»The Brain Scoop« (›Der Hirn-Spatel‹)

Heute entdeckt (via ›io9‹) und alle bisherigen Folgen von »The Brain Scoop« mit Emily Graslie geguckt. Diese aufgeweckte, charismatische und begeisterte junge Frau arbeitet als freiwillige kuratorische Assistentin am Philip L. Wright Zoological Museum der University of Montana. Vor zwei Monaten haben Emily und ihre Kollegen begonnen youtube-Videos über ihre Arbeit ins Netz zu stellen … und Junge Junge, ist das interessant.

Bisheriger Höhepunkt: das »The Brain Scoop«-Team holt einen toten Wolf ab, der von einem Auto überfahren wurde;
— dann wird der tote Wolf in siebenstündiger Feinarbeit gehäutet (ziemlich krass & eklig für Leuz, die einen empfindlichen Magen haben);
— kurze Nachbesprechung des Häutens;
— extrem ›widerlich aber superfaszinierend‹ ist das Zerlegen & Ausweiden des gehäuteten Wolfes;
— und schließlich wird noch untersucht, was der Wolf zuletzt gefressen hat, bevor er starb.

Viel Spaß.

Molos Wochenrückblick No. 71

Eintrag No. 747Perry Rhodan feiert Fufzigsten?! Soll sein. Schön für die Rhodan-Fans … mir herzlich Wurscht. Vielleicht, aber nur ganz vielleicht, wenn eine angeschwipse Muse mir das Hirn durchwuschelt, werde ich mir den bald erscheinenden ersten Band des Neustarts der Reihe, »Perry Rodan NEO«, besorgen.

IX.XI. hat zehnten Jahrestag. Führt mir nur vor Augen, dass ich zu den sogenannten ›Verschwörungstheoretikern‹ gehöre, weil ich nicht dem traue, was die öffentlich-rechtlichen- und (sogenannten) Qualitäts-Medien über diesen Zerstörungsakt verbreiten.
Halt.
Stop.
Schon alles durcheinander.

Als jemand, der ziemlich früh der Meinung war, dass an den offiziell verbreiteten Erklärungen zum Anschlag etwas nicht stimmt, gehöre ich wohl zu den ›IX.XI.-Verschwörungstheoretikern‹. Andererseits ist das, was Mainstream-Medien und herrschende politische Kräfte an Erklärungen verbreiten selbst geeignet, als Verschwörungstheorie bezeichnet werden zu können … eben als ›offizielle Verschwörungstheorie‹. Und nun kann man sich nun lange gegenseitig zeihen, Anhänger der einen (paranoiden) oder anderen (gutgläubigen) Verschwörungstheorie zu sein. Bringt aber auch nicht viel.

Sinnvoll wäre schon eher, die ganze Angelegenheit mal wirklich ordentlich zu untersuchen, und nicht etwa, entscheidende Daten und Dokumente zu vernichten oder gar nicht erst heranzuziehen, bzw. wichtige Zeugen zu befragen, bzw. deren Aussagen zuzulassen. Wie ich vor einigen Wochen schon berichtete, bietet das Buch »9.11. Zehn Jahre danach« von Bröckers und Walthers eine schöne Übersicht zu den undichten und fragwürdigen Stellen der offizellen Version.

Ach ja, dieser ›Telepolis‹-Text von Marcus Klöckner ist ein schönes Beispiel für die Art, wie die Qualitätsmedien mit den (paranoiden) IX.XI.-Verschwörungstheorien umgehen: 9/11: Wie Kritiker zu Zirkusdarstellern wurden (= Eine Analyse des ›Die Zeit‹-Artikels Ein Wahn stützt den anderen von Jörg Lau).

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Neal Stephenson: »Reamde«Lektüre: Mit großer Begeisterung nun fast die Hälfte von Neal Stephensons »Reamde« erreicht. Zur Struktur: Das Buch – die Atlantic-Ausgabe – hat 1042 Seiten besteht aus zwei Teilen: A) »Nine Dragons« (7 Kapitel, bzw. 142 Abschnitte), und B) »American Falls« (12 Kapitel, bzw. 142 Abschnitte), mein Dramatis Personæ (also Verzeichnis der Figuren mit Namen) zählt bisher 41 Figuren, und ich habe eine ganze Reihe Abschnitte hinter mir, die Szenenapplaus verdienen. Jupp, Stephenson gehört zu den wenigen Autoren, bei deren Büchern ich mitgehen kann, wie sonst nur bei Popkorn-Kino.

Die Handlung teilt sich bisher in zwei große Stränge. Zum einen wird die Geschichte von Richard Forthrast erzählt, dem ›schwarzen Schaf‹ eines gut situierten Farmerclans aus Iowa, der sich 1972 vor der US-Armee nach Kanada verkrümelt hat und mehr aus Zufall damit beginnt, durch den Schmuggel von Dope über die Grenze Geld anzuhäuften. Mit diesem Geld hat er in British Columbia ein hübsches Landschloß renoviert und betreibt es zusammen mit einem Motorradclub-Kumpel als Ausflugsziel für Ski- & Snow Board-Narren. Nach einigen ziellosen Jahren gründet Richard in den späten 80ern dann zusammen mit einem chinesischen Geschäftsmann eine Spiele-Firma und startet das Multiplayer Rollenspiel der Fantasywelt T’Rain. Ein Gutteil des Romanes dreht sich um die Entwicklung und wirtschaftliche Funktionswiese von T’Rain, und einige packende Abschnitte finden in der Spielewelt selbst statt.

Eine der erwähnten Szenen, die mich zum lauten Johlen und lustvollem Jauchzen brachte, schildert ein Arbeitstreffen der Story-Entwickler der T’Rain-Spielewelt. Richard hat zwei Fantasy-Autoren engagiert. Zum einen einen den angesehenen englischen Professor Donald Cameron, Mittelalter- und Sprach-Experte; zum anderen den amerikanischen Vielschreiber Devin Skraelin. Die beiden kriegen sich in die Wolle was die Schreibweise von Fantasy-Begriffen der T’Rain-Welt angeht, was in der sogenannten ›Apostropocalypse‹ mündet. Donald, ganz penibel auf Plausibilität und Schlüssigkeit bei der Entwicklung von Fantasy-Begriffen erpicht, deutet aus, dass die Art wie Devin mit Apostrophen um sich schmeißt Unsinn ist. Devin findet derart kleinkrämerische Begründungsambitionen Quatsch, denn Fantasy-Begriffe wie T’Rain, K’Shetriae oder D’uinn sollen einfach nur cool aussehen. — Dieser Gegensatz ift typisch für die Fantasy-Szene und spiegelt sich auch wider in einem Krieg zwischen zwei Spieler-Fraktionen auf T’Rain: Fantasy-Welten und deren Inhalte werden von Design-Teams entworfen und das Aussehen der verschiedenen Rassen, Klassen usw. richtet sich unter anderem nach bestimmten Farbpaletten. Die einen Spieler bleiben den klassischen Farbpaletten treu (= die ›Earthtone Coalition‹), andere Spieler basteln sich Modifizierungen um z.B. iheren Zwerg in schrillen Popfarben herumlaufen zu lassen (= ›Forces of Brightness‹).

Handlungstreibendes Element ist ein gemeiner Virus, eben REAMDE, der Computer von T’Rain-Spielern infiziert, dort dann alle privaten Daten verschlüsselt und die Opfer auffordert, eine Summe der Spieleweltwährung in einem bestimmten Gebiet von T’Rain abzuliefern. — Der zweite große Handlungsstrang folgt Richards Nichte Zula und ihrem Hacker-Freund Peter. Peter hat sich mit einem zwielichtigem Typen, Wallace, auf einen Handel mit Creditkartendaten eingelassen. Dummerweise ist Wallace ein begeisterter T’Rain-Spieler und seine IT-Anlage hat sich REAMDE eingefangen. Und richtig fatal ist nun, dass Wallace unter anderem wichtige Finanzdaten der russischen Mafia verwaltet, und diese durch REAMDE durch Geisel-Verschlüsselung unzugänglich wurden. Zula und Peter finden sich schneller als ihnen Lieb ist in der Gewalt von russischen Gangstern, denen sie helfen sollen müssen, die Virus-Programmierer zu finden. Es kommt zu einer großen Äktschn-Sequenz, mit ca. 230 Seiten schon ein Roman im Roman, in der chinesischen Sonderwirtschaftszonen-Stadt Xiamen.

Genug zu »Reamde« für heute.
Hier die Links.

Politik, Gesellschaft & Hochkultur:

  • Anlässlich der feinen Neu-Auflage von Egon Friedells »Kulturgeschichte des Altertums« und »Kulturgeschichte der Neuzeit« bei Diogenes, bringt ›Glanz & Elend‹ den Text Das Lebensrezept.
  • Weiland die Qualitätsmedien einen der brillantesten Großessays der seit langer Zeit erschienen ist tunlichst ignorieren (oder dumm-abfällig behandeln) , ich spreche von Georg Seeßlens und Markus Metz Buch »Blödmaschinen«, findet sich immerhin auf den Seiten von ›Literaturkritik.de‹ eine halbwegs faire und wohlwollende Besprechung von Thomas Neumann: Wie man blöd wird.

(Deutschsprachige) Phantastik-Links

  • Die neuste Ausgabe von Josefons SF- & Fantasy-Rundschau auf den Seiten des österreichischen ›Der Standard‹, Weird Weird West, behandelt diesmal Bücher von Allen Steele, Al Ewing, Jack Ketchum, Marcel Theroux, Armin Rößler & Heidrun Jänchen, Stephen Hunt, Brian Keene, Debra Doyle & James D. MacDonald, Steven Gould und Laird Barron.
  • Good News Everyone! Nick Harkaway, der mich mit seinem Debüt »The Gone-Away World« umgehauen hat, zeigt in seinem Blog das wunderhübsche Cover der UK-Ausgabe seines im März 2012 erscheinenden nächsten Romanes »Angelmaker«. — Und bei ›io9‹ kann man das ebenfalls ansehnliche US-Cover bestaunen, sowie zwei verschiedene kurze Waschzettel zum Inhalt.

Zuckerl: Popkultur & Kunst

  • Molo hat eine weiche Seite, vor allem wenn es um Natur geht. Hier mein neuster Desktopschmuck-Fund bei ›National Geographic‹: Hirsche in Japan, genauer in Nara, der erstaunlichen Stadt, in der Rehe als heilig gelten, und wo diese anmutigen Tiere deshalb frei herumlaufen.
  • Es gibt wenige Dinge, die mich so entzücken, wie locker-flockig dargebrachte wissenschaftliche Infos. Der youtube-Kanal von ›Minute Physics‹ bietet (auf Englisch) reichlich davon.
  • Phantastik jenseits der ausgelatschten Genre-Formeln 1: In seinem ›{feuilleton}‹-Blog bietet uns John Coulthart einen kleinen Einblick in das surrealistische Werk »Initiations In The Abyss« von Jim Hartem. Wer die Collage-Romane von Max Ernst mag, wird hier fündig.
  • Phantastik jenseits der ausgelatschten Genre-Formeln 2: Die Künstler Waone (= Wladimir Manzhos) und Aec (= Aleksei Bordusov) pflegen unter dem Namen ›Interesni Kazki‹ die schöne Tradition, Häuserwände mit bunten Motiven zu schmücken. In ihrem Blog Interesni Kazki kann man die Früchte ihres Schaffens am Objekt selbst bestaunen. Und auf der Website von ›All Over‹ werden einzelne Arbeiten der Ausstellung »Paranoya & Shtrihi geboten. Sei allen Phantastik-Fans von »Yellow Submarine« und Luigi Serafini empfohlen.
  • Zum Schluß etwas Video-Kunst von Johan Rijpma, der Verblüffendes mit Klebebandrollen anstellt: Tape Generations. Besonders hinreissend finde ich den Sound.

Tape Generations from johan rijpma on Vimeo.

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Molos Wochenrückblick No. 59 / 60

Eintrag No. 725 — Derweil nur die Links. Leider sehe ich mich nicht vor Freitag dazu kommen, auch etwas über die Lektüren und Filmsichtungen der vergangenen 14 Tage zu schreiben.

Nur soviel auf die Schnelle: »Blödmaschinen« von Georg Seeßlen und Marcus Metz war für mich die ganzen vielen 780 Seiten spannend und ertragreich. Absolute leseempfehlung meinerseits.

Und das neue Opus von Terrence Malick, »Tree of Life«, gefällt mir zwar nicht ganz so gut wie »Thin Red Line« und »The New World«, führt aber dennoch exzellent vor, wie toll, tief und kunstvoll Kino sein kann.

Hier die Rückblick-Links, teilweise auf Hau-Ruck-Art.

Netzfunde

(Deutschrachige) Phantastik-Links

  • Jubiläum: 25 Jahre ist es (echt schon…?; : !) her, dass Alan Moores & Dave Gibbons Meisterwerk »Watchmen« erschienen ist. Guter Grund für ein Sachbuch (»Under the Hood – Die Verweis-Struktur der Watchmen« von Hans-Joachim Backe) zu diesen lecker-schmecker semiotischen Spaghetti unter den Graphic Novels und eine Besprechung desselben für den ›Tagesspiegel‹ durch Lars von Tröne: Pop-Exegese: Forschungen in der Parallelwelt.
  • Für ›Omnivoracious‹ unterhält der eine Meister der zeitgenössischen Phantastik, der Amerikaner Jeff Vandermeer, sich mit dem anderen, dem Engländer China Miéville, über den neuesten Roman von letzteren: »Embassytown«.
  • Was dein Lieblings-»Alien«-Film über Dich verrät (engl.) — Meredith Woerner hat für ›io9‹ diesen Persönlichkeits-Bespiegelung ausbaldowert. Mich spricht demnach die kalte, dunkle Welt des Unbekannten an, denn mein Favorit ist immer noch der erste »Alien« von Ridley Scott (allein schon wegen der Pionierleistung).

Zuckerl

  • Verrückte Skulptur-Kunst von Tim Hawkinson stellt ›Indianpolis Museum of Modern Art‹ vor: irre Mischung aus Modellbau und Mathematik, dieses Möbiusband-Schiff.
  • TGWTG No 1: Stimme den Entscheidungen des ›Nostalgia Critic‹ in allen Punkten zu, wenn er bei seiner neusten Ausgabe von ›Alt vs. Neu‹ der Coen-Brüder-Fassung von »True Gritt« gegenüber der John Wayne-Fassung den Sieg einräumt: Old vs New: »True Grit«.
  • TGWTG Nr. 2: Wer Popkorn- und Genre-Knall-Bumm mag und dennoch einen (Anstands-)Rest Geschmack und Hirn nicht missen möchte, kann sich Bestätigungswonnen verschaffen bei Mathew ›Film Brains‹ Buck genüsslicher Zerlegung von Michael Bays »Transformer 2 – The Revenge of the Fallen« (zweites Video von oben ist der fast einstündige komplette Megacut).
  • Laaange und sehr kluge Besprechung mit reichlich Zeitgeschichts- und Kultur-Erklärung zu Thomas Pynchons »Inherent Vice« hat John Carvill für ›Bright Lights‹ geschrieben: The ›Bong‹ Goodbye (engl.).
  • Filmpalaver: was kommt raus, wenn sich zwei Regiesseure, deren Werk ich sehr schätze, ungezwungen unterhalten? Gebt Euch den Wahn mit Lars van Trier und Paul Thomas Anderson (engl.) auf ›Cigarettes & Red Vines‹.
  • Kurz vor Schluss ließ mir Andrea einen Link-Tipp zukommen. Vorsicht: Über-Putzigkeit voraus! Hier kommt der kleine Eichhörnchen-Nachwuchs im ›flickr‹-Blog.

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Molos Wochenrückblick No. 36

Eintrag No. 689Lektüre: Während hier noch gewartet werden muss, bis ich selbst mit einer Rezension zu meinem letzten Buch von 2010 rüberwachse, verlinke ich mal diese Begeisterungs-Offenbarung zu Edward Abbeys »Die Monkey Wrench Gang«, die Jan Scheper für die ›TAZ‹ verfasst hat.

Fertiggelesen in 36 Stunden habe ich Jakob Arjournis »Chez Max«. Auch hier hoffe ich, bald eine Rezi liefern zu können. Würde mich freuen, wenn sich dieses Buch in SF-Kreisen noch weiter herumsprechen würde. Ist nämlich feine Sozial-SF, und richtig gut geschrieben, mit einem feinem Twist!

Weiterhin unterbeeindruckt bleibe ich von Haruki Murakamis »Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt«. Schön langsam frage ich mich, wie dieses Buch zum Kult werden konnte. Kann aber auch sein, dass ich derzeit einfach nicht den Geist für was Ruhiges habe, wo es schon mal über eine Seite dauern kann, bis ein (immer noch namenloser) Protag aus dem Bett kommt und sich was zum Frühstück macht. Passiert viel nix.

Deshalb habe ich beim englischen Buchladen zugeschlagen und mir den vielseits empfohlenen Roman »The Windup Girl« von Paolo Bacigalupi besorgt (der nächsten Monat bei Heyne als »Biokrieg« erscheinen wird, übersetzt von Hannes Riffel & Dorothea Kallfass). Die ersten vier Kapitel gefallen mir sehr gut. Gut durchdachte viele Infos geschickt dargeboten. In jedem Kapitel steht bisher eine andere Figur im Zentrum. Wenn es so weiter-flockt, bin ich bald durch.

Netzfunde

  • Für ›wissenrockt‹ hat Arik Platzek einen längeren Text darüber verfasst, wie dreist der Sepp (andere mögen ihn Papst Bendickt Ix Vau Ih nennen, aber ich komm aus Bayern und nenn ihn halt Sepp) die Wissenschaft in seinen Katholozismus eingemeinden will: Master of the Universe: Papst verteidigt Führungsrolle.

Wortmeldungen

  • Diesen Punkt könnte ich auch unter ›Rüge‹ ablegen, denn es geht um die schrääcklichen deutschen Umschlagsbilder und Buchtitel, die der Blanvalet-Verlag sich für die hiesigen Ausgaben von Gail Carrigers »Sonnenschirn-Protektorat«-Bücher einfallen ließ, wozu ich im entsprechenden Eintrag des geschätzten ›Clockworker‹-Blogs meinen Senfs beisteuerte. — Nebenbei: Ausgeliehen von Ju Honisch, die mir Carrigers Bücher empfohlen hat, kann ich sagen, dass mir Band 1 »Soulless« ganz gut gefallen hat. Okey, ist keine hohe Literatur, aber ich lese ab und zu auch gerne mal was Leichtes für Zwischendurch, wenn es Charme und Esprit hat und gut gemacht ist.

Zuckerl

  • Die Designer Jeffrey Thomas und Celeste Green präsentieren in ihrem Blog ›Jeff & Celeste‹ Entwürfe für eine Zeichentrick-Serie, die (bisher) nicht umgesetzt wurde: Gotham High. Ja genau, die Helden und Bösen aus der Batman-Welt als ältere Teens auf der Schule. Haben die gut hinbekommen. Die Serie würde mich interessieren.
»Gotham High« von Jeffrey Thomas & Celeste Green. — Klick auf das Bild führ zu einer größeren Ansicht.
  • Benjamin Arthur zeichnet feine Sachen, unter anderen Animationsfilme der etwas anderen Art. Meine Favoriten sind die beiden neusten: A Mystery: Why Can’t We Walk Straight? und The Billion Bug Highway. Zudem lernt man in beiden Filmchen was.
  • Andrea hat in ihrem Photoblog ›color.antville‹ einen Jahresrückblick ihrer 12 gelungensten Bilder zusammengestellt: 2010 in 12 photographs. Mein liebstes Bild dieser Gruppe ist vielleicht Andreas Beitrag ›mr. invisible‹ für das ›Street Fotograohy Now Project‹, genauer, deren Aufgabenstellung No. 4: »Dokumentieren sie menschlichen Einfallsreichtum, der sonst übersehen würde. Menschen dürfen auf dem Bild nicht zu sehen sein.«
  • Schon so krass auf »$tar Wars« fixiert, dass Eure Libido nur noch durch Erotikbildchen von General Ackbar und Co in lasziven Posen erlöst werden kann? Da gibt es nun Abhilfe im ›technabob‹-Blog in Form dieser $tar Wars Pinups von Yayzus Graphics.
  • Wieder ein Webcomic. Hans Rickheit (vielleicht den Kennern der US-Alternativ-Comic-Szene bekannt, durch sein bei Fantagraphics errschienenes »The Squirrel Machine«) hat sich mit Ectopiary vorgenommen, pro Woche eine Seite eines auf ca. 600 Seiten angelegten unheimlichen Horror-Comics zu liefern. Beginnt sachte und ein wenig an »Pan’s Labyrinth« erinnernd.
  • Wer ›Red Letter Media‹ noch nicht kennt, dem soll als Molochronik-Leser nun bescheid gegegen sein, dass es dort die mitunter einleuchtensten und zugleich makabersten Film-Besprechungen gibt, die ich kenne. Stöbert mal, welche Plinkett Reviews Euch reizen. Soviel ist gewiss: Die Filmrezis dieses angeblich über 100-Jährigen alkoholischen Perversen, der seine Gattin umgebracht hat, ab & zu junge Frauen entführt und im Keller quält, ansonsten in einem Casino von Atlanta City wohnt und von seiner Katze beschissen wurde, sind etwas ganz Besonderes. Ich empfehle den Zweiteiler zum neuesten »Star Trek«, oder dein Einteiler zu »Avatar« als Einstieg. — Pizzaröllchen für alle!

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Molos Wochenrückblick No. 25

Eintrag No. 666 — Räume am Sonntag im Billy mit den gebundenen Schinken Zeugs aus der ersten in die zweiten Reihe, um Platz zu schaffen für Sachen, zu denen ich öfters greife, oder denen ich mich auf absehbare Zukunft vermehrt widmen will. Da fällt mir »Das Kritikon« von Gracian aus zwei Meter Höhe auf das Nachschlagwerk-Arbeitsregal, dass es die Dübel aus der Wand reisst. Perdauz aber auch, das Bookanier-Dasein ist gefährlich.

Lektüre: Auf dem Klo »Transmetropolitain«. — Unterwegs abwechselnd immer noch »Behemoth« von Westerfeld und Thompson, sowie zur Beschallung der »Barock-Zyklus« (engl.) von Stephenson. Bin mittlerweile im dritten von 8 Büchern angekommen. — Seit dem letzten Dienstag lese ich nun schließlich zu Hause, am Abend, endlich »Zettel's Traum« von Arno Schmidt, dem letzten Buch der Werksausgabe das mir fehlte, & auf das ich ca. 20 Jahre gewartet habe. Natürlich auch für Phantasten interessant, denn es wird (schier endlos) über Edgar Allan Poe doziert und gestritten, und es finden Verwandlungen und Poetisierungen längere Gedankenspiele statt. Nützlich für Leuts, die mehr zum Buch wissen wollen, ist dieser Prospekt des Suhrkamp Verlasges. Wenn alles klappt, dann werde ich hie und da ein wenig aus meiner Wanderung durchs »Zettel's Trumm« (Spitzname © Andrea) berichten. Ich schaffe pro Abend etwa zwei bis vier Seiten dieses Werkes. Hier derweil schon mal ein bildungsbürgerlich-gemütliches Stillleben mit Single Malt und Nüsschen.
»Zettel's Traum«-Stillleben mit Single Malt und Nüsschen.

Netzfunde

  • Anna Gielas hat für ›Der Freitag‹ einen lesenswerten Text über die frühe Royal Society, bzw. deren Vorgänger, Invisible College geschrieben: Gezeter, Trotz, Duellpistole.
  • Endlich! In der SPD versucht sich ein laizistischer Arbeitskreis zu formieren: Soziale und demokratische LaizistInnen. Ich drücke die Daumen! Wenn Ihr mal rausbekommt, was Eremitenhäuser sind, und warum die eine Millionen € im Jahr brauchen, dann gebt mir bescheit.
  • Nochmal ›Der Freitag‹: Längeres Gespräch mit Susie Orbach »Wir modellieren Körper«, worin dann auch auf das sehr erstaunliche Any-Body-Blog verlinkt wird. Leute davon zu überzeugen, ihren Körper modifizieren zu müssen, bzw. erstmal dafür zu sorgen, dass Menschen sich mit / in ihren eigenen Körper nicht wirklich zuhause fühlen, ist eines der fundamentalsten und perfidesten Herrschafts- & Unterdrückungs-Instrumente die es gibt (und eines der ältesten).

(Deutschsprachige) Phantastik-Funde

  • Die Damen & Herren der deutschen Steampunker.-Site ›Clockworker‹ waren Im Salongespräch: Oliver Plaschka. Oliver ist einer der ganz wenigen deutschsprachigen lebenden Genre-Phantasten, die für mich in die Suppe kommen. Seine »Die Magier von Montparnasse« fand ich richtig gut, mit »Fairwater – Die Spiegel des Herrn Barthalomew« bin ich zu 1/3 fertig und finde es ganz apart, und ich freue mich schon darauf »Der Kristallpalast« zu lesen.
  • Bin im Lauf der letzten Woche wieder von einem Agentur-Menschen angeschrieben worden, der einen Linktausch vorschlägt. Wiederum für eine Verlags-Portal- & Onlinebuchhandel- & Social Netwörk-Site. Diesmal aber für eine ganzer Reihe Verlage, die ich sehr schätze, wie Edition Nautilus, Reprodukt, Kein & Aber. Also, ganz umsonst, hier ein Empfehlungslink auf den Eintrag zu Kurt Vonneguts »Ein dreifach Hoch auf die Milchstraße« (inkl. drei Leseproben) im ›Tubuk‹-Blog.
  • Für den ›Tagesspiegel‹ jubelt Lutz Göllner über Verhängnisvolle Freundschaften, sprich »20th Century Boys« von Naoki Urasawa.
Zur Erinnerung:
Hinweise auf bemerkenswerte deutschsprachige Internet-Beiträge zum Thema Phantastik (in allen ihren U- & E-Spielarten) bitte per eMail an …

molosovsky {ät} yahoo {punkt} de

… schicken. — Willkommen sind vor allem Hinweise zu Texten, die wenig beachtete Phantastikwerke behandeln (z.B. also Einzelwerke statt Seriensachen), oder die über Autoren, Theorie und Traditionsentwicklungen berichten.

Wortmeldungen

  • Habe mich im lauf der letzten Woche noch ein paar Mal in dem Exploitation SF-Thread bei ›SF-Netzwerk‹ gemeldet.

Zuckerl

  • ›BoingBiong‹ weist auf Joe Jubnas Schemakarte zu Japanischen Konsolen-Rollenspielen hin: The Japanese RPG formula. Köstlich, und zugleich geeignet als Beweiststück in meinem ewigen Prozess, warum ich mit den allermeisten Franchise-Sachen nix anzufangen weiß, denn was sich auf solche Karten zusammendampfen lässt, kann (in meinen Augen) nicht allzuviel taugen.
  • ›IO9‹ hat eine begrüßenswerte Top-20 mit die Welt rettenden Bibliothekaren zusammengestellt: 20 heroic librarians who save the world.
  • Unglaublich aber wahr. Bei ›Life‹ hat man eine alte Photo-Reportage ausgebuddelt, wie einst, im Januar des Jahres 1941 in den Wäldern des US-Staates Mayland, eine Gruppe Leuts (unter anderem William Seabrook) mit einem Voodoo-Ritual dafür sorgten, dass die Nazis den Krieg verlohren: Putting a Hex on Hitler, 1941.

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Molos Wochenrückblick No. 20

Eintrag No. 653 — Kinder, was soll ich sagen. Bin derart eingespannt die Tage, dass ich außer Brotjob, Hausarbeit, erschöpft umfallen zu kaum was komme.

Seltsam: Ein Buchhandel- & Leser-Rezi-Portal hat mich angemailt und gefragt, ob ich an einem Linktausch interessiert wäre. Hab deren Seite auf die Schnelle geprüft, festgestellt, dass die unübersichtlich ist und der Inhalt nur ›das Übliche‹ bietet (= Popularität, also was das Durchschnittsgemensche so zusammenklickt, macht die Musik). Habe dann zuerst etwas planlos knapp zurückgefragt, was ein Linktausch bringen soll. — Antwort: Verbessert das Google-Ranking, bringt neue Leser, mehr Klicks. — Darauf ich: Technischer Nutzen von Linktausch schon klar, aber wie kommen Sie zu dem Eindruck, ich wäre an einem Linktausch mit einem kommerziellen Portal interessiert? — Hab dann geklärt, dass ich einer solchen Partnerschaft zwar nicht prinzipiell abgeneigt bin, aber im Falle dieses Onlinebuchhändlers doch Abstand davon nehme.

Film: Eigentlich wäre ich gerne in den neuen (schon zwei Jahre alten und endlich auch bei uns laufenden) Ghibli-Film »Ponyo« gegangen, hatte aber keine Zeit. — Stattdessen am Samstag, als Pausenkontrast zur Hausarbeit, »Kick-Ass« gegönnt. Zur Abwechslung mal wieder ein erträglicher, ja sogar amüsanter Nicolas Cage, und natürlich konnte auch ich mich dem Charme von Hit Girl nicht entziehen. Aber genau das ist ein Wurm des Filmes: er hat die falsche Hauptfigur. Ich fand Big Daddy und Hit Girl interessanter und habe mich mit Dave, alias Titelfigur Kick-Ass, ziemlich gelangweilt. Auch die Bösewichter blieben reichlich formelhaft und fad, obwohl der mich begeisternde Mark Strong den Unterweltboss spielt. Fazit: einige schöne Set Pieces und leider die Androhung einer Fortsetzung. Ca. 6 oder 7 von 10 Punkten.

NETZFUNDE

  • Im ›Guardian‹ gabs ein Treffen von David Attenborough (mir bekannt aus Kindertagen durch die dolle Doku-Serie »Das Leben auf unserer Erde«) und Richard Dawkins (dem ›Atheisten-Papst‹): Of mind and matter: David Attenborough meets Richard Dawkins.
  • ›Telepolis‹ bietet einen Auszug aus dem Buch »Die Drogenlüge« von Mathias Bröckers: Die Drogenlüge und der Sündenfall. Selber habe ich nix (mehr) mit Drogen am Hut, außer gutem Kaffee, guter Schoko und Single Malt Scotch. Aber die im Text skizzierte Pathologisierung von Rauschkultur und die erschreckende Heuchelei der Politik bezüglich Drogen treibt mich um.
  • Bei ›Der Freitag‹ gibt es einen Blog-Lesezirkel zu Thomas Pynchons »Die Enden der Parabel«: Parabel – Freitag. Lustig, wenn man die ziemlich beknackten Beiträge mit den eloquenteren vergleicht.

(Deutschsprachige) PHANTASTIK-FUNDE

  • Erste Rezi (von Christel Scheja für Fantasyguide) zum neuen »Magira«-Jahrbuch 2010.
  • Ebenfalls Fantasyguide: Oliver Kotowskis stellt auf seinem nächstem Zwischenstopp seiner phantastischen Weltreise, Lateinamerika, Bücher von Lucía Puenco, Ignácio de Loyola Brandão, Gabriel García Márquez, Mayra Montero und Carlos Fuentes, vor.

ZUCKERL

  • Interessanter Filmbeitrag von Kirby Ferguson zum Thema Remix-Kultur, inklusive einem ausführlichen Blog zur Doku:Everything is a Remix. Hoffen wir mal, dass die geplanten Teile 2 bis 4 noch folgen.

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Molos Wochenrückblick No. 19

Eintrag No. 651 — Bin seit letzter Woche allein zuhause, denn Andrea brach zu ihrem Jahresurlab und Richtung Waldviertel auf. Am Wochenende, als ich von meinem Brotjob frei hatte, legte ich eine Übersetzungssession hin (heisst: von Freitag auf Montag nur zwei Mal ins Bett gegangen). Ich bin unfassbar dankbar für das Projekt. Kurzgeschichten, die mich wirklich erfreuen, von einer Vielfalt, die mich begeistert und beeindruckt zu übersetzten fühlt sich nun mal nicht wie ›Arbeit‹.

Nachteil (= Lektüre): Bin selber kaum zum Lesen gekommen, außer, dass ich mir die deutsche Ausgabe von »The City & The City« besorgt und darin herumgeblätert habe, um knifflige Stellen zu prüfen. Soweit ich gesehen habe, kann ich absolut nichts zum Bemäkeln an Eva Bauche-Eppers deutscher Fassung von »Die Stadt & Die Stadt« finden und empfehle den Roman allen, die gerne mal eine gelungene Mischung aus Krimi und Phantastik lesen wollen. Ich denke, ich kann es wagen, dieses Buch jetzt schon zur — leider! — unterschätztesten Neuerscheinung der Saison auszurufen, denn ›Dank‹ des schröcklichen Umschlagbildes und der kümmerlichen Platzierung in den Regalen (wenn meine Umschau in den Frankfurter Buchhandlungen halbwegs repräsentabel ist) wird sich kaum herumsprechen, wie gut dieser Roman ist.

Film: Immerhin war ich letzte Woche im Kino. Leider war ich so dumm, mir »The Sorcerer's Apprentice« anzutun. Ein langweiliger, vorhersehbarer und peinsam-harmloser Streifen. So etwa 3 oder 4 Punkte von 10.

Ganz interessant dagegen meine DVD -Sichtung von Christopher Nolans Erstling »Following«. Als kleiner, fieser Krimi durchaus gelungen (und als S/W-Film sowieso), wenn auch Nolan hier schon durch seine super-ernste und (unter)kühl(t)e Inszenierung leicht nervig auffällt, die auch seine späteren Filme meist kennzeichnet. So etwa 6 bis 7 von 10 Punkten

NETZFUNDE

  • Thomas Lindemann für »Die Welt«: Ein guter Flügel kann Gedanken lesen. Prächtige Reportage über einen Klavierstimmer.
  • Reprodukt präsentiert: Lewis Trondheim Flyer
  • »NachdenkSeiten«, Hinweise des Tages vom 9. Sept. 2010: Der geheime Atom-Deal. Aus den Anmerkungen von WL (= Wolfgag Lieb):
    Schlimmer noch ist allerdings das Verhältnis von demokratischem Staat und wirtschaftlicher Macht, das hier zum Ausdruck kommt: {…} Der Geheimvertrag ist das Eingeständnis, dass der demokratische Staat gegenüber den wirtschaftlich Mächtigen nicht mehr das „Gewaltmonopol“ hat, das heißt sich nicht mehr mit hoheitlicher Macht durchzusetzen vermag, sondern dass er bestenfalls noch Verhandlungspartner gegenüber wirtschaftlicher Macht ist. {…} Da sitzen also auf der einen Seite die Regierung und auf der anderen Seite die Konzernbosse und klären per Telefon die Konditionen; und das Parlament darf dann bloß noch den geheimen Deal sozusagen der demokratischen Form halber absegnen.
  • Diesbezüglich habe ich mich bei ›lobbycontrol‹ der Unterzeichnungs-Aktion angeschlossen, man möge doch anstandshalber das Atom-Geheimabkommen widerrufen!
  • ›ad sinistram‹ nimmt Sprachpansch in der Rubrik ›nomen est omen‹ unter die Lupe: »Gebär- und Zeugungsstreik«. — Ich verstehe ja folgendes nicht: wenn es einerseits zuviele Menschen auf der Welt gibt, und Menschen aus schlimmen Gegenden, wo das Überleben äußerst mühevoll ist, wegwollen, warum regen sich dann andererseits irgendwelche Anzugträger darüber auf, dass die ›richtigen Frauen‹ zu wenig gebähren? — Okey, ist sicherlich richtig, dass sich Akademikerinnen (zumindest wenn sie selbst einen gut bezahleten Job haben oder mit dem Gatten eine gute Partie gemacht haben) eher bessere Kinderpflege und Schulen leisten können. Das bedeutet aber nur, dass die Qualität der Kindererziehung stärker vom privaten Geld der Bürger und den Möglichkeiten, die es eröffnet abhängt, als vom Geld der staatlichen Gemeinschaft. Das fügt sich mit der Theorie, der ich anhänge, dass ein langfristiges Ziel ›des Kapitals‹ ist, den Bereich der Bildug zu ökonomisieren, und dass es bei diesem Ansinnen auf einem erfolgreichen Weg ist.
  • Tom Scott hat vor einiger Zeit geniale Aufkleber zum Ausdrucken erstellt: Journalism Warning Labels und ›Webprofi‹ Robert Harm liefert die deutsche Fassung: Journalismus Warnhinweise.
  • Nathalie Roller schrieb am 12. September für ›Telepolis‹ einen löblichen Artikel über grüne Krieger in den heutigen Metropolen: Die Gartenguerilla erobert die Städte.

(Deutschsprachige) PHANTASTIK-FUNDE

  • Neustart des Magazins für interantionale Science Fiction: Inter Nova. Ich wünsche viele interessierte Leser!

ZUCKERL

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Molos Wochenrückblick No. 16

Eintrag No. 646 — War diese Woche meistens in der Minderheit … zumindest, als ich wieder mal bei »Wer ist Dir lieber?« vorbeigeschaut habe um abzustimmen. — Butter oder Margarine?: die Mehrheit mag Butter, aber ich nicht. — Caesar oder Cleopatra?: die Mehrheit mag Cleopatra, aber ich nicht. — Lady Gaga oder Madonna?: die Mehrheit mag Madonna, aber ich nicht. — Lediglich bei den Abstimmungen zu Vollmond oder Neumond, sowie Fox Moulder oder Dana Scully gehörte ich zur Mehrheit: Vollmond und Moulder. (Bei den anderen Abstimmungen war ich unentschlossen oder kannte die entsprechenden Kandidaten gar nicht.).

Lektüre: Derzeit ein etwas planloses Lesen verschiedener Sachen. Kapitelweise oder abschnittwiese wechsle ich zwischen Peter Watsons »The German Genius« und dem ersten Roman einer Quatro, seinem, wie der Autor selbst meint, bedeutendstem Werk. Ich bin sehr zerquält. Nach mehr als der Hälfte von Band 1 zweifle ich wirklich an dem Verstand entweder meiner selbst, oder eben all derer, die diesen Autor und sein Werk so hoch einschätzen.

Desweiteren lese ich zur Erholung querbeet in Mark Twains Spätwerk herum. Vor allem »Der Geheimnisvolle Fremde« (hier zur Originalfassung bei ›Project Gutenberg‹: »The Mysterious Stranger«), nach dem Tod von Twain 1916 erstmals erschienen, hat es mir angetan. Diese Wenig bekannte Fantasy-Geschichte spielt 1590 in einem österreichischen Kaff, und der jugendliche Erzähler Theodor erzählt, wie er und seine Kumpels Nikolaus und Seppi von einem Engel namens Satan besucht werden (einem Neffen des Gestürzten). — Und dann bin ich bei »The Walking Dead« mittlerweile auf Seite 800 von 1088. Ich wähne ein Muster zu erkennen, das mir nicht so ganz schmeckt. Trotzdem: ein großartiges Comic. Hier zu Heft 1 umsonst (auf Englisch).

Link-Dank: Marcus Mielke hat für sein Empfehlungs-Blog »365 Tage im Netz« die Molochronik für seinen dritten Eintrag erkoren!

NETZFUNDE

(Deutschsprachige) PHANTASTIK-FUNDE

  • Thomas Neumann rezensiert Douglas Coupland: »Generation A« für ›Literaturkritk.de‹. Das ist wieder so ein Symptom, das mich beunruhigt. Ein SF-Roman wie der von Coupland wird in der SF-Szene selbst eher übersehen. Ich kann »Generation A« nur empfehlen. Zugleich sehr komisch, berührend und philosophisch. Hier die Seite zur deutschen Ausgabe bei Klett-Cotta; dort gibt es auch eine Leseprobe der ersten 25 Seiten. Die Figuren des Buches erzählen sich ab der Hälfte gegenseitig spontan ausgedachte Geschichten. Hier ist eine davon als Motion-Comic: »The Short & Brutal Life of the Channel 3 News Team«.
  • Noch mal Klett-Cotta: Die ersten beiden Bände der neuen Ausgabe von Mervyn Peaks »Gormenghast«-Büchern sind nun erschienen und auch hier bietet Klett-Cotta Leseproben im Netz an, und Interessierte sollten die Vorwörter von Kay Meier (für Band 1: »Der junge Titus«) und Tad Williams (für Band 2: »Im Schloss«) lesen. Vor allem Meiers Einleitung gefällt mir sehr, Williams ist mir etwas zu reisserisch und spoilert mir zu viel von der Handlung (doch seine ehrliche Begeisterung ist trotzdem ansteckend).
  • Fra Anubis von »Lake Hermanstadt« hat mit Dunkle Pilze einen großartigen Blog-Eintrag über die Bande zwischen moderner Phantastik und durchgeknallten Ideologien geschrieben.
  • Hat im strengen Sinne nix mit Phantastik zu tun: langer Auszug aus dem Buch »Literatur und Lust. Glück und Unglück beim Lesen« von Thomas Anz. Dennoch auch für Phantastik-Genreleser interessant.
Zur Erinnerung:
Hinweise auf bemerkenswerte deutschsprachige Internet-Beiträge zum Thema Phantastik (in allen ihren U- & E-Spielarten) bitte per eMail an …

molosovsky {ät} yahoo {punkt} de

… schicken. — Willkommen sind vor allem Hinweise zu Texten, die wenig beachtete Phantastikwerke behandeln (also Einzelwerke statt Seriensachen), oder über Autoren, Theorie und Traditionsentwicklungen berichten.

ZUCKERL

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Molos Wochenrückblick No. 6

Eintrag No. 626 — Nur damit ihr vergewissert seid. Die Molochronik wird natürlich allen ein Fluchthafen der Ruhe sein, die, wie ich auch, nix mit dem Kommerzsportgroßtrubel anfangen können. Nur soviel: in der Juni-»Le Monde Diplomatique«, die ich letzten Freitag wie immer als »Taz«-Beilage geholt habe, findet sich der Artikel »Dreck am Ball. Die Geschäfte der Fifa« von David Garcia. — Sorry liebe WM-Freunde, aber zu mehr Fussballbegeisterung reicht es bei mir nicht.

Seltsam: Vergangene Woche (zum, ich glaube, etwa 3. oder 4. Mal seit ich dieses Blog führe) einem Autor mitgeteilt, dass ich aus zeitlichen Gründen und weil mich die Leseprobe nicht überzeugen konnte, ein angebotenes Phantastikbuch nicht für die Molochronik besprechen werde. Solche Absagen zu schreiben fällt mir immer noch irrsinnig schwer. Am liebsten würde ich solche Anfragen wegschweigen, aber wenn ich mich auch nur einen izzi-bizzi knappen Augenblick in die Lage dieser anderen Person versetzte, dann packt mich das heilige Pflichtgefühl und lässt mich die Rückmeldung schnellstmöglichst erledigen. — Und immer noch bin ich völlig baff, wenn mir aus dem Nichts von Irgendwoher so ein Angebot unterbreitet wird (oder ich mit einem Dankeschöngeschenk beglückt werde), nur weil ich mehr lahm als flott ein Blog führe und ein-, zweimal im Jahr einen Text publiziere.

Coole Horroshow: Nach dem schweren Sturmgewitter Ende letzter Woche am Griesheimer Ufer herumspaziert (und ich Riesendolm blöderweise wieder keine Kamera dabei!). Wunderschön, wie die Enten, Teichhühner, Gänse, Rabenkrähen, Schwäne, Kinder, RenterInnen, VormittagsAlkies und Uferfischer sich ihre Wege durch’s vom Unwetter angerichtete Chaos bahnen.

Lektüre: Geo-Epoche #43: »Der Zweite Weltkrieg. Teil 1, 1939-1942« und Geo-Kompakt #22: »Evolution« besorgt. Die Sondermagazine von GEO les’ ich sehr gern zwischendurch. Zudem finden sich darin oft wirklich schöne Bilder und Illustration. Vor allem begeistert mich das Sichtbarmachen von Dingen, die man (sonst, normalerweise) nicht sehen kann. Diesmal z.B. im »Evolution«-Heft je eine Doppelseite für Illustrationen einer Pflanzen- beziehungsweise Tierzelle von Jochen Stuhrmann.

Endlich mal das schon vor vier Monaten gekaufte »Tamara Drewe« von Posey Simmonds gelesen. Kein Zweifel, ein großartiges Comic eine großartige Graphic Novel. Kann ich z.B. besonders allen Phantastikfreunden sehr empfehlen, die gerade etwas phantastikmüde sind und / oder die sich mal umgucken möchten, was der (vermeintlich langweilige) Realismus so an Glanzleistungen hervorzubringen vermag.

Und seit gestern lese ich nach ca. 20 Jahren zum zweiten Mal Wolf von Niebelschütz’ »Der Blaue Kammerherr «. Mehr dazu ein andermal.

NETZFUNDE

  • Habe Andreas dringlicher Empfehlung gehorchend im F.A.Z.-Feuilleton das große von Richard Kämmerlings mit Martin Kluger (yeah!!), Ulrich Peltzer (jööö) und David Wagner (buuuh) geführte Schriftstellergespräch Das Fernsehen schaut uns an gelesen und genossen. — Sehr lobenswert, wie Kämmerlings und seine Gesprächspartner uns zeigen, dass deutsche Literatur nicht immer Omphaloscopie, gestelzte Langeweile oder verkrumpelkrampfte Bemühlichkeitlichkeit bedeuten muss, sondern sich auch mal neugierig und begeistert in der großen weiten Welt populären Erzählens umzugucken vermag. — (Die Erkenntnis, dass im US-Fernsehen etwa seit »The Sopranos«, »Deadwood«, »The Wire« und Co. das romanhafte Erzählen erfolgreich, innovativ und relevant aufblüht, habe ich bereits 2008 für »Magira« in meinem Interview mit Matt Ruff mal so nebenbei fallen lassen.)
  • Oliver Kotowski legt als Fantasyguide-Spezial bei seiner phantastischen Weltreise (30 Bücher als aller Welt) den zweiten Zwischenstopp in Osteuropa ein. — Vom ersten Teil, Westeuropa war ich etwas enttäuscht: bei Albert Sánchez Piñol, Marc Agapit, Italo Calvino, Ricarda Junge und Mikael Niemi bimmelt bei mir eben keine Jubelglocke. — Im Osteuropa-Teil empfiehlt Oliver nun aber Milorad Pavić und dessen Lexikonroman »Das Chasarische Wörterbuch« (das ich 1992 als dtv-Taschenbuch gekauft habe). Milorad Pavić war für mich ein Augenöffner, dass es eben auch in der sogenannten (hoch-)literarischen Szene ›Spiele‹-Bücher gibt (zuletzt begeistert hat mich diesbezüglich ja Mark Z. Danielewski).
  • So sieht amœnokratisch gestaltete Aufklärung heute aus! Die ›Königliche Gesellschaft zur Förderung der Künste, der Herstellung und des Handels‹, also die englische ›Royal Society for the Encouragement of Arts, Manufactures and Commerce‹, kurz RSA, zeigt wie man das macht. Man nehme einen etwa 10-minutigen Vortrag mit gesellschaftlich relevanten Inhalt, lasse diesen von einem hochfähigen Zeichner des Cognitive Media Studios illustrieren und heraus kommen spektakuläre Filmchen, die zumindest mich vollends umhaun und begeistern. Hier alle RSA Animate-Filme, die ich finden konnte.

Zimbardo Vortrag war der erste RSA Animate-Film den ich gesehen habe. (Gefunden via BoingBoing.)
ZUCKERL
(Quelle: IT&W)

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Angelesen: »Ich bin eine seltsame Schleife« von Douglas R. Hofstadter

Eintrag No. 506 — Zu der Handvoll Autoren die mein dilettantistisches Philosophieren außerordentlich geprägt haben gehört der US-Wissenschaftler Douglas R. Hofstadter. Nächstes Jahr feiert sein Debüt, das ›Kultbuch der Computer-Generation‹, »Gödel, Escher, Bach«, dreissigjähriges Publikationsjubiläum, und es freut mich sehr, dass Hofstadter nun nach längerer Zeit uns mit einem neuem Buch beglückt: »Ich bin eine seltsame Schleife«.

Seit gestern bin ich stolzer Besitzer dieses Bandes und kann deshalb noch nicht viele Worte darüber verliehren. Aber immerhin, habe ich auf den ersten Seiten bereits eine Gemme gefunden, eine Passage, die prägnant das wunderbare Denken von Hofstadter vorführt, wie hinreissend es dieser Kerl versteht, Wissenschaft und Kunst und persönliche Anschauung zusammenzuführen. Zudem deutet die Passage, ohne die Sache so beim Namen zu nennen, eine Umschreibung meines supermaximalistischen Phantastikbegriffs an (S. 35, Kapitel 1 »Über Seelen und ihre Größe«, Abschnitt 1 »Seelen-Scherben«), kursive Hervorhebungen von Molo:

Im Wohnzimmer haben wir einen Band mit den Etuden von Chopin. Alle Seiten sind lediglich Papierbögen mit schwarzen Flecken darauf {…} und dabei haben sie über einhundertfünfzig Jahre hinweg eine unglaubliche Macht auf Menschen in der ganzen Welt ausgeübt. Dank den schwarzen Flecken auf diesen Papierbögen haben viele tausend Menschen insgesamt Millionen von Stunden damit verbracht, ihre Finger in bestimmten, höchst komplizierten Bewegungsmustern über die Tastertur von Klavieren zu bewegen und dadurch Klänge zu erzeugen, die ihnen unbeschreibliches Vergnügen verschafften und ein Gefühl von intensiver Bedeutung. Diese Pianisten haben dann ihrerseits vielen Millionen Hörern, dich und mich eingeschlossen, die mächtigen Gefühle vermittelt, die das Herz von Frédéric Chopin aufgewühlt haben, und sie haben uns damit einen gewissen Zugang zu Chopins Innenleben ermöglicht — einen Zugang zu der Erfahrung, im Kopf oder besser in der Seele Frédéric Chopins zu leben. Die schwarzen Flecken auf diesen Seiten sind nichts weniger als Seelen-Scherbenverstreute Überbleibsel der dahingegangenen Seele Frédéric Chopins. Jede dieser fremdartigen Noten-Geometrien hat die einzigartige Kraft, ein kleines, ein winziges Fragment der seelischen Erfahrungen — der Leiden, der Freuden, der tiefsten Leidenschaften und Spannungen — eines anderen menschlichen Wesens in unserem Gehirn wieder zu beleben, und dadurch wissen wir, zumindest andeutungsweise, wie es sich angefühlt haben muss, dieses menschliche Wesen zu sein, und viele verspüren eine tiefe Sympathie für ihn. {…} es aktiviert in unserem Gehirn die wesentlichen Repräsentationen {…}, es bringt — im neuen Medium von Gehirnen außerhalb des seinen — kleine Fragmente seiner Seele wieder zum Tanzen.
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