molochronik
Freitag, 22. Oktober 2004

Molosovsky … bisweilen ein Reflex-Depp

(Woanders, Literatur)Frau Jelinek hat den Literaturnobelpreis 2004 zugesprochen bekommen und im deutschsprachigen Raum rappelt es nun gehörig … viele sind enttäuscht, einige sogar vor den Kopf gestoßen … die Jelinek ist doof-Kritiker stehen jetzt als Banausen da (berechtigt) und giften entsprechend (unberechtigt) … nur ganz wenige haben sich öffentlich narrisch gefreut, über die Anerkennung einer unbequeme Literatur schreibenden Kollegin bzw. Autorin.

Eigentlich habe ich zu der Angelegenheit kein Mandat, denn außer einer gewissen Sympathie aus der Ferne und dem Vorsatz, mal was von Frau Jelinek zu lesen, kenne ich weder Bücher noch Theaterstücke von ihr. Halt. Nein. Moment. Stimmt gar nicht. Als Phantastik-Freund habe ich ihren Text über die »Alien«-Filme gelesen, und nach neuer Spartenlehre würde man diesen Text womöglich unter Gender Studies einordnen. Ein guter Text, der sich eben der Filme annimmt, statt nur (wie sonst unter Lüteratön oft anzutreffen) auf ihn hinabzublicken.

Nun habe ich aber eine gewisse ablehnende Haltung gegenüber allen Auszeichnungen und gegenüber dem Nobelpreis erst recht. Das ist weniger begründete Meinungsäußerung, sondern wahrscheinlich Ergebnis der Tatsache, daß ich als Jugendlicher sehr früh über Arno Schmidt gestolpert bin, und einiger seiner harschen Äußerungen immer noch auffällig unreflektiert in meinen Gehirnrillen bappen.

Entsprechend lapsig fiel mein Beitrag in Hellas Höherenwelten aus, in dem ich mein d'accord zu einem Beitrag des Kollegen David von den Randnotizen zum Ausdruck bringe. Inzwischen habe ich auch Hellas komentierte Collage wüster Schimpfereien über Frau Jelinek und die Nobelpreisverleiher gelesen und finde mich wieder an der Grenze zum Schamrote Backen-Land. Kann ich nur sagen, daß der Literatur-Nobelpreis 2004 in zweifacher Hinsicht doch seinen Wert hat: • privat, weil ich nun einen Anlass habe, in Bälde ein Buch von Frau Jelinek azugehen – Wer hat einen guten Fang mit dem Buch an-Tip für mich? Gibts phantastisches von ihr? • und überhaupt, kann man dem Scheuklappen-Mob sowohl auf Publikums- wie Literaturbetriebs-Seite kaum eleganter eins reinwürgen und deren Arroganz abwürgen, als wenn man die auszeichnet, die sie nicht mögen.

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