molochronik
Mittwoch, 29. Juni 2005

John Dowland: »Were every thought an eye«

(Literatur, Lyrik) – Text und Übersetzung eines Liedes des englischen Renaissance-Komponisten und Lautisten John Dowland (1563-1626).

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Were every thought an eye and all that eyes could see, her subtle wiles their sights would beguile, and mock their jelousy. Her fires do inward burn, they make no outward show. And her delight amid the dark shades, which none discover, grow.

Desire lives in her heart, Diana in her eyes. 'Twere vain to whish womens true 'tis well, if they prove wise. The flow'rs growth is unseen. Yet ev'ry day it grows. So where her fancy is set it thrives but how none knows.

Such a love deserves more grace, than a truer heart that hath no conceit, to make use of both time and place, when a wit hath need of all his slight.

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Wenn jeder Gedanke ein Auge wäre, und all diese Augen sehen könnten, mit feiner List würde die Dame sie täuschen, und der Augen Eifersucht spotten. Der Dame Feuer brennen innerlich, sie zeigen sie nicht äußerlich. Und ihre Entzücken, inmitten dunkler Schatten, die niemand entdeckt, wachsen.

Verlangen lebt in ihrem Herz, in ihren Augen Diana. Vergeblich wärs, sich zu treue Frauen zu wünschen, wenn diese Bescheid wissen. Unbeobachtet ist das Wachstum der Blume. Und doch wächst sie jeden Tag. Sie gedeiht so wie es ihrer Laune entspricht, doch niemand weiß wie.

Solch eine Liebe verdient mehr Gnade, als ein treueres Herz das keine Dünkel hegt, um sich Zeit und Raum zu nutze zu machen, wenn der Witz all seines Geschickes bedarf.

Aus »A Pilgrims Solace – Forth Booke of Songs«, 1612.

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