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Übersicht meiner
Filmrezis und
Buchbesprechungen.
Molos Serie zu Neil Gaimans mit umfangreichen
»Hilfreichen Handreichungen«
1: »Präludien & Notturni«
2: »Das Puppenhaus«
3: »Traumland«
Molos Wanderungen durch &raquo;Bibliothek von Babel&laquo;-Banner, gro&szlig;. der Büchergilde Gutenberg
Jaques Cazotte:
»Der verliebte Teufel«
G. K. Chesterton:
»Apollos Auge«
Lord Dunsany:
»Das Land des Yann«
J. L. Borges:
»25. August 1983«
Deutsche Fassungen (auch als PDF) der phantastischen Literaturseminare von ›Crooked-Timber‹ über:
»Der Eiserne Rat« von China Miéville
Deutsche Fassung des Interviews von Laurie Penny mit Terry Pratchett:
»Sex, Tod & Natur«
Remix von Marcus Hammerschmitt:
»White Light / White Heat«
Großes Lob für & Zitate aus:
Neal Stephensons »Diamond Age«
Großes Buh für & Zitate aus:
Tad Williams »Der Blumenkrieg«
Material zum Kapieren:
Der katholische Tolkien
Vorstellung zum 60gen:
Mervyn Peake »Gormenghast«
Molos Übersetzung von Daniel Chandler:
»Eine Einführung in die Genre-Theorie«
Wallpaper für Lovecraft-Fans:
»Soggoth-Idylle mit Hasen«
Wallpaper für Freunde farbiger Plüschodelik:
»Große Acryl-Impro«
Molos beste Dichtheit:
»Verborgene Orte«
Molos kapriziöse Kurzprosa:
»Zehn Etüden«
Exzessive Melomanie als mp3:
Molomukke Eins, Zwei, Drei, Vier & Fünf, sowie die Vertonung von »The Second Coming«
Impropathos auf 'nem Steinway-Flügel:
»Am Herzen Herumhängen – Arbeiten für den Inkubus«
MOLOsovskysCHRONIK
Netztagebuch eines amœnokratischen Phantasten, Skribblers, Kritikers & Übersetzers


geschrieben von molosovsky,
am: Dienstag, 27. Sep. 2011
Eintrag No. 748 — Entschuldigt die Verspätung, dafür gibts diese Woche auch richtig was auf Brot, und so gut wie alles aus der Sparte ›Kunst & Popkultur‹. Für gewichtige Gesellschafts- & Poltikthemen hatte ich keinen Kopf.

Halt!

Moment!!

Der Sepp war ja im Lande!!!

Zumindest habe ich mir da die Zeit genommen, mir seine Bundestag-Rede anzugucken, bzw. ihren Abdruck in der ›F.A.Z.‹ durchzulesen. Ich erlaube mir zum einen, mir Sorgen zu machen, da der Sepp mit Origenes-Zitaten praktisch zum Kampf aufrechter Katholen und Christenmenschen gegen den Staat aufruft:
Wenn jemand sich bei den Skythen befände, die gottlose Gesetze haben, und gezwungen wäre, bei ihnen zu leben …, dann würde er wohl sehr vernünftig handeln, wenn er im Namen des Gesetzes der Wahrheit, das bei den Skythen ja Gesetzwidrigkeit ist, zusammen mit Gleichgesinnten auch entgegen der bei jenen bestehenden Ordnung Vereinigunen bilden würde …

Und zum Zweiten fand ich erschütternd, wie leicht es für den Sepp war, mit seiner Schlangenzungenkunst einen Gutteil der versammelten Politiker – die eigentlich eine zumindest skeptische und zurückhaltende Position zum Popst oder Pepst oder Papst und seiner Weltsicht haben sollten – an der Nase herumzuführen. Da scheint er nämlich die Grünen zu loben, begrüßt die Generation der ökologischen Bewegung, die seit den 70er Jahren ›nach frischer Luft in der Politik schrien‹, weil den ›jungen Menschen bewusst geworden war, dass irgendetwas mit unserem Umgang mit der Natur nicht stimmt‹. — Und dann rammt er das katholische Menschenbild in den Bundestag, wenn er darauf besteht, dass auch der Mensch Natur ist, sich nicht selbst macht sondern (das steht zwischen den Zeilen) von GOtt geschaffen wurde. — Überrascht hat mich, dass Richard Kämmerlings ausgerechnet in der ›Die Welt‹ das ausdeuten durfte: Gegen alles, was wider die Natur des Menschen ist.
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Lektüre
Zu meiner Entspannungslektüre abends vorm Einschlafen habe ich »Habibi« von Craig Thompson erkoren. Ich konnte nicht widerstehen, als ich die günstige englische Ausgabe von Faber & Faber bei dem Buchhändler meines Vertrauens für Anglo-Amerikanisches sah (»Readers Corner«). Bei der auf Titel und Bild verlinkten deutschen Ausgabe von Reprodukt gibt es die ersten 20 Seiten als Leseprobe. Und die englische Website zum Buch bietet eine ehrfuchtsgebietende Erstellungs-Gallerie.
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Neal Stephenson: »Reamde«Mit »Reamde« von Stephenson bin ich durch und fand den Roman sehr unterhaltsam.

Ungewöhnlich ist wohl, dass Stephenson sich ›zurücklehnt‹ und es zu genießen scheint, ›einfach nur‹ einen kurzweiligen Thriller mit viel Verfolgung, Geballer und so manchen IT-Heckmeck anzubieten. Keinerlei phantastische Elemente. Neal wandelt sozusagen auf dem Genre-Feld von Tom Clancy und »24«.

Der arme Neal begibt sich zu jedem seiner frisch erschienenen Bücher aus seiner Schriftsteller-Klasue und absolviert Promostunts wie zum Beispiel dieses ›Goodreads‹ Video-Interview. Das Gespräch bietet einiges interessantes, aber stellenweise meine ich doch wahrzunehmen, wie Neal zwischen Langeweile und Genervtheit schwankt, dies aber ganz gut zu überspielen weiß. — Stephenson ist mein Held, wenn er auf eine Leserfrage, ob er weitere Fortsetzungen zum »Barock-Zyklus« plant und liefern will, in etwa folgendes antwortet: Ja, er hatte unglaublich viel Spaß mit den Figuren aus dem »Barock-Zyklus«, und er könnte locker und würde gerne mehr über sie schreiben, aber er befürchtet, dass er dann nur noch über die Shaftoes, die Waterhouses, Enoch Root & Co. schreiben würde bis er alt ist, und als Schriftsteller will er doch noch einige andere Gipfel erklimmen. — Sag ich ja: heutzutage ist es edler und abenteuerlicher, keine Serienware zu schreiben!
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Immerhin hat »Reamde« meine Stephenson-Begeisterung nun so sehr entfacht, dass ich mir am Wochenende endlich das »The Mongoliad«-App besorgt habe, und bisher (nach 6 von aktuell 42 Kapiteln) finde ich diesen historischen, im Jahre 1241 n.d.Z. einsetzenden ›Martial Arts‹-Roman von »Neal Stephenson, Greg Bear and Friends« ganz fein. — Es gibt vier Handlungsstränge: a) christliche Schwertbrüder aus allen möglichen Ecken Europas, die nahe der polnischen Stadt Legnica lagern. Eine Gruppe macht sich auf den Weg nach Karakorum, mit dem Ziel, Ugedai, den Kahn der Kahns zu töten um die Mongolen zu schwächen. Die restlichen Schwertbrüder bleiben zurück, um am b) Zirkus des Schwertes der Mongolen teilzunehmen, einer Reihe von Duellen Mann gegen Mann. Erster ausführlicher Kampf: junger Wikinger mit großem Schwert gegen jungen japanischen Krieger mit Stangenwaffe. Schließlich gibt es noch c) Ereignisse am Hofe des großen Kahns in Karakorum und d) in Rom.
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Nachdem ich das längste Hörbuch meines bisherigen Lebens vor einiger Zeit abgeschlossen (die ca. 130 Stunden des »Barock-Zyklus«) habe, folgt seit letzter Woche die Hörbuchfassug »Illuminatus! – The Eye in the Pyramid«, dem ersten Buch der »Illuminatus!«-Trio von Robert Shea und Robert Anton Wilson. Der Vortrag des Erzählers Ken Campbells, und des Dialogsprechs Christopher Fairbank gefällt mir unglaublich gut. — Hier der Beginn von Campbells Vortrag als illustriertes ›youtube‹-Filmchen (die Soundqualität des Hörbuches ist freilich um einiges besser).

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Film
  • Jim Emerson bietet auf seiner ›vimeo‹-Seite schon seit langen nette kleine Filmchen an, aber in den letzten Tagen hat er einen interessanten Dreiteiler, »In The Cut«, zusammengestellt, in dem er der Frage nachgeht, anhand welcher handwerklichen Kriterien des Schnitts man gute von schlechten Äktschn-Sequenzen unterscheiden kann. Er analysiert zuerst ›schlechten‹ Äktschn-Schnitt in Shots In The Dark (anhand von »The Dark Knight«); dann ›guten‹ Äktschn-Schnitt in A Dash Of Salt (anhand von »Salt«); und als Referenz zeigt er die Tugenden von drei Klassikern der Autohatz-Äktschn in I Left My Heart In My Throat in San Franciso (anhand von »The French Connection«, »Bullitt« und »The Lineup«). — Ich kann mir vorstellen, dass nun viele Molochronik-Leser (wie ich) der Meinung sind, dass »The Dark Knight« sicherlich bratziger und unterm Strich ›besser‹ ist als »Salt«. Dem Urteil von Emerson was die beiden herausgestellten Autoverfolgungen dieser Filme betrifft, kann ich aber nicht widersprechen.

In the Cut, Part I: Shots in the Dark (Knight) from Jim Emerson on Vimeo.

  • Auch Rob Ager analysiert Filme. Allerdings konzentriert er sich auf weit mehr, als das reine Handwerk, sondern kümmert sich um Themen, Zeichen, Querverweise, Perspektiven und wie diese erzählerisch arrangiert werden. Ein besonders gelungenes Beispiel für Agers ausführliche ›youtube‹-Dekonstruktionen ist sein Vierteiler »A City Of Nightmares« zu David Lynchs »Mulholland Drive«.


Literatur
  • Übersetzen betrachte ich als sehr edle Sache. Nicht umsonst bin ich sehr froh, dass ich nach Jahren des Übersetzens aus Lust und Laue nun für Golkonda Ted Chiangs Kurzgeschichten übersetzten durfte. — Einer der ›prominentesten‹ und fleissigsten Übersetzer, Joachim Körber, hat letztens mit Torsten Dew vom ›Wortvogel‹-Blog ein langes und interessantes Interview über seine Arbeit geführt: Teil 1: »Gott, habe ich dieses Buch gehasst«; und Teil 2: »Niemand sitzt in New York und sieht sich Wim Thoelke an!«.
  • In den nächsten Tagen erscheint auf Engisch der abschließende dritte Roman von Scott Westerfelds (Prosa) und Keith Tompsons (Illustrationen) »Leviathan«-Trio. Den namensgleichen ersten Band habe ich hier kurz bejubelt. Für ›io9‹ haben die beiden ein paar Worte dazu verlohren, warum sie den Ersten Weltkrieg als Setting für ihre Geschichte gewählt haben: Why World War I should be the new World War II.
Wunderwelt der Pflanzen
  • Der Klangkünstler Diego Stocco zaubert Rhythmus-Mukke mit einem Bonsai als Instrument: Music From a Bonsai.

Diego Stocco - Music From A Bonsai from Diego Stocco on Vimeo.

  • Ich finde es immer wieder erstaunlich, wenn ich entdecke, dass es in der tatsächich stattfindenden Wirklichkeit ›magisch‹ anmutende Bauten gibt, denen ich zuerst in Fantasy-Welten begegnet bin. In so manchem Fantasyweltenbau züchten z.B. Elfen sozusagen Mega-Bonsai-Architektur. Hier nun ein Bericht der ›Architzer‹-Website über aus Baumwurzeln geschaffene Brücken in Indien: Living Infrastructure.
Kunst
  • Wie man mit Schnürchen feine Zeichnugen an die Wand nadelt, zeigt die Künstlerin Debbie Smyth.
  • Porzellan taugt immer noch als Material für modern-barocke Kunst, wie Katsuyo Aoki zeigt.
  • Monstertorten in quitscherosa bietet uns Scott Hove.
  • Colin Johnson erstellt große Collagen-Zeichnungen. Entdeckt habe ich ihn über seine Arbeit »Everything or Nothing«
  • Befremdlich-poetische Miniatur-Skulpturen baut Thomas Doyle.
  • Zum Schluss hält Sunni Brown eine ergreifende ›TED‹-Rede für die Kunst des Kritzelns: Doodlers, unite!
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geschrieben von molosovsky,
am: Dienstag, 16. Aug. 2011
Eintrag No. 745 — Hier also wieder mal eine Doppelnummer (um die Wochenzählung aufrecht zu erhalten). Es herrscht Wochenrückblick-Sommerpause bis Ende August, Anfang September, weil ich ziemlich viel Brotjob-Dienst schiebe, meine derzeit laufenden Serien (»Eine andere Welt« von Grandville und meine Buchregal-Wanderung) jedoch nicht gefährden möchte. Nächster Wochenrückblick kommt voraussichtlich erst in zwei Wochen.

Lektüre: Da ich nicht viel Musenzeit zum Lesen habe, bevorzuge ich in den letzten Wochen ›leichte‹ Comic-Stoffe. Guter Grund endlich mit »Hellboy« aufzuholen. Jahrelang hatte ich mich nicht um den großen Roten gekümmert und nur die ersten drei Sammelbände auf Englisch im Haus. Mittlerweile genieße ich den neunten Sammelband, »The Wild Hunt«. »Hellboy« ist eine der ganz wenigen Phantastik-Serien / Franchise-Produktionen, der ich verfallen bin. Ich mag die Comics, ich mag die Spielfilme (die endlich endlich den großartigen Ron Perlman zu einem Hauptdarsteller-Star gemacht haben), ich mag die Zeichentrick-DVDs, ja ich fand sogar die erste Doppelfolge der deutschsprachigen Hörspiele von Lausch ganz nett. Himmel!!! Ich hab einen »Hellboy«-Schlüsselanhänger … soviel zu meinem Status als Fanboy. — Als nächstes steht bevor, mir das gute Dutzend Sammelbände des Ablegers »B.P.R.D.« anzuschaffen. Seufz … Freu.
— Ach ja: passend zum Thema gratuliert für ›Der Tagesspiegel‹ Moritz Honert dem deutschen Verlag von »Hellboy«, Cross Cult, zum Zehnjährigen: Happy Birthday, Höllenjunge.
— Und dann hat auch noch ein Deutscher, Hendrik Berends, den »Re-kreiere ein Hellboy-Cover«-Wettbewerb von Dark Horse gewonnen. Glückwunsch!

Ebenfalls am nachholen bin ich, was die Werke von Meister Neal Stephenson angeht. Endlich habe ich mir sein Roman-Debüt »The Big U« aus dem Jahre 1984 besorgt und bin seit vorgestern halb durch damit. Eine wunderbare, lustige Campus-Gaudi in der sich Zimmergenossen mit Metal- und Orgelmusik bekriegen; ein Englisch-Prof. erklärt, warum Noten geben wie Poesie ist; einer Gruppe CoSim- & Rollenspieler, die baff vor Staunen ist, wie ein Computergenie bei seinem erstem Spiel den zweiten Weltkrieg mit den Achsenmächten gewinnt; Studentenparlamets-Sitzungen mit Budget-Gerangel und Vorbereitungen zum großen Fantasy Island-Fest des Frauen-Wohnflügels. — Erstaunlich, wie hoch die Ansprüche von Stephenson an sich selbst sind, denn er stuft dieses Debüt als minderwertig ein. Erst, als die Preise für diesen vergriffenen Roman unverschämt hochschnellten, stimmte er zu, dass man ihn neu auflegt (sehr anständigt von ihm!). Und wiedermal muss ich eine Schande der deutschen Verlagslandschaft ankreiden, denn bisher gibt es diesen unterhaltsamen Roman nur als teure (wenn auch schöne) Edition Phantasia-Ausgabe in kleiner Auflage. Ich halte es nicht für sooo wahrscheinlich, dass eine Taschenbuchausgabe zwangsläufig ein völliges Verlustunternehmen darstellen würde. — Schon richtig, dass in diesem seinem ersten Roman noch nicht der ganze Stephenson in voller Pracht erblüht. Aber eine seiner bedeutensten und kurzweiligsten Stärken brilliert bereits deutlich, sein geschicktes Händchen fürs Satirisch-Humoristische.

Nun aber zu den Links, diesmal ohne Kategorien, und mit einer Extra-Portion Filmchen.
  • Schöne Gelegenheit zum ersten mal etwas von Brad ›Cinema Snob‹ Jones vom ›That Guy With The Glases‹-Portal zu verlinken. Geht es um Nazis in der Popkultur, gibt es wenige, die unentschlossen bleiben, ruhig Blut wahren oder mit ›ist egal‹-Haltung in der Mitte verharren. Die meisten finden Nazis in der leichten Unterhaltung entweder meistens prinzipiell & ohne wenn und aber unakzeptabel, oder haben (wie ich oftmals) ihren Spaß damit, wenn diese Musterbösewichter auf die Bühne gerufen werden, um zu machen, was sie gut können: Bösewichter abgeben. Der ›Cinema Snob‹ bespricht hier einen billigen Kriegsmoral-Aufpepper aus dem Jahre 1942 namens Hitler Dead or Alive in dem drei Straßengangster mit Tommy-Gun dem Gröfaz auf die Pelle rücken.
  • ›Cartoon Brew‹ führt vor, um wie vieles das Kinder- und Jugendfernsehprogramm früher besser war als heute. So hat man in den Siebzigern jemanden wie Terry Gilliam erklären lassen, wie man einfache Trickfilme macht. Terry Gilliam's Do It Yourself Animation Show.
  • Ich liebe die Zauberer und Komiker, die bei den TED-Talks auftreten. Jüngst hat der Schweizer Marco Tempest geziegt, wie man mit drei iPod-touch-Geräten einen Saal voller Tech-Geeks zum Staunen bringt: Die Magie der Wahrheiten und Lügen










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geschrieben von molosovsky,
am: Dienstag, 02. Aug. 2011
Eintrag No. 742 — Sorry sorry sorry. Habe vor lauter Begeisterung bei der Arbeit an meiner nächsten Übersetzung für Golkonda (von der ich noch nicht verraten kann, um was für ein Projekt es geht) und Einspringen für einen Kollegen bei meinem Brotjob vergessen, dass Dienstag war und entsprechend kommt dieser Wochenrückblick etwas verspätet (und rückdatiert).

Politik, Gesellschaft & Hochkultur: Zuckerl: Popkultur & Kunst
  • ›Superpunch‹ empört sich zurecht: Da kreiert eine Werbeagentur für ‘ne Paracetamol-Werbung ein irre detailiertes Skulpturen-Panorama, Paramex: End the Pain, das schön anzuschauen ist und bei dem es sich auch lohnt, sich die Zeit zu nehmen, all die kleinen Szenen zu entdecken (mein Liebling: links hängen Skelette von Hingerichteten, und dazewischen auch ein großer gehörnter Fisch). Das alles wäre wirklich schön und gut, hätte die Agentur nicht einfach nur offensichtlich das Werk des Künstlers Kris Kuksi abgekupfert (mit dem feinen Unterschied, dass Kuksi seine Skulpturen aus echtem Zeugs zusammenbaut und nicht photoshoppt)
  • Harry Potter ist nun auch als Film feddich. Gelegener Anlass um Euch zu zeigen, wie die Potter-Charaktere als Manga (via ›Burnred‹, unbekannter Künstler), oder als Disney-Version (bei ›lenneltan‹) aussehen könnten.
  • ›Ufunk‹ präsentiert die Surrealistic Pillow-Photoserie von Ronen Goldman. Mein Liebling: Mann verteidigt sich mit Regenschirn gegen angreifenden Apfelschwarm.
  • Endlich vereint: Yoda und Kermit! Jetzt warten wir nur noch auf einer Duett-Fassung des Liedes »Grün sein, leicht sein ist es nicht«. — Und hier gehts zur Website des Künstlers Peter de Sève.
  • Stellt Euch vor, der unvergleichlich durchgeknallte Eugen Egner würde quietschebunte Pop Art-Cthulhu-Sachen machen: in etwa so wirkten die Sachen von Leong Wan Kok auf mich.
  • Traumatron Illustrations bietet ein ›flickr‹-Album mit sehr schönen Twin Peaks-Motiven! Gibt es auch als T-Shirts. Ich glaube, das hier ist bald meines.
  • Zum Schluss wieder mal ein ›Cracked After Hour‹-Filmchen. Diesmal wird die Frage verhandelt was die beste Superheldenkaft ist

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geschrieben von molosovsky,
am: Dienstag, 19. Jul. 2011
Eintrag No. 735Lektüre: Geht etwas wild und durcheinander zu bei mir derzeit, da ich in einer Phase bin, in der ich verschiedenes durcheinander lese. Auf dem Gebiet der Sachbücher erfreue ich mich zweier Aufsatzsammlungen zum Thema Science Fiction.

1) »Red Planets. Marxism and Science Fiction« (Hrsg. von Mark Bould und China Miéville), in dem sich 13 Texte finden. In der Einleitung leistet Mark Bould eine interessante Schau auf die Veränderung der Kommentierung der globalen Ökonomie durch die SF anhand von Jules Vernes »20.000 Meilen unter dem Meer« und »The Matrix«. — Die erste Abteilung »Things to Come« beschäftigt sich mit den Spuren des utopischen ›noch nicht‹ von Ernst Bloch; — die zweite Abteilung »When Worlds Collide« legt u.a. am Beispiel der Werke von Charles Stross und Ken MacLeod dar, wie SF geschichtliche Zustände kommentiert, in denen sich Gelegenheiten für revolutionäres Hanlen eröffnen; — die dritte Abteilung »Back to the Future« schlägt am Beispiel der Werke u.a. von Philip K. Dick, Ursula K. Le Guin und dem Weimarer Kino alternative Science Fiction-Studien vor, die vom durch Darko Suvin gesetzten Paradigma abweichen. In seinem Nachwort »Cognition as Ideology: A Dialectic of SF Theory« nimmt China Miéville dann Suvins Theorie derart beim Wort, dass deren unterschwellige ideologische Setzungen deutlich zu Tage treten.

2) Eine wahre Fundgrube (mit 554 großformatigen Seiten) ist »The Routledge Companion to Science Fiction« (Hrsg. Mark Bould, Andrew M. Butler, Adam Roberts & Sherryl Vint). In vier Abteilungen werden Aufsätze zu den Bereichen Geschichte (18 Texte), Theorie (14 Texte), Themen und Herausforderungen (12 Texte) und Subgenres (12 Texte) geboten. — Soweit ich die Texte zur Geschichte der SF gelesen habe (die Ausführungen zur Literatur, Film und Comics umfassen), bin ich schwer begeistert über die nüchternen und sachkundigen Darlegungen. — Der Theorie-Teil berücksichtigt neben den zu erwartenden Aufsätzen über Feminismus, Sprache, Postmoderne und postkoloniale Studien auch Texte über marxistische SF-Theorie, Queer-Theory, Virtualität und Posthumanismus. — Die Abteilung Themen und Herausforderungen sind vor allem für akademische Leser von Interesse, denn hier werden Themengebiete behandelt, die sich (wenn) noch eher am Rande der universitären Diskurse abspielen, also Sachgebiete wie z.B. Tierstudien, digitale Spiele, Umweltfragen, Musik und Pseudowissenschaft. — Der Subgenre-Teil widmet sich dann gebräuchlicheren speziellen Feldern und Betrachtungswinkeln wie Arthouse- und Blockbuster-Filmen, Hard-SF und Space Opera, Alternativgeschichten und Slipstream. Besonders freut mich natürlich der Aufsatz über Weird Fiction von China Miéville.

Bereite mich auf’s zehnjährige Jubiläumsrekapitulieren von IX.XI. vor, u.a. indem ich Mathias Bröckers (dessen »Die Drogenlüge« ich empfehlen kann) & Christian C. Walthers »11.9. Zehn Jahre danach« lese. Gutes Buch, das zusammenträgt, welche Teile der offiziellen Geschichtsschreibung (vor allem »9/11 Commission Report«) einer ordentlichen staatsanwaltlich-forensischen Untersuchung nicht genügen, wer also nochmal vorzuladen ist, welche Unterlagen freizugeben sind, welche Umstände von unabhängigen Experten geprüft werden müssten. Es ist ja wahrlich erstaunlich und empörend, was da von Statten ging und geht: wie die offizielle Untersuchung geführt wurde, welche Erkenntisse, Spuren und Zeugen (begründungslos oder mit platten Ausflüchten) unberücksichtigt blieben.

In der ›F.A.Z.‹ (im Netz nun anderswo nachzulesen) erschien am 15. Juli eine Kurzkritik von Raphael Gross, der sich darüber beklagt, dass das Buch in einer ARD-Sendung lobend vorgestellt wurde: Verschwörungstheorie: Was geschah am 11. September 2001? / Die ARD präsentiert ein Panorama der Unsicherheiten. — Eine, wie ich finde, ziemlich ungustiöse Kritik, denn Gross geht gar nicht auf die Sache selber ein, sondern verfrachtet Autoren und Ansinnen einfach mal in die böse Ecke des Krypto-Antisemitismus. — Erfrischend dann aber wieder die Erwiderung von Herrn Walthers im Blog von Herrn Bröckers: Versagende Überwachungsinstanzen.
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Um nicht kirre zu werden vor lauter Sachbuch-Fakten entspanne ich mich mit den »Demon Download«-Büchern von Jack Yeovil (= Kim Newman).

Ich habe diese Quatrologie vor ca. 20 Jahren unkomplett gelesen. Neben den »Warhammer Fantasy«-Romanen von Yeovil gehören die »Demon Download«-Bücher nicht nur zum Besten, was jemals für die legendäre Spieleschmiede ›Games Workshop‹ geschrieben wurde, sondern auch zum Höhepunk dessen, was ich (bisher) an knackiger, exzellent geschriebener Genre-Krachbumm-Phantastik kenne.

Allein die Mischung! Der ›Dark Future‹-Weltenbau ist in einer nahen, ziemlich kaputten Zukunft angesiedelt und erinnert an Stoffe wie »Mad Max« und »Die Klapperschlange«. Wir haben also knappe Rohstoffe, chaotische Zustände in gesetzlosen Zonen der U.S.A., eine korrupte Regierung die nach der Peiffe großer Technologie- und Bio-Ware-Unternehmen tanzt, überall auf der Welt gewalttätige Konflikte zwischen Unabhängigkeits-Kämpfern und Hegemonie-Söldnern, während mediale Blödmaschinen die neusten Promi-Skandale und Sexutainment-Spielchen verbreiten. Western-artig ist der Gesetzeshüter- und Banditen-Konflikt, nur wird weniger geritten als mit Autos, Trucks und Motorrädern herumgefahren. Vom Cyperpunk entleiht man sich transhumanistische Gadgets, Hackerei und Datensurfen. Von Lovecraft und den Seinen übernimmt Yeovil das Konzept der Großen Alten, also finsteren Dämonen, die danach trachten, ihr Unwesen auf der Erde zu treiben. Das alles ist angereichert mit deftigen parodistischen und satirischen Dreingaben, ohne dass die äktionreichen Stories darunter leiden.

(Deutschsprachige) Phantastik-Links Zuckerl: Popkultur & Kunst
  • Habe in den vergangenen Tagen nach neuen Schreibtischhintergrund-Schmuckbildern gestöbnert und folgende Gemmen geerntet: Behold the Power; — Lions, Kenya (Photo von Wai Chun Turnbull bei ›National Geographic‹); — Tree, Arches National Park (Photo von Bill Keaton bei ›National Geographic‹).
  • Unter dem Titel Nahaufnahmen hat ›Der Freitag‹ ein schönes Portfolio der Reportagen-Illustrationen von Güdel zusammengestellt. Ich bin ein leidenschaftlicher Fürsprecher der Tradition, Zeitungstexte mit genuinen Illustrationen zu versehen.
  • Zweimal dolle Kunst, die im Blog ›This is colossal!‹ vorgestellt wurde: Zum einen die Verpixelten Tiere von Laura Bifano. Eine wahrhaft schräge Idee, in Gemäldeform Tiere so darzustellen, als ob sie aus Pixelblöcken zusammengesetzt wären.

    Zum zweiten die Stahldraht-Skulpturen von Tomohiro Inaba.
  • Am Schluss noch ein Clip mit humorigen Werbefilmchen für eine Hypotheken-Firma: Lustige ›Ameriquest‹ Werbung.


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geschrieben von molosovsky,
am: Donnerstag, 14. Jul. 2011
Eintrag No. 734 — Wir sind immer noch beim ersten, dem nord-östlichen 80-cm Billy-Regal. Unter den Kunst-Bildbänden stehen die kleineren Bücher mit Meisterwerken der Zeichnerei.



Links beginnt es mit einer seltsamen dreibändigen verkleinerten Ausgabe eines eigentlich großen fetten Bildbandes über Leonardo da Vinci. Es folgen die jeweils zweibändigen Werke-Bände zu den Großmeistern Jacques Callot, Honoré Daumier, Grandville und Gustave Doré.
— dem folgt ein Buch mit Zeichnungen von Heinrich Vogeler, und dann kommt ein Quartett älterer kleiner Bildbände von 2001, jeweils im Schuber, die mir besonders wertvoll sind: vom großartigen Erzphantasten Max Ernst sowohl »Une semaine de bonté« als auch »La femme 100 têtes«, ein feiner Werke-Band zu Aubrey Beardsley, sowie ein erstaunlicher Ritt durch das Werk des phantastisch-erotischen Illustrators & Ex Libris-Spezialisten Franz von Bayros.
— Daneben dann die drei großen Werke des Kurt Halbritter. (Stelle erstaunt und erschüttert fest, dass es kaum etwas über oder von Halbritter im Netzel gibt!)
— Nach rechts tröpfelt es dann aus mit einzelnen Bänden verschiedener Art: ein Edward Gorey-Schnäppchen hie; zwei kleine Nikolaus Heidelbach-Büchleins da; natürlich »Die Drei«.
— ein ganz besonders irres und mich früh prägendes experimentelles Cartoon-Werk ist »Der Bus« von Paul Kirchner. Auch F. W. Bernsteins »Sternstunden eines Federhalters« möchte ich erwähnen.

Oben auf liegen drei meiner fünf Sammelbände der guten alten »Die Zeit«-Kreuzworträtsel »Um die Ecke gedacht« (man muss ja für das Alter vorsorgen); mittig dann ein paar Seyfried- und ein Crumb-Comic; rechts dann Van Goghs Briefe und zwei Tomi Ungerer-Büchleins.

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geschrieben von molosovsky,
am: Dienstag, 12. Jul. 2011
Eintrag No. 733 — Keine Zeit.
Keine Einleitung.
Hier die Links.

Politik, Gesellschaft & Hochkultur: (Deutschrachige) Phantastik-Links
  • Großartige Nachricht bei ›SF-Fan‹: »Encyclopedia of Science Fiction« – bald online und kostenlos!.
  • Großartiger Essay bei ›Bibliotheka Phantastika‹: Die Redaktion hat unter dem hinreissenden Stichwort ›Metaflöz‹ Acht Argumente für Fantasy & Phantastik zusammengestellt, die flappsig in etwa so gehen:
    1) Beurteile ein Buch nicht nach seinem Umschlag! (Ja schon klar, dass viele Fantasy-Cover einfach nur ›würg‹ sind … das wurmt anspruchsvolle Fantasy-Leser mit Geschmack ganz besonders).
    2) Die großen Fantasy-Erfolge liefern keine gute Orientierung dazu, was Fantasy alles ist (bzw. sein kann). Ein bischen schwächelt dieses Argument finde ich, denn die großen Fantasy-Erfolge der letzten Jahre sind schon ziemlich typische Vertreter ihres Genres. Kommt halt darauf an, wie sehr man sich auf diese ›Ideal-Vertreter‹ kapriziert und von ihnen bei seinen Betrachtungen des Genres (ab)lenken lässt.
    3) Mythen, Romantik und überhaupt die ehrenvolle Ahnen-Traditionslinie des Genres!
    4) Zitier ich den anfänglichen Kernsatz ganz, denn dieses Argument ist m.E. kommt etwas schwach und verglückt rüber:
    Fantasy erlaubt, Probleme der realen Welt durchzuspielen, ohne exakt an die Nachzeichnung realer Umstände gebunden zu sein oder irgendjemandem aus ebendieser realen Welt mit Schuldzuweisungen etc. auf die Füße zu treten – sei es, dass es um allgemeingültige Schwierigkeiten geht, die in Mittelerde ebenso auftreten wie in Mitteleuropa, sei es, dass bestimmte Dinge im weitesten Sinne symbolisch zu verstehen sind
    Die Sache mit dem ›tritt niemanden auf die Füsse‹ wäre für mich eher eine Schwäche, statt eine Stärke.
    5) Fantasy ist eine ›Was wäre wenn?‹-Experimentierwiese. Hmmm, … ist das nicht jegliche Art von Fiktion?
    6) (Gute) Fantasy bietet den Reiz des ganz anderen, des Unbekannten.
    7) Zur Abwechslung eine geschwollene Umschreibung des Arguments, soweit ich es im Guten zu verstehen glaube: Fantasy gemahnt an die mythische Geworfenheit des Einzelnen in einer für diesen nur zum kleinsten Teil durchschaubaren Welt, die sich einem letztendlichen Verstehen sowie der vollkommenen Kontrolle entzieht. Gerade deshalb also bitte erst fühlen, denken und ethisch-moralische Folgen abwägen, dann drauf los handeln.
    8) Fantasy hat einen ästhetischen Wert. ›Jupp‹.
  • Großartige Rezi im ›Fantasyguide‹-Blog: Oliver schweift denkanregend über »Kraken« von China Miéville ab. Wenn Extremisten verschiedener Weltanschauungen gemeinsam etwas unternehmen.
  • Hoffnungsstiftende Nachricht im ›Feenfeuer‹-Blog: Die ›Phantastische Akademie e.V.‹ ruft den ›Seraph Literaturpreis‹ ins Leben.
Zuckerl: Popkultur & Kunst

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geschrieben von molosovsky,
am: Mittwoch, 06. Jul. 2011
Eintrag No. 729 — Weiter geht es mit dem nord-östlichen Billy-Regal (einem 80-er), in dem meine erste Abteilung Bildbände mit Kunst, Karikaturen und Phantastik stehen.



Von links aus geht es los mit dem Japaner Higashiyama Kaii (dessen Ausstellung in Hamburg ich 1989 besucht habe), wunderbare Meditationsvorlagen;
— dann gleich krasser Stilwechsel hin zu den bissigen Satirezeichnern Cássio Loredano und Ralph Steadman;
— an die reiht sich der etwas gediegenere (aber immer noch böse) Roland Searle, der zur Mischung ›klassischer‹ 70-er & 80-er-Jahre Fantasy-Künstler überleitet: die »The Studio«-Gruppe (Wrightson, Kaluta, Windsor-Smith), sowie Josh Kirby (der ältere, verstorbene bedeutende ›Scheibenwelt‹-Künstler);
— etwas ungeordnet daraufhin altehrwürdige Exzentrik von Archimboldo und Piranesi;
— großartig die feinen Sachen des Italieners Tullio Pericoli;
— weiter mit Altmeistern Bosch, Breughel, Rops und natürlich Escher;
— hier einer von zwei Giger-Bänden, der nicht bei den riesigen Schinken steht (die befinden sich in einem der Ausnahme-Regale für besonders große Bücher);
— links und rechts eines kleinen Bandes mit Grosz-Zeichnunen dann die beiden mir kostbarsten Bücher dieses Bildbandregals: Werke der leider kaum bekannten deutschen Satire- und Phantastikmeister A. Paul Weber und Fabius von Gugel;
— dann eine Batterie der mittlerweile anerkannten ›Witzebild‹-Künstler Hans-Georg Rauch, die unvergleich genialen Diogenes-Bände von F. K. Wächter , die Haffmans- (bzw. Kain & Aber-)Bücher von Kriegel, Heidelbach, Sowa und schließllich der unschätzbar ergiebige Wälzer »Bernsteins Buch der Zeichnerei« (Plichtlektüre für jeden Zeichenstift-Schwinger! Leider dazu nix im Netzl.);
— rechts tröpfelt es dann etwas ungeordnet mit Büchern von Klös, Ehrt und Karikaturen-Anthos aus. Der dicke Sachbildband »Ornament & Abstraktion« gehört Andrea, steht aber schon lange bei mir.

Obenauf liegen Ramschverkaufsexemplare der Frankfurter Stadtbücherei: wunderschön illustrierte Ausgaben von Stevensons »Die Schatzinsel« (dt.; Illus von Eleonore Schmidt) und Scotts »Ivanhoe« (engl.; Illus von Christopher Bradbury). Schließlich noch eine Sammlung mit Chas Adams-Cartoons und das Buch, welches man nur von der Seite sieht ist ein Band mit zotigen Seemans-Cartoons von Jan Sanders.


geschrieben von molosovsky,
am: Dienstag, 05. Jul. 2011
Eintrag No. 728 — Veränderung von Molos Kommunikations-Gebahren. Noch ist die Soschial-Nätwörg-Funktion ›Google+‹ in der Beta-Phase, aber ich habe mich zur Gruppe der bereits Teilnehmen gesellt. ›Facebook‹ war nie 'ne Option für mich. Zu umständlich, zu undurchsichtig, zu beschränkt, zu gierig und unterm Strich: nicht sexy, nicht Molo-like genug. Auch wenn Google zweifelsohne ebenfalls ziemlich unheimliche, sinistere Aspekte hat, macht Google+ auf mich vom Fleck weg einen besseren Eindruck. Ist eine Mischung aus Netzwerkerei (bilde Deine Kreise), Twitter- und Kurzbloggerei. Kreise kann man erstellen wie's einem taugt, aber es wird anderen nicht angezeigt, in welche Kreise man die Leuz, denen man folgt, eingeteilt hat (vorstellbar ist z.B. ein Kreis namens ›Volltrottel über deren Stuss ich mich beeumel‹) . Soviel verrate ich, dass mein erster selbst gezirkelter Kreis ›Phantasten‹ heißt.

Ab nun werde ich die Links, welche ich für einen im Werden befindlichen Wochenrückblick sammle, auf die Schnelle via meinem Google+-Konto verbreiten. Dienstags gibts dann wie gewohnt die geballte Ladung dieser Links in der Molochronik. — Neu ist auch der ›+1‹-Knopf oben in der rechten Spalte. Mit dem kann man die Molochronik ›plussen‹, sprich: empfehlen (erhört mein Ranking & wasnichtnochalles).

Schluss mit dem Getüdel. Es gibt viele Links diese Woche. Also los.

Halt. Stopp. Eines noch. Die Links sind diesmal nach etwas anderen Begriffen sortiert. Lasst mich wissen, ob Ihr die alte oder die neue Methode besser findet.

Politik & Gesellschaft
  • »Blödmaschinen«: Leider hatte ich selbst noch nicht die Zeit & Muse, einen eigenen Beitrag über mein großartiges Leseerlebnis mit diesem Buch von Markus Metz & Georg Seeßlen zu verfassen. Immerhin kann ich auf eine gute Rezension von Jürgen Nielsen-Sikora bei ›Glanz & Elend‹ verlinken: Die Herrschaft der Narren.

    — Großer Spaß auch, wie Herr Seeßlen seinem Blog (›Das Schönste an Deutschland sind die Autobahnen‹) in einem zweiten Nachtrag zum Buch auf eine mittlerweile ausgestrahlte Radio-Rezi eingeht, die dem Buch u.a. »undifferenziertes Geraune« (und wie geht ›differenziertes Geraune‹) und »obszönen Exzess an Kritik« vorwirft.

    Nebenbei-Empfehlung: Zur Klärung & Erforschung des Begriffes ›obszön‹ verweise ich auf den enorm gehaltreichen Band »Jahrhundert der Obszönität« von Eckhard Henscheid & Gerhard Henschel. Darin auch das prächtige Herbert Marcuse-Zitat:
    Nicht das Bild einer nackten Frau, die ihre Schamhaare entblößt, ist obszön, sondern das eines Generals im vollen Wichs.
    Entsprechend: Nicht die analytische Untersuchung und dialektische Kritik der Blödmaschinen ist obszöner Exzess (der Kritik), sondern eben die Totalität der Herrschaft und Stupiditätsfabrikation der Blödmaschinen.
  • Löblich: Die Tradition der »Weltbühne« fortführen will die Zweiwochenschrift für Politik, Kunst und Wissenschaft: Das Blättchen. — Ich frage mich zwar, wann ich das alles lesen soll, werde aber fürderhin die kommenden Nummern genauer goutieren. Gefreut hat mich schon mal der mir bisher unbekannte Text von Egon Friedell: »Die Revolution«.
  • Bescheidgeb: Der Verbrecher Verlag hat die Tagebücher von Erich Mühsam ins Netzel gestellt: Mühsam Tagebuch. Die Aufbereitung ist vorbildlich. Glosar ist integriert (Klick auf’n Begriff öffnet links eine Erläuterung), und Klick auf’s Datum zu Beginn eines Tagebucheintrages öffnet Fenster zu einem Scan der Originalseite. Ganz großes Lob!
  • Großartige Radiostunde! BR2 »Radiospitzen« widmet eine Sendung den diesjährigen Preisträger des Salzburger Stiers: »Cordoba – Das Rückspiel« von Florian Scheuba und Rupert Henning. Schauspieler Cornelius Obonya brilliert in allen Rollen des Stückes über ostdeutsche Flüchtlinge, einheimische Österreicher, türkische Geschäftsleute, deutsche & russische Touristen ext. — Gönnt Euch die Sendung, solange sie noch im Netz steht.
  • Versus Finanzschwarzmagier: Wieder mal, diesmal auf der Website der ›F.A.Z.‹, wurde ein Artikel zur Haushalts-Debatte mit einem Photo der berüchtigten ›Schuldenuhr‹ in Wiesbaden bebildert. Warum gibt es eigentlich keine entsprechend prominente ›Privatvermögen-Uhr‹. — Zumindest hat Arne Babenhauserheide hat mal eine programmiert. Bitteschön



(Deutschrachige) Phantastik-Links
  • Auf den Seiten des österreichischen ›Der Standard‹ bespricht Josefson in seiner diesmonatigen SF- & Fantasy-Rundschau Die Dampf-Revolution Bücher von: David Marusek (Golkonda Verlag! Yeah!), Jeff VanderMeer, Stephen Baxter, Antoine Volodine, A. Lee Martinez, Paul di Filippo, Scott Westerfeld (»Behemoth«, Yeah!), Tobias O. Meißner, Jonathan Strahan, Ronald Malfi und Stephen Hunt.
  • ›SF-Fan‹ vermeldet die Empfänger der Kurd-Laßwitz-Preise 2011. Besonders freuen mich freilich die Preise an China Miéville (für »Die Stadt & Die Stadt«) und Juliane Gräbener-Müller & Nikolaus Stingl (für die Übersetzung von Neal Stephensons »Anathem«).
  • Jubiläum: Am kommenden Samstag, den 09. Juli, kann man den hundersten Geburtstag von Mervyn Peake feiern. Im Vorfeld dazu bot letzte Woche der ›Guardian‹ schon mal A celebration of the writing and art of Mervyn Peake. Michael Moorcock portatiert vor allem den Menschen Peake, seine Wiederentdeckung bei Penguin Modern Classics; — Hilary Spurling preist das zeichnerische Werk von Peake; — China Miéville beschäftigt sich mit den »Gormenghast«-Büchern; — und AL Kennedy schreibt über Peaks Verhältnis zu der Insel Sark.
Zuckerl: Popkultur & Kunst
  • Neues Dauer-Lesezeichen: Interessantes, simples Projekt verfolgt das ›Blog für Leser‹ Fünf Bücher von Melanie Voß und Philippe Wyssen.
  • Kunst (1): Als wären Asteroiden in der Galerie eingeschlagen, oder als hätten gigantsche, mythisch-monströse Ur-Viecher Eier gelegt, so wirken die andersweltlichen Papierobjekte (im ›This is Colossal‹-Blog) des koreanischen Künstlers Chun Kwang Young.
  • Kunst (2): Grandios wandelt Kate MacDowell mit ihren (zumeist weißen) Skulpturen auf dem schmalen Grat zwischen Verstörung und Bezauberung. Meine Favoriten in ihrem Portfolio: Hase mit Gasmaske; — sezierter Frosch mit Menschenfötus; — das Wurzelhirn. — Würde ich gerne mal im Original sehen.
  • Schockschwerenot!  Matteo Bittanti und IOCOSE haben mit der Photographin Kenzie Burchell eine erschütternde Bilderserie aufgenommen, die uns die Folgen von maßlosen Daddeln zeigen: Game Arthritis. Gottseidank stelle ich an mir selbst keinerlei erste Anzeichen eines ›Playstation Daumes‹ fest … trotzdem überlege ich, meine PS3 sofort zu entsorgen. — (Entwarnung: Das ganze ist fiese, brillante, ernste Satire, aber eben brutal verstörend dank der Arbeit der Maskenbildnerin Emma Alexandra Watts.)
  • Raumkunst: Der polnische Künstler Marek Tomasik hat aus Holz und Computerschrott eine Rauminstallertion geschaffen, die überwältigend ist. Hier zu einem Bericht bei ›Laughing Squid‹ (engl.) mit Filmchen, Photos und (ohne nervigen Computersound), und hier zur Raumphoto-Seite des Künstlers (mit nervigen Computersound): You sometimes have to be open.
  • »Der Herr der Ringe« mal anders: Wie sähe LOTR als moderne ›Kumpel auf Rundreise‹-Geschichte aus? Illustratorin Noelle Stevenson hat sich das für uns in ihrem ›A Girl And Her Demons‹-Blog die»The Broship of the Ring«. Laut gelacht habe ich über die Hippster-Hobbits (»Wie, Du weißt nicht was ein zweites Frühstück ist?!«).
  • Analyse: Nicht wirklich überraschend, dass Michael Bay in seinem neusten »Transformers«-Streifen Schnipsel aus seinem Film »The Island« recyled hat, aber dennoch erstaunlich, wie der Vergleich aussieht: »Transformers 3« scene from »The Island« von Jermain Odremán.
  • Superhelden-Humor: Die vier intelligenten Spinner der ›After Hours‹ von ›Cracked‹ streiten sich, Ob Batman schlecht für Gotham ist (engl.). Achtet auf den Asperger-Test mit den Zuckertütchen!
  • Zum Schluss ein Filmchen: Die Idee an sich ist nicht so prickelnd, ist aber gut umgesetzt. Auf zum wilden Springen durch verschiedene Populär-Genres mit der Plot Device (von ›Red Giant‹). Mein Favorit: Natürlich der S/W-Krimi mit kommentiernder Gedankenstimme aus dem Off.

Plot Device from Red Giant on Vimeo.

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geschrieben von molosovsky,
am: Dienstag, 28. Jun. 2011
Eintrag No. 725 — Derweil nur die Links. Leider sehe ich mich nicht vor Freitag dazu kommen, auch etwas über die Lektüren und Filmsichtungen der vergangenen 14 Tage zu schreiben.

Nur soviel auf die Schnelle: »Blödmaschinen« von Georg Seeßlen und Marcus Metz war für mich die ganzen vielen 780 Seiten spannend und ertragreich. Absolute leseempfehlung meinerseits.

Und das neue Opus von Terrence Malick, »Tree of Life«, gefällt mir zwar nicht ganz so gut wie »Thin Red Line« und »The New World«, führt aber dennoch exzellent vor, wie toll, tief und kunstvoll Kino sein kann.

Hier die Rückblick-Links, teilweise auf Hau-Ruck-Art.

Netzfunde (Deutschrachige) Phantastik-Links
  • Jubiläum: 25 Jahre ist es (echt schon…?; : !) her, dass Alan Moores & Dave Gibbons Meisterwerk »Watchmen« erschienen ist. Guter Grund für ein Sachbuch (»Under the Hood – Die Verweis-Struktur der Watchmen« von Hans-Joachim Backe) zu diesen lecker-schmecker semiotischen Spaghetti unter den Graphic Novels und eine Besprechung desselben für den ›Tagesspiegel‹ durch Lars von Tröne: Pop-Exegese: Forschungen in der Parallelwelt.
  • Für ›Omnivoracious‹ unterhält der eine Meister der zeitgenössischen Phantastik, der Amerikaner Jeff Vandermeer, sich mit dem anderen, dem Engländer China Miéville, über den neuesten Roman von letzteren: »Embassytown«.
  • Was dein Lieblings-»Alien«-Film über Dich verrät (engl.) — Meredith Woerner hat für ›io9‹ diesen Persönlichkeits-Bespiegelung ausbaldowert. Mich spricht demnach die kalte, dunkle Welt des Unbekannten an, denn mein Favorit ist immer noch der erste »Alien« von Ridley Scott (allein schon wegen der Pionierleistung).
Zuckerl
  • Verrückte Skulptur-Kunst von Tim Hawkinson stellt ›Indianpolis Museum of Modern Art‹ vor: irre Mischung aus Modellbau und Mathematik, dieses Möbiusband-Schiff.
  • TGWTG No 1: Stimme den Entscheidungen des ›Nostalgia Critic‹ in allen Punkten zu, wenn er bei seiner neusten Ausgabe von ›Alt vs. Neu‹ der Coen-Brüder-Fassung von »True Gritt« gegenüber der John Wayne-Fassung den Sieg einräumt: Old vs New: »True Grit«.
  • TGWTG Nr. 2: Wer Popkorn- und Genre-Knall-Bumm mag und dennoch einen (Anstands-)Rest Geschmack und Hirn nicht missen möchte, kann sich Bestätigungswonnen verschaffen bei Mathew ›Film Brains‹ Buck genüsslicher Zerlegung von Michael Bays »Transformer 2 – The Revenge of the Fallen« (zweites Video von oben ist der fast einstündige komplette Megacut).
  • Laaange und sehr kluge Besprechung mit reichlich Zeitgeschichts- und Kultur-Erklärung zu Thomas Pynchons »Inherent Vice« hat John Carvill für ›Bright Lights‹ geschrieben: The ›Bong‹ Goodbye (engl.).
  • Filmpalaver: was kommt raus, wenn sich zwei Regiesseure, deren Werk ich sehr schätze, ungezwungen unterhalten? Gebt Euch den Wahn mit Lars van Trier und Paul Thomas Anderson (engl.) auf ›Cigarettes & Red Vines‹.
  • Kurz vor Schluss ließ mir Andrea einen Link-Tipp zukommen. Vorsicht: Über-Putzigkeit voraus! Hier kommt der kleine Eichhörnchen-Nachwuchs im ›flickr‹-Blog.
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geschrieben von molosovsky,
am: Dienstag, 31. Mai. 2011
Eintrag No. 718 — Welche Gemeinsamkeit haben »Thor«, »Hanna«, »Scream 4«? Sind alles Filme, die ich gerne auf Englisch im Kino sehen würde, aber seit es kein Turm-Kino mehr gibt, ist das frankfurter Angebot englischsprachiger OV-Filme erschreckend zurückgegangen. Ich erlaube mir etwas zu grummeln.

Gibsert Haefs: »Die Rache des Kaisers«, Goldmann Taschenbuch, 2011. Klick auf das Bild führt zu einer Leseprobe der ersten 40 Seiten.Lektüre: Seit ich als Jugendlicher über den Haffmans-Verlag das Schaffen von Gisbert Haefs kennen- & schätzen gelernt habe, gehört er zu den Autoren, deren Bücher mich seit vielen Jahren begleiten. Haefs hat als Krimi- (›Balthasar Matzbach‹-Romane) & HistoAbenteuer-Fabulant (»Hannibal«, »Alexander«), als Übersetzer & Werksausgaben-Herausgeber (Sherlock Holmes, Ambrose Bierce, Rudyard Kipling, Jorge Luis Borges) und als Selbsteinsprecher eines Hörbuches (»Roma. Der erste Tod des Marc Aurel« ist eines meiner Allzeit-Lieblingshörbücher) bewiesen, dass er einer der ganz wenigen hiesigen Gegenwartsautoren ist, die es druffhaben, die Tradition klassischer Unterhaltungs-Genre gekonnt fortzuführen. — Entsprechend habe ich mir die Taschenbuchausgabe der neuesten Unternehmung von Haefs besorgt, »Die Rache des Kaisers«. Der Roman erzählt die Geschichte von Jakob Spengler, der 15 Jahre alt ist, als er Anno 1519 vom Waldrand aus beobachtet, wie eine Schaar Söldner sein Heimatdorf niedermetzelt. Die Gesichter der vier Anführer prägen sich Jakob ein. Einige Jahre begleitet er als ›gefundener Sohn‹ einen orientalischen Diplomaten und dessen beiden Krieger-Diener, dann macht sich Jakob auf, die Schlächter seiner Familie zu suchen. Bisher habe ich das halbe Buch durch und finde es angenehm kurzweilig. Das Chaos und die Grausamkeiten der Bauern- & Söldner-Aufstände & Reformations-Unruhen sind passende Gelegenheiten, um kritische Gedankengänge über Religion, Gott, Abkehr vom Glauben, soziale Ungerechtigkeit und dergleichen einzustreuen. Wie immer versteht es Haefs, knapp und ohne langes Gefasel ein lebendiges Ensemble zu schaffen, Orte zu beschwören, komplexe Zusammenhänge zu erklären. Geschickt werden die ernsteren und abenteuerlichen Passagen abgewechselt durch beispielsweise romantische, zünftige oder alberne Stellen. Wenige Unterhaltungsautoren beherrschen diesen Kniff. — Ich liebe es, wenn plötzlich in einer eigentlich ziemlich harten Rachegeschichte wie hier, solche Sachen abgehen: Jakob und Freund / Waffengefährte Avram verbringen schwermütige Tage in Venedig und verfallen beim Wein in folgenden Dialog (Seite 204). Avram fragt, mit welchem Spitznamen Jakob Venedig bedacht hat:
»Kanalrattenstadt«, knurrte ich, »mit Wänden voller Kanalrattenschatten.«
{…} »Schlafen Ratten auf Matten? Werfen dabei Kanalrattenmattenschatten?«
Er {= Avram} rülpse leise: »Das will erwogen sein. Wenn sich zwischen platten Schatten satte Ratten matt begatten…«
Meine Freude am neuen Roman von Gisbert Haefs ist eine passende Gelegenheit, einige Erzähl-Tugenden zu benennen, welche »Die Rache des Kaisers« beispielhaft auszeichnen, und die ich allen Genre-Autoren zur inniglichen Beherzigung nahelegen möchte:
1) Überkandidelte Sprache braucht kein Mensch. Aber es steht auch vornehmlich auf Unterhaltung abziehlenden Reissern gut an, die Prosa (natürlich passend zum jeweiligen Stoff) hie und da mit kleinen Sprachkapriolen zu würzen.
2) Zeiträume können ruhig übersprungen, die Schilderung von Ereignissen gerafft werden. Haefs führt das glänzend vor. Abenteuerliche Romane werden nicht unbedingt besser, wenn sie aufgebläht werden, weil sie immer eng am Zeitstrahl entlangkriechen. Die Darstellung von Lebensabenteuern werden nicht zwangsweise ergiebiger, wenn man alles was vorfällt ausbreitet.
3) Ruhig ab und zu einige Originaltöne einflechten. So bringt Haefs seinen Lesern die schreckliche Plünderung Roms durch spanische und deutsche Söldnertruppen durch Ausszüge aus der Chronik eines gewissen Gregorius oder Georgius nahe; zitiert die Nachwehen des Grauens durch die Schriften des Landsknechthauptmanns Sebastian Schertlin von Burtenbach. Früher im Roman listet der Icherzähler Jakob die Forderungen der aufständischen Bauern in deutschen Landen auf. So lassen sich geschickt die Kleinigkeiten von historischen Panoramen auffächern.
4) Wiegesagt: Keine Angst vor Albernheiten oder ›Sentimentalitäten‹ oder blumigen Sprachbildern. Hier eine für meinen Geschmack besonders gelungene Stelle, wenn Jakob, inzwischen gute 20 Jahre alt, eine letzte Nacht bei seiner Geliebten Laura in der Nähe von Venedig verbringt, bevor er sich wieder auf den Weg macht, sich an den vier Mordbrennern zu rächen:
Für Laura und mich wurde es eine lange weiße Nacht. Zwischendurch gab es etwas, das ich nicht Liebe nennen mag, eher einen verzweifelten gegenseitigen Angriff; der Rest war Reden, Fragen, Nachfragen, Vorwürfe. Und Laura war nie schöner als in jener Morgendämmerung, da sie neben mir lag, auf den rechten Ellenbogen gestüzt, die Honigkaskaden des Haars über Schulter und Brust. Schön wie ein geschliffenes Schwert. Als es mir das Herz schlitzte, als ihre Augen Leid sprühten und dabei trocken blieben, hätte ich gern geweint.
Jakobs Abenteuer werden im Oktober dieses Jahres mit »Das Labyrinth von Ragusa« fortgesetzt.

Netzfunde
  • Reiseberichte sind immer eine gute Lektüre. Ich durfte zuhause in den letzten Tagen schon Andreas Begeisterung für die »Russische Reise« von John Steinbeck & Robert Capa aus dem Jahre 1948 erleben. Ein Hoch auf die Büchergilde Gutenberg und die von Illja Trojanow herausgegebene Reihe ›Weltlese‹. Hier eine ausführliche Empfehlung von Thomas Hummitzsch für das Portal ›Glanz & Elend‹: Menschen wie du und ich.
  • Hatte noch keine Zeit für gründliche Lektüre des Eintrages Imagination im Online-Philosophie-Lexikon der Universität Standford. Wird aber noch erledigt.
  • Es ist mir immmer ein Vergnügen, wenn respektable Literaturkritik sich Sachen vornimmt und zudem lobt, die von feuilletonistischen oder akademischen Kreisen leider allzuoft links liegen gelassen werden. Hier bei ›Literaturkritik.de‹ bricht Ole Petras eine Lanze für DEN Meister der erotisch angereicherten ›langbeinige Grazien‹-Comics: Sex in Zeiten der Anarchie: Zur Milo-Manara-Werkausgabe, am Beispiel des Comics »El Gaucho«.
  • Folgendes ist so irre und doch passend, als ob Metallica Beethoven-Symphonien interpretieren würden. Für die ›Financial Times‹ hat Stephen Fry ein Interview mit Lady Gaga geführt. Atemlos las ich Frys Bericht und lauschte dem Treffen dieser außergewöhmlichen Künstler im kompletten Interview, wenn Fry und Gaga locker mit Oscar Wilde, Bert Brecht und Thomas Mann um sich werfen. — Hier als Zugabe ein Link zum ersten Teil vom HBO Special: Lady Gagas Monster Ball. Und jetzt dürft Ihr Euch aufhören zu wundern, dass ich was mit Lady Gaga anfangen kann. »The Fame Monster« und »Born This Way« sind gloriose Meisterwerke der überproduzierten Popmusik und wie Fry auch, habe ich mir bei den ersten Musik-Videas von ihr gleich »Aha, Verfremdungseffekt! Kabarett!« gedacht und den Wahnsinn für gut beheissen.
(Deutschrachige) Phantastik-Links
  • Ich selber werde wahrscheinlich kaum dazu kommen, an der SF-Challange des Schweizer Anlegestelle für Bibliophile ›raVenport‹ teilzunehmen. Aber die Aktion findet meine Sympathie und ich bin gespannt auf die Beiträge.
  • ›Fictionfantasy‹ und ›Literatopia‹ präsentieren Der Phantast No 2: Dunkle Zeiten, 82 satte Seiten, diesmal mit deutlich verbessertem Layout, feinen Illustrationen von Frank Melech, und lesenswerten Artikeln und Rezensionen. Besonders freuen mich die Besprechungen zu Karl Capeks »Der Krieg mit den Molchen«, zu Paolo Bacigalupis »Biokrieg« und der begonnenen Gesamtausgabe von »Valerian & Vernonique« von Jean-Claude Mézières & Pierre Christin.
  • Das lobe ich mir. ›Deutschland-Radio: Wissen‹ hat ein kurzes Feature über RETRO-FUTURISMUS: Der Steampunk erobert Deutschland gebracht und diesbezüglich jemanden interviewt, der bescheid weiß: Clockworer-Kapitän Serenus Zeitbloom.
Zuckerl
  • ›peacay‹ bietet in seinem erstaunlichen Blog ›BibliOdyssey‹ wieder mal eine Gemme der Illustrationskunst: Peter Pan in Kensington Gardens, mit Arbeiten des unvergleichlichen Arthur Rackham zu James M. Barries Meisterwerk.
  • Der geniale John Coulthart hat für ›Tor:Com‹ eine Übersicht zusammengestellt: H.P. Lovecraft’s Favorite Artists, die solch illustre Meister der graphischen Seltsamkeiten und Extra-Devi-Vaganz wie Heinrich Füssli, Francesco Goya, John Martin, Gustave Doré, Sidney Syme, Nicholaus Roerich, Anthony Angarola und Virgil Finlay, versammelt
  • Sehr appart finde ich gelungene Mischungen aus Horror und Niedlichkeit, wie z.B. das ›2photo‹-Portfolio von Tony Sandoval zeigt. Besonders grauslig-niedlich finde ich diese nackte Schönheit mit Monster-Eingeweiden; — diese im Wasser sich spiegelnde Geistererscheinung; — und diese umschlungenen Skelette, die mich an eines der besten Roman-Enden aller Zeiten erinnern (»Der Glöckner von Notre-Dame« von Victor Hugo).
  • Nostalgie-Anfall! Beim Stöbern in iTunes habe ich entdeckt, dass Nik Kershaw immer noch vor sich hin bosselt. Als Teen war ich ein großer Fan seiner Alben »Human Racing« und »The Riddle«. Inzwischen hat er seine alberne Haarpracht abgelegt und sieht er aus wie ein richtig handfestes englisches Mannsbild. Und ich bin entzückt, über die Akustik-Version seines Hits »Wouldn’t It Be Good«, zu finden auf dem Album »No Frills«.
  • Im ›Ich höre gerade‹-Thread bei SF-Netzwerk bin ich dank eines Tipps von Kopernikus aufmerksam geworden auf Venice Classic Radio.
  • Zum Schluss ein wenig derbe Bildungshuberei. Zu meinen liebsten Musik-Schätzen gehört die »Madrigal History Tour« der King’s Singers (begleitet vom ›Consourt of Musicke‹ unter der Leitung von Anthony Rooley). Unter den aus Deutschland stammenden Liedern der Sammlung befindet sich »Vitrum Nostrum Gloriosum«, und so klingt das schöne lateinische Sauflied in der Aufnahme der King’s Singers selbst (hier in der Fassung der TV-Serie zur geschichtlichen Madrigal-Europareise). Der Text geht so:
    Vitrum nostrum gloriosum,
    Deo gratissimum.
    O, vitrum! Levate!
    Fac, fac, bibe totum extra,
    ut nihil maneat intra,
    Depone!
    Hoc est in visceribus meis.
    Prosequamur laude!

    Und wenn ich die englische Übersetzung des Beiheftes der CD ins Deutsche übersetzte ergibt sich folgender Inhalt:

    Unser herrlicher Kelch,
    zum höchsten Gefallen Gottes.
    Oh Kelch! Hebt ihn hoch!
    Kommt, trinkt ihn aus
    bis auf den letzten Tropfen.
    Hinunter damit!
    Ich fühle wie es {das Getränk} mich innerlich wärmt.
    Lasst unser Lob sich ihm anschließen.


    Und es gibt noch Winkel in der Welt (kann jemand das Schild das ab und zu rechts oben im Bild zu sehen ist entziffern?), wo nicht gelehrte Sänger sondern das gewöhnliche Volk rustikal dieses Lied anstimmen: Vitrum nostrum gloriosum.


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