molochronik
Dienstag, 3. Oktober 2006

Buchmesse 2006 (3): Die sieben Favoritenerwähler von der »Die {Literarische} Welt«

(Eintrag No. 299; Literatur, Gesellschaft) — Für »Die Welt« dürfen sieben Herren ihre jeweiligen Buchmesse-Saison-2006-Perlen ausbreiten. Keinen Ranglistenhierachien, keiner Kanonambitionen gibt sich das Septett hin, sondern empfiehlt halt, was man für glänzend und wohlfeil rund hält.

Obere Reihe von links nach rechts: Krekeler, Werner, Müller, Wittstock; Untere Reihe: Krause, Stein, Kellerhof.

Elmar Krekeler mags vergnügt aberwitzig und legt uns Haas »Der Wetter vor 15 Jahren« (›fintenreiche, literarisch abgründige, literaturbetrieblich aufreizende, fiese, geniale Geschichte‹), Galvinic »Die Arbeit der Nacht« (›verdienten Durchbruch‹) und Stanisic »Wie der Soldat das Grammofon repariert« (›steckt unser altes Deutsch unters Sauerstoffzelt‹) ans Herz.

Henrik Werner breitet drückt dreimal für das Themenfeld ›Historie‹ die Hupe: für Kosellecks »Begriffsgeschichten« (›dem Verstehen {zuarbeiten}, wie es so weit mit uns kommen konnte‹); für Assmanns »Der lange Schatten der Vergangenheit« (›akribische Vermessung des Spannungsfeldes zwischen persönlicher Erfahrung und offiziellem Gedenken‹) und Hinck »Romanchronik des 20. Jahrhunderts« Teil 3 »Historien« (›geradlinig, gewitzt und meinungsfreudig‹).

Felix Müller gibt sich ebenfalls Geschichtssachbüchern hin, und macht Laune auf Sloterdijks »Zorn und Zeit« (›zündende Assoziationskraft und höchste begriffliche Anstrengung‹), Bedinis »Der Elefant des Papstes« (›wunderbar schillerndes Porträt Roms auf dem Höhepunkt der Renaissance‹) und Besiers »Das Europa der Diktaturen« (›eindrucksvolle, gewaltige Arbeit‹).

Uwe Wittstock hatte nur Zeit oder Bock für zwei Favoritisierungen, nämlich
»Mikado« von Strauß (›Geschichten, in denen Zeitkritik nicht zur sauren Predigt wird‹), und »Jedermann« von Roth (›ist von großem literarischem Format‹).

Tilman Krause ist völlig und weg weil er »Drei Tage bei meiner Mutter« von Weyergans (›dass man außer sich geraten möchte vor Entzücken‹), »Ich nicht« von Fest (›Für Neubürger Pflicht-, für Altbürger Wehmutspensum!‹) und den Handke-Lenz'schen Briegwechsel »Berichterstatter des Tages« (›tröstliches, ein heilsames Buch‹) zur inniglichen Beherzigung anführen kann.

Auch Hannes Stein bestreitet seine diesmalige Buchmessenempfehlungsgelegenheit mit ›nur‹ zwei Titeln: Bajohrs und Pohls über die Deutschen im Dritten Reich »Der Holocaust als offenes Geheimnis« (›sine ira et studio‹), und den neuen Gedichten »Heimat« von Biermann (›handelt gar nicht von Deutschland, sondern von Südfrankreich‹).

Zuletzt streut Sven Felix Kellerhof seine lockerern Tipps für Heavy-History-Lektüren an: Weinke »Die Nürnberger Prozesse« (›knapp und präzise‹), »Halbmond und Hakenkreuz« von Mallmann und Cüppers (›Pflichtlektüre‹) und »Gefangen unter Hitler« von Wachsmann (›{zeigt nebenbei wie} harte Wissenschaft und Verständlichkeit fast mühelos koexistieren können‹).

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