den ich auch noch nicht kenne).
    »Dog Of the South« von Charles Portis: Hingerissen von »True Gritt« habe ich mir alle anderen vier Romane von Portis besorgt. Dieser hier ist ein schräges ›Road Movie‹. Selten fand ich es so spannend, wenn geschildert wird, wie nix passiert, denn selbst dann weiß dieser Roman mit einer eigenartigen Mischung aus trockenem Humor, cooler Exzentrik, Melancholie und schierem Aberwitz zu überzeugen.
    »The Coldest War« von Ian Tregilis: Vielleicht noch besser als »Bitter Seeds«, der erste Band der ›Milkweed‹-Trio. Der zweite Weltkrieg ist vorbei, nun geht’s in die frühen Jahre des Kalten Krieges mit englischen Blutdämonen-Beschwörern gegen sowietische Götterelektron-Übermenschen. Hut ab vor einer beeindruckenden Orakel-Antagonistin, bzw. zwielichtigen Helferin auf der Seite der Guten, die aber leider so irre & unberechenbar ist, dass weder Leser noch Romanfiguren sich sicher sein können mit ihr. Viel Tragik, die Äktschn ist packend inszeniert. Erfreulich reif und berührend für diese Art grimmer Genre-Garn. Ich freu mich sehr auf den Abschlussband »Necessery Evil« 2013.
    »The Half-Made World« von Felix Gilman: Der Wilden Westen ist m.E. eine vorzügliche Fundgrube für Fantasywelten und Gilman formt aus zwei der kräftigsten Symbole der Epoche/des Genres die tragenden Säulen seines Weltenbaus. Es stehen sich gegenüber: die Heerscharen an Beamten & Soldaten von ›the Line‹ (dämonischen Eisenbahnmaschinen; verbreiten Industrie, Ordnung, Ausbeutung, Pharmazie; süchtig nach Treibstoff) und die Draufgänger-Banditen von ›the Gun‹ (über den Raum hinweg in Feuer-Beschwörungen konferierende Dämonen, die in Pistolen hausen und deren Träger Superkräfte verleihen; allesamt ziemlich anachrische und bluthungrige Knilche und Knilchinnen). Zwischen den Fronten haben einst die Leute von der Red Valley Republic versucht, einen dritten Weg zu finden, wurden aber aufgerieben. — Freut mich zu sehen, dass es mittlerweile einen weiteren Roman von Gilman gibt (»The Rise of Ransom City«), der in dieser Welt angesiedelt ist, und dass dieser anscheinend ähnlich wie bei Miévilles ›Bas-Lag‹-Büchern sowohl als Fortsetzung als auch als Einzelroman funktioniert.

Gut Buch (Sach)

  • »Der Implex« von Dietmar Dath & Barbara Kirchner: Richtig dick, famose Herausforderung. Bin sicherlich ein gutes Stück zu dumm, bzw. zu ungebildet, was einige der Geistesgrößen betrifft, über die im Buch desöfteren referiert wird. Dennoch doll, vor allem dank reichlicher Beachtung der Phantastik als wichtige Sache für den sozialen Fortschrift.
  • »Combined & Uneven Apocalypse: Luciferian Marxism« von Evan Calder Williams: Anhand von Filmen und anderen populären Medienwerken seit den 60ern/70ern bis heute untersucht der Autor, welche Erkenntnisse/Offenbarungen diese bieten bzgl. des Untergangs des Kapitalismus, sowie was danach kommt. Besonderes Augenmerk gilt dem sogenannten ›Salvagepunk‹ (mehr dazu hier unter Punkt 5), dem modernen Zombie-Mythos, sowie ruinöser Stadtlandschaften der dystopisch-apokalyptischen Science Fiction. Kurz: ein richtig knuffiges Gute Laune-Buch für stoisch-misantrophische Optimisten wie mich.

Gut Comic

  • »Dragonball« von Akira Toriyama: Bin ich froh, dass mein neuer junger Brotjobkollege M. W. mir mehrmals in höchsten Tönen dieses 8000-Seiten-Manga empfohlen hat, bis ich zustimmte, er solle mir ruhig mal die ersten 5 (von 42) Bänden mitbringen, damit ich reinlesen kann. In vielerlei Hinsicht vielleicht die irrste, aufregenste, spassigste, süchtigmachenste & äktschnreichste Lektüre seit ich weiß nicht wann für mich. Zwar gibt es eine längere Strecke, die ein klein wenig eintönig ist, aber die Eintönigkeit besteht aus langen immer krasseren Mega-Kampf-Szenen die sich über mehrere hundert Seiten erstrecken ... also eigentlich kein schwerwiegender Minuspunkt. Ganz großartig immer die Slapstick-Humor-Einlagen; grandios die ausführlichen Kampfkunst-Tuniere; vom Stuhl gefallen bin ich über die ungezügelt niedlichen sexistischen Witzelein vor allem in den frühen Bänden (»Ich wünsche mir: eine Mädchenunterhose!«). Wahrlich: »Dragonball« ist ein fetziger Klassiker, und ich freue mich schon darauf, ihn ein zweites Mal wegzuschlürfen.
  • »Die Besten Feinde« (Teil 1: 1783 bis 1953) von Jean-Pierre Filiu (Text) & David B. (Zeichnung): Diese Franzosen! Machen eine Sach-Graphic Novel in schwarz-weiß über die außenpolitischen Macheleukes der USA im Orient, reichern das ganze mit babylonischen Mythen an und veranschaulichen die diplomatisch-militären Knäul anhand surrealer Bildkompositionen. Da bleibt mir nur, mich auf Band 2 zu freuen.
  • »DMZ« von Brian Wood (Autor) & diversen Künstlern: Hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Matt Ruffs »The Mirage«, insofern, als dass auch hier ein Alternativweltenbau geschildert wird, in dem die zeitgenössischen USA in einen neuen Bürgerkrieg gestürtzt sind und in dem New York als von Krisennarben & Kriegsgreul gebeutelte entmilitarisierte Zone portraitiert wird. Meisterhaft fand ich, wie Wood und sein Team zuerst Fronten und Parteien gegeneinander aufzustellen, um dann immer mehr die Grenzen zwischen Gut und Böse mit viel moralischen und tragischen Grau-Grau zu verschmieren.
  • »Shenzhen« und »Pyongyang« von Guy Delisle: Eine Empfehlung von Andrea, für die ich sehr dankbar bin. Vordergründig eine Sammlung simpler autobiographischer Skizzen eines Franzosen, der zwecks seines Jobs für ein Animationsstudio in der Fremde die billigen Produktionskräfte beaufsichtigt. Mit großem Beobachtungs- & Erzähl-Können, kraftvollen einfach gehaltenen Zeichnung beschenkten die Bände mich mit einem Potpourrie kleiner Alltagsfreuen- & Absurditäten, menschlich anrührenden Momenten ... kurz: eine effektvolle Mischung aus Humor, Melancholie und Posie.

Gut Mukke

  • »Theatre Is Evil« von Amanda Palmer: Endlich wieder ein Album von Frau Palmer auf der Höhe ihres Meisterwerkes »Who Killed Amanda Palmer?«. Kantik, pompös, melodiös, theatralisch, rau, melancholisch. Lieblingssongs: »The Killing Type« und »Want It Back«.
  • »Lightning On The String, Thunder On The Mic« und »Rappalachia«von Gangstagrass: Noch eine Anregung durch die TV-Serie »Justified«, für die Gangstagrass die Titelmusik geliefert hat. Warum hat es so lange gedauert, bis jemand auf die Idee kam Rap und Country/Bluegrass miteinander zu verkuppeln. Lieblingssong: »Big Branch« feat. Tomasia.
  • »Who Is Feeling Young Now?« von Punch Brothers: Was für die Veredelung der heimischen Volks- & Tanzbodnmusik die Biermösl Blosn ist, das leisten die Punch Brothers bezüglich des reichen Deltas, in dem Country, Folk, Bluegrass, Polka, Rock und was nicht noch alles münden. Lieblingssong: die Ballade <a href="www.youtube.com" target=_blank">»Clara« und das überfetzige Instrumentalstück »Flippen«.
  • Ebenfalls großartig fand ich den »Assassins Creed III«-Spiele-Soundtrack von Lorne Balfe (stimmungsvoller Orchestral-Bombast aus der Hans Zimmer-Schule), sowie die Filmmusik zu »The Girl With the Dragon Tattoo« von Trent Reznor & Atticus Ross (experimenteller & sperriger als der im letzten Grenzübergang empfohlene Soundtrack zu »The Social Network«, aber ideal für kalte Tage).

Gut Film/Serie
Kinners, war das ein reichhaltiges Phantastik-Filmjahr! Vielleicht wird man einmal auf 2012 zurückblicken wie auf das ›Annus mirabilis‹ 1982. Ich führe die Filme hier ungefähr in der Folge auf, in der ich sie gesehen habe, bis auf den ersten, denn …

  • »The Cabin in the Woods« ist mein Lieblingsstreifen des Jahres. Locker, spritzig, stimmungsvoll, mit so dollen doppelbödigen Grundgerüst, dass man noch nicht mal die ersten 5 Minuten erzählen kann, ohne jenen, die nicht Bescheid wissen, den Spaß gehörig zu versemmeln. Selbst wenn der Film luschig wäre, enthält er eine der überwältigsten Großgemetzel-Szenen der mir bekannten Filmgeschichte (ich sag nur: alle Türen gehen auf).
  • »The Girl With The Dragon Tattoo«, die David Fincher-Fassung. Ich finde schon die schwedische TV-Version sehr fein, aber Finchers exzellente Ausführung setzt nochmal einen drauf. Zudem muss ich zugeben, dass mir Maras komplexere Lisbet-Darstellung einen Tacken mehr taugt, als Rapaces herbere Interpretation der Figur.
  • »War Horse«: Wie schieb ich letztes Jahr anhand von »Tim & Struppi«? Spielberg hat’s noch immer druff! Natürlich ist »War Horse« derart gnadenlos rührselig (auf eine allerdings knuffig-altmodische Weise), dass alles zu spät ist, was mir aber den ungewöhnlichen Reiz dieses ›Erster Weltkrieg aus Sicht eines Pferdes‹-Films nicht versauen kann.
  • »Downton Abbey« Staffeln 1-3: Nachdem mehrere Mädels mich immer wieder darauf hinwiesen, wie großartig diese Adels- & Dienstboten-Saga ist, habe auch ich sie endlich entdeckt. Schon ungeheuerlich, wie weit sich Autor Julian Fellows traut zu gehen, um dramatische Höhepunkte rauszukitzeln. Wenn hier gestorben wird, räumt einen das richtig heftig weg. Da bleibt kein Auge trocken. Hier geht es zu einem exzellenten Lob auf die Serie von Andrea Diener für die F.A.Z.
  • »Mad Men« Staffeln 1-5: Ja gugge mal da! Die Amis können also auch subtil, ruhig & auf leise humorige Weise kritisch mit ihren eigenen goldenen Zeitaltern & Milieus sein. Für mich das beste an der Serie: die gnadenlose Autopsie der affigen Selbstverherrlichung von Männchen, sowie das Ringen der Frauen im Egotrip-Grabenkrieg der Werbeagentur und deren Umfeld.
  • »The Avengers«: Marvel-Comics sind mir ziemlich Wurscht, und die verschiedenen in diesem Film mündenden Vorläuferfilme über die einzelnen Helden fand ich zwar kurzweilig von ›ganz nett‹ (»Thor«, »Iron Man 2«) bis ›erstaunlich okey‹ (»Hulk« mit Edward Norton, »Iron Man 1« & »Captain America«), aber nicht sooo umwerfend wie manch anderer Superhelden-Sympathisant. Auch wenn »The Avengers« nicht vollkommen perfekt ist, macht er viel mehr richtig als falsch, und schafft es ergo locker, meinen fast schon verkümmerten Glauben an das große Popcorn-Sommerblockbusterspektakel wieder zu beleben.
  • »Skyfall«: Hier geht zu meiner ausführlichen Rezension zu diesem ›Bond goes Potter‹-Film.
  • »The Hobbit: An Unexpected Journey«: Ist es hochproblematisch aus dem schmalen Kinderbuch unter Anzapfung von Zeugs aus »Silmarillion«, »Unfinished Tales« & »History of Middle-earth« eine dreiteilige Filmflotte zu machen? Geschenkt. Ich finde, die Angleichung der ursprünglich unbedarfteren, kindlicheren »Hobbit«-Geschichte an den schicksalsgeschwängerten, düster-epischer Ton von »Der Herr der Ringe« ist überwiegend gut gelungen. Nach zweimaligen Begutachten im Kino bin ich sogar der Meinung, dass dieser erste »Hobbit«-Film besser ist, als die erste »LOTR«-Kinoversion vor 10 Jahren.
  • »Dredd 3D«: Endlich haben wir einen Film-Judge Dredd, der dem englischen Comic-Klassiker gerecht wird. So ehrlich und geradeaus, wie ein Tritt in die Fresse. Schön zu sehen, dass es noch möglich ist, gut gemachten Brutalo-Krawumms mit Niveau serviert zu bekommen.
  • »Coupled«, BBC-Serie: Empfehlenswert für alle, denen »Friends« zu zahm & süßlich ist. Vor allem die später durch »Leverage« international bekannter gewordene Gina Bellman brilliert als durchgeknallte Narzissa-Nudel.
  • »American Horror Story«, Staffel 1: Großer Dank an Markus Pogopuschel für diesen Tipp! Statt eines ersehnten freidvollen Neuanfangs nach Umzug von Ost- an Westküste, gibts für eine dreiköpfige Familie verschachtelten Gespensterhorror und reichlich spinnerte Nachbarn. Ganz groß, wie mit einem Minimum am Blut und Gewalt ganz viel Gänsehaut verursacht wird.
  • »Brows Held High: ›Melancholia‹«: Ja wirklich, diese zweiteilige Video-Besprechung über Lars van Triers Film finde ich so gut, dass ich sie zu den besten Filmen des Jahres zähle. Immerhin: Kyle Kallgren gelingt es angemessen ernst und gehaltvoll über das Tabu-Thema des Filmes (Depression) zu sprechen und dennoch gekonnt mit dem nötigen, weil schmackhaft machenden Humor, aufzuwarten. Also, Cinephile, überzeugt Euch: Hier geht’s zu Teil eins und hier zu Teil zwei.
  • Kurze Erwähnungen haben auch verdient (ohne besondere Reihenfolge):
    »Cloud Atlas«: Bei soviel Ambition knickt natürlich so manches als albern und naiv vorn & hint runter. Trotzdem eine beeindruckende Leistung und ein großer Guck-Spaß.
    »Prometheus«: Die beste herbe Enttäuschung. Doofes Drehbuch, aber sehr schöne Bilder und brauchbare Stimmung. Die Kommentartonspuren von Regie & Drehbuch-Leuz auf der Blue Ray geben erhellende Einblicke in die Werdegänge beknackter Entscheidungen. Herr Scott, beim nächsten großen Genre-Flick bitte genauso viel Sorgfalt, Sensibiliät und Hirnschmalz ins Drehbuch investieren wie ins Design, versprochen? Dann klapps auch mit der Fan-Base.
    »Looper«: Science Fiction ist ein wunderbares Vehikel um dem nichts ahnenden Spektakel-Publikum unbequeme moralische Botschaften reinzuwürgen. Bravo!
    »Chronicle«: Siehe »Looper«, plus ich wähne hier nicht wenig Verbeugung vor einem meiner Lieblings-Klassiker der Supermutanten-SF (»Akira«). Zudem ein überzeugendes Beispiel, dass sich aus Wackelkamera & Found Footage durchaus Brauchbares machen lässt.
    »Juno«: Lustig, knuffig, schräg. Hach ... Ellen Page ist einfach unvergleichlich.
    »The Hunger Games« (Teil 1): Große Überraschung für mich, denn ich dachte eingangs, dass »The Hunger Games« auch nur so’n Young Adult/Mädchen-Schmu ist, wie die »Twillight«-Filmchen oder lahme Enten wie »I Am Number Four«, aber ich bin gebafft, wie gut diese erstaunlich harte Geschichte umgesetzt wurde. Gebt mir jederzeit medien- und sozialkritische Dystopie-Science Fiction in der sich Kiddies zur Bespaßung bzw. Einschüchterung der Massen gegenseitig abmurksen. Hab mittlerweile innerhalb von zwei Tagen auch das erste Buch von Suzanne Collins verschlungen und für vorzüglich befunden.
    »A Wyrd Documentary: Lovecraft – Fear of the Unkown«: Lebende Genre-Größen & Kenner wie Guillermo del Toro, Neil Gaiman, John Carpenter, Peter Straub, Caitlin R. Kiernan, Ramsey Campbell, Stuart Gordon, S. T. Joshi, Robert M. Price und Andrew Migliore plaudern über den Papst der Weird Fiction, des Horrors & der Dark Fantasy, unterlegt mit viel Bildmaterial der edelsten Lovecraft-Illustratoren.

Beste / Schlimmste Momente

  • Seit April 2008, angeschafft zum Erscheinen von »GTA IV«, habe ich eine PS3, und bis vor kurzem spielte ich auf einem furznormalen Monitor, also mit Popelauflösung. Schimpft mich einen matten kleinen daddel-geilen Materialisten, aber ich freue mich narrisch über einen HDMI-fährigen PC-Monitor, der mir für umme überlassen wurde.
  • Zweimal Golkonda-Freude: a) Der von mir übersetzte Band mit Kurzgeschichten von Ted Chiang, »Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes«, hat zwar nicht sooo viele, dafür aber ausnahmslos wohlwollende, ja sogar begeisterte Rezensionen für sich verbuchen können, und wurde in Foren von SF-Fan- und SF-Netzwerk von einigen Lesern als ein Lieblingsbuch des Jahres erwähnt. — b) Die erste Hellboy-Anthologie aus dem Jahre 1999, »Odd Jobs«, ist endlich auf Deutsch unter dem Titel »Die Rache der Medusa« erschienen, und als Hellboy-Fan war es für mich freilich Übertop, dass ich die hälfte der Übersetzungsarbeit übernehmen durfte.
  • Bruder Hein grient: Aufsichts-Kollegin ist auf dem Weg zum Arzt auf der Straße tot umgefallen.
  • Frust: Zusagen werden nicht eingehalten. Da macht Loyalität nicht so viel Spaß.
  • Scham: Um Gefallen gebeten, der sich zu krasser Zumutung entwickelte.

Videoblog Premiere: Molos iPad-Comic Apps

Irgendwann will ich richtig anfangen mit Videobloggerei. Hier derweil als erster Versuch eine Übersicht zu den drei Apps, mit denen ich auf dem iPad bisher teste Comics zu lesen.

Hier die wichtigsten Pros und Contras zum Lesen:

a) Amazon Kindle:

PLUS:
• Bequeme Zahlungsmöglichkeit (z.B. Gutscheinkarten, ich habe aber Kontoverbindungen bei Amazon angegeben);
• Problemloser schneller Download;
• Cloud-Hinterlegung gekaufter Titel (falls man Betriebssystem und/oder App neu installieren muss ist nicht alles weg);
• Gute Sortierung und Suchmöglichkeit im Amazon-Katalog;
• Beste Auswahl, unter anderem seit kurzer Zeit auch die DC & Vertigo-Titel, die vor einem halben Jahr noch exklusiv nur für Kindle Fire zu haben waren. Bisher »Watchmen« und »V for Vendetta« besorgt. Der Preis (ca. 10 €) ist an sich okey, aber …

MINUS:
• Nur Hochformat;
• Keine Lesezeichenmöglichkeit;
• Keine Gitteransicht des ganzen Comics;
• Die ›Panel View‹ (= Betrachten im Einzelbildmodus) ist mau. Die Kästchen werden auch auf dem iPad in etwa im Format eines iPhones oder iPod Touch angezeigt. Teilweise auch fehlerhafte Panel-Definition. Kein Zoom.

b) Apple iBooks:

PLUS:
• Bequeme Zahlungsmöglichkeit (Gutscheinkarte);
• Problemloser Download;
• Cloud-Hinterlegung;
• Gitteransicht des ganzen Comics (geile Sache);
• Lesezeichen sind möglich;
• Hoch- und Querformat möglich;
• keine ›Panel View‹ aber großartiger Zoom (da macht »From Hell« richtig Laune, auch wenn die Bedienung ein klein wenig umständlich ist. Ist übrigens mit ca. 5 € ein echt heißes Schnäppchen im iBook-Shop!).

MINUS:
• Angebot im Shop ist ziemlich mau und browsen im Shop ist mehr als verwirrend;
• Nähere Betrachtung (zoomen und herumschieben) verlangt etwas Fingerfertigkeit und Gewöhnung.

c) ComiXology-App (z.B. für DC und Vertigo-Comics):

PLUS:
• Problemloser Download;
• Prächtige Katalogaufbereitung;
• Tolle Titel, teilweise kostenlose Nummern zum Anlesen oder Kostproben-Zusammenstellungen;
• Beste ›Panel View‹, die hier ›Guided View‹ heißt (animierter Übergang und sehr gute Blickführung) in Hoch- und Querformat;
• Gitteransicht des ganzen Comics.

MINUS:
• Teuerster Shop (Einzelheft ca. 2 €; keine Sammelbände!);
Zahlungsmöglichkeit nur mit Visa, Mastercard, American Axpress und Discovery. Kommt damit für mich nicht in Frage.Korrektur: Aufgrund eines Kommentars bei Youtube nochmal getestet. Vom iPad aus konnte ich mit Apple-ID-Guthaben im Vertigo-Comixology-App nun ein Heft kaufen. Comixology zieht sich bei Mac/OS-Nutzern die Default-Angaben für Bezahlungen. Mit iTunes oder App-Store-Guthabenkarte kann man nur bezahlen, wenn man in der Apple-ID keine Kontoverbindungen oder sonstige Zahlungsdaten eingegeben hat.
Korrektur 2: Seit ComiXology von Amazon übernommen wurde, gibt es keine Möglichkeit mehr, über Apple-Guthaben In-App-Käufe zu tätigen.

Grenzübergang 2011 / 2012

Eintrag No. 758 — Die Blogtradition gebietet als Anlass für ein schwer notwendiges Lebenszeichen einen Rückblick auf die guten Sachen des vergangenen Jahres.

Gut Buch (Prosa)

  • »True Grit« von Charles Portis. Seit langer Zeit ein Roman, an dem ich keinerlei Makel feststellen konnte (denn mir fallen eigentlich immer irgendwelche Kleinigkeiten auf, an denen man noch hätte fizzeln können). Habe mir gleich darauf die anderen vier Bücher von Portis besorgt und bin bisher von »Dog of the South« ebenfalls ziemlich angetan. — (Und natürlich finde ich die Neuinterpretation als Film von den Coen-Brüdern viel besser als die alte Erstverfilmung mit John Wayne … auch wenn ein John Wayne-Film immer den entzückenden Charme eines John Wayne-Filmes hat.)
  • »Deadwood« von Pete Dexter. Ziemlich sicher, dass dieses dreckige, harte, tragische, melancholische und bisweilen abstrus- und/oder brutal komische Wild West-Panorama eine wichtige Inspiration für die gleichnamige HBO-Serie gewesen ist, auch wenn das nirgends offiziell eingestanden wird. — (Wenn ich jemals einen Fantasy-Roman schreiben wollte, wäre dieser Roman ein gutes Vorbild für die Struktur und Erzählhaltung, an der ich mich zu orientieren versuchen würde.)
  • »Embassytown« von China Miéville. Der erste richtige SF-Roman von Miéville bietet erstaunliche Spekulationen über eine Gesellschaft ohne sprachliche Symbole, die Macht von Metaphern und ist zudem eine eindringliche Auseinandersetzung mit Suchtproblemen und Kolonialismus.
  • »Reamde« von Neal Stephenson. Habe diesen über 1000-Seiten dicken Wälzer in wenigen Tagen verschlungen. Gelungene Äktschn mit Geheimagenten, Terroristen, Onlinerollenspielern und Geiseln, oben drauf geschmückt mit erhellenden Schmunzelkirschen zum Thema Mainstream-Fantasy.
  • Die ›Bigend‹-Trio von William Gibson, bestehend aus »Pattern Recognition« (›Finden Sie raus, wer diese viralen kleinen Kult-Filmschnippsel ins Internet stellt‹), »Spook Country« (›Auf den Weltmeeren ist ein geheimnisvoller Container unterwegs. Finden Sie heraus was drin ist‹) und »Zero History« (›Finden Sie raus, wer die Klamotten für die Underground-Modemarke Gabriel Hounds entwirft‹), etwas kühl und trocken, was mich aber nicht stört, denn Gibson flicht immer wieder auch geradezu poetische Stellen ein. Genial finde ich seinen thematischen Ansatz, die moderne Welt der sich auflösenden Staaten, der allgegenwärtigen Informationsgesellschaft, der Post-IX.XI.-Befindlichkeit anhand des Spannungsfeldes zwischen (bzw. der Gemeinsamkeiten von) Geheimdiensten und Marketing abzuklopfen. — Mein Liebling ist übrigens Buch 1, »Pattern Recognition«, nicht zuletzt, weil ich die weibliche Hauptfigur ins Herz geschlossen habe.
  • »Cyclonopedia. Complicity With Anononymous Materials« von Reza Negarestani. Eine verwirrend, verstörend betörende Hatz durch einschüchternd komplexe Themenstrudel veranstaltet dieses Theorie-Fiktionswerk. Ein Muss für jeden, der gerne eine wilde, gelungen relevante Mischung aus Cthulhu-Mythos, Geologie, orientalischer Dämonologie, kritischer Theologie und Petropolitik inkl. ›War on Terror‹ erleben möchte. — Auch wenn ich wahrscheinlich nur ca. 50% dieses Buches verstanden habe, bin ich beeindruckt. (Und falls dieses eigenwillige Meisterwerk jemals ins Deutsche übersetzt werden sollte, habe ich jetzt schon Mitleid und Respekt für wer auch immer das bewerkstelligen soll.)
  • Desweiteren möchte ich kurz als empfehlens- weil lesenswert erwähnen:
    — die mit seltsam-heftiger Selbstbezüglichkeitsschleife versehene Zeitreisenovelle »How To Life Safely In a Science-Fictional Universe« von Charles Yu;
    — das nekromatische Katz(Meister)- & Maus(Adeptin)-Duell im Renaissance-Europa in »The Enterprise of Death« von Jesse Bullington;
    — den Biopunk-Thriller und Bürgerkriegskrisen-Bericht »The Windup Girl« von Paolo Bacigalupi;
    — das kampfreichen Völkerwanderungs-Fantasyabenteuer und Auftakt der ›Foreworld‹-Reihe »The Mongoliad« von Greg Bear, Neal Stephenson & Friends;
    — Berliner Stadtjungs erleben Abenteuer in den frühen Siebzigern: »Bloß Weg Hier!« von Frank Böhmert;
    — gute SF-Kurzgeschichten, gut geschrieben, gut übersetzt: »Wir waren ausser uns vor Glück« von David Marusek;
    — Fantasy-Kurzgeschichten der etwas anderen Art (gelungener Slalom zwischen zart und unheimlich): »Das Flüstern zwischen den Zweigen« von Markholf Hoffman.

Gut Buch (Sach)

  • »Blödmaschinen« von Markus Metz und Georg Seeßlen. Auch wenn die gewaltige Erkenntnislawine des Buches einen gewissen Deprifaktor mit sich führt, berauscht der Materialreichtum dieses gewitzten Dialektikrundumschlags. Phantastikfreunde dürfen sich zudem über gelungene Horror- und SF-Metaphern freuen.
  • »9. 11. Zehn Jahre danach. Der Einsturz eines Lügengebäudes« von Matthias Bröckers und Christian C. Walther. Weils ohne große Polemik die vielen empörenden Löcher der größten Ungereimtheit des jungen Jahrhunderts aufführt.
  • »The Magic of Reality« von Richard Dawkins und Dave McKean. Ein lehrreiches Jugendbuch – Dawkins, wie so oft, knuffig onkel-lehrerhaft – und Dank der atemberaubend schönen Gestaltung von McKean ein gigantischer Augenschmauß.
  • »Codex Seraphinianus« von Luigi Serafini. Schon Anfang der 80-ger erschienen, hat es nun endlich in meine Sammlung geschafft. Eine Bilderbuch-Enzyklopädie aus einer seltsamen anderen Welt. Gnadenlos undurchschaubar. Megapotente Verzauberungskraft. Ergiebige Traumreiseninspiration.

Gut Comic

  • »Nausicaä aus dem Tal der Winde« von Hayao Miazaki. Der Film ist, wie auch bei »Akira«, ein Spielfilmtrailer für das um einiges umfangreichere Manga-Epos. Dystopische Öko-SF-Fantasy vom Feinsten.
  • »The Hunting of the Snark« von Lewis Carroll und Mahendra Singh. Carrolls Werk ist einer meiner liebsten Klassiker und Singh hat daraus einen munteren Reigen der surrealen Kunst gemacht.
  • »Habibi« von Craig Thompson. Tragische Geschichte als Verneigung vor dem Zauber von 1001 Nacht, Ballade über den nahen Osten und Meditation über die Macht des Geschichtenerzählens.
  • »Gotham Central« von Ed Brubaker & Greg Rucka und diversen Künstlern, am besten ist der Stammzeichner dieser leider viel zu früh eingestellten Reihe: Michael Lark. Ganz feine Idee, dass nicht der dunkle Ritter und seine diversen Erzfeinde im Mittelpunkt stehen, sondern die Kommissare der Polizei von Gothams erstem Revier.

Gut Mukke

  • »The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford« (Soundtrack) von Nick Cave und Warren Ellis. Langsam, ruhig, melancholisch, perfekt.
  • »L. A. Noire« (Soundtrack) von Andrew & Simon Hale sowie Songs im Stil der 40er-Jahre eingespielt von The Real Tuesday Weld mit Claudia Brücken. Treffliche Krimistimmung.
  • »Batman: Arkham City« (Soundtrack) von Nick Arundel und Ron Fish. Gelungene Mischung der Batman-typischen Mukke von Elfman und Zimmer.
  • »Where Are The Arms« von Gabriel Kahane. Auch das zweite Album von Kahane bietet ausgetüfftelte Instrumentoerungen, wendungsreiche Melodien und geistreiche Lyrik.

Gut Film

  • »Scott Pilgrim Vs. The World«: Großartige flotte Romanze mit Game-Stilistik, und eine erstaunlich treue Umsetzung des ebenfalls lohnenden Comics.
  • »Super«: Endlich ein Film, der krass, gnadenlos, ätzend und dennoch anrührend von den Schattenseiten des ganzen Superheldengedöns erzählt.
  • »The Adventures of Tintin«: Spielberg hat es doch noch drauf.
  • »Ponyo«: Bei Myazaki kann man wieder Kind sein und das ist wundervoll.
  • »Summer Wars«: Ein SF-, Familien-Film wie eine prallgefüllte Wundertüte.
  • Kurz seien noch als sehenswert erwähnt:
    »X-Men: First Class«: Trotz der kleinen Makken endlich wieder ein ›tiefer‹ Superheldenflick. Fassbender und McAvoy brillieren als junger Magneto und Prof. X.
    »Tucker & Dale Vs. Evil«: Verblüffende Inversion des Schemas ›Killer-Hillybillies killen unbedarfte Jugendliche‹.
    »Sherlock Holmes: Games of Shadows«: Respektable Fortsetzung dieser Wiederbelebung des bekannten Privatdetektivs. Diesmal mit auch mit gelungenem Auftritt des Erzfeindes Moriarty.
    »Carnage«: (= »Gott des Gemetzels«) Wenn der Text stimmt, dann reichen eben zwei gute Schauspielerinnen und zwei gute Schauspieler. Zudem ein feines Beispiel der Wahrung der aristotelischen Einheit von Raum, Zeit und Thema!
Beste Momente
  • Janelle Monáe-Konzert im Mousonturm (dessen Bühne eigentlich eine Nummer zu klein war)
  • Kurzurlaub Berlin mit einem wunderbaren lange Spaziergang durch den Park von Charlottenburg; Treffen mit geschätzten SF-Netzwerk-Foristen; Plausch- und Kaufrunden im »Otherland«-Buchladen; Abendessen mit den Herrn Riffel, Böhmert und Kettlitz …
  • … dort dann abgemacht, dass ich nach den Ted Chiang-Geschichten (siehe »Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes« erschienen im Golkonda Verlag) als nächstes den ersten Hellboy-Kurzgeschichtenband »Odd Jobs« übersetzen werde

Vorsatz
Experiment: keine neuen Bücher kaufen dieses Jahr, sondern sich mal auf die eigene Bibliothek verlassen, um zu prüfen, wie ›stabil‹ und ›ergiebig‹ die ist.
Nein. Halt. Stop.
Maximal 10, oder pro Monat eins, also 12 Bücher übers Jahr verteilt anschaffen. Vorschau der bereits gebongten Titel:
— (Februar) Matt Ruff: »The Mirage«;
— (Februar) Nick Harkaway: »Angelmaker«;
— (Mai) China Miéville: »Railsea«;
— (Juli) Ian Tregillis: »The Coldest War«.
— (August) Neal Stephenson: »Some Remarks«;
— … und der Erscheinungstermin des vierten Romanes von Lawrence Norfolk, »John Saturnall’s Feast«, steht noch nicht fest.

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Molos Wochenrückblick No. 68 / 69 / 70

Eintrag No. 746 — Um der Verwirrung vorzubeugen: dieser Wochenrückblick umfasst drei Nummern der Zählung, damit die Zahlen mit dem Wochenfortlauf übereinstimmen. Im August hatte ich derart viel um die Ohren, dass ich drei Wochen Rückblickpause eingelegt habe.

Neal Stephenson: »Reamde«Lektüre: Ich trachte ja zu vermeiden, bei Hugendubel (oder anderen Buchgroßkaufhäusern die auf üble & mächtige Weise auf den Markt einwirken ) Geld zu lassen. Aber wenn dann die Frankfurter Filiale (wieder Mal) auf den Erstverkaufstages-Termin des Verlages pfeifft und ich somit z.B. früher als üblich an den neusten Roman von Neal Stephenson rannkommen kann, mache ich eine Ausnahme. — Also, seit Samstag lese ich »Reamde« (setzt bei der Aussprache die Silben so: Re|am|de). Bisher habe ich in zwei Tagen etwa 200 der ca. 1100 Seiten bewältigt und bin begeistert.

Hier die Youtube-Filmchen mit Promo-Interview, die ich bei Harper Collins gefunden habe: Neal Stephenson spricht über … sein neues Buch »Reamde«; …seine Schreiberei; …die Videospiel-Welt von »Reamde« …die Länge seiner Bücher; …die Äktschn von »Reamde«; …seine Produktivität; …die Nicht-Verfilmung seiner Bücher; …seinen Ruf als Prophet; …Schreiben und Recherche.

Politik, Gesellschaft & Hochkultur:

  • Die ›Nachdenkseiten‹ präsentieren den bisher vielleicht gescheitesten Text, der im deutschen Netzl über die Unruhen in England geschrieben wurde. Götz Eisenberg: Die große Wut der Überzähligen.
  • Sehr löblich, wie die Mutter Beate Turner sich mal die Geschichtslehrbücher ihres Sohnes vorgeknöpft hat, und bass erstaunt war, mit welch verhamlosender Propaganda darin die mittelalterliche Geschichte des Christentums behandelt wird: Geschichtsunterricht missioniert subtil (beim ›Humanistischen PresseDienst‹).
  • Endlich wurde eines der fulminantesten und originellsten Werke des großartigen Douglas Coupland übersetzt und erscheint diesertage beim Tropen / Klett-Cotta Verlag. Anlässlich von »JPod« hat sich Jan Pfaff für ›Der Freitag‹ mit Coupland unterhalten: Out of Office.
    — Und das Schweizer Fernsehen hat Coupland eine ganze »Sternstunde Philosophie«-Sendung gewidmet: Der ganz normale Wahnsinn unserer Zeit. Bilde ich mir es nur ein, oder ist Coupland derzeit der aussichtsreiche Kandidat des ›Philip K. Dick Ähnlichkeits-Wettbewerbes‹?
  • Für ›Literaturkritik.de‹ hat Fabian Kettner eine Rezi zu Will Eisners Graphic Novel »New York. Großstadtgeschichten« geliefert: Comic-Dramen der Großstadt.
  • Zuletzt ein feiner Text von Andrea Diener für den Reise-Teil der ›F.A.Z.‹, über eine kleine deutsche Stadt, die ihren jahrhundertealten Untergrund entdeckt. Es ist erst einige Tage her, seit ich bei der Komplett-Hörbuchversion von Neal Stephensons »Barock-Zyklus« die Passagen über den Londoner Untergrund in »The System of the World« wiedererlebt habe. Dies eingedenk fand ich Perspektiven der Stadt (6): Oppenheim – Bacchus in der Unterwelt besonders spannend.

(Deutschsprachige) Phantastik-Links

  • Kaum zu fassen, wie lange es gedauert hat, bis nun endlich einmal eine günstige einbändige Ausgabe des dollen, irren Psychodelic-, SF-, Verschörungstheorie-, Drogen-, Magie- & Sex-Klassikers »Illuminatus!« von Robert Anton Wilson und Robert Shea auf Deutsch erschienen ist. Entsprechend gibt es einen Eintrag im aktuellen Rowohlt-Magazin. — Kann gut sein, und ich veranstalte hier bald ein kleines Preisausschreiben, um Molochronik-Lesern Gelegenheit zu verschaffen, eines Bandes habhaft zu werden. Hier habe ich anlässlich des Todes von R. A. Wilson schon einmal kurz über diese Trio berichtet.
  • Bald kommt eine dicke englischsprachige Anthologie, von niemand anderem als Jeff Vandermeer (einem meiner liebsten lebenden Phantasten) zusammengestellt auf den Markt: »The Weird«. Im verlinkten Blogeintrag kann man schon mal das Inhaltsverzeichnis des dicken Schmöckers einsehen. Sehr erfreulich, dass Vandermeer bei seinem gut 100-Jahre umassenden Blick auf die ›verdrehte‹, ›seltsame‹ Phantastik neben Stories von bekannteren zeitgenössischen Autoren wie China Miéville, Michael Chabon, Kelly Link, Neil Gaiman, Stephen King und George R. R. Martin auch weniger bekannte aber exzellente Autoren wie William Browning Spenser oder Michael Cisco, sowie Klassiker wie Mervyn Peake, Julio Cortazar, Jorge Luis Borges, (natürlich) H. P. Lovecraft, Stefan Grabinski, Franz Kafka, Georg Heym, Gustav Meyrink, Saki und Alfred Kubin berücksichtigt.
  • Peter V. Brinkemper veranstaltet für ›Glanz & Elend‹ wieder eines seiner klugen Textfeuerwerke in Sachen Pop-Phantastik, diesmal bezüglich zweier neuer Superhelden-Flicks: »Green Lantern« vs. »Captain America«.
  • Oliver vom ›Fantasyguide‹-Team hat für das ›Fantasyguide‹-Blog eine interessante Zusammenfassung einer Sekundärtext-Lektüre notiert: Hat Borges phantastische Werke verfasst?, basierend auf einem Beitrag von Alfonso de Toro aus dem Buch »Die magische Schreibmaschine. Aufsätze zur Tradition des Phantastischen in der Literatur«. — Ich finde es immer toll, wenn Phantastik-Freunde über ihre Beschäftigung mit Genre-Theorie schreiben.
  • Schönes Interview mit China Miéville bietet die aktuelle Folge von The Geeks Guide To The Galaxy (gibt es auch bei iTunes).

Zuckerl: Popkultur & Kunst

  • Unter anderem bei ›The Laughing Squid‹ wurde folgendes lustiges fiktives Produktbildchen verbreitet: Mac OS Maru, anlässlich der Veröffentlichung des neusten Apple-Betriebsystems Lion. Wäre irre, wenn die Apple-Menschen ihr nächstes Betriebssystem tatsächlich nach der berühmtesten und putzigsten Internet-Katzenberühmtheit benennen (über die es inzwischen sogar ein eigenes Buch gibt).
  • ›Game Wire‹ berichtet über ein iPad-App, das im Herbst erscheinen soll, und das ich unbedingt haben will: die interaktive Ausgabe von Douglas Adams’ Hitchhiker’s Guide To The Galaxy. Mehr demnächst auf der Herrsteller-Seite zum App.
  • Wieder ein Mal »Calvin & Hobbes«-Zeugs: der famose Pulp-Künsteler Francesco Francavilla hat zwei Poster gestaltet, die Calvin & seinen Stofftiger Hobbes in ihren Phantasie-Rollen als Hard Boiled-Krimihelden zeigen: C & H Private Investigations.
  • An die bildnerischen Werke von Alfred Kubin, Mervyn Peake und einige der dunkleren Surrealisten oder Magischen Realisten erinnern mich die Arbeiten von Martin Wittfooth. Um drei Beispiele zu geben, die mir besonders gefallen, hier
    eine Homage auf die Böcklin’sche Toteninsel; — ein Halbaffe mit Mottenflügeln; — und ein Fuchskadaver mit Blumen.
  • Da ich viel um die Ohren hatte (habe) in den letzten (kommenden) Wochen, lese ich vermehrt Comics. Unter anderem habe ich mir endlich alle 10 Sammelbände des ätzend-satirischen SF-Garns »Transmetropolitan« von Warren Ellis und Darick Robertson besorgt (die ich damals, um die Jahrtausendwende, als Einzelhefte komplett gelesen habe).
    — Passend dazu hier ein Link einer erotischen Zeichner-Sitzung der Dr. Sletchy’s Anti-Art School: Spider Is Our Hero. Überhaupt eine anregende Sache, diese Dr. Sketchy-Sessions (ich wünschte, es gäbe einen Ableger in Frankfurt. Vielleicht reise ich mal zu einem Termin in Berlin oder Hanover).
    — Eine der Teilnehmerin der »Transmetropolitan«-Sitzung war die New Yorker Illustratorin Queenmob (= Anna-Maria Jung), von der mir auch diese Zeichnung mit Killer Kaninchen gut gefällt.
    — Schließlich noch der Hinweis auf das »Transmetropolitan«-Art Book 2011, das erscheinen soll, sobald die durch Fans gespendete Finanzierung steht (und das zur Unterstützung des Comic Book Legal Defense Funds beitragen soll).
  • Derweil die neusten Folgen von »Futurama« auf Englisch laufen und die Zukunft der Serie bis auf weiteres gesichert ist, habe ich mich gefreut, dass für das ›Der Freitag‹-Alphabeth Ulrich Kühne diesem SF-Komik-Wahn einen Eintrag widmen durfte. — Durchaus erstaunlich auch die realistischen Skulpturen einiger »Futurama«-Figuren von artanis one bei ›Deviant Art‹.
  • Krass-geil sind diese Logos des T-Shirt-Vertriebes ›Amorphia Apparel‹: Monsters of Gork. Namen von Wissenschaftlern und Philosophen in der Form von bekannten Band-Logos. Mein Lieblinge: Machiavelli in Metallica-Style und Anais Nin in Form des Nine Inch Nails-Logos.
  • Als Schlussgranate hier ein absurdes Gespräch zwischen zwei K.I.s: AI vs. AI. Two chatbots talking to each other (›K.I. gegen K.I.: Zwei Plauderautomaten unterhalten sich‹).

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Buchregal-Führung (1): Comics & Biographien

Eintrag No. 727 — Nachdem es tatsächlich Leser gab, die auf meine vorsichtige Frage, ob ich Regalbrett für Regalbrett meine Bibliothek vorführen soll mit »Ja! Bitte!!« antworteten, eröffne ich den Rundgang mit dem obersten Brett des nord-östlichen Billys (einem 80-er).

Buchregal 2011 (1): Comic & Biographien

Aus Platzgründen habe ich vor längerem gelesene Biographien ganz oben aufgereiht. — Größte Schätze sind hier sicherlich die deutsche Ausgabe der Philip K. Dick-Bio von Sutin und (Bildmitte das große Trumm) der Katalog der Ausstellung »Georg Christoph Lichtenberg. Wagnis der Aufklärung« der Mathildenhöhe Darmstadt / der Niedersächsischen Staats & Universitätsbibliothek Göttingen1992. — Größte ›Peinlichkeiten‹ … vielleicht MRRs »Mein Leben« (aber ich steh dazu, dass es ein unterhaltsames und berührendes Buch ist); und »Nostradamus« von Ernst R. Ernst (Heyne 1986), allerdings vertritt das die ziemlich plausible These, dass Nostradamus mit seinen rätselhaften Texten keineswegs die Zukunft vorhersagen, sondern vielmehr politische Geschehnisse verklausuliert kritisch kommentieren wollte.

Die erste Comic-Abteilung wird von franko-belgischen Erz-Klassikern wie Hergé (»Tim & Struppi«), Andre Franquin (»Spirou & Fantasio«, »Marsupilami« und »Gaston«), sowie »Valerian & Vernoique« von Mézières & Christin dominiert. Auch hat Andrea hier einige ihrer Gemmen ausgelagert, die ich gerne in meinem Zimmer beherberge (z.B. »Lanfeust von Troy«, »Der Wind in den Weiden« von Plessix und »China Rot« von Robin).

Molos Wochenrückblick No. 58

Eintrag No. 721WICHTIGE DURCHSAGE: Mit der jüngsten Version der antville-Architektur gibt es neue Möglichkeiten:

1) Kann man sich nun auch zum Kommentieren anmelden, ohne sich bei antville selbst registrieren zu müssen. Wer ein Google, Twitter oder Facebook-Konto hat, kann ab jetzt auch dieses zur Anmeldung nutzen.

2) Gibt es nun auch eine Möglichkeit, mir direkt über eine Eingabemaske der Molochronik eine Mitteilung zukommen zu lassen: KONTAKT.

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Schöne Nachricht: Dem Literatur-Portal ›Literra‹ (genauer, Eric Hantsch, der selbst auch ein interessantes Blog führt: »Der dunkle Planet« Phantastik und lovecraft’scher Horror) gefallen meine Portraitzeichnung so gut, dass man sie für die Autoren-Seiten verwenden will. Als erstes wurde meine Zeichnung von Edmond ›Captain Future‹ Hamilton eingepflegt. — Freude!

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Ein schönes Sinnbild des Kapitalismus. Gehe auf dem Weg zur Arbeit frühmorgens in meine örtliche Sparkassenfiliale, um Geld abzuheben. Die Automatiktüren des Vorraums waren die Nacht über defekt und längere Zeit offen. Da die Viecher den Schein des Bankomaten-Monitors mit fernem Himmelslicht verwechseln, schwärmten hunderten kleine (und ein paar große) Mücken herein, um elendig beim Versuch sich am vermeintlichen Sternenglanz zu orientieren zu verrecken. Ihre vielen kleinen Leichen bedeckten die Handablage vor dem Montor fast zur Gänze. — Schade, dass ich keine Kamera dabei hatte.

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K. W. Jeter: »Infernal Devices«, Taschenbuch-Neuausgabe bei Angry Robot Books, 2011.Lektüre: Nicht sehr viel (ca. 100 Seiten) weiter gekommen bin ich mit meinem derzeitigen Steampunk-Klassiker »Infernal Devices« von K. W. Jeter. Ich bin jetzt auf Seite 233 von ca. 340 und mittlerweile weiß ich ein bischen mehr über die obskuren Machenschaften diverser Geheimgesellschaften (die so tolle Namen haben wie ›The Royal Anti-Society‹, ›Godly Army‹ und ›Ladys Union for the Supression of Carnal Devices‹), und über die schon von Beginn des Romanes weg einiges geraunt wurde, und in deren Händel und Konkurrenz-Gekabbel ›Held‹ George Dowes hineingezogen wurde. — So möchte ein irrer Wissenschaftler-Lord die Welt vernichten, um höheren, außerirdischen Intelligenzen ein Zeichen seiner Ebenbürtigkeit zu geben, damit sie ihn retten und er mit ihnen über Wissenschaft plauschen kann. Zudem hat jemand das Gerücht verbreitet, dass George nicht er selbst, sondern ein unglaublich geschickter Automat seines Uhrmacher-Vaters sei. Köstlich eine Szene, als alle von George, dem vermeintlichen Paganini-Imitations-Automaten, verlangen, ein Konzert für ein ausgewähltes Publikum zu geben, und eine Lady ihm an die Wäsche will, in der Annahme, dass George der Automat auch über die berüchtigten Sexmaniac-Eigenschaften des teuflischen Geigenvirtuosen verfügt. — Weiterhin ist mir sehr sympathisch, wie George mehr von Szene zu Szene stolpert und flüchtet, und dabei über die mehr oder minder derangierte Verfassung seines Verstandes spekuliert. Macht die Handlung zwar zu kaum mehr als einer simplen Episodenfolge, aber der elegante und sachte mit Humor gewürzte Stil gleicht diese Einfachheit wieder aus.

Als Einschlaf-Lektüre genieße ich den den sechsten »Hellboy«-Sammelband: »The Conquerer Worm«. Sehr fein, wie das Werk das gleichname Gedicht von E. A. Poe zitiert; dass wieder Mal Nazis mit okkulten Weltuntergangs-Plänen gestoppt werden müssen; dass der entsprechende Obernazi-Wissenschaftler eines seiner Labore unter einem Friedhof »in der Nähe von Ingolstadt« hatte. — Hab’ ich’s doch geahnt, dass in dieser oberbayrischen Gegend meiner Kindheit und Jugend Finsteres verborgen ist.

Markus Metz, Georg Seeßlen: »Blödmaschinen«.Hauptlektüre ist derzeit ein großartiges Sachbuch. »Blödmaschinen. Die Fabrikation von Stupidität« von Markus Metz und Georg Seeßlen. Vor allem ist das für mich eine sehr affirmative Lektüre, denn ich teile die Ansicht der Autoren, dass wir umgeben sind von Blödmachmaschinen: das Fernsehen, die Poltik, die Bürokratie, die Autoindustrie, die Unterhaltungsindustrie, die Mode, der Wissenschaftsbetrieb, die Schulen, der Sport, Mega-Events, Volksfeste und und und. Ganz simpel gefällt mir das dicke Buch (782 Seiten) bisher also, weil ich ihm so viel zustimmen kann, und — oh je! — mit dieser mich einlullenden Tröstlichkeit ist das Buch selbst leider teilweise auch nur eine kleine Blödmachmaschine.

Bisher habe den ersten von drei Teilen durch, der sich der Dialektik von Blödmaschinen (hervorragend veranschaulicht am Beispiele des Überraschungs-Eis), ihrer Geschichte und ihrer Manifestation als dumme Dinge widmet. Vor allem der historische Teil begeistert mich heftig. Da wird, zugegeben ziemlich vage, in Form von drei Erzählungen die Entwicklung dargestellt, von den alten, traditionellen Blödmaschinen (Kirche, Herrschaft, Wissenschaft) zu den neuen, (post)modernen (Medien, Mode, Waren). — Als einzige Makel muss ich die auffällig dünne Bibliographie und den fehlenden Index anführen.

Netzfunde

  • Einen kleinen Vorgeschmack auf das, was in »Blödmaschinen« abgeht, vermittelt nicht nur die oben beim Buch-Cover verlinkte Suhrkamp-Seite, auf der man eine Leseprobe der ersten 20 Seiten finden kann, sondern auch dieses polemische ›TAZ-Schlagloch‹ von Georg Seeßlen: Tracht und Niedertracht. — Oh, was habe ich mich mit Andrea gestritten über diesen Artikel. Kein Wunder, denn sie kennt sich mit Mode aus, und kritisiert (zu Recht) dass eine große Ironie der modernen Trachtenbegeisterung unerwähnt blieb: die Leutz kaufen sich nostalgisierte Heimatverbundenheit in Form von in China hergestellten Dirndeln. — Dennoch verteidige ich den TAZ-Artikel, auch wenn die Problematik im »Blödmaschinen«-Buch ungleich besser vermittelt wird, allein schon, weil hier der Mittelstands-Code ›Landhausmode‹ als Kontrast die Unterschichten-Gefängniskleidung der ›kik‹-Mode gegenübergestellt wird.
  • Was immer schon faul war an den ›Bilderberg-Konferenzen‹: da treffen sich hohe Politiker, Wirtschaftsleute, Medienmenschen aus aller Welt, und obwohl deren Gespräche zur Denk- und Handlungs-Koordination natürlich von keinerlei Bedeutung seien sollen, geheimniskrämern die Teilnehmer. Entsprechend freut mich der zweitteile Interview-Artikel von Marcus Klöckner bei ›Telepolis‹ zum Thema. Teil 1: »Einen ›Schweigepakt‹ kann ich mir nur schwer vorstellen« und Teil 2: »Notwendig wäre aus meiner Sicht hier ein sauberer investigativer Journalismus«.
  • Zu den erklärten Helden und Heiligen meiner Welt gehört Georg Kreisler. Wem der nicht bekannt ist, der möge sich schnell bitte mal mit den beiden Youtube-Clips seiner Lieder »Freiheit« und »Schützen wir die Polizei« weiterbilden. — Jan Pfaff hat für ›Der Freitag‹ ein lesenswertes Interview mit Kreisler geführt: Nirgendwo daheim. Es gibt Dinge über die kein Gras wächst..

(Deutschrachige) Phantastik-Links
  • Ich bin im Augenblick zu faul, meine Eindrücke zu »X-Men: First Class« zu beschreiben, außer, dass ich sehr zufrieden mit diesem Sommerblockbuster bin. Michael Fassbender spielt sich Film für Film in die Liga der von mir verehrten Mimen. Wenn ein Superheldenspektakel es schafft, dass ich mit einem ambivalenten (noch-)Helden der zum Bösewicht (oder zumindest Fanatiker) wird (Magneto) Mitgefühl habe, weil ich miterleben kann, wie er mit Hilfe seines (noch-)Freundes (Prof. X) seine eigenen Traumata-Blockaden überwindet, mittels des (Wieder-)Findens einen kleinen Restes Trostes und Freude in seinem verkorksten Seelenhaushalt, und dadurch zu neuen Höchstleistungen befähigt wird, und wie sich in diesem Augenblick des Satallitenschüssels-Drehens die Mimik von Eric/Magneto Freude, Schmerz, (Selbst-)Überraschung , Machtlust und Befreiung spiegeln, dann ist das großes Kino und eben ein toller Darsteller. — Meinem Empfinden recht nahe bringt (wieder Mal) Rüdiger Suchsland die Sache für ›Telepolis‹ auf den Punkt: Der zornige Jude.
  • Noch dürfen wir nicht sicher sein, ob die Meldung (hier bei ›io9‹), dass mit Tom Hanks als Produzent »American Gods« von Neil Gaiman zu einer HBO-Miniserie umgesetzt werden soll, nun etwas gutes oder schlechtes bedeuet. Aber hoffen wir mal, dass etwas Gescheites dabei herauskommt. Das Material des Buches wird offentlich nur als Sprungbrett genutzt und erheblich ausgeweitet, denn es sollen 6 Staffeln zu je 10 bis 12 einstündigen Folgen gedreht werden.

Zuckerl

  • Auf den ehemaligen Mitarbeiter von Rockstar-Games, Comic-Autor und Zeichner Brian Wood bin ich aufmerksam geworden, als ich bei dem lokalen Comicdealer meines Vertrauens (›Terminal Entertainment‹) den Band »Demo« entdeckt habe; danach genoss ich »Lokal« und schließlich seitdem die ›Vertico‹-Serien »Northlanders« und (vor allem) »DMZ«. — Hier nun geht es zu einer umfangreichen Umsonst-Portfolio von Brian Woods: Public Domain 2 mit Skizzen, Charakterstudien, Propaganda-Parodien, kurzen Comicgeschichten, Coverart-Skizzen. Ganz besonders reizvoll finde ich Woods Arbeiten, wenn er (ganz Erbe des großartigen Will Eisner) öffentliche Räume, Straßen, Ladenfassaden, Brücken, U-Bahnstationen portraitiert und dokumentiert. Hier geht es zur Download- bzw. Ansicht-Möglichkeit als PDF im Browser.
  • Der New Yorker Photograph Jordan Matter hat bisher vielleicht am meisten Bekanntheit mit seiner Serie »Dancers Among Us« erlangt. Hier in zwei Blog-Einträgen, berichtet er kurzweilig davon, wie diese Bilder zustande kommen: Conquering the Big Kahuna - Dancers Among Us at the Lincoln Center Fountain (mit einem ganz bezaubernden Sicherheits-Kollgen der keinen Spaß versteht); — One Coffee, One Shot... A Day of Dancers Among Us Ends with a Splash (wo unter anderem dieses irre Photo mit der Tänzerin Allison Jones entstand). — Lustig auch der Gastauftritt eines Doku-Filmteams vom ZDF.

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Molos Wochenrückblick No. 56

Eintrag No. 718 — Welche Gemeinsamkeit haben »Thor«, »Hanna«, »Scream 4«? Sind alles Filme, die ich gerne auf Englisch im Kino sehen würde, aber seit es kein Turm-Kino mehr gibt, ist das frankfurter Angebot englischsprachiger OV-Filme erschreckend zurückgegangen. Ich erlaube mir etwas zu grummeln.

Gibsert Haefs: »Die Rache des Kaisers«, Goldmann Taschenbuch, 2011. Klick auf das Bild führt zu einer Leseprobe der ersten 40 Seiten.Lektüre: Seit ich als Jugendlicher über den Haffmans-Verlag das Schaffen von Gisbert Haefs kennen- & schätzen gelernt habe, gehört er zu den Autoren, deren Bücher mich seit vielen Jahren begleiten. Haefs hat als Krimi- (›Balthasar Matzbach‹-Romane) & HistoAbenteuer-Fabulant (»Hannibal«, »Alexander«), als Übersetzer & Werksausgaben-Herausgeber (Sherlock Holmes, Ambrose Bierce, Rudyard Kipling, Jorge Luis Borges) und als Selbsteinsprecher eines Hörbuches (»Roma. Der erste Tod des Marc Aurel« ist eines meiner Allzeit-Lieblingshörbücher) bewiesen, dass er einer der ganz wenigen hiesigen Gegenwartsautoren ist, die es druffhaben, die Tradition klassischer Unterhaltungs-Genre gekonnt fortzuführen. — Entsprechend habe ich mir die Taschenbuchausgabe der neuesten Unternehmung von Haefs besorgt, »Die Rache des Kaisers«. Der Roman erzählt die Geschichte von Jakob Spengler, der 15 Jahre alt ist, als er Anno 1519 vom Waldrand aus beobachtet, wie eine Schaar Söldner sein Heimatdorf niedermetzelt. Die Gesichter der vier Anführer prägen sich Jakob ein. Einige Jahre begleitet er als ›gefundener Sohn‹ einen orientalischen Diplomaten und dessen beiden Krieger-Diener, dann macht sich Jakob auf, die Schlächter seiner Familie zu suchen. Bisher habe ich das halbe Buch durch und finde es angenehm kurzweilig. Das Chaos und die Grausamkeiten der Bauern- & Söldner-Aufstände & Reformations-Unruhen sind passende Gelegenheiten, um kritische Gedankengänge über Religion, Gott, Abkehr vom Glauben, soziale Ungerechtigkeit und dergleichen einzustreuen. Wie immer versteht es Haefs, knapp und ohne langes Gefasel ein lebendiges Ensemble zu schaffen, Orte zu beschwören, komplexe Zusammenhänge zu erklären. Geschickt werden die ernsteren und abenteuerlichen Passagen abgewechselt durch beispielsweise romantische, zünftige oder alberne Stellen. Wenige Unterhaltungsautoren beherrschen diesen Kniff. — Ich liebe es, wenn plötzlich in einer eigentlich ziemlich harten Rachegeschichte wie hier, solche Sachen abgehen: Jakob und Freund / Waffengefährte Avram verbringen schwermütige Tage in Venedig und verfallen beim Wein in folgenden Dialog (Seite 204). Avram fragt, mit welchem Spitznamen Jakob Venedig bedacht hat:

»Kanalrattenstadt«, knurrte ich, »mit Wänden voller Kanalrattenschatten.«
{…} »Schlafen Ratten auf Matten? Werfen dabei Kanalrattenmattenschatten?«
Er {= Avram} rülpse leise: »Das will erwogen sein. Wenn sich zwischen platten Schatten satte Ratten matt begatten…«

Meine Freude am neuen Roman von Gisbert Haefs ist eine passende Gelegenheit, einige Erzähl-Tugenden zu benennen, welche »Die Rache des Kaisers« beispielhaft auszeichnen, und die ich allen Genre-Autoren zur inniglichen Beherzigung nahelegen möchte:
1) Überkandidelte Sprache braucht kein Mensch. Aber es steht auch vornehmlich auf Unterhaltung abziehlenden Reissern gut an, die Prosa (natürlich passend zum jeweiligen Stoff) hie und da mit kleinen Sprachkapriolen zu würzen.
2) Zeiträume können ruhig übersprungen, die Schilderung von Ereignissen gerafft werden. Haefs führt das glänzend vor. Abenteuerliche Romane werden nicht unbedingt besser, wenn sie aufgebläht werden, weil sie immer eng am Zeitstrahl entlangkriechen. Die Darstellung von Lebensabenteuern werden nicht zwangsweise ergiebiger, wenn man alles was vorfällt ausbreitet.
3) Ruhig ab und zu einige Originaltöne einflechten. So bringt Haefs seinen Lesern die schreckliche Plünderung Roms durch spanische und deutsche Söldnertruppen durch Ausszüge aus der Chronik eines gewissen Gregorius oder Georgius nahe; zitiert die Nachwehen des Grauens durch die Schriften des Landsknechthauptmanns Sebastian Schertlin von Burtenbach. Früher im Roman listet der Icherzähler Jakob die Forderungen der aufständischen Bauern in deutschen Landen auf. So lassen sich geschickt die Kleinigkeiten von historischen Panoramen auffächern.
4) Wiegesagt: Keine Angst vor Albernheiten oder ›Sentimentalitäten‹ oder blumigen Sprachbildern. Hier eine für meinen Geschmack besonders gelungene Stelle, wenn Jakob, inzwischen gute 20 Jahre alt, eine letzte Nacht bei seiner Geliebten Laura in der Nähe von Venedig verbringt, bevor er sich wieder auf den Weg macht, sich an den vier Mordbrennern zu rächen:

Für Laura und mich wurde es eine lange weiße Nacht. Zwischendurch gab es etwas, das ich nicht Liebe nennen mag, eher einen verzweifelten gegenseitigen Angriff; der Rest war Reden, Fragen, Nachfragen, Vorwürfe. Und Laura war nie schöner als in jener Morgendämmerung, da sie neben mir lag, auf den rechten Ellenbogen gestüzt, die Honigkaskaden des Haars über Schulter und Brust. Schön wie ein geschliffenes Schwert. Als es mir das Herz schlitzte, als ihre Augen Leid sprühten und dabei trocken blieben, hätte ich gern geweint.

Jakobs Abenteuer werden im Oktober dieses Jahres mit »Das Labyrinth von Ragusa« fortgesetzt.

Netzfunde

  • Reiseberichte sind immer eine gute Lektüre. Ich durfte zuhause in den letzten Tagen schon Andreas Begeisterung für die »Russische Reise« von John Steinbeck & Robert Capa aus dem Jahre 1948 erleben. Ein Hoch auf die Büchergilde Gutenberg und die von Illja Trojanow herausgegebene Reihe ›Weltlese‹. Hier eine ausführliche Empfehlung von Thomas Hummitzsch für das Portal ›Glanz & Elend‹: Menschen wie du und ich.
  • Hatte noch keine Zeit für gründliche Lektüre des Eintrages Imagination im Online-Philosophie-Lexikon der Universität Standford. Wird aber noch erledigt.
  • Es ist mir immmer ein Vergnügen, wenn respektable Literaturkritik sich Sachen vornimmt und zudem lobt, die von feuilletonistischen oder akademischen Kreisen leider allzuoft links liegen gelassen werden. Hier bei ›Literaturkritik.de‹ bricht Ole Petras eine Lanze für DEN Meister der erotisch angereicherten ›langbeinige Grazien‹-Comics: Sex in Zeiten der Anarchie: Zur Milo-Manara-Werkausgabe, am Beispiel des Comics »El Gaucho«.
  • Folgendes ist so irre und doch passend, als ob Metallica Beethoven-Symphonien interpretieren würden. Für die ›Financial Times‹ hat Stephen Fry ein Interview mit Lady Gaga geführt. Atemlos las ich Frys Bericht und lauschte dem Treffen dieser außergewöhmlichen Künstler im kompletten Interview, wenn Fry und Gaga locker mit Oscar Wilde, Bert Brecht und Thomas Mann um sich werfen. — Hier als Zugabe ein Link zum ersten Teil vom HBO Special: Lady Gagas Monster Ball. Und jetzt dürft Ihr Euch aufhören zu wundern, dass ich was mit Lady Gaga anfangen kann. »The Fame Monster« und »Born This Way« sind gloriose Meisterwerke der überproduzierten Popmusik und wie Fry auch, habe ich mir bei den ersten Musik-Videas von ihr gleich »Aha, Verfremdungseffekt! Kabarett!« gedacht und den Wahnsinn für gut beheissen.

(Deutschrachige) Phantastik-Links

  • Ich selber werde wahrscheinlich kaum dazu kommen, an der SF-Challange des Schweizer Anlegestelle für Bibliophile ›raVenport‹ teilzunehmen. Aber die Aktion findet meine Sympathie und ich bin gespannt auf die Beiträge.
  • ›Fictionfantasy‹ und ›Literatopia‹ präsentieren Der Phantast No 2: Dunkle Zeiten, 82 satte Seiten, diesmal mit deutlich verbessertem Layout, feinen Illustrationen von Frank Melech, und lesenswerten Artikeln und Rezensionen. Besonders freuen mich die Besprechungen zu Karl Capeks »Der Krieg mit den Molchen«, zu Paolo Bacigalupis »Biokrieg« und der begonnenen Gesamtausgabe von »Valerian & Vernonique« von Jean-Claude Mézières & Pierre Christin.
  • Das lobe ich mir. ›Deutschland-Radio: Wissen‹ hat ein kurzes Feature über RETRO-FUTURISMUS: Der Steampunk erobert Deutschland gebracht und diesbezüglich jemanden interviewt, der bescheid weiß: Clockworer-Kapitän Serenus Zeitbloom.

Zuckerl

  • ›peacay‹ bietet in seinem erstaunlichen Blog ›BibliOdyssey‹ wieder mal eine Gemme der Illustrationskunst: Peter Pan in Kensington Gardens, mit Arbeiten des unvergleichlichen Arthur Rackham zu James M. Barries Meisterwerk.
  • Der geniale John Coulthart hat für ›Tor:Com‹ eine Übersicht zusammengestellt: H.P. Lovecraft’s Favorite Artists, die solch illustre Meister der graphischen Seltsamkeiten und Extra-Devi-Vaganz wie Heinrich Füssli, Francesco Goya, John Martin, Gustave Doré, Sidney Syme, Nicholaus Roerich, Anthony Angarola und Virgil Finlay, versammelt
  • Sehr appart finde ich gelungene Mischungen aus Horror und Niedlichkeit, wie z.B. das ›2photo‹-Portfolio von Tony Sandoval zeigt. Besonders grauslig-niedlich finde ich diese nackte Schönheit mit Monster-Eingeweiden; — diese im Wasser sich spiegelnde Geistererscheinung; — und diese umschlungenen Skelette, die mich an eines der besten Roman-Enden aller Zeiten erinnern (»Der Glöckner von Notre-Dame« von Victor Hugo).
  • Nostalgie-Anfall! Beim Stöbern in iTunes habe ich entdeckt, dass Nik Kershaw immer noch vor sich hin bosselt. Als Teen war ich ein großer Fan seiner Alben »Human Racing« und »The Riddle«. Inzwischen hat er seine alberne Haarpracht abgelegt und sieht er aus wie ein richtig handfestes englisches Mannsbild. Und ich bin entzückt, über die Akustik-Version seines Hits »Wouldn’t It Be Good«, zu finden auf dem Album »No Frills«.

  • Im ›Ich höre gerade‹-Thread bei SF-Netzwerk bin ich dank eines Tipps von Kopernikus aufmerksam geworden auf Venice Classic Radio.
  • Zum Schluss ein wenig derbe Bildungshuberei. Zu meinen liebsten Musik-Schätzen gehört die »Madrigal History Tour« der King’s Singers (begleitet vom ›Consourt of Musicke‹ unter der Leitung von Anthony Rooley). Unter den aus Deutschland stammenden Liedern der Sammlung befindet sich »Vitrum Nostrum Gloriosum«, und so klingt das schöne lateinische Sauflied in der Aufnahme der King’s Singers selbst (hier in der Fassung der TV-Serie zur geschichtlichen Madrigal-Europareise). Der Text geht so:
    Vitrum nostrum gloriosum,
    Deo gratissimum.
    O, vitrum! Levate!
    Fac, fac, bibe totum extra,
    ut nihil maneat intra,
    Depone!
    Hoc est in visceribus meis.
    Prosequamur laude!

    Und wenn ich die englische Übersetzung des Beiheftes der CD ins Deutsche übersetzte ergibt sich folgender Inhalt:
    Unser herrlicher Kelch,
    zum höchsten Gefallen Gottes.
    Oh Kelch! Hebt ihn hoch!
    Kommt, trinkt ihn aus
    bis auf den letzten Tropfen.
    Hinunter damit!
    Ich fühle wie es {das Getränk} mich innerlich wärmt.
    Lasst unser Lob sich ihm anschließen.

    Und es gibt noch Winkel in der Welt (kann jemand das Schild das ab und zu rechts oben im Bild zu sehen ist entziffern?), wo nicht gelehrte Sänger sondern das gewöhnliche Volk rustikal dieses Lied anstimmen: Vitrum nostrum gloriosum.

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