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geschrieben von molosovsky, am: Montag, 27. Sep. 2004
(Literatur) — HINWEIS: Folgend die Fassung, wie sie sich in »Magira 2005 – Jahrbuch zur Fantasy« findet. Dank des Lektorats der Herausgeber Michael Scheuch und Hermann Ritter zur Abwechslung sozusagen ein Molochronik de luxe-Beitrag.


••••
Kraft und Entwicklung eines Genres pulsieren in der Spannung, die zwischen dem stabilen Zenit der Vertrautheit, Wiedererkennbarkeit und Routine mit bestimmten Zeichen und Inhalten einerseits, und dem fluktuierenden Nadir der innovativen Originalität, Neuartigkeit und Regelübertretung beim Umgang mit der genre-eigenen Zeichen- und Inhaltsgrammatik andererseits herrscht. Je nach Verlauf der individuellen Lektürebiographie im Genre-Raum erfreut man sich angenehmer Überraschungen und unvorhergesehener Genüsse, aber erleidet auch Enttäuschungen und entwickelt Abneigungen.

Das Fantasy-Genre existiert wohl einer konzentriertenm Hoffnung auf eine ganz besondere Leseerfahrung wegen, die über das gewöhnliche Verlangen nach einer spannenden Geschichte oder anrührenden Romanze hinausgeht: In eine gänzlich andere Welt einzutauchen und mithilfe der eigenen Vorstellungskraft mitzugestalten, oder wenigstens Reflektionen unserer Welt in seltsamen Zerrspiegeln aus Historie und Magie betrachten zu können.

Erste Begegnungen
Tad WilliamsFrüh schon begegnete ich als Teen Tad Williams »Traumfänger und Goldpfote« (Tailcatcher's Song), den ich auf Deutsch gelesen habe. Für mich damals eine erfreuliche Abwechslung von meinen ausführlichen Wanderungen im Land der harten Männerhelden, wo ich mich mit Hawkmoon, Conan, dem Grauen Mausling und ähnlichen Burschen herumgetrieben habe. Diesen Katzen-Fantasy-Roman empfehle ich heute noch gerne. Eine gute Dekade später robbte ich mich als Twen vier Jahre lang durch »Der Drachenbeinthron« (Memory, Sorrow, and Thorn). Es war schrecklich. Was für eine sich zum Leser kuscheln wollende elephantitische Herzschmerzwalkerei! Was für ein offensichtliches Recycling des Bildbestands und der zivilisatorischen Attribute bekannter historischer Kulturen. Unter anderem fand ich nur spärlich verkleidete Wikinger, Indianer, Japaner, Afrikaner, komplett mit Merlin, Vatikan und Cameron-Aliens-Monstern. Selten schaffte ich mehr als 200 Seiten am Stück, und »Der Drachenbeinthron« umfaßt dreitausendsechshundertsechszehn Seiten. Von dem noch voluminöseren SF-Epos »Otherland« habe ich die ersten beiden der vier Bücher lediglich überflogen, und sodann schnell und endgültig beiseite gelegt.
Genauer: 960 + 880 + 880 + 896 Seiten gemäß der deutschen Ausgabe bei Fischer-Taschenbuch.

Und doch…
Kurz gesagt, die Phantastik-Prosa von Tad Williams ist mir mittlerweile herzlich unsympathisch. — Jedoch! Irgendwelche obskuren masochistischen Impulse haben mich jetzt doch wieder bei »The War of the Flowers« zugreifen lassen. Vielleicht, weil Williams diesmal so gnädig war, NUR einen in sich abgeschlossenen 800-Seiten-Roman vorzulegen. Zudem hatte ich die sexy Gelegenheit, die englische Taschenbuchausgabe für 4,– € aus dem Ramsch mitnehmen zu können und keine drei Lappen für die (zugegeben) wunderschöne Klett-Cotta-Ausgabe hinlegen zu müssen.

Bevor ich aber loslege, ein Skalpell anzusetzen und mein Gift auf »Der Blumenkrieg« triefen zu lassen, möchte ich versuchen, ein paar begrüßenswerte Merkmale und Eigenschaften des Romans anzuführen, die jenseits von feineren Geschmacksfragen für die meisten Leser wohl erkennbar sind. Die achthundert Seiten dicke Geschichte liest sich flott weg, schnell war ich in einer Arbeitswoche nebenbei damit durch. Stil und Rhythmus werden dabei seltenst zu simpel. Die Dialoge sind elegant und lebendig. Williams weiß, wie man die Leser bei Fuß hält.

Das Buch liefert darüber hinaus auch einige wirklich mitteilenswerte und beherzigenswerte Gedanken und Ideen, nämlich: Daß Rassismus, Angst vor Fremden oder Klassenarroganz böse sind; daß Reden und Handeln sich nicht (allzu sehr) widersprechen sollten; daß die US-Amerikaner (und die Erste Welt) ruhig mal geduldiger die Aufmerksamkeit über den Tellerrand ihres simplen Schwarz/Weiß-Weltbildes richten können; daß auch für Hegemonialmächte gilt: »Niemals rechtfertigt der Zweck alle zur Wahl stehenden Mittel«. Viel Kritikerliteratur wird für empfindsam-intellektuelles Geklapper gelobt und bietet doch nicht halb so viel Fruchtfleisch wie dem Tad sein ›Genre-Trash‹.

Nun aber zu meinen wohligen Mißfällen. Wohlig deshalb, weil ich es durchaus genossen habe, so reichhaltig und exemplarisch Unarten der Genre-Fantasy in einem Roman versammelt zu finden. Zudem schöpfte ich ein perverses Lesevergnügen daraus, mich über die Vorhersehbareit und Leser-Händchenhalterei des Buches aufzuregen, denn die entscheidenden Enthüllungen der Geheimnisse des Plots hab ich alle lange nahen sehen. Dabei gelang es dem Buch aber nicht, mich anzufixen, diesen absehbaren Wendungen gespannt entgegenzufibbern.

Wie schon in »Der Drachenbeinthron« wälzt sich die Geschichte größtenteils zäh in kleinen Schritten und so mancher Redundanz dahin. Die meisten Zeilen gehen für Launenbeschreibung und den Gedankensalat des Protagonisten drauf. Hauptfigur Theo fühlt sich mal so, mal anders mies, ist auf diese oder jene Art verwirrt. Figuren, Requisiten und Handlung versuchen gar nicht erst, die Originalität von Kautschkartoffel-Bespaßung wie »Xena« und »Stargate« zu übertreffen. Immerhin: um US-amerikanische Schulhofleseratten — die sogenannte Playstation-Generation dieses Globus — zu begeistern, scheint mir das Vorgehen geeignet. Kopffernseh-Prosa, brav, nie wirklich frech oder einzigartig, sondern immer gewöhnlich, immer auf bereits aus den Massenmedien Vertrautes bauend. Subtil oder phantasievoll ist hier wenig. Die Exotik ist keine in unbekannte Reiche verführende, sondern eine Parade von Bekanntem zum Abnicken. Man darf ruhig mit einem geschlossenen Auge oder im Halbschlaf lesen, denn Onkel Tad raunt spätestens alle zwanzig bis fünfzig Seiten über die echt wichtigen Infos oder läßt sie von seinen Figuren rekapitulieren.

Ungeschickt ist schon, wie die ganze Präposition als Fremdkörper das Eröffnungssechstel verstellt. Zu Beginn der Geschichte befinden wir uns im zeitgenössischen San Francisco: Theo Vilmos hält sich für einen Loser. Er hat einen mickrigen Job bei einem Blumenlieferant und macht allzu exemplarisch die berüchtigte Sinn- und Gemütskrise der Frühdreissiger durch. Singen mag sein Talent sein, er hat aber nichts daraus gemacht. Die nur halb so alten Freunde seiner Boy-Band nerven ihn und sind von ihm genervt. Nach einer wiedermal fruchtlosen Studiosession spät heimkommend, gibts den ersten Schock für Theo: seine Freundin liegt nach einer Fehlgeburt im Bad.

Theos Welt bröckelt jetzt erstmal eine Weile. Krankenhausbesuch und Trauer um das verlorene Kind. Der nächste Schlag: die Freundin will allein neu beginnen und Theo soll sich eine eigene Bleibe suchen. Außerdem wird er seinen Job los und die Boys von der Band wollen ihn auch nicht mehr. Er boomerangt also zu Muttern, einer ernsten und schweigsamen Frau, die seit dem Tod von Theos Vater alleinlebt. Das leicht unangenehme, weil beklommene Zusammenwohnen der beiden bleibt aber auch nicht lange ohne Unglück. Mama hat Krebs und Theo wird zum Sterbebegleiter der Mutter, dann zum Manager ihres Erbes. Mit ein bischen Guthaben vom Hausverkauf auf der Kante, zieht sich Theo zum Sich-selbst-finden in eine Waldhütte im Umland zurück, vielleicht um Songs zu schreiben oder endlich mal »Moby Dick« zu lesen. Doch er schmökert in den Aufzeichnungen seines Großonkels Eamonn Dowd, die Teil des mütterlichen Nachlasses sind. Dowd war der Außenseiter der Familie, der nicht nur die weite Welt bereist und manch schöne Frau geliebt hat, sondern auch von dem wundersamen Land Elfien und der dortigen (einzigen) Metropole Neu-Erehwon erzählt.
Warum eigentlich nicht Neu-Owdnegrin? Zumindest für mich klänge das nicht zu (unangenehm) osteuropäisch. {Vielleicht ist das nur eine Anspielung auf EREWHON von Samuel Butler? – Die Magira Herausgeber.} Ja schon, aber warum wurde bei dem schon nicht mal Owdnegrin als Übertragung versucht?

In der Provinz treibt sich Theo in einem nahen Kaff herum, stöbert im Archiv nach Infos über den Großonkel und verguckt sich in die Bibliothekarin. Ein Komissar aus Frisco schaut aus Routine bei Theo vorbei, weil Folgebesitzer von Mutters Haus bestialisch zerschnetzelt aufgefunden wurden. Kurz darauf greift denn nun auch ein dämonisches Wesen Theo in seiner Waldhütte an. Doch die kleine Elfe Apfelgriebs — ein fliegendes Klischee mit irischem Akzent und roten Haaren, wie Julia Roberts in »Hook« in deftiger, upgedatet um einige Shakespeare-Zeilen — taucht auf, um Theo zu retten. Schuppdiwupp, flüchten beide durch ein kleines Portal nach Elfien.
Dieser ganze Schmonzes zieht sich über die ersten 135 (140 im Original) Seiten dahin, aufgelockert durch wenige kurze Kapitel aus der Elfen-Welt. Da wird von menschenhassenden Elfen der besagte Dämon losgeschickt; in einem Sanatorium der Elfen sitzt eine schöne Elfenfrau apathisch herum; es wird geflüstert vom vergangenem Krieg zwischen mächtigen Elfenhäusern, die eben nach Blumen benamst sind; und berichtet über einen Zwischenfall in einem Elfien-Kraftwerk.

Vergleichswaise
Folgende Aufzählung kann vielleicht dazu dienen, sich besser ausmalen, was für einen Ideal-Leser Tad Williams beim Schreiben vor seinem geistigen Auge hatte. Soweit ich das in freundliche Worten fassen kann, handelt es sich dabei um Leser, die wohl mehr an nervenberuhigender Entspannungs-Aufregung interessiert sind, denn an wahrhaftig herausfordernden neuen Ideen. Sich als Autor besonders solchen Lesern zu widmen will ich gar nicht als unehrenhaft verdammen, denn das ist für einen kreativen Geist ebenso eine Herausforderung, wie sogenannte anspruchsvolle Literatur schaffen zu wollen. Um die Freunde der Bücher von Tad Wiliams milde zu stimmen und der Anschaulichkeit halber, nun zuerst ein angenehmes Beispiel für einen gut untergebrachten Lieber Leser, stells Dir ungefähr so vor-Vergleich.
• Theo steht seiner Freundin nach deren Fehlgeburt am Krankenbett bei. Die allgemeine Stimmung in Krankenhäusern wird dabei verglichen mit Gedichten von T. S. Eliot: … gut ausgeleuchtete Wüsteneien, Orte leiser Gespräche, die nicht ganz verbergen konnten, daß sich hinter den Türen schreckliche Dinge abspielten. (Kapitel 1, Seite 29/23)
Als gelungen oder zumutbar empfinde ich solchartige Verweise eben, wenn sie mit etwas mehr Fruchtfleisch hingeschrieben wurden und der Geschichte eleganter dienen.
Zu den Verweisen auf die zitierten Stellen: Die erste Ziffer der Seitenangabe bezieht sich auf die englische Taschenbuchausgabe von DAW (May 2004, 828 S.); die zweite Ziffer der Seitenangabe bezieht sich auf die von Hans-Ulrich Möhring (gut lesbar) übersetzte, gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag bei Klett-Cotta (2004, 805 S.).


Achtzig Ideenlosigkeiten aus »Der Blumenkrieg«
— Eine Autopsie —


Ideenlosigkeit No. 1 • Was für Mukke hört Theo als Sterbebegleiter seiner Mutter? Die Smiths, wen sonst? Unangenehm naheliegender Griff ins Popmusikregal zur Veranschaulichung von Kummerstimmung. (Kap. 3, S. 61/54)

2 • Theo öffnet das Schließfach mit Eamonn Dowds Nachlass und hätte sich nicht gewundert, wenn dem Ding eine Tutanchamuns Grab würdige Staubwolke entstiegen wäre. (Kap. 5, S. 89/83)

3 & 4 • Beim Lesen von Dowds Aufzeichnungen findet Theo einige Passagen zu blöd raunend und fragt sich, ob sein Großonkel durch zuviel Lovecraft beeinflußt wurde. Überhaupt: Ist Dowd ein richtiger Schriftsteller oder ein Dilettant, der seine eigenen {…} Erinnerungen mit Sachen aufpeppte, die er aus den Weird Tales und ähnlichen Blättern gestohlen hatte? (Kap. 7, S. 103/96)

5 • Theo sieht ein seltsames Lichtphänomen in seiner Waldhüttenküche: So was, wo die Piloten früher meinten, sie hätten ein UFO gesehen. (Kap. 9, S. 130/121)

6 • Theo beschreibt die Aufzeichnungen seines Onkels über New Erewhon und Elfien als hoffnungslos unverkäufliche Mischung aus Fantasy ohne Abenteuer (wenigstens ohne richtige Abenteuer, wie die computerspielenden Drachenkämpfer sie suchten). — Die Originalpassage lautet jedoch: (not real adventures anyway, the kind Dungeons-and-Dragon kids wanted), grob überstezt also: (jedenfalls nicht wie die richtigen Abenteuer, wie sie die Dungeon-and-Dragon-Kids mochten) — Bei Klett Cotta vertraute man wohl nicht darauf, daß D&D (oder überhaupt Rollenspiele) dem deutschen Leser irgendwas sagen. Erschreckende Zaghaftigkeit. (Kap. 9, S. 135/125)

7 • Für mich schon 'ne echte Stilblüte ist dann ein Vergleich für einen Adrenalin-Schub Theos beim ersten Äktschn-Höhepunkt, dem Angriff des Dämons in der Waldhütte, am Ende des ersten Teils: Theo's heart felt as though it were about to explode out of the top of his head like a Polaris missle. – Selbst bei Klett-Cotta klingt das gesteltzt: Theos Herz fühlte sich an, als wolle es im nächsten Augenblick wie eine Polarisrakete durch die Schädelplatte schießen. (Kap. 9, S. 144/134)

8 & 9 • Theos Ankunft in Elfien in einer befremdlichen Gegend. Hier gibt es seltsame optische Effekte, die mit öden Malerei- und Drogenerlebnisvergleichen veranschaulicht werden: Eigentlich sah die Umgebung gar nicht ausgesprochen anders oder verkehrt aus, sondern bot einen ganz normalen Anblick mit einem gewissen romantischen, präraffaelitischen Einschlag: {…} Es erinnerte ihn an die Art, wie eine Dosis Psilocybin den Farben alltäglicher Gegenstände eine neonartige Grellheit verlieh. (Kap. 10, S. 148/140)

10 & 11 • Auf der Flucht kommt Theo sein Abenteuer vor, als ob sich die Gegend von einer Zauberlandschaft in den Alptraum eines strapaziösen Survial-Trecks durch eine Disneyfilmszenerie verwandelt hatte. {…} Er fühlte sich allmählich wie auf einem LSD-Trip. (Kap. 10, S. 150/141 f.)

12 • Wieder ein Malereivergleich für eine Landschaft, die satt wie der Hintergrund eines Maxfield-Parrish-Gemäldes auf Theo wirkt. (Kap. 10, S. 160/151)

13 • Die Klamotte, die Theo bald in Elfien bekommt, nennt der Text einen seidenen Ninjapyjama. (Kap. 12, S. 185/175)

14 • Beim Anblick der technischen Geräte im Arbeitsraum eines Elfen-Aristokraten fühlte sich Theo in die Anfangstage der Computertechnik zurückversetzt, eine ihm nur von Fotos und Zeitschriftenartiklen bekannte Zeit, in der die Leute ihre PCs der ersten Generation in handgefertigte Holzkisten einmontierten. (Kap. 12, S. 187/177)

15 • Das Ausshen des Elfen-Aristokraten selbst wird dem Leser nahegebracht als das … eines mondänen europäischen Konzeptkünstlers, was auch zu dem technominimalistischen Dekor paßte. (Kap. 12, S. 187/177)

16 • Im einem Dialog bringt Theo dann über diesen aristokratischen Elfen-Wissenschaftler auch den ersten von einigen Vergleichen mit dem Dritten Reich an: ‘Wenn der ein Wissenschaftler ist, dann muß er einer wie Dr. Mengele sein.’ (Kap. 12, S. 193/183)

17 • Allein unterwegs in den Gängen eines Elfienhauses während eines Stromausfalls fühlt sich Theo wie Theseus im finsteren Labyrinth, nicht ahnend, daß der schreckliche Minotraurus hinter ihm stand. (Kap. 12, S. 199/189)

18 • Unterwegs zu einer Eisenbahnstation kommt Theo ein Elfienbegleiter vor wie aus einem Monty-Python-Sketch. (Kap. 13, S. 227/216)

19 • Für Theo, der offentlichlich nicht gerade über ein funkendensprühendes Assoziationsvermögen verfügt (¿oder ist es Tad selbst der schwächelt?), sehen einige Fahrzeuge auf den Straßen Elfiens aus wie Volkswagen Käfer. (Kap. 14, S. 231/219)

20 • Fremdartige Elfenschrift, die Theo aber dennoch irgendwie lesen kann, erscheint ihm wie längst untergegangene vorderasiatische Schrift. (Kap. 14, S. 235/224)

21 • Nochmal über den Wissenschaftler, dessen Äußerliches beim ersten Treffen in Theos Rückblick beschrieben wird als keltisch-asiatische oder skandinavisch-asiatische Mischung. (Kap. 14, S. 237/226)

22 • Später wird das Verhalten dieses Kerls schlicht klassifiziert als er benahm sich wie in einer Geschichte mit Jeeves dem Butler. (Kap. 15, S. 262/249) — Gemeint sind die im englischen Sprachraum klassischen komischen Romane von P. G. Wodehouse über den adeligen Junggesellen Wooster und seinen Butler Jeeves, die bei Edition Epoca exzellent übersetzt erscheinen. Verfilmt als BBc-Serie mit Hugh Laurie als Wooster und Stephen Fry als Jeeves.

23 • Das Zombiewesen von der Waldhüttenäktschn wird Theo den ganzen Roman durch auf den Fersen bleiben. Mit Galgenhumor denkt sich Theo, warum ihn außer lebenden Leichen und Schleimschneckenmännern nicht auch noch anderes Böszeugs jagt: ‘wie heißen diese Ekelpakete am Anfang vom ›Herrn der Ringe‹ noch mal? Schwarze Reiter?’ — Im Original freilich ist Theo noch nervig-dümmer, und dem Fantasy-Vertrauten wird eine lächerlich simple Gelegenheit zur Besserwisserei dargeboten, denn es heißt: ‘von Schwarzen Reitern wie im ›Kleinen Hobbit‹’. (Kap. 15, S. 262/250)

24 • Die Angst, beim Klauen erwischt zu werden, läßt Theo fürchten, in ein Gefängnis wie aus einem gruseligem Grimm-Märchen geworfen zu werden. (Kap. 15, S. 266/254)

25 • In Gesellschaft mit Poppy, der Tochter des obersten Menschenhasser-Elfen, ist Theo auf den Weg zu deren Familiensitz, oder wie Theo sich zynisch denkt: ‘Klar, wir steigen übers Wochenende einfach im Führerhauptquartier ab.’ — Tja, liebe geschichtsverklemmten Deutschen, in der USA-Mainstream-Fantasy eines Williams wurde die Höhle des Löwen und die Teufelsküche vom Führerbunker abgelöst. Man kann sich ruhig unwohl deswegen fühlen, aber es läßt sich nicht ändern, daß die Nazis längst in den Bilderfundus der Populärkultur eingegangen sind. Nicht wahr Dr. Jones? (Kap. 16, S. 287/274)

26 • Zur Schnulze zwischen Theo und Poppy. Er ist ja Anfang Dreißig, sie in Jahren knapp über Hundert, in Elfen-Maßstäben aber gerade mal so aus dem schlimmsten Teenageralter raus. Theo denkt sich, daß er sich eine Romanze mit Poppy wohl ausmalen muß, wie in … de{m} Film Harold and Maude. (Kap. 16, S. 293/280)

27 • Theo wird wieder mal magisch-wissenschaftlich untersucht und wirft einen Blick auf ein Gefäß, das gelblich-grün {glühte} wie etwas in einem billigen Horrorfilm. (Kap. 20, S. 339/325)

28 • Laborratte Theo ist es leid, behandelt zu werden wie Charlton Heston auf dem Planet der Affen. (Kap. 20, S. 341/326)

29 • Für Theo klingen die abenteuerlichen Geschichten über das Gesellschaftshickhack der mächtigen Elfen-Familien wie der Anfang der West Side Story, witzig und eher aufregend als gefährlich. (Kap. 20, S. 349/335)

30 • In einem hippen Elfen-Nachtclub wirken die Klamotten der Anwesenden auf Theo wie eine absurde Mischung aus viktorianischer Tracht und zerschlitzter, beschmierter punkiger Gothic-Mode. (Kap. 20, S. 357/342 f.)

31 • Theo besichtigt die Cafeteria eines Gemeinschaftsbaus kleiner Elfen. Einige Tische dort sind so groß wie ein Silberdollar, die größeren bieten Platz für mehrere Gäste von Barbiepuppengröße. — Im Original werden G. I. Joe-Figuren zum Vergleich herangezogen. (Kap. 22, S. 387/371)

32 • Ein weiterer Elfien-Aristokrat, der nach Theos Bildung gut in ein Renaissancegemälde gepaßt {hätte}, vielleicht als ein Ratgeber, der neben dem Thron stehend mißbilligend zusah, wie der arme Columbus Isabella und Ferdinand zu überreden versuchte, ihm ein paar Schiffe zur Verfügung zu stellen. (Kap. 22, S. 393/378)

33 • In einer heiklen Äktschn-Situation will der gebeutelte Theo aus einem beschädigten Gebäude raus. Ein rettender Türgriff blendet da schon mal wie eine Erscheinung gleich der Offenbarung Saulus’ auf der Straße nach Damaskus. (Kap. 25, S. 445/428)

34 • Theo vergleicht seinen Ausblick auf zerstörte Häuser als groteske Szene {…} wie Dantes Inferno. (Kap. 25, S. 455/438)

35 & 36 • Theo vergleicht Siedler, von denen ihm sein Elfenbegleiter erzählt, mit den amerikanischen Pionieren. Und bald darauf kommentiert Theo dazu: Wow. Das ist ja fast wie in einem von unseren Western. (Kap. 27, S. 483/466 f.)

37 • Eine Gruppe wilder Goblins auf Pferden, die Theo auf dem Weg in die Metropole Neu-Erewhon bemerkt hat, sieht für ihn aus wie Dschingis Khans Mongolen oder so. Wild. Verwegen. (Kap. 27, S. 485/467)

38 • In der Zeltstadt hoffnungssuchender Elfen kommt sich Theo vor wie auf einem marokkanischen Markt. (Kap. 28, S. 509/491)

39 • Wieder mal sehr befremdet von der Feariewelt fühlt sich Theo wie der erste Mensch auf dem Mars in einem altem Science-fiction-Buch. (Kap. 28, S. 520/502)

40 • Theo macht mit Goblins Musik, fühlt sich aber so fehl am Platze wie ein Börsenmakler bei einem Jazzfestival. (Kap. 28, S. 522/503)

41 • Die Musik der Goblins ist für Theo schwer einzuordnen, klingt für ihn aber am ehesten wie Qawwali, die gottestrunkene Sufimusik. (Kap. 28, S. 522 f/504)

42 • Für Theo trägt ein prophetischer Rebellengoblin Franziskanertracht. (Kap. 29, S. 540/520)

43 • Wie ein Beduinenscheich wirkt der Rebellengoblinboss auf Theo.(Kap. 29, S. 544/524)

44 • Pläne gegen die Machenschaften der Bösen wurden geschmiedet, doch Theo bezweifelt sehr, daß er der Richtige für eine Rettungsaktion {…} wie in ›Stirb Langsam‹ ist. (Kap. 32, S. 588/567)

45 • Theo begegnet wieder dem Elfenmädel Poppy, die inmitten der Hilfesuchenden im Zeltlager wirkt wie eine idealisierte Rüstungsarbeiterin von einem Propagandaplakat aus dem Zweiten Weltkrieg. — Im Original wird genauer auf ›Rosie die Riveter‹ verwiesen. (Kap. 32, S. 593/571 f.)

46 • Die schicke Poppy (immerhin die Tochter des Oberböslings) vergleicht dann Theo so: Genau wie die adretten Fräuleins, die zu Hitlers Partys gingen, aber die Augen davor verschlossen, was wirklich geschah. (Kap. 32, S. 593/572)

47 • In einem Restaurant fällt Licht so auf Poppys Gesicht, daß sie aussieht wie ein Porträt von Vermeer. (Kap. 32, S. 600/579)

48 • Nazi-Bunnies auf Davon geht die Welt nicht unter-Festen scheinen Tads Phantasie ganz schön umzutreiben. Theo fühlt sich nämlich mit Poppy im Restaurant nicht so recht wohl, denn sie macht auf ihn den Eindruck wie eines der hübschen, munteren HJ-Mädels {…}, die in Berlin rauschende Feste feierten, während die SS die Unerwünschten in die Lager abtransportierte. (Kap. 32, S. 602/581)

49 • Ein Viertel von Neu-Erewhon, das am Wasser gelegen ist, vergleicht Theo für sich mit dem New Orleans oder Neapel des 19. Jahrhunderts. (Kap. 32, S. 608/587)

50 • Wieder zum Goblinpropheten, der diesmal umschrieben wird als eine Art Mahatma Ghandi der Elfenrevolution. (Kap. 33, S. 624/603)

51 • Der Name eines alten und mächtigen Wesens – der Beseitiger von Hindernissen (Remover of Obstacles) – klingt für Theo nach dem Titel eines alten Black Sabbath-Songs. (Kap. 33, S. 630/609)

52 & 53 • Das Innere des Lagerhauses des besagten Beseitigers wirkt für Theo als hätte {jemand} in großer Hast eine altmodische Apotheke mit einer besonders abartigen Spielwarenhandlung zusammengekippt und dann den ganzen Plunder großzügig mit den Beständen der Bibliothek von Alexandria garniert. — Die Szenerie erscheint Theo wie eine Bühnenkulisse oder eine Disneyland-Attraktion. (Kap. 35, S. 660/640)

54 • Die Wächter des Beseitigers (Alraunen) sehen für Theo aus, als ob sie gerade von ihren angestammten Plätzen an der Steilküste der Osterinsel gekommen wären. (Kap. 36, S. 662/641)

55 • Empört über den Egoismus des Oberbösewichts der Elfen bemüht Theo wieder einen Vergleich mit dem Dritten Reich: Selbst Hitler hätte nicht getan, was Nieswurz tun will, nämlich eine ganze Welt zerstören, bloß um an der Macht zu bleiben. (Kap. 35, S. 666/645)

56 • Die herrschenden Blumen-Elfen und ihre vertrackte Bürokratie werden umschrieben als so schlimm wie die britischen und selbst russischen Apparatschiks. (Kap. 36, S. 671/651)

57 • Ein mächtiger Elfen-Aristorat wird vom Beseitiger verglichen ‘mit dem Oberhaupt einer reichen, alten neu-englischen Familie – Bostoner Brahmanen nannten wir sie früher.’ (Kap. 36, S. 677/657)

58 • Die Pläne für Kraftwerke der Bösewicht-Elfen und deren verächtlicher Verschleiß von niederen Elfen wird so beschrieben: Diese Pläne sahen völlig autarke Kraftwerke vor, in denen Goblins und Kobolde eigens gezüchtet, verbraucht und dann im Prinzip weggeworfen worden wären. — Im Original heißt es wiederum Drittes Reich-bezogener: then essentially thrown them away, like the Nazi camps. (Kap. 36, S. 680/660)

59 • Das Innere des Lagerhaus von dem Beseitiger kommt Theo vor wie die Kulisse eines existentialistischen Theaterstücks. (Kap. 37, S. 686/666)

60 • Theos Gedanken über den Beseitiger von Hindernissen: Vielleicht ist er einer wie der ‘große und schreckliche {Zauberer von} Oz’. — Vielleicht, vielleicht. (Kap. 37, S. 694/674)

61 • Der Beseitiger erzählt davon, daß er sich verhüllt und maskiert {hat} wie das Phantom der Oper oder sonst ein melodramatischer Blödsinn. (Kap. 37, S. 696/
676)

62 • Theo weiß nicht warum verschiedene Gesinnungsgruppen der Elfen-Welt hinter ihm her sind, und warum sie glauben, er sei im Besitz von irgendwas enorm Wichtigem. Alle machen auf mich Jagd, aber ich habe nichts! Keinen Schlüssel, keinen Zauberstab, keinen Ring sie alle zu binden, nichts! Und Tad Williams hat echt die Chuzpe zu behaupten, daß er bestrebt ist, sich über die Händchenhaltprosa eines Tolkiens hinauszuentwickeln. Buhrufe sind angebracht. (Kap. 37, S. 700/680) — Tad Williams Abgrenzungsbemühungen zu Tolkien kann man z.B. in einem Interview mit Marcel Feige bei misterfantastik beobachten.

63 • Seltsame Salamander sehen ein wenig aus wie Cartoondämonen. (Kap. 38, S. 705/685)

64 • Auftrieb und Durcheinander auf den Straßen, wie beim Mardi Gras. (Kap. 38, S. 709/689)

65 & 66 • Theo schaut dem Oberbösewicht tief in die Augen, und was geht ihm als Soundtrack durch den Kopf? ‘Sympathy For The Devil’ von den Rolling Stones. Die körperliche Nähe des Oberböslings fühlt sich für Theo an als ob Dracula hinter ihm stünde. (Kap. 39, S. 718/697)

67 • Die Zugtiere von Kriegskutschen sehen für Theo aus wie Außerirdische aus einem Hollywoodfilm. (Kap. 40, S. 733/711)

68 • Inmitten einer wilden Äktschn sehen die vielen Gesichter aufständischer Elfen für Theo aus wie einem Gemälde von Bosch entsprungen. (Kap. 40, S. 734/712)

69 • Schrecklicher Monstergeruch, wie das Alligatorbecken im Aquarium von San Francisco. (Kap. 40, S. 740/717)

70 & 71 • Die heiligen Bäume im Zentrum Elfiens sind breit und massig wie Wolkenkratzer, die Wurzeln versinken in Hügeln, die so groß sind wie ein ganzer Sportplatz. (Kap. 40, S. 748/726)

72 • Eine gebieterische Geste des Oberbösewicht ist so lässig, daß jeder römische Kaiser {ihn} beneidet hätte. (Kap. 40, S. 749/727)

73 • Magische Spezial-Effekte wirken auf Theo geradezu fraktal {…}, das Ergebnis eines Experiments in der Blasenkammer, liebevoll fotografiert und im Smithsonian Magazine abgedruckt. — Bei uns bekannter: Geo und National Geographic. (Kap. 41, S. 756/733)

74 • Theo ist überzeugt, daß er vom Oberbösewicht geopfert werden wird, wie die Vulkanjungfrau eines bezarren religiösen Rituals. (Kap. 41, S. 756/734)

75 • Magische Blubbersubstanz wird einmal als ›Plasma‹ bezeichnet, für von Star Trek und Co. Konditionierte. (Kap. 41, S. 763/741)

76 • Theo begreift, daß ein magischer Singsang in etwa funktioniert wie die Formel für eine Wasserstoffbombe. (Kap. 41, S. 765/742)

77 • Theo über Poppys neuen Look beim Wiedersehen nach dem Showdown: {ein} seltsam japanisches Aussehen, {…das} Gesicht ein weißes Oval wie bei einer Geisha. (Kap. 42, S. 782/758)

78 • Die Bücher von Frank L. Baum haben Tad anscheinend gut gefallen, denn er läßt Theo über das Ende seiner überstandenen Abenteuer ausrufen: Das ist ja wie der Schluß von ›Der Zauberer von Oz‹. (Kap. 42, S. 786/762)

79 • Neue Klamotten der Elfen für Theo, diesmal wie die Ausgehuniform einer Karateschule. (Kap. 42, S. 793/769)

80 • Die Erstaunheitsäußerungen von Theo werden von seinem Onkel beschrieben als Sätze {die} aus einem Flash-Gordon-Comic stammen {könnten}. (Kap. 43, S. 807/783)


In einer dunklen Passage des Romans heißt es einmal, daß Theo sich fühlt, als ob er von einem Märchen mit Zähnen verschlungen wird. Da kann ich nur den Kopf schütteln, denn Zähne oder Biß hat »Der Blumenkrieg« nun kaum.



•••
Folgende Resteln hab ich in der Magira-Fassung nicht verwertet:

Hätte ich eine Aktionskarte für einen willkürlichen Eingriff in Phantastik-Verlagsprogramme, würden die Bas Lag-Romane von China Miéville als liebevoll gestaltete Hardcover bei Klett Cotta erscheinen und dem Tad Williams seine Prosa-Maische als hektisch-schiache Abzock-Pulp-Ausgabe bei Bastei.

Meine Vorsätze also: dies ist der letzte Tad Williams den ich lese … und ich sollte mich lieber umtun, und wieder GUTEN Genre-Trash aufstöbern. So, und die nächsten Tage bekomme ich nun hoffentlich meine Meinungen zu wirklich lesenswerten Büchern aus mir raus.

Wirklich gute flott lesbare moderne Realwelt/Fantasywelt-Überschneidungs-Romane (U-Bahn tauglich) kann ich bessere aufzählen:
Neal Gaimans »Neverwhere« (Niemalsland) und »American Gods«; leider sind die deutschen Übersetzung von Gaiman ziemlich mies.
Matt Ruffs »Fool on the Hill«; gut übersetzt.
Charles de Lindts »Memory and Dream«;
Clive Barkers »Thief of Always« und »Weaveworld« (Gyre);
Peter S. Beagles »Hey Rebeck!«;
Martin Millars »Die Elfen von New York«
usw. usf. …

•••
Und zuletzt:

Für die Bibliotheka Phantastika schreibt der Rezensent Top Dollar:
Gewalt in Romanen kann nur so lange unterhaltsam sein, wie sie sich eindeutig in einem fiktiven Rahmen abspielt und der Leser in seinem bequemen Sessel sicher sein kann, daß sie mit der Realität nicht das Geringste zu tun hat.
Abgesehen, daß Top Dollar den Roman mit 4 von 5 Sternchen bewertet, obwohl er im Fazit meint:
Starker Beginn, folgt dann aber zu vorhersehbar ›Schema F‹
… ist die Aussage zu Gewalt in Fiktionen ein ungeheuerlicher Satz … mich gruselt es richtig. Zumindest meiner Meinung nach ist es genau umgekehrt: Gewalt in Fiktionen ist eben gerade eine Meßlatte dafür, wie sehr sich die Fiktion von der (bösen bösen) Realität entfernt hat. Wird Gewalt als akzeptables Mittel zum Zweck dargestellt, verdächtigt man zurecht das Werk als ein gewaltverherrlichendes. Doch eine Verharmlosung oder »Will ich nicht wissen«-Ausblendung von Gewalt ist nicht minder verwerflich.
abgelegt unter: Literatur
Geschieben von corinthas am: Mittwoch, 29. Sep. 2004
Will nur kurtz sagen dass ich "Amercan Gods" von Gaiman auch empfehlen würde. Hab Neverwinter nur als TV drama gesehen leider. :(

Von den anderen hab' ich noch nie gehört. Die Elfen von New-York von Martin Miller klingt interessant.
Geschrieben von distel, am: Freitag, 01. Okt. 2004
Diese Gedanken müssen derzeit durch den Mooreschen Ideaspace wabern. Habe gestern einen Text in die gleiche Richtung getippt - noch ein Verweis auf Dich und dann kommt das heute irgendwann rein.
Geschieben von molosovsky am: Freitag, 01. Okt. 2004
@Corinthas: »Neverwhere«, nicht Neverwinter. Oh ja, die BBC-Produktion ist superb! Da Buch und Serie sozusagen gemeinsam entstanden sind, finde ich es sehr interessant die beiden Fassungen zu vergleichen. Lustiger Hinweis: dieser Link zu einem Neverwhere-Rollenspiel {über iFlow}.
Und wegen Martin Millar. Hier eine nette, brauchbare Besprechung des Buches von Michael Vogl bei Lettern.de.

@Distel: Mir reichlich rätselhaft, was Du mit Mooreschen Ideaspace meinst … aber worscht … freute mich über, und genoß den ersten Teil Deiner Rezi von »Perdido Street Station«. Nach »The Scar« wirst Du glauben, daß Dir jemand den Kopf umgestülpt hat, und wenn Du dann noch »Iron Council« ließt, wirst Du Dich selbst wiederum um den gestülpen Kopf wieder zurückstülpen, so daß Du zu einer Ultrachronos-Falz wirst. Ein äußerst sinnliches Leseerlebnis für uns Phantasten, die gern am Honig ontologischer Äktschn lecken.
••• ERGÄNZ: Wunderschöne knappe Abwatschung der »Otherland«-Saga durch Distel.
Geschrieben von distel, am: Donnerstag, 07. Okt. 2004
Als Ideaspace bezeichnet Alan Moore ein Konzept (das unter den unterschiedlichsten Namen schon vor ihm vorlag), dass Ideen erstmal unabhängig von Menschen entstehen. Wenn die Zeit dann reif ist oder Menschen mit besonderer Affinität zu bestimmten Ideen, entsteht eine Verbindung dieser Ideen zu Menschen, so dass die Idee in die Welt tritt. Eine Erklärungsvariante, wie verschiedene Menschen fast zeitgleich identische Ideen habe, ohne miteinander in Kontakt zu sein.
Alan Moore geht dabei natürlich einen Schritt weiter, wie man sich diesen Ideaspace nun zu Nutze machen kann. Aber damit sind wir schon meilenweit vom ursprünglichen Thread entfernt.

Habe meine Wunschliste dank Deinter Tipps auf den aktuellen Stand gebracht.
Geschrieben von corinthas, am: Freitag, 08. Okt. 2004
Ups, fehler aber dass macht mich ja menschlich sagt man.
Bin jetzt mit Umberto Ecos "Baudolino" beschäftigt, und wie immer liefert der gute Herr ein bezauberendes Märchen. Schon wieder eine Geschichte in einer Geschiche gehüllt, es handelt sich hier um den Lebensverlauf von Baudolino, den er selber and einem Anderem erzählt. Ich kann das Buch kaum zu machen, und hab noch nichts von Eco entdeckt was ich nicht empfehlen würde.

Übrigens der hinweis zu dem Neverwhere rollenspiel war grossartig, danke. Ich spiele schon lange "dungeons&dragons" und sämtliche andere Rollenspiele.
Geschrieben von molosovsky, am: Freitag, 08. Okt. 2004
ist ein PC-Game, oder? Auf jeden Fall: Fehler verziehen :-)
Umberto Eco ist großartig und »Baudolino« sicherlich sein flockigster, munterster Roman. Alle, denen »Der Name der Rose«, »Das Foucaultsche Pendel« und »Die Insel des vorigen Tages« zu verschwurbelt und sprachlich zu komplex war haben mit »Baudolino« eine feine Gelegenheit diesen außergewöhnlichen Autoren neu anzugehen.
Geschieben von molosovsky am: Montag, 13. Mrz. 2006
Diesertage habe ich entdeckt, daß Phantastik-Freund Thomas Harbach von SF-Radio so gar nicht zufrieden mit meiner »Blumenkrieg«-Besprechung ist. — MAGIRA kommt iGuG gut weg, nur ich bin halt ein völliges Ärgernis. Komisch, in meiner Rezi steht nix darüber, daß ich Williams ob seines Erfolges zeihe, ließt Harbach aber so raus. Immerhin, mit Dath in die Nestbeschmutzerecke geschickt zu werden, empfinde zumindest ich als tolles Kompliment..

Genauere Re-Aktion folgt in bälde oder später.
Geschieben von molosovsky am: Mittwoch, 15. Mrz. 2006
›Dizz‹? — Ich schätze mal, Harbach hat nichts persönlich gegen mich, sondern er fand schlicht meinen »Blumenkrieg«-Beitrag zu unobjektiv. Vielleicht schätzt er Tad Williams als Autor um einiges mehr als ich, und hat sich deshalb besonders heftig an meiner Buh-Ruferei gestoßen. Kann sein, daß Harbach schlicht mein Tonfall zuwider ist, und dann ists immer schwer sich fruchtbar auf einen ›Sound‹ einzulassen. Ich hab also ein wenig das Gefühl, als ob ich mißverstanden wurde (siehe unten ›lustloser Rezi-Sklave‹), aber grad weil ich eben absichtlich ›wilder‹ zu Schreiben trachte als vielleicht manch andere, schätze ich solche Rückmeldungen von Kennerseite.

Im ersten Absatz seiner Besprechung von »Magira 2005« warnt Harbach bereits:

Trotzdem ist der Ton dieses als Nachschlagewerk weiterhin empfehlenswerten Handbuches böser und zynischer geworden. Einige dieser so genannten Rezensionen wirken wie persönliche Abrechnungen mit Büchern, Autoren und Epen. {…} Der Leser hat das Gefühl, hier die Arbeiten von ›Sklaven‹ zu lesen und nicht von Freiwilligen, die gerne über das Gelesene schreiben.

Mein Beitrag war freiwillig, wie ich überhaupt nur lese, was mir Vergnügen bereitet. Auftragsrezis kann ich nicht. Mein englisches »Blumenkrieg«-Exempmlar hab ich selber gelöhnt, bzw. die deutsche Ausgabe aus der Stadtbücherei ausgeliehen. Kann mich also vom zarten ›Sklaven‹-Vorwurf distanzieren.

Erster Buh-Ruf in meine Richtung: … so finden sich in der Ausgabe 2005 qualitativ die Arbeiten zu Dickson, King oder Williams am Ende der Kette. — Dann stellt Harbach die ›schlimmen Finger‹ der »Magira 2005«-Ausgabe vor:

Insbesondere bei Dath und Harthung‡‡ hätte die Redaktion die Artikel zum Überarbeiten zurückschicken sollen, oder besser ganz auf sie verzichten. In diese Kategorie reiht sich dann auch Alexander W. Müller mit seinem Pamphlet »Seine Hemden sind bunter als seine Bücher« ein.

»Seine Hemden sind bunter als seine Phantastik«, nicht ›Fantastik‹, nicht ›Bücher‹. — Freut mich zu sehen, daß ich von jemanden kritisiert werde, der mit ähnlich ungestümen Holterdipolter in die Tasten hackt, wie ich selbst. Pamphlete haben eigentlich ehr was mit Politik zu tun, aber ich fühl mich durchaus richtig verstanden. Ja, ich wollte eine gewisse ›Erregung‹ mit der »Blumenkrieg«-Rezi zum Ausdruck bringen

Weiter mit Harbach: Er zerreißt Tad Williams neuen Roman »Der Blumenkrieg«. — Was bin ich 55-Kilo- bzw. 1,72-Meter-Querulant doch für ein schlimmer Verbal-Berserker!

Es geht inzwischen nicht mehr um sachliche Kritik oder eine Auseinandersetzung mit dem Buch, sondern nur noch um die Tatsache, dass eigene Ego an einem erfolgreichen Autoren zu messen.

Mir ging es noch nie um ›objektive‹ Besprechungen. — Um mein Ego an dem von Williams zu messen, müßt ich Mr. Williams überhaupt mal kennenlernen. (Darüberhinaus müßt ich dazu an die einfachen Milchmädchenmodelle der Psyche a la ›Ego, Es und Über-Ich‹ glauben, was ich nur sehr bedingt tu.) Von Tad Williams kenne nur ein paar Bücher und Interviews, bei Weitem nicht genug, um mir wirklich ein Bild von seinem Ego machen zu können.

Irgendwo in einem Forum (bei SF-Netzwerk oder Bibliotheka Phantastika) hab ich mal spekuliert, daß ich mit bestimmten ›typisch‹ kalifornischen Schwingungen nicht zurecht komme. Dieses Unwohlsein mit ›zu glatter‹ oder zu bequemlich in Harmonie aufgehenden Geschichten kann ich vergleichen, mit so manchem meiner Eindrücke von dem, was ›man‹ z.B. bei den Filmen von Steven Spielberg als ›zu typisch amerikanisch‹ oder ›zu hollywoodmäßig‹ ankreidet. Diese ›typisch Ami‹-Vorwürfe finde ich aber selber problematisch, denn es gibt durchaus Positives an dieser ›typisch Ami‹-Kultur, bzw. mäkelt man oft sehr unspeziefisch rum, wenn man die ›typisch Ami‹-Karte ausspielt. Freilich kann man diese Problematik nüchterner und ungewundener darstellen, als ich das tat. Aber ich denke doch, daß ich bereits bei der kurzen Schilderugn meiner Leseerfahrung zur »Drachenbeinthron«-Reihe klarstelle, daß ich zu deutlich Wiederverwurschtetes in der Fantasy nicht mag. Fantasy ist oftmals ›melting pott‹-Literatur, die Themen, Bildschatz und Merkmale aus aller Herren Länder und Zeiten durcheinandermischt. Doch trotz der feinen Abstufungen, die es zwischen ›platten Zusammenhaun‹ und ›geistvollem Anklingenlassen‹ gibt, lassen sich wohl durchaus zu routinierte ›Abkürzungs‹-Praktiken von origineller Intertextualität unterscheiden. Harbach hat wie jeder Leser das Recht, sich diesbezüglich sein eigenes Urteil zu bilden und widersprechende Ansichten zu kritisieren. Ästhetisch um fünf Ecken verglichen, find ich halt Landschaftsgärten ›ehrwürdiger‹, angenehmer und reizvoller, als Disney-Themengelände. (Mit dem Vergleich tu ich Disney unrecht, denn die meisten Zeichentrick-Flicks mag ich sehr.)

Erfolgreich hier gleichbedeutend mit der Zahl seiner verkauften Romane – die einzig sachlich zu messende Komponente, dann Geschmack ja Geschmackssache ist.

Hab ich mich über Williams Erfolg beschwert? Mitnichten. Ich lasse durchblicken, daß ich Williams als Mainstream-Fantasy einschätze. Ist aber nun aller Mainstream auf gleiche Art und Weise als erfolgreich einzuschätzen? Und behaupte ich irgendwo, das solcherartiger Mainstream sich durch seinen Erfolg automatisch disqualifiziert, dumm und öde ist? Muß man mich schon ›gegen den Strich lesen‹ um das aus meiner »Blumenkrieg«-Rezi so deutlich rauszulesen.

Eine gute Kritik zeigt die guten und schwachen Seiten eines Buches auf und lässt den Leser selbst ein persönliches Urteil finden.

Toll, und wenn es nun andere Sichtweisen darauf gibt, was gute Texte über Literatur auszeichnet? Dürften die dann nicht gelten? Beziehenungsweise, darf so ein Text nicht geschrieben oder in einem Fantasyjahrbuch erscheinen? Darf man etwa nicht mal einen respektloseren Blick auf die Rezepte von Wellness- oder Mainstream-Fantasy werfen? Muß man einen Begriff wie jetzt grad dieses ›Wellness-Fantasy‹ gleich und nur als böse und zynisch aufnehmend in den falschen Hals bekommen? — Zudem kann nicht gesagt werden, ich hätte dem »Blumenkrieg« kein Lob angedeihen lassen. Ideologisch find ich den »Blumenkrieg« durchaus okey! Und es ist ein gutes Nebenbei-U-Bahn-Buch. Ist ja nicht so, daß ich NUR die Lesehaltung des hochkonzentrierten, bildungshuberischen Elfenbeinturm-Schmökerers kenne und beachte. Mitnichten. In einfacheren Worten hätt ich schreiben können, daß mir »Der Blumenkrieg« nicht wild, nicht böse, nicht poetisch, nicht ergreifend genug war. Kurz: alles andere als ›phantastisch‹ war meine Lektüre des Buches, außer in der Hinsicht, mMn lästige Unarten einer gewissen Mainstream-Genre-Fantasy zu versammeln, am reichhaltigsten eben ideenlose Abkürzungsvergleiche. — Zugestanden: ich reit wie besessen auf diesen Vergleichen rum. Aber z.B. mit meiner Einschätzung, daß der »Blumenkrieg« an einem lahmen Eröffnungs-Sechstel (immer gut über 100 Seiten) krankt, steh ich nicht alleine da Der Link geht zu einer Rezi von Thomas König. Zitat: Nach einem anstrengenden Start wird der Roman sehr gut. Die ersten hundert Seiten muss durchhalten….

Weites Löbliches: Aus der Fassung für »Magira 2005« hab ich die hier in der Molochronik als Schnipsel angehängten Gedanken zur Problematik der IX-XI.-Aspekte des Buches weggelassen. Die Materie ist mir zu kompliziert, als daß ich sie in einer flappsigen Rezi würdig behandeln könnte. Dass einige – vor allem gewaltgesättigte – Ereignisse in »Der Blumenkrieg« an die tatsächlich stattfindene Wirklichkeit gemahnen, halte ich für einen der starken und guten Aspekte des Buches. Grad locker zu lesende U-Literatur tut gut daran, den Kontakt zur Wirklichkeit aufrechtzuerhalten. — Harbach und andere lägen völlig richtig, wenn sie annähmen, daß es wohl durch meine persönliche Geschmacksauffassung bedingt wird, wenn ich den »Blumenkrieg« in Summe dennoch als zu lasch oder ›nicht bissig‹ einschätze. Ich führ ich diesen Gedanken in »Magira 2005« ungeschickterweise eben sozusagen stillschweigend mit im Gepäck, weil ich keineswegs Gefahr laufen wollte zu platt auf eine ›Kampf der Kulturen‹-Ebene vorzustoßen, auch aus Respekt ob, und Eingeschüchtertheit durch die komplexe Undurchschaubarkeit der bellezistisch-politischen Großereignisse. Ich wollte im »Magira«-Umfeld nicht das ganze schwere Themenfeld ›Bellezismus, Manichäismus und Terrorismus‹ auffahren. Kann sein, daß dies ein Fehler war, und es der Klarheit meiner Rezi dienlich gewesen wäre.

Eine interessante Kritik setzt sich mit den Schwachstellen auf eine Art und Weise auseinander, die Lösungen anbietet.

Streng genommen ist das der Job der Probeleser und des Lektors eines Buches, nicht der Rezensenten. Zudem die Frage. Lösungen für wen? Den Autoren, wie ers machen hätte sollen oder beim nächsten Mal besser machen könnte? Den Leser, wie er den Text zu lesen hat? Hier präziser zu argumentieren würde Harbachs Rezi gut tun.

Müller geht es unter anderem auch bei der Auflistung der achtzig Ideenlosigkeiten nur darum, auf andere einzuprügeln.

Harbach scheint einen Logenplatz in meinem Zimmer zu haben, so gut wie er mich zu kennen vorgibt. Harbach muß meinen Psychoanalytiker aufgestöbert haben und ihn ausgequetscht haben über meinen manisch-paranoiden Hass auf Williams. Tatsächlich, allein wenn der Name Tad Williams mir zu nahe kommt, geh ich ab wie Herbert Loom als Dreyfuß in den Inspektor Clouseau-Filmen von Blake Edwards, ich geh hoch wie's HB-Männchen usw.

— Ernsthaft: Unbenommen daß sich Harbach über meine Schreibe beklagt. Ich weiß, daß ich mit meiner Ausdrucksweise das Risiko eingehe zu nerven, vor den Kopf zu stoßen, oder mißverstanden zu werden. Diese Fehler fallen auf mich zurück, doch ganz vorsichtig muß ich darauf aufmerksam machen, daß es fürs Genervtwerden, Zusammenprallen und Mißverstehen mindestens zwei Subjekte braucht. Grad bei einer persönlicheren und launischeren Schreibe, wie ich sich ich anstrebe, ist eine Kritik deshalb wertvoll, um den Stil weiter auszufeilen.

••• Das ist eine passende Stelle, um mich bei Thomas Harbach für seine deutliche und bisher ausführlichste Kritik zu einer meiner Rezensionen zu bedanken, und ihm das Kompliment auszusprechen, daß er bei SF-Radio ein glückliches Händchen zeigt, da er einige interessante, also besprechenswerte Bücher dort rezensiert. Klar, Harbach widerspricht dabei oft krass meinen Ansichten, und verrennt sich (wie wohl alle Rezensenten bisweilen) schon mal Absatzlang in schrägen Argumentationen, aber seine Kritiken‡‡‡ sind mMn grad deshalb aufschlußreich und anregend, u.a. auch weil locker zu lesen. •••

Von mir selbst (und anderen) weiß ich, daß es oft leichter fällt nen flotten ›Verriss‹ zu schreiben als Lob, aber eigentlich verbreite ich lieber Empfehlungen und Anregungen und weniger gern Gemoser und Stinkestimmung — grad wenns um mein geliebtes Steckenpferd Phantastik und ihre Spielarten geht.

Dabei sind wahllos Beispiele aus der Übersetzung, dem Originalroman und schließlich dessen Inhalt zusammengemischt und aufgelistet.

Die angeführten Stellen hab ich immer nach der deutschen Ausgabe zitiert, und wo die von dem Original mMn markant abweicht die englische Ausgabe angeführt und eine eigene ›Stehgreifübersetzung‹ angeboten (z.B Ideenlosigkeit Nr. 6).

Bei einigen Punkten versteht der Autor wahrscheinlich selbst nur, warum er diese hier niedergeschrieben hat. Schon zu Beginn des Buches erkennt der Leser, dass Müller gar keine objektive Beurteilung des Buches versuchen wollte, er brauchte eine Rinde, an der er seinen fast kindischen Frust wegreiben konnte.

Harbach wirft mir vor, daß ich Tad Williams ›Lieber Leser, stell Dir folgendes ungefähr so vor‹-Vergleiche ungebührlich kritisiere, noch dazu auf eine Art (eben mit ›fast kindischem Frust‹), daß man als Leser der Rezension nicht nachvollziehen kann, warum ich die angeführten Stellen kritisiere. — Erstmal: Ist nicht immer Frust zu einem Gutteil kindisch? Wie dem auch sei. Ich kann halt nix anfangen mit solcher Bequemlichkeits-Fantasy, wenn ein etwas slackerhafter ›Normalo‹ durch Bizarrerien latscht und der Text dabei immer wieder lasch vermeldet, daß ›das da sich ausnimmt wie von Maler Y gemalt; diese Landschaft wie ein Rausch der Droge Z anmutet; das da aussieht aus wie ein Auto der Marke X‹. Tut mir Leid, sowas dünkt mir nur öde und phantasielos, und erinnert mich wiederum ehr an die Routinegepflogenheiten von z.B. Privat-TV-Zeichentrickserien. Die Harbach'sche Formulierung aufgreifend möchte ich die Frage stellen, an was für einer Rinde sich wohl Tad Williams bei seiner Vergleichs-Praxis gerieben haben könnte, und welcher Art dieses Reiben war. Soviel trau ich mich mutmaßen: es war nicht frustriert. — Mein Fazit zum »Blumenkrieg« ist, daß der Roman nicht bissig ist, sondern günstigenfalls nette ›Schlürf- und Weg‹-Berieselung bietet. Beim Sich-berieseln-lassen dürften Geschmäcker ziemlich weit auseinander gehen. Aber ›gegen den Strich gelesen‹ hat mir das Buch ja durchaus Spaß gemacht. Ich vermute aber, daß Harbach solche Lesarten schlicht unzulässig findet. Nu?

Ein Jahrbuch der Fantasy sollte weiterhin eine kritische, aber sachliche Auseinandersetzung mit der zugrunde liegenden Literatur sein. Diese oft kindischen Artikel und Rezensionen von mit beiden Beinen im Leben stehenden Amateuren und keinen vierzehnjährigen Besserwissern hinterlassen einen üblen Beigeschmack. Interessant ist dabei der Blick auf die Agenda am Ende des Buches. Unwillkürlich fragt sich der Leser, ob Müller, Dath oder Harthun wahrscheinlich in ihrem Beruf – für den erhalten sie ja Geld, sind somit Profis — ähnliche Prügel erhalten. Bevor dann wieder die Klischeeschublade mit dem überbezahlten Autoren aufgezogen wird, wer Geld für eine Leistung bekommt, muss sich am jeweiligen Gegenwert messen lassen.

Für Dath und Harthun kann ich nicht sprechen, aber von mir kann ich offenbaren, daß ich als Hartz-Vierling für 1,50 die Stunde am schaffen war, als ich den »Blumenkrieg« las und besprach. Diese Info kann man der ›Agenda‹-Angabe im Mitarbeiter-Teil von »Magira 2005« nicht entnehmen. Hat mich aber mein Erwerbslosendasein nun dermaßen gefrustet, daß ich deshalb Williams einen dicken fetten ›laaaangweilig‹-Aufkleber auf den Rücken heften mußte? — Ich mach mich ja schon mal gern zum Homer Simpson, und bins tatsächlich auch, was das Nichtkapieren betrifft, wenn ich gestehen muß, daß sich mir der Harbach'sche Gedankengang über ›Geschmack, Qualität, Erfolg, Geld, Beruf, Profitum und entsprechende Meßlatten‹ nicht gänzlich eröffnen will. Ich kann Leser und Kritiker meiner Schreibe also nur bitten, mir zu vertrauen, wenn ich versichere, daß ich von ›Störungen‹ welche die eigene Urteilsfähigkeit und Schreibe durch Umstandslaunen und Privatzores erleidet weiß, aber muß grad die Kritiker warnen, daß ich eben ›meine‹ Wege erforsche, um z.B. möglichst ehrliche Rezis zu verfassen. Und bei der Frage, was eine ›ehrliche‹ oder ›berechtigte‹ und was eine ›unverschämte‹ oder ›ungebührliche‹ Meinung ist, gehen in der Tat die Geschmäcker eben unterschiedlicher Wege.



Dietmar Dath wurde für seinen Beitrag über Stephen Kings »Dunkler Turm«-Epos gerügt. »Magira« kann nur was für den Wiederabdruck, denn der Dath-Artikel erschien ursprünglich in der F.A.Z.ZURÜCK

‡‡ Ebenfalls schlimm in Harbachs Augen war Heiko Harthuns Artikel zum Drachenreiter-Zyklus von Gordon R. Dickson.ZURÜCK

‡‡‡ Hier eine kleine Auswahl:
• Fritz Leiber: »Der Unheilige Gral« / • Sergei Lukianenko: »Wächter der Nacht« / • Ian R. MacLeod: »Æther« — Hat ich wohlwollender besprochen. / • China Miéville: »Der Eiserne Rat« — Von dem Buch hab ich eine positivere Meinung als Harbach. / • Justina Robson: »Die Verschmelzung« / • Jeff VanderMeer: »Die Stadt der Heiligen und Verrückten« — Harbachs Jubel über dieses Wunderbuch findet meine unumwundene Zustimmung. / • Anthologie »Moloch« — Freut mich, daß Miéville mit seiner »Spiegelhaut« Harbach begeistert hat.
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