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geschrieben von molosovsky,
am: Dienstag, 21. Apr. 2009
Eintrag No. 548{EDIT-ERGÄNZUNG: Im dem Roman gewidmeten Thread bei »Bibliotheka Phantastika« wies ich auf meinen Blogeintrag hin und kurz darauf hat Ole Johan Christiansen (= Buecherwyrm) meine ›Rezension‹ als mangelhaft bekrittelt. Im Zuge des Austauschs mit Ole im Forum eröffnete er mir einige interessante Einblicke zu den Intentionen der geplanten »Die Zerrissenen Reiche«-Reihe. — Ole mockierte sich nicht ganz unberechtigt über die Erstfassung dieser Rezi, auch wenn ich keineswegs mein Daumen runter zum Buch ›nur‹ an dem in meinen Augen mißlungenen sprachlich-metaphorischen Stil aufhänge. Zwecks Feinjustierung wurde diese Rezension um einige persönliche Schlenkerer ergänzt (die aber Molochronik-Stammlesern bekannt sein dürften).}

Der Roman »Die Zwerge von Amboss« wird viel gelobt. Viele finden ihn deshalb doll, weil (angeblich) die üblichen rassischen Fantasy-Klischees ›konsequent‹ weiterentwickelt wurden. Mein Wohlwollen erntet das Entwicklerteam von »Die Zerrissenen Reiche« – Thomas Plischke und Ole Johan Christiansen – für ihre Ambition, Fantasy gegen den Strich zu bürsten und durchaus erkennbar (aktuelle) politische Probleme zu bespiegeln. Da ich vor Jahren selbst ein paar Fantasy-Pulpstories in der Amateurliga geschrieben habe, weiß ich wie schwer es ist, Fantasymaterial zu entwickeln das die Ketten der Fantasy-Hardcoretraditionalisten abschütteln will, beziehungsweise (allgemein nicht nur Fantasy betreffend) wie knifflig und anstrengend es ist, überhaupt zu wissen, was und worüber man schreiben will, welcher Art von Charakteren man Leben einhauchen möchte, welche Fragen, Probleme, Spannungen man auswählt, um daraus eine Handlung zu entwickeln. Auch wenn ich selber derzeit keinerlei Absichten hege, einen Fantasystoff zu schaffen, habe ich Respekt für alle Autoren, die den Fleiß und die Entschlusskraft inne haben, ihren Fantasyweltenbau durchzuziehen und ein Manuskript zu vollenden. Trotzdem lese ich dann die Früchte solcher Anstrengungen mit so etwas wie einen Blick durch die Konkurrenzbrille, da ich eben einige Jahre reichlich sowohl allein als in Gruppenarbeit an Fantasyweltenbauten gebosselt habe.

In »Die Zwerge von Amboss« steht die typische Bergbau- und Schmiederasse im Mittelpunkt der Handlung und an der Spitze des Wettstreits der Völker, weil der Zwergenbund über entscheidende Vorsprünge bei Rohstoffzugang und wissenschaftlichen Innovationen verfügt. Die meisten Zwerge haben sich der (atheistischen) Vernunft verschrieben und allem Aberglauben (z.B. die Geister der Ahnen betreffend) abgeschworen. Allerdings ist das ›Brudervolk‹ der Zwerge, die Halblinge, für alle entscheidenden ministerial-sekretärischen Aufgaben (einschließlich der inneren Sicherheit) zuständig. Begründet wird diese reichlich machtvolle Sonderstellung der Halblinge in diesem ersten Band nicht, und entsprechend schwachsinnig erscheint mir dieses Konzept, aber hey: das ist immerhin ›Fantasy‹, das lustige Genre, in dem man alles mögliche nach Rassen sortiert. Also: Zwerge machen den Staat, Halblinge den Strippenzieherstaat im Staate.

Viele Zwerge sind zwar mächtig, wohlhabend, leben in prächtigen Häusern und feiern aufwändige Jahresriten in den großen Städten (was in meiner Lesart ne matte Satire z.B. auf die DDR und andere sozialistische Systeme abgibt), aber das Volk wird immer unzufriedener. Zu den Hauptthesen des Romanes gehört, dass die wissenschaftlichen und produktionstechnischen Fortschritte in den Manufakturen zwar für mehr Wohlstand und Ertragssteigerung sorgten, aber auch dazu führten, dass weniger Arbeitskräfte gebraucht werden, weshalb viele Zwerge ohne Job und Einkommen, zumindest ohne wirkliche gesellschaftliche Aufstiegsmöglichkeiten zurückbleiben. Menschenflüchtlinge vom südlichen Kontinent der Zerrissenen Reiche, wo seit langem religiös motivierte Konflikte wüten, übernehmen die Rolle der unwillkommenen Einwanderer, Asylanten und Emigranten. — Leider setzt der Text des Romanes diese Ideen (für mich) vor allem mittels einer Anhäufung simpler Stammtischparolen, affiger Poserattitüden und (vor allem) schlechter Schreibe um.

In der Tat bin ich am heftigsten dadurch verstört, wie schlecht der Roman geschrieben ist. Oder haben sich gewisse Manierismen in einigen Rollenspiel- und Fantasy-Kreisen mittlerweile derart eingeschliffen, dass sie gar als Tugenden guten Erzählens gelten können? Da das Buch von vielen so gelobt wird, muss wohl zweiteres der Fall sein.

Dem für mein Empfinden rand- und bandlosen Metaphern-SalatMatsch widme ich mich noch ausführlicher in den Kommentaren zu diesem Haupteintrag, hier aber ein erstes Beispiel aus dem Prolog des Romanes, wenn wir den Zwergenherrscher Gorid Seher bei seiner Morgentoilette begleiten: Zahnschmerzen werden da beschrieben als ›dumpfer, pochender Schmerz, als habe sich eine Made in seine {Gorid Sehers} Wange eingenistet und fräße sich dort nun langsam dick und satt‹. Diese Prolog-Zahnschmerzen gemahnen zudem den Zwergenherrscher daran ›was er sich und seinen Volk bald an Opfern abverlangen würde‹.

Vielleicht rührt der gar so schlechte Eindruck, den dieser Roman bei mir macht, daher, dass ich zugleich einen großen Meister der gut geschriebenen (trashigen) Genre-Phantastik genieße: nämlich Kim Newman und sein »Die Vampire« (= Sammelband mit den drei Romanen »Anno Dracula«, »Der Rote Baron« und »Dracula Cha-Cha-Cha«). — Außerdem habe ich dieser Tage wieder mal ausführlicher in Michael Moorcocks ›Studie über epische Fantasy‹»Wizardry & Wild Romance« – geschmökert, und darin kommentiert Moorcock kritisch, wie die derivativen, glättenden und schematisierenden Praktiken der ›Spin off‹- und Rollenspiel-Kulturindustrie mit dem Ideenmaterial der ›Fantasy-Gründungsväter‹ (z.B. Tolkien, Howard, Leiber, Anderson) umgehen.

Wie gesagt folgt später noch entnervend viel mehr zu meinem Mißfallen aufgrund des sprachlich-stilistischen ›Sounds‹ von »Die Zwerge von Amboss«.

Jetzt erstmal Anmerkungen zum Inhalt.

Erste Hauptfigur ist der schon etwas ältere Ermittlerzwerg (›Sucher‹ genannt) Garep Schmied, der in der Stadt Amboss (Zentrum der Waffenindustrie) den Mord an einem Komponisten (und später anderen Opfern einer vermeindlich menschlichen Terroruntergrundtruppe) aufklären soll. Garep ist für mich ein wandelndes Abziehbild: ein grimmiger Ermittler, verbittert, weil seine Lebenspartnerin vor vielen Jahren starb und Garep mit der allseits aus anderen Fantasystoffen vertrauten Zwergendunkelsicht dem Erkalten ihrer Leiche zusehen musste (was ihn nebenbei bereits – schwuppdiwuppdi – zum großen Meister dieser Zweitsicht gemacht hat). Gareb betäubt seinen Welt-/Herzschmerz mit Drogen (Blauflechten), gilt aber trotzdem (wiederum ziemlich unbegründet) als einer der besten Sucher überhaupt (trotzdem hat er erstaunlicherweise noch nie etwas von durch von Menschen und Zwergen betriebenen Schmugglerringen gehört, welche die strengen zwergischen Ausfuhrverbote für Zwergenwaffen unterlaufen). Wenigstens läßt ihn sympathisch erscheinen, dass Garep anders als sein übereifriger Assistent Bugeg nicht viel auf das Hetzgerede der Massenmedien (›Rufer‹ genannt) über die ach so lästigen, faulen und parasitären Menschenflüchtlinge gibt. — Immerhin ein guter Ansatz der ersten Garep-Kapitel ist, dass hier Fantasy in Form eines städtischen Krimi geboten wird. Schade nur, dass weder die Stadt Amboss noch die Krimiathmo wirklich gut rüberkommt. Der Großteil der ersten Krimikapitel besteht aus ungelenken, überfrachteten Dialogen zwischen dem skeptisch-kaputten Garep, und seinem überambitionierten Assistenten Bugeg. — Garep gibt den an seinen eigenen Entscheidungen zweifelnden, tragischen Helden ab, komplett mit Junkie-Einlagen und gelegentlichen wehmütigen Momenten, wenn er seine selbstgewählte Einsamkeit in Frage stellt und sich nach Liebe sehnt.

Zweite Hauptfigur ist ein Mensch namens Siris, der in Gebirgsausläufern auf dem südlich des Zwergenbundes gelegenden Kontinents der Zerrissenen Reiche ein Leben als Monsterjäger führt. Hier sollen offensichtlich die nach Fantasy-Äktschn dürstenden Lesererwartungen gestillt werden. Dafür scheint ein einsam umherziehender, eine (in diesem Fall statt eines magischen Schwertes) zwergische Bratzschusswaffe tragender (Leone-Western-cooler) Ledermanteltyp perfekt geeignet. Die ersten Kapitel mit Siras, wenn er auf der Jagd auf ein Greifen-Pärchen ist, sind aber für meinen Geschmack einfach nur auffällig undurchdacht. Da schreibt dieser Siras zum Beispiel ein Jagdtagebuch, in welchem er (angeblich) nützliche Infos für spätere Aufträge bewahren will (über verschiedenes Monster-Großwild, dessen Verhalten und wie man es am besten erlegt). Aber was bekommen wir als Auszüge zu lesen? Oberflächliche Vermutungen und sehr skizzenhafte Notizen zu den Monstern, dafür aber massig persönliche Befindlichkeiten, schwurbelig formulierte Erinnerungen zu Siris Kindheit, viel vages Emo-Zeug. Später, auf Seite 226 wird mal erwähnt, dass Siris seit gut 10 Jahren dieses Tagebuch führt. Selbst wenn das Buch A-4 bis A-3 groß wäre und 500 Seiten hätte, könnte der Siris seine wortreichen Aufzeichnungen gar nicht sooo klein schreiben, dass bei seiner Logorhoe EIN Tagebuch reichte. — Dann, beim Kampf Mann gegen Greif gerät einiges vollends aus den Fugen. Da finden sich in einer Bergsiedlung einer von Unbekannten hingemetzelten Frömmlergemeinschaft ›eiserne Pflanzenstangen‹ (Rohstoffknappheit an Eisen kennen die wenigsten Klischeefantasywelten und so scheint selbst eine kleine Siedlung über derart viel Eisen zu verfügen, dass man Pflanzenstangen daraus macht) und ordentliche Vorgartenbeete. Das von Siras mit zwei Schüssen verwundete und flugunfähig gemachte Monster attakiert zuerst seinen Bedränger, nur um dann plötzlich und reichlich grundlos wieder von ihm abzulassen.
Siris hielt den Stil des Spatens umklammert und hoffte auf ein Wunder. {…} Nach bangen Minuten, die Siris wie eine halbe Ewigkeit vorkamen, entschärfte sich die Lage für ihn. Der Greif schickte ein letztes drohendes Fauchen in seine Richtung, um sich dann mit vorsichtigen Schritten rückwärts in Bewegung zu setzten. {…} Offenbar war man vor den Nachstellungen eines Greifen, der Beute geschlagen hatte, verhältnismäßig sicher, sofern man nur einen gewissen Abstand zu dem Räuber einhielt und ihn nicht reizte.
Zweimal mit einer Zwergenwumme auf einen Greifen ballern und ihm eins mit nem Spaten übern Schnabel dreschen gilt hier wohl nicht als reizen. — Im weiteren Verlauf des Romanes dient Siris vor allem als starker Muskel, wenn es gilt, Hindernisse zu überwinden indem jemanden aufs Maul gehauen wird, oder wenn hungrige Unterwegsmonster stressen. Zudem ist er der allen Aberglauben und Glaubensschmu abgeneigeste Charakter, ganz kampf- und überlebenserprobter Pragmatiker, und darf (ein paar Mal durchaus gelungen!) zur Erheiterung in ungeschicktem Zwergisch radebrechen.

Die dritte wichtige Hauptfigur der ersten Häfte ist der junge Zwerg Himek, ein so genannter ›Leiböffner‹ (ab und zu auch Heiler genannt, also ein in chirugischen Praktiken geübter Arzt), der zum Helfer des Zwergenwissenschaftlers Kolbner befördert wird. In einer geheimen Forschungseinrichtung assistiert Himek Kolbner bei dessen Experimenten zur Schaffung von superheldenmäßig aufgemotzen Halblingen (so ähnlich wie die militärischen Superkriegerlabore von William Stryker in der »X-Men«-Welt). Als Charakter fungiert Himek als Gegenpol zum vorurteilsverblendeten Bugeg. Himek hält die Ideale der zwergischen Aufklärungsvernunft hoch, will seinem ärztlichen Berurfsethos treu bleiben (sprich: seinen Patienten helfen statt sie für Experimente zu missbrauchen), und gerät dadurch immer mehr in Konflikt mit seinem Vorgesetzten Kolbner . — Kurz: Himek ist die positivste Identifikationsfigur, steht für normale (›menschliche‹) Durchschnittlichkeit vor allem dann, wenn er ab der zweiten Hälfte als Gefährte mit Siris unterwegs ist.

Ich kann mir vorstellen, dass aus »Die Zwerge von Amboss« ein durchaus lesenswertes Vergnügen hätten werden können, wenn es irgend jemanden gelungen wäre, die Autoren und den Verlag davon zu überzeugen, das Manuskript stilistisch zu polieren und vor allem zu straffen. Dann lägen mir statt 500 verlaberten Seiten voller ungeschickter Sprachwindungen und unplausibler Handlungswendungen nun ca. 320 Seiten mit knackig-süffiger epischer Fantasy vor.

{EDIT-ERGÄNZUNG: Beim Eingangs erwähnten Wortwechsel zwischen »Zerrissene Reiche«-Mitentwickler Ole Johan Christiansen und mir im Forum von »Bibliotheka Phantastika« kam es zu für mich überraschenden Einblicken, was die Intention und die Vermarktung des Buches angeht. — Ole wandte gegen meine Kritik des Metaphernmatsches ein, ich hätte ›den literarischen Stil‹ nicht erkannt, an den sich der Roman anlehnt, und er ist so freundlich, auf meine Frage nach der Natur dieses Stils zu antworten (von mir der Lesbarkeit wegen leicht formatiert hier wiedergegeben):
»Die Zwerge von Amboss«, ebenso wie die ganze Reihe, ist sprachlich deutlich an die englische Literatur des 19. Jahrhunderts mit ihren überbordenden Metaphern (insbesondere im Bereich der Tierwelt) und Sprache angelegt (denn in einem Fantasy-Äquivalent zur selbigen Zeit spielt die Reihe ja), wobei dies dann durch die derben Einschläge in Verbindung mit den tatsächlichen damaligen Lebensumständen gesetzt wird. Es ist also nicht so klinisch rein wie ein Dickens, vielmehr ist es eher (wie bei »Southpark« gesehen): »Dort lernt er alles, was ein Gentleman können muss: Tanzen, Säbelfechten und Fotzenlecken.«
Ich hab das dann zusammengedampft auf ›»Die Zwerge von Amboss« als »South Park«-derbe Fantasy-Parodie, geschmückt mit den antiquieten Sprach- und Metapherngirlanden des 19. Jhds?!?!‹

Das rückt den Roman freilich in ein ganz anderes Licht, und tatsächlich würde ich ihn anders beurteilen, wenn er mir (vom Verlag und besprechenden Fantasykreisen) entsprechend angepriesen worden wäre. Da nutzt auch Oles Erinnerung an die Weisheit ›Trust the tale, not the teller‹ nix. Aufmachung, Ankündigungen und Empfehlungen weisen den Eröffnungsband der »Die Zerrissenen Reiche«-Reihe aus als episches Fantasy-Abenteuer mit Krimi- und Politverschwörungselementen. — Derart irregeleitet, führte ich die (mich am stärksten mit Missfallen erfüllende) erzählerisch unökonomische Metaphernschwemme zurück auf (a) entweder Ungeschicklichkeit, oder (b) Unbekümmertheit der Autoren, oder (c) den Zuschnitt auf Lesererwartungen einer Fantasy-Zielgruppe, für welche die von mir bemäkelten Formeln und Klischees keineswegs Indizien für ›schlechten Geschmack‹ sind, sondern lesevergnügliche Qualitätsmerkmale. — Da in den positiven Rezis nirgendwo unterstrichen wird, dass »Die Zwerge von Amboss« vor allem als derb-satirisches Werk zu verstehen sind, sondern der Tenor dieser wohlwollenden Rezis eben meint, es würden Klischees fruchtbar ins Originelle und Spannende gewendet, zudem sogar angereichert mit kritischer politisch-gesellschaftlicher Relevanz, muss ich Vermutung (c) den Vorzug geben.}

Immerhin kann ich das Titelbild von Henrik Bolle loben. Richtig guter »Warhammer«-artiger Genre-Zwerg.

Hier geht es zum zweiten und dritten Teil meines Leseprotokolls mit den Beispielen für gewunden-lachhaften Metaphernbrei: »Sprachdurchfall & andere Grausamkeiten« / »Der Rest vom 500-Seiten Groschenheft«.

•••••
Thomas Plischke (und Ole Johan Christiansen): »Die Zerrissenen Reiche 1: Die Zwerge von Amboss«; 35 Kapitel in zwei Abschnitten, eine Karte; 492 Seiten; Piper Taschenbuch; ISBN: 978-3-492-26663-5.

Gro&szlig;er horizontaler Trenner
Geschieben von HPLCthulhu,
am: Freitag, 24. Apr. 2009
Nicht vergessen, Ole und Thomas kommen aus der Rollenspielecke und nicht jeder Rollenspielautor ist ein begabter Schreiberling. Manchmal frage ich mich auch wie es die Leute schaffen bei einem größeren Verlag veröffentlich zu werden und hab dann Verständnis für Frank Festa, wenn er sagt, in Deutschland gibt es keine / kaum veröffentlichungswürdige (Horror)autoren.

Hab aber die Zwerge von Amboss nicht gelesen und werde es mir nicht antun. Seit dem Lied von Eis und Feuer hab ich was gegen Mehrteiler die alle Jubeljahre erscheinen.
Kleiner horizontaler Trenner.
Geschrieben von molosovsky,
am: Samstag, 25. Apr. 2009
Hi HPLCthulhu!

Dass Plischke und Christiansen aus der RPGEcke kommen, ist mir bekannt. Da ich selber einige Jahre Rolle gespielt und verschiedene RPG-Leute getroffen habe, kenne ich ja von entsprechenden RPG-Gemütern die RPG-Prosamanierirsmen, welche sich in »Die Zwerge von Amboss« bis zum Gottserbarm gehäuft finden und mich bald in den Wahnsinn treiben. (Ich bin jetzt auf Seite 342 von 492). — Wenn Sprache durchgeht und zum manieristischen Gäg wird, mit dem sich nicht Gedanken sondern Schablonen maskieren, kennt man ja auch aus der Mittelalter-Szene.

»Die Zwerge von Amboss« sind darüberhinaus gesprickt mit schwachen Phrasen, die ich nicht anders lesen kann, denn als Merkmal eines gedankenlosen Schreibens. — Beispiele gefällig?

Da wird ›ein wenig bedauert‹, oder ›ein bisschen Befangenheit ausgelöst‹, oder etwas ist ›bisschen unangenehm‹, oder Figuren glauben etwas zu spüren, oder Dinge scheinen so und so zu sein.

Die Haut einer Patientin ist so ›blass wie die Blüte einer Gipfelrose‹, und (mein Favorit) gleich als Eröffnung von Kapitel 11 heißt es über eine Schiffsfahrt:
Wie eine wuchernde Schlingpflanze, die ihre unzähligen Ranken an jedem noch so feinen Riss in einer Mauer emporwachsen ließ, drang der üble Geruch von Erbrochenem, Schweiß und Kot durch jede Ritze an Bord der Schwingenritt.

Da sind Haare ›raspelkurz geschoren‹, und wenn ein mächtiger fetter Waffenschmuggler redet, heißt es ›blubberte der Koloss amüsiet‹.

Bei einem Anschlag auf ein Teehaus finden sich folgende exemplarische Metaphernsalatzeilen (Seite 203):
Mit dem Geräusch, mit dem eine überspannte Lautensaite reißt, platzte die Scheibe hinter der Ruferin nach innen. Aberhunderte gläserner Klingen wirbelten durch die Luft und schnitten durch Stoff, Fleisch und Knochen.
Nicht Glassplitter oder Glasscherben, nein Glasklingen. Und wenn eine Scheibe beim Zerplatzen klingt wie eine reißende Lautensaite, dann weiß auch der letzte Skeptikerdepp wie ich, dass hier wohl Magie angewandt wurde (zumindest ist Magie immer eine gute Ausrede/Begründung selbst für die benacktesten stilistischen Effektideen).

Fromme Verse die eine Gläubige aufschreibt, werden als ›Hervorbringungen ihres Geistes‹ bezeichnet.

Unheimliches Schädelbrummen bei einem Experiment wird als ›Summen wie von Abertausenden zorniger Bienen‹ beschrieben. Kurz darauf heißt es beim Platzen von Blutgefäßen der Augen eines menschlichen Versuchkaninchens:
Wie Dutzende winziger roter Schlangen krochen feinste blutige Fädchen unbeirrbar über die Augäpfel des Menschen.

Da pocht mal ein Herz ›dumpf wie eine Kesselpauke‹, kurz darauf (auf S. 259) heißt es …
{…} Herzschlag donnerte irrsinnig laut, ihr {Ulahas} Blut rauschte wie ein reißender Wildbach durch die Adern, und mit jedem Atemzug schien sie einen gewaltigen Felsen auf ihrer Brust ein winziges Stückchen weiter vor sich herunterzuschieben.

Rauchschwaden wabern in einem scheinbar ewigen Tanz umeinander.

Bei einer Flussfahrt durch eine Schlucht kommt es Siris ›beinahe so vor, als glitte er von unsichtbaren Händen getragen über eine breite Prachtstraße …‹.

Da erwacht eine Halblingin aus einem traumsatten Schlaf und ihr …
{…} Mund war trocken, und ihre Lippen und ihre Zunge formten die Worte so ungelenk und schwerfällig, wie ein ungeschicktes Kind mit dicken Fingern einen Klumpen Ton in eine Vase zu verwandeln versuchte.

Fromme Sprüche nerven, egal ob sie von Menschen, Zwergen oder Halblinginnen stammen. Da knüppeln dann Plattheiten wie folgende auf den Leser ein:
  • ›Es gab kein Leben ohne Blut, ohne Blut kein Leben und ohne Leben keinen Tod.‹
  • ›Das Rätsel des Glaubens liegt im Leugnen des Wissens.‹
  • ›Der Traum ist die Stimme der Welt, die wir nur hören können, wenn unser Geist schweigt.‹
Kleiner horizontaler Trenner.
Geschrieben von HPLCthulhu,
am: Samstag, 25. Apr. 2009
Dann sag ich dir ja nichts neues. Die Beispiele sind wirklich zum gruseln. Jetzt werd ich erst recht die Finger davon lassen. :)
Kleiner horizontaler Trenner.
Geschieben von molosovsky,
am: Dienstag, 28. Apr. 2009
So. Jetzt bin ich durch mit »Die Zwerge von Amboss«. Mein Erstaunen ist immer noch heftig.
Wie kann es sein, dass es dieses Buch geschafft hat, von einem großen Verlag wie Piper verlegt zu werden?
Warum melden sich so viele zufriedene Leser bei amazon, in foren und Lesezirkeln zu Wort?
Und wie kann es sein, dass sich auf den Websites der FantasyGenre-Kreise so viel Lob und Nachsicht zu diesem Buch lesen läßt?

Kurz: Anders als gepriesen wird, ist »Die Zwerge von Amboss« mitnichten der bemerkenswerte originelle Riesenschritt an Innovation auf dem heimischen Fantasybuchmarkt. Um die Qualitäten in absteigender Reihenfolge zu nennen: das Titelbild von Henrik Bolle; die Karte; der Schriftsatz, die Bindung und die Papierqualität; tja, und der Rest ist dann ein unbekömmlicher Sprachbrei mit dem eine haarsträubend hemdsärmelig zusammengezimmerte Handlung gewuppt wird.

Doch welches Fazit ziehen die Fantasy-Kreise?
  • Auf der »Phantastik Couch« gibt Carsten Kuhr dem Roman 80% und findet das Setting ›glaubwürdig und detailreich‹, und lobt die liebvoll angepassten Redewendungen. — Kann damit wirklich auch der ganze bübisch-alberne Sextalk gemeint sein, wenn Zapfen Furchen beackern?
  • Arielen meint für »Roter Dorn«, dass der Roman was für Leser mit Anspruch ist, die Abwechslung vom seichten Fantasyzeug suchen. — Wie seicht kann es denn noch werden? Manche Leute kennen Sachen …
  • Mistkäferl von »Bibliotheka Phantastika« spricht dem Roman 4 von 5 Sternen zu, weil Fantasy- und Rollenspielklischees liebevoll bearbeitet wurden.
  • Oliver Kotowski von »Fantasyguide« fiel mir bisher als einer der seltenen gutbegründenden Rezischreibern im Fantasybereich auf. Doch auch er findet nur ›geringfügige Makel‹, wie den zu gleichförmigen Plotfluß.
  • Jochen Adam jubelt sich für »Zauberspiegel« fast einen Haxen aus, auch wenn er in der zweiten Hälfte des Romanes mit dem Handlungstrang um die Halbingin Ulaha weniger anfangen konnte. — Dieser Handlungsstrang ist auch arg. Ulaha ist ein sehr begabtes Medium und wird von Zwergen für Experimente missbraucht. Wenn sich Ulaha in ihren inneren Ewigen Hain zurückzieht, wirds es richtig schlimm. Dann hagelt es massig platte Esoweisheiten.
  • Auf »Fictionfantasy« gibt es zwei Rezis: Joanna Lenc findet das Buch ›erfrischend anders‹ und spannend; Erik Schreiber findet, das Buch läßt sich ›richtig gut lesen‹ und ist ›fesselnd & lebhaft geschrieben‹.


Nun aber zu den restlichen 11 Kapiteln (Seite 342 bis Ende).

Da wird über den Zwerg Bugeg, der zum sonderbevollmächtigten Ermittler (= Jäger) ernannt wurde gesagt (S. 344):
Er war wie ein Grubenhund, den man jahrelang unter der Erde gehalten hat und der plötzlich die Witterung der unendlich weiten Welt über ihn aufnimmt.
Abgesehen, dass mit derart gewundenen Zeug dauernd Zeilen geschunden werden: müsste es nicht ›Welt über sich‹ statt ›Welt über ihm‹ heissen?

Viele Kutschen sind ein Tross. Und ich dachte, ein Tross ist dieser Haufen Zivilisten, die einem Heer folgen.

Die Freundin des übereifrigen, von Vorurteilen verblendeten Anakin Bugeg wünscht sich, ›sie hätte Bugeg noch etwas mehr Wärme auf seinem weiteren Weg mitgeben können‹. — Subtile Charakterarbeit, fürwahr.

Ein Flammenwerfer klingt wie ein ›jäh einsetztes Fauchen wie von einer gewaltigen Felsenkatze‹; kurz drauf wird das versprühte Brand als ›lodernder Rotz‹ beschrieben.

Ein Zwerg trägt einen Gedankenschütz-Helm (S. 362) und mit dem …
{…} sah er so ungeschlachtet aus wie eine von einem Kind geknetete Tonfigur, das für sein Spielzeug eine viel zu große, bleierne Kugel als Kopf auserkoren hatte.

Zwerg Garep und Menschenfrau Arisascha auf der Flucht mit der Eisenbahn (S. 373):
Die Geschwindigkeit des Zugs, der unter ihren Füßen summte und klackte, als befände sie sich im Inneren eines riesigen, stählernen Tausendfüßlers, war wahrlich beeindruckend.
Dann kommt es zu Verfolgungsäktschn im Speisewagen:
Die anderen Reisenden wichen vor ihnen zurück, als wären Arisascha und Garep zwei mit aufgeplatzten Pestbeulen überzogene Bettler.
Wie es sein muss, wird aufs Dach des Zuges geflüchtet, dabei ein Tunnel durchquert und Arisascha macht sich flach, …
{…} aus Angst, ihrem Kopf könnte es an der Tunneldecke ergehen wie einem Stück Käse an der Reibe.
Ein Halbling mit mentalen Superkräften will dann Arisaschas Körper übernehmen, was sich so anfühlt:
Es war ihr, als hätten sich ihr zwei riesige Hände um den Kopf gelegt, die unerbittlich zudrückten, als wollten sie ihr das Hirn aus dem Schädel pressen.

Ein Verhandlungsgespräch zweier Helden mit lokalen Gängstern (= Freibündler) ist ein Höhepunkt an RPG-Klischeeschwachsinn. Wenn der geflohene und nun gegen seine alten Herren vorgehende Widerständler Himek mit dem menschliche Monsterjäger Siris zusammen ist, (S. 389) …
{…} kam er sich ein wenig vor, als hätte man ihn in einer winzigen Kammer mit einem wilden Bergparder eingeschlossen.
Siris wird nun das ganze Kapitel durch mit entsprechenden Metaphern beschrieben: ›Der Bergparder spitzte jäh die Ohren und peitschte aufgertegt mit dem Schwanz.‹›So wie es aussah, hatten die beiden Freibündler die Geduld des Bergparders über Gebühr strapaziert, und nun zeigte die Bestie ihre Krallen‹

Himek ›kneift seinen Hintern zusammen‹ als er sich mit Siris an den Tisch des Freibündlerchefs Bibet Darmwäscher setzt. Als sich die Verhandlung etwas entspannt, zeigt sich auch Himeks ›Schließmuskel eigenartig ruhig‹. — Wirklich innovative Prosa vom Feinsten. Das ist so in etwa das Niveau, weshalb ich keinen Fernseher mehr habe. Alleine schon beim Zappen sowas kurz zu streifen ist einfach zu peinvoll.

Die Stimme des Freibündlerchefs klingt, ›als würden irgendwo in den Tiefen seines Bauches zwei Felsbrocken andeinandergerieben.‹ — »Herr der Ringe«-Making of geguckt, wa? Oder wie haben die Soundeffektjungs von WETA das Balrog-Gebrüll nochmal hergestellt?

Weiter mit den Großkatzenmetaphern. Wenn bratziger Monsterjäger und bratziger Gängsterchef zusammenkommen, dann kann man was erleben:
Himek hatte das Gefühl, zu ihm un dem Bergparder hätte sich mit Bibet Darmwäscher nun noch ein weiteres gefährliches Geschöpf in die viel zu kleine Kammer gesellt – und falls die beiden Bestien aneinandergerieten, würde er von ihren Bissen und Klauenhieben bestimmt zerfetzt.
Kurz darauf: ›Hätte der Bär aus dem Bergparder etwa eine zahme Hauskatze gemacht?‹

Die Verhandlung mit Darmwäscher beendet Siris dann auf Hauruck-Weise mit etwas Sprengpulver, welches er anzuzünden droht. Zwerg Himek fällt fast in Ohnmacht vor Angst und Aufregung (S. 399):
Wie Blasen, die vom Grund eines Sees nach oben stiegen, tauchten vor Himeks geistigem Auge die Lichtbilder von Unfällen mit Sprengopfern auf, {…} Verbrannte Haut, die aussah, als könne man sich so leicht abziehen, wie das Fleisch von einem gebratenen Wachtelknochen. {…} Gedärm, das sich wie makabre Girlanden um die geborstenen Stützbalken eines halbeingestürzten Stollens wickelte.

Und freilich flößt soviel Tollkühnheit dem Gängsterchef Respekt ein, was eine schöne Kostprobe der liebevollen Redewendungskunst von Plischkes Weltenbau liefert:
»Beim fetten Arsch meiner Mutter!«, prustete Bidet. »Die Steine in deinem Sack müssen so groß sein, wie meine Fäuste, und wenn du dich so auf mein Gesicht setzt, muss ich daran ersticken.«

Weiter mit Uluha, der Halblingin mit den geistigen Superkräften, bei einem weiterem Experiment in einem geheimen Forschungslabor der Verschwörerzwerge (S. 403):
Ihr Geist breitete sich in der Menschenfrau aus wie ein Kind, das in einem Mantel hineinwuchs, den es von einem seiner älteren Geschwister übernommen hatte.
Halt nur in Zeitraffer versteht sich. Ulaha macht es sich im Körper der Menschfrau bequem.
So wie ein plötzlicher Windstoß die Asche aus einem Kamin bläst, vertrieb das Summen die Mattigkeit aus dem Schädel von Ulahas Hülle.
Und geht dann zum Würgeangriff gegen einen Assistenzzwerg über:
Der Zwerg, dem fingerdicke Adern auf der Stirn anschwollen wie Egel, die sich unter seiner Haut die Bäuche vollschlugen {…} als das Auge dem Druck nicht länger standhielt und zerplatzte wie ein fauler Apfelunter dem Huf eines Ponys.

Später wird Ulaha aus Sicherheitsgründen mit einer Hannibal Lecter-Sackkarre transportiert. Das Wort Sackkarre aber ist zu speziell, zu komplex. Das muss umständlich geschildert, den Lesern die von der ganz seichten Fantasy kommen erst nahegebracht werden und so beschreibt Plischke das ›merkwürdige Gefährt‹ als ›Karren, mit dem in Lagerhäusern schwere Säcke oder Fässer transportiert werden.‹ — Die Stäbe einer zwergischen Funkenbogenmaschine, die etwas mit Elekträzität (heller Energie) zu tun hat, werden aus Ulahas Sicht beschrieben (S. 418):
{…} Stäbe, die mehr Wülste aufwiesen als das Gedärm, das ihr Vater an Schlachttagen aus den Bäuchen der toten Kaninchen gezogen hatte.
Kurz darauf wird — wie schon die Tonknetmetapher — eine andere Klischeemetapher wiederverwertet:
Die Maschinerie gab nun ein ohrenbetäubendes Summen und Surren von sich, als schwirrte zwischen ihren Streben und Stützen ein gigantischer Hornissenschwarm umher.

Kostprobe eines dollen Anspielungs-Gägs gefällig? Zwergenzigeuner heißen ›Rollende Steine‹ (S. 436).

Bugeg verliehrt die Nerven, als er kapiert, dass er in seiner Funktion als Sonderermittler von den Zwergenverschwörern benutzt wurde. Also: ›Er lachte irr‹ und aufgebracht ›röhrte er‹.

Im Handlungsstrang mit Himek und Siris kommt ein Zwerg aus einem Kanalabstieg (S. 454):
Aus der Öffnung wuchs gleich einer unheimlichen Pflanze, wie man sie nur in den verstörensten Träumen sieht, eine unförmige Knolle.
Kurz darauf geht, unterwegs in der Kanalisation, der Metapherngaul mit Siris durch:
Wenn er sich allein auf das Urteil seiner Nase hätte verlassen müssen, wäre Siris zu dem Schluß gekommen, dass er im Bauch eines riesigen ausgeweideten Schweines stand, dessen Koch sich dazu entschlossen hatte, den Kadaver einige Tage in der prallen Sonne liegen zu lassen, ehe er ihn mit schimmeligen Pfirsichen, vergammelten Fisch und faulen Eiern gestopft hatte, um ihn anschließend sorgsam zuzunähen.
Und als Mensch in der Finsternis, der, anders als die beiden ihn begleitenden Zwerge, keine Dunkelsicht hat welkte sein Stolz dahin ›wie eine Rose unter der glühenden Sonne der Großen Salzbrache‹. — Als er dann mit dem Kopf an eine Wand knallt zaubert der ›Schmerz ihm wirbelnde Räder aus Feuer vor die Augen.‹
In den Kanälen lauern freilich Ungeheuer und nach Geballer im Dunkeln wird die Erleichterung von Zwerg Himek so geschildert (S. 463):
Himek hab einen Laut von sich, der irgendwo zwischen einem Schluchzen und einem Lachen lag, wie ein Kind, das sich darüber amüsierte, auf besonders spektakuläre Weise von einer Mauer gefallen zu sein und diesen Sturz nicht mit dem Leben, sondern nur mit ein paar aufgeschürften Knien bezahlt zu haben.

Insektoide Empfindungsbeschreibungen gibts auch: ›Von seinem Ellenbogen aus tanzten ihzm giftspritzende Ameisen unter der Haut den Arm hinunter‹, oder ›Tausend Ameisen kribbelten durch ihr Bein und in ihren Unterleib hinein.‹

Eine Schußwunde wird dramatisch umschrieben: ›Zwischen den Blüten auf seinem Hemd erblühte eine große Rose.‹

Das Opfer eines tödlichen Lähmungsgiftes wird so beschrieben: ›{…} kippte um wie eine bizarre Statue, die der Phantasie eines grausamen und wahnsinnigen Künstlers entsprungen war.‹

Zuletzt eine kleine Auswahl behämmerter Redewendungen:
  • ›Auch wer eine Fackel trägt, ist manchmal blind.‹
  • ›Der stärkste Ast bricht, wenn zu viele schwarze Vögel ihr Nest auf ihm bauen.‹ — (Und wenn es nun weiße, oder braune Vögel sind?)
  • ›Der Glanz der Herren offenbahrt sich in den Hervorbringungen der fleißigen Hände Arbeit ihrer Knechte und Mägde.‹
  • ›Doch leider zeigt sich das Wirken der Herren häufig anders, als ihre Mägde und Knechte es begreifen.‹
  • ›In welchen Dingen gibt es schon endgültige Gewissheit?‹ {…} ›Doch nur im Tod und in der Liebe.‹
  • ›Es sind die kleinen Dinge, die am Ende das Große schaffen, während das Große oft in kleine Dinge zerschlagen wird.‹
  • Kostprobe von Bugegs Vorurteilsgeblah? Bitteschön:
    »Da hat mein Großvater wohl recht gehabt. Trau nichts mit einem Schlitz zwischen den Beinen, hat er immer gesagt. Die verschweigen nämlich mehr Geheimnisse, als ein Pony Haare im Schweif hat.«
  • Wie ›weise‹ sind doch da Arisaschas Worte über Geheimnisse und Notlügen:
    »Selbst wenn sich zwei Wesen in tiefer Zuneigung zugetan sind, gibt es manchmal unverrückbare Dinge, die zwischen ihnen stehen. Bisweilen ist es besser, über diese Dinge zu schweigen, anstatt sie zu zerreden. Deshalb habe ich auch darüber geschwiegen, wehalb ich meine Heimat wirklich verlassen habe. Ich hatte Angst davor, du würdest es nicht verstehen, Garep, und ich hatte Angst, dass dieses Unverständnis zum fruchtbaren Acker der Abscheu wird, wie es so häufig vorkommt.«
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Geschrieben von HPLCthulhu,
am: Dienstag, 28. Apr. 2009
Augenscheinlich wird kein Wert mehr darauf gelegt, Qualität zu lesen. So wird jeder Roman aus deutschen Landen und von deutschen Autoren hochgejubelt bis zum Gehtnichtmehr.

Rezis auf Amazon sind eh kein Maßstab, überhaupt traue ich auch den ganzen Portalen nicht über den Weg, die mehrheitlich mit Rollenspielern besetzt sind.

Einziger Maßstab sind neben meiner Nase dann doch die Rezis und Blogs, von Leuten die ich a) kenne oder b) einen ähnlichen Geschmack wie ich haben. Im Ambossfall glaub ich dir blind (und den ganzen Auszügen), weil ich schon alle wegen der Länge kein Interesse an dem Siebenteiler hab.
Kleiner horizontaler Trenner.
Geschrieben von ribisello,
am: Dienstag, 28. Apr. 2009
Zum Ersten: Ich saß anläßlich einer Führung durch ein Bergwerk in einem Grubenhund. Es hätte mich sehr befremdet, ihn etwas wittern zu merken, nachdem er so ein kleiner Wagen war, der auf Schienen lief. Vielleicht ändert sich das aber an der frischen Luft.

Zum Zweiten: "Ungeschlachtet" sieht hoffentlich jeder aus, der - außer in Zombiefilmen - herumläuft. Unvorteilhafte Kopfbedeckungen machen ihn höchstens "ungeschlacht", wenn der Ausdruck schon sein muß.

Zum Dritten: Den Rest zu lesen reizt mich auch nicht.
Kleiner horizontaler Trenner.
Geschrieben von molosovsky,
am: Dienstag, 28. Apr. 2009
Hi ribisello.

Eigentlich scheue ich ja Serien. Aber ab und zu packt mich die naive Hoffnung, dass sich eine doch für mich lohnen könnte. — Nicht immer greif ich dabei so fett daneben wie bei den Ambosszwergen. Die ersten beiden Bücher der »Gentlemen Bastard«-Reihe von Scott Lynch haben sich zum Beispiel wirklich gelohnt (1: »The Lies of Locke Lamora«; 2: »Red Seas Under Red Skies«). Die lasen sich flott weg, waren schön geschrieben, originell, nicht zu komplex, nicht zu flach. Haben mich in vielerlei Hinsicht an die wunderbaren Warhammer-Sessions erinnert. Band 1 ist ebenfalls in einer Vendig nachempfundenen Handelsstadt angesiedelt.

Und mit Scott Lynch habe ich nun genau das große Problem, das mir das Serienlesen in der Vergangenheit verleidet hat: ich warte gespannt den kommenden Bänden entgegen und der Mann liefert nicht flott, wie ursprünglich geplant.

Ein paar gute Aspekte aber hat die Lektüre eines so missratenen Romanes wie »Die Zwerge von Amboss« schon: (a) ich verliehre nicht ganz den Maßstab. Die Erfahrung ein richtig schlechtes Buch zu lesen wird immer seltener, um so sicherer meine Bücherwahl wird. — (b) Und auf eine gewisse masichistische Art finde ich es in größeren Zeitabständen durchaus lustig, so einen ausgemachten Schmarrn von vorne bis hinten durchzuackern. — (c) Schließlich läßt der Kontrast zu den feinen Sachen die letzteren dann um so heller strahlen.

Wenn ich mit Kim Newmans Sammelband »Die Vampire« durch bin, werde ich mir die noch nicht gelesenen Bände der »Bibliothek von Babel« vornehmen, sowie Kubins »Die Andere Seite« und die beiden großen Romane von Niebelschütz (für das »Magira Jahrbuch« nächstes Jahr will ich nämlich eine Sammelrezi mit Klassikern liefern. Immer nur Novitäten finde ich auf Dauer einfach unangemessen.)
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Geschrieben von ribisello,
am: Donnerstag, 30. Apr. 2009
Ich mag immer noch die Great Old Ones, Howard, Leiber, Moorcock, die ich seit Jahren habe. Von neuen Serien bin ich - meist nach langer Wartezeit - eher enttäuscht. Wenn ich nicht überhaupt vergesse, daß es sie gibt und ich irgendwann Band 1 oder 2 gelesen habe. Mein Hirn ist ein Sieb. Ich würd gern gute Fantasy lesen (du kennst ungefähr meinen Ansatz), ich find bloß nix.
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Geschrieben von molosovsky,
am: Freitag, 01. Mai. 2009
… ist ein schöner Spitzname, ribisello.
Deine kritische Haltung gegenüber der meisten neueren Fantasy kenne ich ja noch zu gut. Dir sind ja die Eddings-Sachen schon suspekt. —— Vielleicht ist ja R. Scott Bakker etwas für Dich. Dem seine erste Trio, »The Prince of Nothing«, ist abgeschlossen und ich fand Band 1 (»The Darkness That Comes Before«) überraschend gut. Schön düster. Und alle drei gibts auf Englisch als günstiges Taschenbuch.

In den letzten Wochen habe ich mal wieder in Moorcocks »Wizardry & Wild Romance« geblättert (vielleicht auch ein Grund, weshalb mit die Ambosszwerge gar so schmählich erscheinen, denn Moorcock läßt sich darin ziemlich kritisch über derivative Fantasy aus), und ich will unbedingt bald mal »Mother London« und die Colonel Pyat-Quadro bestellen und dann lesen. —— Ansonsten hätte ich, was die Klassiker angeht, noch am ehesten Lust, mir demnächst mal Poul Andersons »The Broken Sword« oder M. John Harrisons »Virconium«-Bücher vorzuknöpfen (und was die neuen Klassiker betrifft, so habe ich mir nun doch die deutsche Ausgabe von Jeff Vandermeers »Shriek« bestellt und erwarte mit Spannung den nun erscheinenden neuen Roman »The City & The City« von China Miéville).
Kleiner horizontaler Trenner.
Geschieben von lomax,
am: Donnerstag, 30. Apr. 2009
zu HPLC – Es ist schön zu sehen, dass der biographische Ansatz in der Literaturbetrachtung immer noch lebendig ist ;-)
zu bildhaften Redewendungen im Allgemeinen - dazu wollte ich auch schon immer mal was schreiben ... zu viel, zu allgemein und zu abschweifend für einen Kommentar, fürchte ich. Ich mache also beizeiten noch einen Eintrag zu dem Thema in meinem eigenen Blog auf.
Dort kann ich das dann auch etwas metaphernreicher aufziehen. Genau genommen wird meine Darstellung zur bildhaften Sprache in der Literatur von Metaphern durchwolkt sein, wie das tintige Meer vom Sturmwind getragen in der Seeluft zerspellt. Oder so. Ich weiß ja, was ich als Fantasy-Autor meinen Lesern schuldig bin ;-)
Danke jedenfalls, dass du das Thema noch mal angesprochen hast, Molo!
Kleiner horizontaler Trenner.
Geschrieben von molosovsky,
am: Freitag, 01. Mai. 2009
Hi Lomax.

Geb nur Obacht, denn ich habe mitbekommen, dass Du mit »Die Gefährten des Zwielichts« angehoben hast, eine Trio vorzulegen. In der Tat bin ich schon um das Buch herumgeschlichen, habe mich aber dann für die Ambosszwerge entschieden, weil die (a) biller sind und (b) ein handlicheres Format fürs Unterwegslesen haben. Kann aber sein, dass ich mich noch hinreissen lasse und den Zwielichtgefährten ne Chance gebe.
Kleiner horizontaler Trenner.
Geschrieben von lomax,
am: Samstag, 02. Mai. 2009
"..., habe mich aber dann für die Ambosszwerge entschieden, weil die (a) biller sind ..."
Mit diesen knappen Worten hast du gerade mal wieder meine idealistischen Vorstellungen zerschmettert ... :-( Ich war ganz selbstverständlich davon ausgegangen, dass deine Entscheidung für die Ambosszwerge wohlüberlegt inhaltlicher Natur war - weil du ja bekannterweise keine Fantasy tolkienscher Prägung magst, die "Gefährten" genau das sind & sein wollen ... bis an den Rand der Parodie. Und weil die "Ambosszwerge" etwas anderes versprochen haben.
Ich fühle mich gleich ernüchtert, wenn ich hier jetzt ganz schnöde mit Geld & Volumen als Grundlage für den Bücherkauf konfrontiert werde, anstatt mit fundierten literarischen Erwägungen. So was erschreckend materialistisches kannst du nun wirklich nicht bringen, wenn du über Fantasy sprichst. Shocking!
Kleiner horizontaler Trenner.
Geschrieben von molosovsky,
am: Samstag, 02. Mai. 2009
…meiner Entscheidungsgründe für die Ambosszwerge und gegen Deine Zwielichtsgefährten, lomax.

Für die Zwielichtgefährten spricht ja immer noch (sehr), dass der Roman eben von DIR ist, denn Dich kenne und schätze ich ja schon länger als Blogger und klugen Forums-Beiträger (und über die Bas-Lag-Connection).

Auch wenn es nicht alle glauben mögen (da ich im Ruf stehe ein totaaaaal verkopfter Leser zu sein), so greife ich vor allem was Arbeitspausen und Arbeitsweg-Lektüre angeht gerne ins Fach der so genannten ›guilty pleasures‹, dann darf meine Lektüre also gerne was ›flaches‹, was krasses, was ganz flott und leicht lesbares sein. Bis hin zu an Parodien grenzende Tolkien-Derivate. — Wichtiger aber ist da für mich aber erstmal: hab ich grad genug Kohle einstecken und ist das Buch praktikabel für unterwegs.
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Geschieben von molosovsky,
am: Mittwoch, 13. Mai. 2009
Nochmal drüber’gschaut und um einige (Halb)Sätze ergänzt, alles zusammen in einen Eintrag gestellt ins Literaturwelt.de-Blog. Vor allem das Ende ist neu, und ich möchte es Euch hier nicht vorenthalten.

•••••

Diese Materialschlacht mag nervig sein, aber ich habe den Verdacht, sie ist nötig und vielleicht auch hilfreich, denn ich wage zu meinen, dass es zwischen Anspruch des Buches, seiner Platzierung im Fantasymarktsegment durch den Verlag und der Aufnahme durch das wohlwollende Lesepublikum zu einigen Missverständnissen und Ungeschicklichkeiten gekommen ist. Mag sein, dass ich das Buch als derbe und gespreitzte Satire freundlicher aufgenommen hätte. Aber ich habe es wohl nicht mit einer groß anderen Erwartung gelesen, als seine freundlich gesinnten Leser: ich dachte, große Fantasyepik geboten zu bekommen, bei der die allzu vertrauten Routinen des Genres entstaubt und revitalisiert werden. Aber selbst als spaßige Mischung aus Abenteuer und Ulk funktioniert »Die Zwerge von Amboss« für mich nicht. —— Die Verwirrung nach dem erhellenden Austausch mit Ole Johan Christiansen im »Bibliotheka Phantastika«-Forum aber läßt mich zweifeln, ob meine (über?)kritische Lesart dem Roman gerecht wird. Wahrscheinlich wird sie das nicht. Bei Gelegenheit werde ich also entgegen meiner ersten Reaktion nach Beendigen des ersten Bandes der Reihe über »Die Zerrissenen Reiche« auch dem zweiten Band »Die Ordensritter von Goldberg« eine Chance geben. Immerhin werde ich dann besser wissen, worauf ich mich einlasse, und daher vielleicht mit mehr belohnt werden, als einem masochistisch-galligem Korinthenkackerleseerlebnis.
Kleiner horizontaler Trenner.
Geschieben von molosovsky,
am: Montag, 29. Jun. 2009
Gerade erst emtdeckt: Alexander Lohmann greift in seinem Blog Lohmannsland auf meine »Zwerge von Amboss«-Lektüre auf: »Bild oder Leben – Sprachliche Notwehr in der Fantasy«. Im Augenblick kann ich nicht mit der Ausführlichkeit, die Alex Eintrag verdient hätte, reagieren.

Nur folgende kurze Notizen:

Ich bin keineswegs ein Verfechter einer reinen, sparsamen, bilderarmen Sprache. Gern Metaphern. Nur eben keine beknackten Metaphern, bitte.

Alex nennt einige Beengungen, die Fantasy (oder sollte ich ›Fäntäsy‹ schreiben) zu berücksichtigen hat. Da Alex zuweilen ein lausbübischer Denker & Schreiber ist, wage ich nicht, mit der berechtigten Empörungn zu erwidern. Mir deucht, der Schelm meint die genannten Beengungen nicht ganz ernst.

Trotzdem Gerade drumm: Ein lesenswertes lautes Denken über so manche ›liebgewonnene‹ (sprich: ›gerngehasste‹) Eigenart der modernen Fantasy. Lesen!
Kleiner horizontaler Trenner.
Geschrieben von lomax,
am: Dienstag, 30. Jun. 2009
"Ich bin keineswegs ein Verfechter einer reinen, sparsamen, bilderarmen Sprache. Gern Metaphern. Nur eben keine beknackten Metaphern, bitte."

Darum hab ich's ja offen gelassen, ob deine Kritik zu den "Zwergen" jetzt angemessen war oder nicht. Die Beispiele klangen durchaus so, als könne man daran zweifeln - aber ich kenne das Buch nicht und bin erst mal vorsichtig, was aus dem Kontext gelöste Zitate angeht.
Die Diskussion hier nahm dann allerdings einen weniger differenzierten Verlauf mit recht typischen Zügen ... Und genau diese typischen allgemeinen Vorbehalte gegen bildhafte Sprache waren dann das Thema meines Beitrags.

"Alex nennt einige Beengungen, die Fantasy zu berücksichtigen hat. Da Alex zuweilen ein lausbübischer Denker & Schreiber ist, wage ich nicht, mit der berechtigten Empörungn zu erwidern."

Empöre dich ruhig ;-) Es ist natürlich eine Zuspitzung, aber mit sehr realem Hintergrund: All die von mir aufgezählten Beschränkungen habe ich in der Praxis erlebt, und zwar im professionellen Literaturbetrieb, beispielsweise als geäußerte Meinung oder praktizierte Richtlinie einzelner Bearbeiter.
Überspitzt ist die Aufzählung natürlich in der Hinsicht, dass man kaum je all diese Erwartungen an die Fantasy bei einer einzigen Person finden wird, und dass in der Praxis wohl auch nie ein Lektor das so radikal durchsetzt. Also, da gibt es womöglich den Lektor, der in seinen Vorbehalten gegen lateinische oder griechischstämmige Begriffe so weit geht, dass er auch Wörter dieser Herkunft für unpassend hält, die schon seit Jahrhunderten eingedeutscht sind. Aber es ist unwahrscheinlich, dass ein und derselbe Lektor dann auch Vorbehalte gegen Worte hat, die nicht jeder Leser unter 20 versteht; und er wird diese Linie auch nicht bis zur letzten Konsequenz gehen und Begriffe wie "Mauer" oder "Palast" anstreichen ;-)
Was aber korrekt ist: Wenn ich alles sammle, was ich schon irgendwo als "unpassend für Fantasy" gehört habe, dann kommt so eine Liste zusammen - an die man sich halten müsste, wenn man es von vornherein /jedem/ rechtmachen wollte. Und wenn man nicht nur mit einem Lektor seinen Text optimiert, sondern beispielsweise in einer Schreibwerkstatt mit mehreren über seinen Text abstimmen lässt, wird man vermutlich auch so ziemlich alle genannten Einwände hören.
Die von mir genannten Einschränkungen waren also sicher nicht ernst gemeint als Bedingungen, die jedes einzelne Fantasywerk erfüllen muss. Aber sie sind doch eine sehr reale Sammlung an Anforderungen an "Fantasy-Sprache", die ich im Laufe der Jahre von verschiedensten Seiten gehört habe ... und bildhafte Sprache ist tatsächlich eine verbleibende Variation, die kaum ein Leser, Kritiker oder Lektor als "fantasykritisch" auf dem Radar hat.
Kleiner horizontaler Trenner.
Geschrieben von molosovsky,
am: Mittwoch, 01. Jul. 2009
MoinMoin Lomax!
Hab ich mir gedacht befürchtet, dass die ›darf man nicht bei Fantasy machen‹-Meinungen aus der Praxis stammen. Dass aber solche Ansichten und Diskussionen um Fantasy-Prosasprache auch ernsthaft in Profikreisen flottieren, überrascht mich dann doch ein wenig. Gruselig die Vorstellung, dass man richtiggehende Soll- und Nicht-dürfen-Listen pflegt, oder besser noch Konvertierungsprogramme für die Umwandlung von normaler Prosa zu Fantasyprosa.

Aber mal ernster auf die Sache geguckt.

Unterscheiden sich die Anforderungen an ›Fantasy-Spache‹ wirklich von den Anforderungnen, die man an die Sprache anderer Genres stellt? — Vielleicht (wobei sicherlich nicht allgemein, aber entsprechend den Anforderungen eines einzelnen Textes schon; aber auch das gilt für alle Texte. Jeder Text verlangt nach SEINER speziefischen Sprachstrategie). Sicherlich ist so manche Fantasy Erbe einer romantischen Strömung, die sich (vermeindlich) mittelalterlich klingender Sprache zu bedient. Ich sag nur :William Morris, den von Dir (in Deinem Blog) bereits erwähnten E. R. Eddison, Tolkien selbst (passt ja auch, dass letzterer ein Sprachoberfuzzi war!). — Nebenbei: liebe angehende deutsche Fantasy-Autoren! Guckt mal in Niebelschütz (»Der Blaue Kammerherr« und »Kinder der Finsernis«) und in Adolf Muschg (»Der Rote Ritter«) rein. Da wird auf hohem Niveau mit Sprache allein schon Fantasyathmo erzeugt.

Gedankensprung: Einen vagen, womöglich völlig unbegründeten Verdacht mag ich aussprechen. ›Schlechte‹ Fantasy vermeine ich daran zu erkennen, wenn die Sprache in etwa auf dem Niveau eiert, wie das mit einigen Fantasy-Exotismen gewürzte quasi-mittelalterliche Radebrech, dass mich früher auf Fantasy- & Mittelalter-Cons desöfteren belustigt oder genervt hat. — Kurz: ich trenne da zwischen einer vom Marketing beschworenen & auf Lifestyle-Zielgruppen zielenden Fantasy (die ›McFäntäsy‹, wie ich manchmal ätze), und einer Fantasy, die sich an Leser (und nicht an Gewandungsträger und Gummischwertschwinger oder Pixelmonstertotklicker) richtet; hau mich also, wenn ich letzteres in Ermangelung eines anderen Begriffs ›literarische Fantasy‹ nenne (womit mitnichten gleich nur ›E-Literatur‹-Fantasy gemeint sein soll!)

Gedankensprung: gestern bin ich in Jeff Vandermeers Blog über ein sehr feines Sprüchlein von ›Great Old One‹ Michael Moorcock gestolpert:
Ich glaube fest an Michael Moorcocks Rat, der addressiert ist an sich auf den Weg machende und einem Genre völlig durchdrungene Autoren: »Hört auf SF und Fantasy zu lesen und fangt an, alles andere zu lesen. Das Schlimmste was einem Genre geschehen kann ist, dass es beginnt sich selbst zu verspeisen {…}«

I strongly believe in Michael Moorcock’s advice for beginning writers saturated in genre to »Stop reading SF and fantasy at once and start reading everything else. The worst thing that can happen to a genre is that it starts to feed on itself {…}«
Kleiner horizontaler Trenner.
Geschieben von molosovsky,
am: Samstag, 05. Dez. 2009
Nun ist das Maß voll. Thomas Plischke bloggt und seitdem ich sein Blog lese und darin immer öfter mal glänzende Einträge, denen ich gerne (vor allem bei politischen und gesellschaftlichen Dingen) zustimme, oder deren Meinungsfreudigkeit mich entzückt, inspiriert oder einfach nur fein amüsiert, wächst ein schlechtes Gewissen in mir heran, weil ich »Die Zwerge von Amboss« gar so ausführlich abgewatscht habe.

Hier ein Beispiel für einen Beitrag, der mir einfach gut tat, weil Thomas darin viele momentane Weltmißlichkeiten ankotzt, die auch mir Übelkeit bereiten: »Die Agenda Plischke«.

Und hier ein kluger ›Verteidigungs-Text‹ von Thomas zu »Die Zerrissenen Reiche«, dessen Stoßrichtung ich zustimme, auch wenn ich den ersten Band wiegesagt für misslungen erachte: »Darf Fantasy politisch sein?«

(Einziger kritischer Anmerk: Um Thomas’ »Im Blogschke« wirklich lesen und genießen zu können, sollte/muss man die Schrift im Browser größer machen.)
Kleiner horizontaler Trenner.
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