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Übersicht meiner
Filmrezis und
Buchbesprechungen.
Molos Serie zu Neil Gaimans mit umfangreichen
»Hilfreichen Handreichungen«
1: »Präludien & Notturni«
2: »Das Puppenhaus«
3: »Traumland«
Molos Wanderungen durch &raquo;Bibliothek von Babel&laquo;-Banner, gro&szlig;. der Büchergilde Gutenberg
Jaques Cazotte:
»Der verliebte Teufel«
G. K. Chesterton:
»Apollos Auge«
Lord Dunsany:
»Das Land des Yann«
J. L. Borges:
»25. August 1983«
Deutsche Fassungen (auch als PDF) der phantastischen Literaturseminare von ›Crooked-Timber‹ über:
»Der Eiserne Rat« von China Miéville
Deutsche Fassung des Interviews von Laurie Penny mit Terry Pratchett:
»Sex, Tod & Natur«
Remix von Marcus Hammerschmitt:
»White Light / White Heat«
Großes Lob für & Zitate aus:
Neal Stephensons »Diamond Age«
Großes Buh für & Zitate aus:
Tad Williams »Der Blumenkrieg«
Material zum Kapieren:
Der katholische Tolkien
Vorstellung zum 60gen:
Mervyn Peake »Gormenghast«
Molos Übersetzung von Daniel Chandler:
»Eine Einführung in die Genre-Theorie«
Wallpaper für Lovecraft-Fans:
»Soggoth-Idylle mit Hasen«
Wallpaper für Freunde farbiger Plüschodelik:
»Große Acryl-Impro«
Molos beste Dichtheit:
»Verborgene Orte«
Molos kapriziöse Kurzprosa:
»Zehn Etüden«
Exzessive Melomanie als mp3:
Molomukke Eins, Zwei, Drei, Vier & Fünf, sowie die Vertonung von »The Second Coming«
Impropathos auf 'nem Steinway-Flügel:
»Am Herzen Herumhängen – Arbeiten für den Inkubus«
MOLOsovskysCHRONIK
Netztagebuch eines amœnokratischen Phantasten, Skribblers, Kritikers & Übersetzers


geschrieben von molosovsky,
am: Dienstag, 07. Jun. 2011
Eintrag No. 720Lektüre: Gefunden beim Buchhändler meines Vertrauens für Englischsprachiges, habe ich mir nun einen Klassiker des Steampunk-Genres vorgenommen: »Infernal Devices«, geschrieben von K. W. Jeter, dem Mann, der 1987 in einem Leserbrief an das SF-Magazin ›Locus‹ den Begriff scherzhaft geprägt hat:
{…} Personally, I think Victorian fantasies are going to be the next big thing, as long as we can come up with a fitting collective for Powers, Blaylock and myself. Something based on the appropriate technology of that era; like ›steampunks‹, perhaps… .

—K.W. Jeter

Molos Schnellübersetzung: {…} Ich selbst glaube, dass Viktorianische Phantasien bald groß rauskommen werden, vorausgesetzt, wir finden einen passenden Sammelbegriff für Powers, Blaylock und meine Wenigkeit. Vielleicht ein Name, der zu der dieser Epoche entsprechenden Technologie passt, zum Beispiel ›Steampunks‹… .

—K.W. Jeter


K. W. Jeter: »Infernal Devices«, Taschenbuch-Neuausgabe bei Angry Robot Books, 2011.»Infernal Devices« erschien erstmals 1987 (auf Deutsch bei Ullstein 1990 als »Das Erbe des Uhrmachers«). Habe etwa die Hälfte des 340 Seiten umfassenden Romanes gelesen und bin angetan. Man folgt den Aufzeichnungen von Geroge Dower, einem eher bequemen und durchschnittlichen, wenn auch gelangweilten Londoner Gentleman, der die Uhrmacher- und Feinmechanik-Werkstatt seines Vaters geerbt hat, nicht jedoch dessen Genialität. Jeter versteht es vorzüglich, die Erzähl- und Räsonier-Umständlichkeit der viktorianischen Epoche zu beschwören, sie jedoch flockig lesbar zu gestalten. — Bisher hat sich noch nicht allzu viel getan, außer Geraune von Geheimgesellschaften, Weltvernichtungsmaschinen und den Versuchen Georges, mehr über die merkwürdigen Kunden zu erfahren, die seinen geruhsamen Alltag durcheinander gebracht haben. Bisher ist es sehr vergnüglich, wie George in einem (natürlich!) nebelverschleierten London unterwegs ist, um mehr über obskure Münzen mit Fischmenschen-Portraits und die Schöpfungen seines Vaters herauszubekommen. — Ich kann dem Klappentext und Blurbs bisher zufrieden Recht geben, wenn sie »Infernal Devices« als gelungene Mischung aus H. G. Wells, Arthur Conan Doyle und Lovecraft beschreiben.

Netzfunde
  • Herr Damaschke informiert uns in seinen Notizen dankenswerter Weise, dass Bernhard Sorg einen lesenwerten Aufsatz zum Spätwerk von Arno Schmidt als PDF anbietet: »Leviathanische Tage ohne Goldrand«.
  • Hier eine traurig & wütend machende Meldung (bei ›Telepolis‹) zum Stand der Staudamm- & Wasserkraftwerk-Entwicklung am Xingu-Fluss. Da haben James Cameron (siehe »Eine Nachricht von Pandora«-Doku der Extended Collector’s Cut-Version von »Avatar«) und andere Promis noch versucht, im Protest die Weltaufmerksamkeit auf dieses Wahnwitzunternehmen zu richten, aber geholfen hat es nichts: Brasilien genehmigt gigantisches Belo-Monte-Wasserkraftwerk.
  • Ein wie ich finde wirres aber seltsames PDF: 15 Thesen zur nächsten Gesellschaft von Dirk Baecker von der Zeppelin Universitat Berlin. — Für ›Telepolis‹ versucht Jörg Wittkewitz die Thesen verständlich und kritisch auszudeuten, aber die bleiben für mich trotzdem von ausgesuchter Undurchschaubarkeit: Die nächste Gesellschaft. Wittekitz deutet es schon an, dass Baecker im Grunde versucht, Gesellschafts-Prognosen mit Technik-Sprache zu betreiben … ich gehe weiter und meine, dass Baecker im Grunde keine Wissenschaft sondern Poesie betreibt. Seine »15 Thesen« würden sich vielleicht besser als Warmschreibtext für ein Science Fiction-Szenario machen. — Mein Favorit lautet:
    Das Individuum der nächsten Gesellschaft spielt, wettet, lacht und ist ratlos. Es zählt wie in der Stammesgesellschaft, fühlt wie in der Antike, denkt wie in der Moderne und muss sich dennoch jetzt und heute an der Gesellschaft beteiligen.
    Ein Satz von überwältigender Unbrauchbarkeit.
(Deutschrachige) Phantastik-Links
  • Die neueste Science Fiction- und Fantasy-Rundschau von Josefson für den ›Der Standard‹: Intelligente Wolken und Drogennebel, diesmal mit Rezensionen zu Büchern von Hannu Rajaniemi, Karsten Kruschel, Ken Scholes, Lavie Tidhar, Nir Yaniv, Kazuo Ishiguro, Chris Wooding, Andreas Brandhorst, Nnedi Okorafor, Jeff Somers, Kai Meyer. — Ist diesmal nichts dabei, was ich (schon) kenne, oder worauf ich (nun) neugierig geworden bin. Schade eigentlich.
  • Es freut mich, dass für die ›TAZ‹ Ulrich Gutmair ein großes Lob auf den neuesten Roman von William Gibson anstimmt: Der Kommunismus der Dinge.
  • Was machen, wenn man sich teure Hirmer-Bildbände nicht leisten kann? Wenigstens gute Rezi-Zusammenfassungen des Inhalts genießen, wie Cathrin Nielsens Besprechung Gegenwelten über Werner Hofmanns »Phantasiestücke. Über das Phantastische in der Kunst«.
Zuckerl
  • Wohlverdienter Sieg beim Wettbewerb um’s beste Photo mit einem ›Last Exit Nowhere‹-T-Shirt: Best Picture of May 2011. — (Zur Info: Gewinnerin Emily Rogers trägt ein T-Shirt mit dem Firmenlogo von ›Wayland-Yukatami‹, der großen, mächtigen Firma, die in dem SF-Weltenbau von »Alien« & Nachfolgern die Fäden zieht.)
  • Die Mannschaft des ›Clockworker‹-Blogs hat mich auf die Zentrifugal-Geburtsmaschine aufmerksam gemacht. Ob die jemals getestet wurde?
  • Schräge Blog-Idee: Thom Dicomidis spinnt jede Woche ein Gedankenspiel zusammen, wie ein Zweikampf zwischen X und China Miéville verlaufen würde … offensichtlich ist Thom ein um einige Dimensionen ärgerer Miéville-Fan als ich. Bisher hat noch niemand gegen C.M. gesiegt: Could They Beat Up China Miéville.
  • Apropos China Miéville: der Meister selbst pflegt ja ein ziemlich inspiriertes Blog, ›Rejectamentalist Manifesto‹, in dem er Fundstücke teilt. Mein Liebling der letzten Zeit: Such acts of worship are conducted with a fervour that seems wholehearted but defensive (in etwa: ›Diese Gesten der Huldigung werden mit einer Inbrunst vollzogen, die von ganzen Herzen zu kommen, aber auch zurückhaltend scheint‹).
  • Naturkunde die stinkt und kracht: beginnt etwas dröge, steigert sich aber wunderbar von den seichteren zu den heftigeren Reaktionen der Alkalimetalle Lithium, Natrium, Kalium, Rubidium und Cäsium auf Luft und Wasser: Alkali Metals In Water (via ›BussFeed‹).
  • Dank eines Hinweises von ›a3kHH‹ in seinem SF-Dinosaurier-Blog habe ich mich vergangene Woche köstlich beim Stöbern im Clients From Hell-Blog amüsiert.
  • Ich weiß, ich bin spät dran damit FreddieW’s Youtube-Kanal zu empfehlen.
  • Über die VBlog-Besprechung von »X-Men: First Class« durch Nostalgic Chicks Linsey & Nella habe ich vom Bechdel-Test erfahren. Ein Film besteht den Test, wenn er die folgenden drei Kirtierien erfüllt:

    1. Mindestens zwei Frauen kommen in dem Film vor …
    2. … die miteinander reden …
    3. … und zwar (auch) über etwas anderes als Männer.

    Erstaunlich, welche Filme bei diesem Test durchfallen!
    (Infoschwall: Der Test wurde inspieriert durch den Comic-Strip »The Rule« von Alison Bechdel. Ja genau, die Autorin von »Fun Home«. Hier bei ›Femenist Frequency‹ werden die Regeln als Filmchen erklärt.)
  • Zum Abschluss ein wunderschöner Zeichentrick-Kurzfilm, Abschlussarbeit von Ya-ting Yu, sowie Yeh Ya-hsuan und Chung Ling, an der Nationalen Hochschule für Künste Taiwans: Out of Sight.


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Geschieben von trash star,
am: Mittwoch, 08. Jun. 2011
Zum Bechdel-Test:
Es fallen auch die meisten Bücher, die ich mag, durch. Manche Bücher, die den Test bestehen, finden dennoch nicht meine Zustimmung, z.B. Collectors von Heitz.

Geschrieben von molosovsky,
am: Mittwoch, 08. Jun. 2011
Hi trash star: Ich finde des Bechdel-Test trotzdem knuffig.
Klarerweise ist der Test keinerlei Qualitäts-Filter für gute Geschichten. Der Test ist eher ein Gedankenexperiment, das aufmerksam machen soll, wie platt und stereotyp die Frauendarstellung in vielen vielen Filmen, Büchern, Comics usw. eben (immer noch) ist.

Geschrieben von trash star,
am: Donnerstag, 09. Jun. 2011
Zustimmung.
Ich habe das Bechdel-Kriterium immer im Hinterkopf, wenn ich etwas lese. Manchmal bin ich traurig, weil es so selten erfüllt wird. Manchmal auch verärgert über die Männerlastigkeit. Und ich bin überrascht, wie gut ich mich als Frau mit den bestehenden Fakten arrangiert habe.
Aber es geht nicht nur um platt und stereotyp. Auch China Mieville, Neil Gaiman, Neal Stephenson, Hal Duncan erfüllen das Kriterium bis auf minimale Ausnahmen nicht.

Geschrieben von molosovsky,
am: Donnerstag, 09. Jun. 2011
Moment, trash star:
Auch China Mieville, Neil Gaiman, Neal Stephenson, Hal Duncan erfüllen das Kriterium bis auf minimale Ausnahmen nicht.
So kann ich das nicht stehen lassen. Zu Hal Duncan wage ich keine nähere Erwiderung.

Auf die Schnelle: Zumindest Miéville besteht mit »Un Lun Don«, »The Scar«, »Embassytown« jeweils locker den Test; — Gaiman bietet dann im »Sandman« ganz viele Frauen, die sich (nicht nur über Männer, obowohl … irgendwie läuft ja in dem Epos alles Morpheus hinaus … hmmm) unterhalten, »Stardust« dürfte auch bestehen; — Stephenson besteht den Test wenigstens mit »The Diamond Age« und ganz klar mit »The Baroque-Cycle«.

Ob weitere Werke der Genannten bestehen würden, müsste ich genauer prüfen.

Muster-Besteher-Knaben des Testes wären übrigens Matt Ruff und Joss Whedon.

Geschrieben von trash star,
am: Donnerstag, 09. Jun. 2011
Ich kenne nicht alle von dir genannten Romane. "The Scar" besteht den Test meiner Meinung nach nicht, "Diamond Age" auch nicht.
Es gibt Ansätze, in den von dir genannten Werken. Aber nur Ansätze. Wenige Stellen, die man mit der Lupe suchen muss. Nichts, was in meinen Augen wirklich befriedigend wäre.
Aber - wie schon erwähnt - sind meine diesbezüglichen Ansprüche bescheiden. Jedenfalls spielt Bechdels-Kriterium keine Rolle dafür, ob mir ein Buch gefällt oder nicht.
"The Scar" wird auch weiterhin eines meiner Lieblingsbücher bleiben.

Geschrieben von molosovsky,
am: Freitag, 10. Jun. 2011
Du bist aber streng, trash star.
Also, ich finde, dass die Frauen-Gespräche in "The Scar" und "Diamond Age" schon mehr als nur Kleinigkeiten sind. Außerdem, wenn ich den Test richtig verstehe, geht es nicht um eine kritische Größe, die Frauengespräche haben müssen, damit ein Werk nicht durch den Test rasselt, sondern ganz binär nur danach, ob die drei Kriterien überhaupt (und sei es noch so dürftig) erfüllt werden.

Geschrieben von trash star,
am: Freitag, 10. Jun. 2011
Bin ich streng?
Du siehst das Bechdel-Kritierum sehr eng, ich sehe es erweitert.
Außerdem bin ich eine Frau und habe wahrscheinlich eine andere Perspektive als Du. Deutliche Männerlastigkeit und das Fehlen eigenständiger Frauenfiguren in Romanen fällt mir auf. Es stört mich sehr oft nicht, aber ich registriere es.
Bevor ich das Kriterium kannte, habe ich nicht so genau darauf geachtet, es war mehr ein Bemerken nebenher. Inzwischen schaue ich genauer hin.

Geschieben von HPLCthulhu,
am: Sonntag, 12. Jun. 2011
Oh oh, ich hab die deutsche Übersetzung aus dem Ullstein Verlag hier. Das sind aber nur 222 Seiten. Da scheint dann gegenüber dem Original ja einiges zu fehlen. :(

Geschrieben von molosovsky,
am: Montag, 13. Jun. 2011
Hallo Cthulhu. — Muss nicht unbedingt sein, dass in der deutschen Ausgabe (richtig viel) fehlt (abgesehen von einem Satz hie und da, den weg zu kürzen aus Gründen des Seitenumbruchs durchaus gemacht wird). — Meine englische Angry Robots-Neuausgabe von 2011 beginnt auf Seite 5 mit einem neuem Vorwort von Jeter. Der eigentlich Roman beginnt (mit dem Goethe-Motto) erst auf Seite 11 und geht bis Seite 336 (es gibt dann noch ein Nachwort von Jeff Vandermeer bis Seite 349). Roman selbst also: 325

So, aber nun zum eigentlich Wichtigem:
Die Angy Robot Books-Ausgabe hat einen ziemlich großzügigen Satz.
31 Zeilen zu (ca.) 55 Anschlägen = ca. 1815 Zeichen pro Seite.
Vergleiche das mal mit dem Satz der Ullstein-Ausgabe. Kann mir vorstellen, dass die enger und kleiner gesetzt ist und entsprechend mehr unterbringt auf einer Seite.

Seit 4432 Tagen aktiv. Am 16. April 2014 gab's zuletzt 'ne Änderung.


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30. Dez 2012: Immer noch Layout-Neugestaltung des Blogs. Liste mit Linkempfehlungen fehlt weiterhin.

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