MOLOsovskysCHRONIK
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geschrieben von molosovsky,
am: Sonntag, 22. Mrz. 2009
Eintrag No 546 — Hier die kurzen Bewertungen zu den in der letzten Woche geguckten Filme.

W. – Ein missverstandenes Leben.
Oliver Stone ist so einer, der auch dann einen spannenden Film abliefert, wenn eigentlich nur geredet wird. »W.« ist zwar nicht so spektakulär wie »JFK«, und nicht so unheimlich-tragisch wie »Nixon«, kann aber trotzdem mit diesen beiden anderen Präsidenten-Filmen von Meister Stone mithalten. — Die Handlung schreitet auf zweifache Weise episodisch pendelnd voran: a) zwischen der Vergangenheit des jungen W. und (dann grauhaarig) seiner Amtszeit zu Beginn des Irakkrieges; b) zwischen Bush dem Politiker (Abgehordneter und Präsi) und Bush den Privatmenschen (Sohn und Ehemann). Das zusammenklammernde Über-Thema ist die Emanzipation des jungen W. weg von seinem Vater, hin zum höheren GOtt-Vater. Gerade das religiöse Elememt des Filmes hat mich zugleich gruseln und schmunzeln lassen (z.B. wenn nach Konferenzrunden zum gemeinsamen Gebet die Hände gefaltet werden). — Einige Szenen und Aspekte haben mich laut auflachen lassen: als W. eine Eingabe zu harten Befragungsmethoden gutheißt und Waterboarding, Reizentzug und Reizüberlastung mit den Ritualen aus seinen Burschenschaftlertagen vergleicht. Wie die Oberstreberin Concoleza Rice als Alien im Männerkabinett herumwichtelt. Und grandios das ›Finale‹, wenn W. unkontrolliert zu plappern anhebt bei einer Pressekonferenz nach dem Einmarsch im Irak. Auch der Einsatz von schunkeltauglicher Country- und Bierfest-Musik brachte mich zum Lächeln.

Fazit: Obwohl insgesamt zu zahm, unterhält der Film vor allem Dank seiner überragenden Darsteller, vorausgesetzt man bringt die Nerven mit, dem Menschen Bush jr. näher kommen zu wollen.
8 von 10 Punkten.


Mirrors
Das Gute an dem Film: Ex-Detective Kiefer Sutherland dreht als Nachtwächter eines brandgeschädigten, leerstehenden Art-Deko-Kaufhaus (ehemals eine Klinik) in New York seine einsamen Runden, ringt als Ex-Alkie mit Psychoproblemen (mit dem fing er überhaupt erst an, weil er als Bulle jemanden im Dienst erschossen hat), und wird schön langsam irre wegen des dämonischen Spiegelspukes der zuerst im kaputten Gebäude, später auch außerhalb um sich greift. Das Nervige an dem Film: eine aufgesetzte Familien-Beziehungskiste mit einer überspannten Frau und zwei Kindern, von denen der kleine Junge im Lauf des Filmes zum Wirt für die Dämonen zu werden droht. Irgendwann verfranzt sich die Handlung auch in die Provinz zu Hinterwäldlern, bzw. in ein Kloster, wo eine Nonne ein finsteres Geheimnis pflegt. — Die paar pfundigen Gruselpassagen mit Brandopfern die nur im Spiegel existieren, einem maulaufreissendem Mord an einer hübschen Blondine in der Badewanne und die überraschende Schlußvolte machen das Kraut auch nicht fett.

Fazit: Kann trotz ›schöner‹ Verfalls-Optik und einem (wie meistens) überzeugend intensiv spielenden Sutherland nicht überzeugen. Zu lang, zu zäh und (tödlich für jegliche Phantastik) zu bieder-schwachsinnig.
4 von 10 Punkten.


Der Illusionist
Da leider die wichtige Rolle der von zwei Männern umgarten Herzensdame dieses romantisch-historischen Zauberer-Thrillers enttäuschend fade von Jessica Biel dargestellt wird, zündet der Schmacht- und Seufz-Faktor nicht. Bleibt aber immerhin noch das Männertrio, dessen Spiel überzeugt. Ed Norton gibt als die Massen faszinierender Illusionist (der aus einfachen Handwerkermilieu stammt) den zurückhaltenden und stets kontrollierten Perfektionen; Rufus Sewell glänzt als österreichischer Kronprinz wieder mal in der Rolle eines energischen Unsympathlers; und Paul Giambetti darf als Inspektor hin- und hergerissen sein, denn seine Figur ist ein begeisterter Fan des Illusionisten, muß aber der Dienstpflicht wegen dessen vermeindlichen betrügerischen oder gar mörderischen Umtriebe auf die Schliche kommen. — Die Rekonstruktion der Bühnenauftritte des Illusionisten sind fein gemacht (wenn auch die ersichtlichen CGI-Effekte den Zauber abschwächen); der z.T. auf alt getrimmte optische Stil paßt gut zur Stimmung; und die Musik von Philip Glass trägt wie immer bereichernd zur Athmo bei.

Fazit: Tolles männliches Darsteller-Trio in einem ruhig-gediegenen inszenierten Historienkrimi.
6 von 10 Punkten.

•••••
10 + + + + + Maßstabsetztendes Meisterwerk; Olympisch.
09 + + + + Überwiegend exzellent; Packend.
08 + + + Bemerkenswert mit leichten Schwächen; Anregend.
07 + + Befriedigendes Handwerk; Kurzweilig.
06 + Unterhaltsam mittelprächtig; Akzeptabel.
Unsichtbare Grenze der absoluten Mittelmäßigkeiten
05 - Brauchbar mittelprächtig; ganz ›nett‹, aber insgesamt lau.
04 - - Überwiegend mittelprächtig; Anstrengend bzw. langweilig.
03 - - - Bis auf wenige Momente daneben gegangen; Nervig.
02 - - - - Ziemlich übeles Machwerk; Zeitverschwendung.
01 - - - - - Grottenschlechtes übles Ärgernis; Pathologisch.

Gro&szlig;er horizontaler Trenner
Geschieben von simifilm,
am: Sonntag, 22. Mrz. 2009
Ich halte Oliver Stone ja für einen Riesentrottel und eigentlich hatte ich mir nach seinem unsäglichen Natural Born Killers geschworen, nie mehr einen Film von ihm anzuschauen; leider bin ich mir bei W. untreu geworden. – Ok, der Film ist nicht grottenschlecht, aber Stone reduziert Bush einfach viel zu einseitig auf seinen Vaterkomplex und hämmert diese Botschaft in jeder Szene von neuem rein. Diese Küchenpsychologie für einen ganzen Film einfach zu wenig, viel zu wenig.

Was ich das wirklich Ärgerliche finde, ist dass sich Stone selbst irgendwie für intellektuell und links hält, dabei sind seine Filme intellektuell meist von einer gerade zu atemberaubenden Naivität und nicht selten auch reaktionär.
Kleiner horizontaler Trenner.
Geschrieben von molosovsky,
am: Sonntag, 22. Mrz. 2009
Riesentrottel würd ich nicht sagen. Aber einen ordentlichen Hieb hat der Stone schon. War halt mal so ein ganz wilder Typ, mit Drogen und superheftig abverzweifeln an der Welt und dem eigenen Land. So die Legende.

»Natural Born Killers« ist einer meiner Lieblingsfilme. Hab ich damals (während des Zivildienstes) zig-Mal geguckt. Ich weiß auch nicht, aber die Hauptbotschaft von NBK war für mich ja, dass die ganze sensationslüsternde und superhysterische Massen- und vor allem TV-Kultur ein einziges großes Übel ist. Fand ich schon doll, wie das der Stone in einer enormen Ballerorgie superhysterisch auf die Leinwand hackte. — Da freut sich der kleine ordinäre Punk in mir und fühlt sich von jemanden verstanden.

Reaktionär find ich einige seiner Sachen auch. Die bisher herbste Enttäuschung war »Word Trade Center«. Was habe ich mich uffgeregt, vor allem über diese kleine Story von dem rechtschaffenden Hühnen der eine Offenbarung hat und wie von GOtt gesant die Verschütteten errettet. — Aber was IX.XI über die US-Seele offenbart hat, bringt mich eh zum Staunen ohne Ende. — Und ja, ich finde es auch seltsam, dass Stone als amerikanischer Vorzeige-Linker gilt. Aber was bei denen links ist, muss das aus mitteleuropäischer Sicht noch lange nicht sein.

Im Gegensatz zum (sogenannten) US-Hollywood-Mainstream finde ich aber seine Filme meistens interessant und aufregend ›exotisch‹. Darf man das so schreiben? USA-Befindlichkeiten die dramatisch-fiktional aufbereitet exotisch wirken (Spielberg z.B. ist so gut wie gar nicht exotisch). Okey: Stone ist Mainstream-exotisch, wenn ich ihn mit so einem radikalen Film wie »Kids« vergleiche. Dennoch: ich mag den Trottel (um »Verliebt in Mary« paraphraisieren).
Kleiner horizontaler Trenner.
Geschrieben von simifilm,
am: Sonntag, 22. Mrz. 2009
Über Natural Born Killers könnte ich mich stundenlang aufregen, wenn der Film nicht zu doof wär, um solchen Energieaufwand zu rechtfertigen. Das ist doch ein so unglaublich plumper Film, der seinen holzschnittartigen Moralismus mit viel visuellem Lärm zu übertönen versucht.

Ich weiß auch nicht, aber die Hauptbotschaft von NBK war für mich ja, dass die ganze sensationslüsternde und superhysterische Massen- und vor allem TV-Kultur ein einziges großes Übel ist. Fand ich schon doll, wie das der Stone in einer enormen Ballerorgie superhysterisch auf die Leinwand hackte.

Finde ich einfach ein bisschen problematisch, wenn der Regisseur selbst hysterischsten und sensationslüsternsten ist. Und das Ganze dann noch immer mit erhobenem Zeigefinger, damit auch der Letzte versteht, wie bös die Medien sind.

Wie gesagt: Ich hätte mit all dem weit weniger Probleme, wenn die Filme selbst nicht immer so ein Anspruch hätten, den sie nicht einmal ansatzweise einlösen können.
Kleiner horizontaler Trenner.
Geschrieben von molosovsky,
am: Montag, 23. Mrz. 2009
Der Stone scheint ja wirklich die ganz falschen Knöpfe bei Dir zu treffen.
Wie eigentlich alles, was aus der großen Filmwelt kommt, nehme ich den Typ und seine Filme nicht ganz ernst. Hindert mich aber nicht daran, meine Freude zu haben (wobei ich NBK mit großem Abstand für seinen besten Film halte).
Kleiner horizontaler Trenner.
Geschrieben von simifilm,
am: Montag, 23. Mrz. 2009
Als 'zu sensibel' bezeichnet man mich ja selten; aber diese Art von plumpem pseudo-politischem Spektakel finde ich wirklich mühsam. Tatsächlich finde ich von den Filmen, die ich von Stone gesehen habe, Born on the Fourth of July einer der besten; das ist ein simples Drama mit einer gehörigen Portion Tränendrüse, aber das ist ok so, denn der Film gibt nicht vor, mehr zu sein.

Als ich NBK zum ersten Mal gesehen habe, war ich noch unsicher, was ich davon halten sollte. Dann habe ich JFK gesehen, und ab dann war für mich die Sache klar. Denn dieser Film ist so überhaupt nicht an der Wahrheit interessiert, sondern nur an sensationsheischender, bildgewaltiger Vernebelung, dass mir einfach niemand sagen kann, Stone wäre wirklich politisch. Oder wenn dann ungefährt so politisch wie die BILD-Zeitung; man nimmt ein politisches Ereignis als Anlass, um viel Lärm zu machen.

Ich habe NBK dann ein paar Jahre später noch einmal gesehen, und da fand ich ihn noch viel plumper und moralinsaurer als beim ersten Mal.
Kleiner horizontaler Trenner.
Geschrieben von molosovsky,
am: Dienstag, 24. Mrz. 2009
...ist der Stone für Dich, Simi. Klarer Fall.

Da will und kann ich auch gar nicht mehr diskutieren mit Dir.

Kenn das ja von mir, wenn mir irgendwelche Musik-Banausen erzählen wollen, dass Bob Dylan oder Nen ja doch so wertvoll sind. Nenene. Da klappt bei mir das Ignoranz-Gronk-Visier runter.

Der Wert von Kunst (oder Popkulturerzeugnisse) läßt sich eben nur bis zu einem gewissen Grade allgemein verhandeln. Alles weitere hängt dann von den auf individuellen Lese-Wegen gewonnenen Vorlieben und Abneigungen ab.

Zu Stone kann ich eben nur sagen, dass ich den als Filmemacher nehme, und nicht als Politaktivisten. Als zweiteres nehme ich den Guten nämlich auch nicht ernst. Da gleichen sich unsere Positionen durchaus, nur geht mir Stone deshalb nicht so auf den Zeiger. Ich genieße halt die ungestüme Wucht seiner (in meinen Augen) gelungenen Filme. -- Ach ja: 4th of July habe ich nicht gesehen.
Kleiner horizontaler Trenner.
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