geschrieben von molosovsky, am: Montag, 04. Aug. 2008
Eintrag No. 519 — Kurze Meldung zu einem Buch, das ich Ende letzter Woche bei meinem Frankfurter Lieblingsbuchladen »Readers Corner« am Eschenheimer Turm entdeckt habe.
Typische Comic-Stoffe in Prosa zu erzählen ist ja eine spezielle Genre-Phantastik-Kunst für sich. Gibt nicht so viele Autoren, von denen ich sagen kann, dass sie sowohl die entsprechenden Schreibkniffe souverän beherrschen als auch die notwendige Extraportion wahnwitziger Einfälle dazu mitbringen (beispielsweise Kim Newman mit seinen »Anno Dracula«- und »Demon Download«-Bänden, Neil Gaiman mit »American Gods« und »Anansi Boys«, Stephen Fry mit »Der Sterne Tennisbälle« und Hugh Laurie mit »Der Waffenhändler«). Der aus der Computerspiele-Branche kommende Amerikaner Austin Grossman legt mit »Soon I Will Be Invincible« ein beeindruckendes und kurzweiliges Debut hin. Auf grad mal 280 Seiten reißt er ein munter geschriebenes Superhelden-Abenteuer vom Zaun, für das man als Comic viele viele Einzelheftchen zusammenstellen müßte. Dabei folgt er mit großem Geschickt der Tradition von Marvell und DC; versteht es mit Können, die ernsten und berührenden Untertöne anklingen zu lassen, durch welche sich die besseren Superhelden-Comics auszeichnen; nimmt aber auch beherzt die typischen Macken und Formeln dieses sehr amerikanischen, mittlerweile aber globalen Genres aufs Korn.
Kurz: die perfekte Lektüre für alle, die gerne mal eine richtig gute, umfangreiche Superhelden-Geschichte als Prosa lesen wollen.
Kapitelweise abwechselnd erzählen zwei Figuren. Zum einen die neue im Team der Guten, der weibliche Robocob Fatal (Andreas Eschbachs »Der letzte seiner Art« … duck dich und nimm dies!!!). Aber den Anfang macht der im Sondergefängnis einsitzende Doctor Impossible, ein Erzbösewicht der schon x Mal scheiterte, die Weltherrschaft an sich zu reissen. So klingt der Beginn in meiner schnellen Übersetzung:
Am heutigen Morgen befinden sich eintausendsechshundertachtundsechzig außergewöhnliche, überbegabte oder auf andere Art mit Superkräften gesegnete Personen auf dem Planeten Erde. Einhundertundsechsundzwanzig von ihnen führen ein normales Leben als Zivilisten. Achtunddreissig sind in Forschungseinrichtungen des Verdeitigungsministeriums oder entsprechender Institute des Auslands untergebracht. Zweihundertundsechsundzwanzig sind Wasserbewohner, angewiesen auf ein Leben in den Ozeanen. Neunundzwanzig sind strikt ortsgebunden — mächtige Bäume und Genii Loci, wie die Große Sphinx oder die Pyramiden von Gize. Funfundzwanzig sind mikroskopisch (einschließlich der Infintisimalen Sieben). Drei sind Hunde; vier sind Katzen; einer ein Vogel. Sechs bestehen aus Gas. Einer ist ein sich bewegendes elektrisches Phänomen, mehr eine Wettererscheinung als eine Person. Siebenundsiebzig sind außerirdische Besucher. Achtunddreissig gelten als verschollen. Einundvierzig sind aus dem Zusammenhang der Realität herausgerissen worden, ständige Emigranten in alternativen Wirklichkeiten und abgezweigten Zeitströmen der Erde.
Sechshundertundachtundsiebzig nutzen ihre Kräfte um Verbrechen zu bekämpfen, während vierhundertundeinundvierzig sie einsetzten um Verbrechen zu begehen. Vierundvierzig sind gegenwärtig in speziellen Sicherheitseinrichtungen für außergewöhnliche Kriminelle eingesperrt. Es ist beachtenswert, dass ungewöhnlich viele von diesen Letztgenannten einen IQ von 300 und höher haben — achtzehn, um genau zu sein. Einschließlich mir selbst.
Die irre doll gestaltete Flash-Site zum Roman bietet ausführlicher viele der Hintergrundinfos, die knapper auch als Anhang des Buches dienen (Auszüge aus der Metahuman-Datenbank und eine Chronologie). Als besonderes Zuckerl bietet die Taschenbuchausgabe von Penguin auch wunderschöne Illustrationen des Zeichners Bryan Hitch.
21. März. 2009, EDIT: Der Roman ist nun, wie tkl freundlicherweise bescheid gibt, auch auf Deutsch erschienen. Anders als tkl finde ich die Umschlaggestaltung gar nicht schlecht, sondern sogar ganz okey. Nicht super, aber eben auch nicht schlimm. — Ungewöhnlich, dass »Dr. Impossible…« bereits im Oktober 2008 als eBook auf Deutsch erschienen ist (un dich habs verpennt), und jetzt im Mai 2009 als Taschenbuch folgt (und bald auch latürnlich als gekürztes 4-CD-Hörbuch, gelesen von Ralf Schmitz & Annette Frier).
Übersetzt hat den Roman Jürgen Langowski. Ich bin gespannt. Die Leseprobe läst mich ein wenig zittern, denn da finden sich in dem ersten Absatz schon einige komische Verrenkungen, die mir eine Spur zu umständlich dünken (trau ich mich mal als Just-For-Fun-Übersetzer zu kritteln); Lösungen wie ›Verteidigungsministerium oder dessen ausländischen Äquivalenten‹ und ›Spezialgefängnissen für verstärkte Kriminelle‹.
Noch gespannter bin ich freilich, wie Langowski den von mir überaus hoch geschätzten Nick Harkaway und dessen »The Gone-Away World« gemeistert hat (die Übersetzung soll im Herbst 2009 bei Piper-Taschenbuch erscheinen).
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Austin Grossman: »Soon I Will Be Invincible« (2007), 3 Teile, 21 Kapitel, 287 Seiten, Penguin Paperback 2008; ISBN: 978-0-141-03077-7.
Deutsch: »Dr. Impossible schlägt zurück«; aus dem Amerikanischen übertragen von Jürgen Langowski; 400 Seiten; Droemer/Knauer (eBook 2008) Taschenbuch 2009; ISBN: 978-3-426-50045-3.
Ein wirklich schöner Tipp, molosovsky. Die Wegnahme des Comic- oder Filmbilds, das ist der Kryptonittest für den Superhelden. Ich akzeptiere sein absurdes Dasein (eventuell), wenn ich ihn sehe. Wenn ich ihn mir erst ausmalen muss, schießt der (kleine) erwachsene Teil meines Gehirns Zweifel und Einwände quer. Bin schon sehr gespannt, ob und wie Grossman damit fertig werden kann.
Auch wenn ich auf Verdacht 10 Klagenfurt-Teilnehmer-Lebenswerke gegen einen Superheldenroman tauschen würde: wer das Teil auf Deutsch haben will, wird wohl seinen eigenen Verlag gründen müssen.
(In Überschrift und Text ist übrigens der Buchtitel ein paarmal verstruwwelt: "Soon I Am..." statt "Soon I Will Be..." /tippexman)
Geschrieben von molosovsky, am: Dienstag, 05. Aug. 2008
wie ich vermuten möchte. Also mal gucken, ob in den nächsten 12 bis 48 Monaten doch ein »Bald werde ich unbesiegbar sein« irgendwo erscheint. Wäre eigentlich ein perfekter Titel für Haffmans bei Zweitausendeins.
Ach ja, ganz vergessen: Wie man Superheldengeschichten exezllent in Prosa erzählt hat ja schon George R. R. Martin als Herausgeber von »Wild Cards« gezeigt. Da gab es, glaub ich, auch deutsche Ausgaben. Aber, und auch da erinnere ich mich hoffentlich richtig, von den ca. 18 Bänden der Kurzgeschichten-Antho »Wild Cards« wurde nur ein Teil übersetzt. Also ein Flopp bei uns. Insofern ist Deine Skepsis, tkl, was eine hiesige Ausgabe von Grossmans Roman angeht wohl angebracht.
Ach ja. Wie gerne erinnere ich mich an Thomas Steinfeld, der vor ein paar Jahren als Bachmann-Juror darüber sprach, dass (ich paraphrasiere aus dem Gedächtnis) »die modernen, popkulturellen NeoMythen-Welten der Filme, Comics und Videospiele durchaus Tiefe und Komplexität bieten und es wert sind, dass man Anstrengungen unternimmt, ihren Gehalt zu ergründen und in literarisch-narrativer Form zu beackern«.
Ja, uns wurden popkulturelle Mythenspiele versprochen, und was haben wir bekommen? Deutsche Popliteraten. Hat jemand zufällig Hammer, Pflöcke und Knoblauch zur Hand?
Wo siehst Du denn das Publikum für Grossman? Wenn wir mal vom Schnäppchenjägerladen 2001 absehen, der seinen Kunden - aber eben nur in ganz begrenzter Zahl, 3 Vollpreis-Entdeckungen pro Jahr - alles Mögliche aufschwatzen kann. Hauptsache,das Merkheft vermittelt die Schick-und-Vorneweg-Sein-Garantie, die Dies-ist-der-voll-angesagte-Außenseiter-Tipp-Aura. Wessen Leser auf dem regulären deutschen Buchmarkt wären denn die zu Grossman Überredbaren? Die Frage ist nicht rhetorisch gemeint.
Geschrieben von molosovsky, am: Mittwoch, 06. Aug. 2008
…das geb ich ja zu, tkl. Aber immerhin: Mittlerweile wird neben der gebundenen auch eine broschierte deutsche Ausgabe von Alan Moores/Dave Gibbons »Watchmen« in den Regalen feilgeboten. — Zudem: Grossmans Buch empfiehlt sich für alle, die Genre-Phantastik mögen, die aber zu faul (oder zu bekifft sind) um sie auf Englisch zu lesen.
Alle, die Genrephantastik mögenDas ist genau die Phantomkategorie, die ich schwer eingrenzen kann. Elfen, Zwerge, Drachen, Trolle, Orks und diverser Blechmänner-voran- und Die-Seherin-vom-Ponyhof-Kram sind offenbar Brot und Butter der (erwachsenen) deutschen Fantasyprogramme. Der Rest ist wohl extrem enge Nische.
Wäre ich Verleger, würde ich auf Genreleser im Fall Grossman nicht viel Hoffnung setzen. Ich würde mich eher fragen: kann ich auch jene Leute anziehen, die Fantastisches lesen (na ja, zumindest: kaufen), wenn man ihnen nicht allzu grelletikettig vor Augen führt, dass sie Fantastisches goutieren, also die Leser von Jasper Fforde beispielsweise, Michael Chabons „The Yiddish Policemen’s Union“ etc. Dieses Häuflein könnte sich mit der Leserschaft von Neil Gaiman, Gene Wolfe, China Miéville etc. zu einer Zielgruppe addieren, für die das Verlegen lohnt. Aber wie und wo spricht man die an?
Geschrieben von molosovsky, am: Mittwoch, 06. Aug. 2008
... meine Eingrenzung eines möglichen deutschsprachigen Zielpublikums für Grossman. Diesen Fehler haben Sie korrekt herausgepickt, tkl. Sie schlagen selber schon eine bessere Umzirkelung vor, und angeregt davon lautet meine Neufassung:
Austin Grossmans Debut ist was für Leser, die ihre Genrephantastik gerne etwas raffinierter möchten. Man muss zwar kein Kenner von US-Superheldenstoffen sein, hat aber mit den vielen Anspielungen sicherlich mehr Spaß, wenn man weiß, mit was Grossman da joungliert.
Die von Ihnen genannten Autoren finde ich eine gute Orientierungs-Zusammenstellung -- Jasper Fforde, Michael Chabons, Neil Gaiman, China Miéville -- ausgenommen Gene Wolfe, der in einer etwas höheren Liga schreibt. Dazunehmen würde ich noch (meine üblichen Verdächtigen) Douglas Coupland (der Grossman einen Blurb angedeihen ließ), Martin Millar und den bereits erwähnten Herren Kim Newman.
Wie man die entsprechende deutsche Zielgruppe (marktträchtig) ansprechen soll, ist mir allerdings ein Rätsel. Ich habe ja das Gefühl, daß der deutschsprachige (Genre-)Phantastik-Markt fatal zerfleddert und unüberschaubar ist. Mein derzetiger Eindruck (oder nur meine Laune?) ist, daß die Gemmen für *Middle brow*-Leser in der Schwemme schematischer Hypetrittbrettfahrer-Ware untergehen.
Es gibt ja nicht mal eine Internetplattform, in der die McPhantastik konsequent Außen vor bleibt.
Geschrieben von tkl, am: Donnerstag, 07. Aug. 2008
Es gibt ja nicht mal eine Internetplattform, in der die McPhantastik konsequent Außen vor bleibt.
Wobei das nicht einmal mein Fantastik-Wunschclub wäre. Etwas Reizvolles an Genres scheint mir zu sein, dass innerhalb eines Genres GANZ OBEN und GANZ UNTEN noch in Dialog und Austausch miteinander stehen. Wobei dieses Geben und Nehmen dann nicht bloß aus ironischen Plündereien besteht. Mir wäre ein Forum lieb, in dem man über Gene Wolfe und John Norman, Edgar Rice Burroughs und Philip K. Dick, Steven Erikson und Stan Nicholls, Susanna Clarke und Marion Zimmer Bradley, Robert E. Howard und Jeff VanderMeer diskutieren kann. =>Also letztlich eines, das die Molosovsky-Chronik-Offenheit in Mehrstimmigkeit praktiziert.
Aber ich kenne kein deutsches Forum, in dem (auch oder nur) die entelfte und burgfräuleinlose Fantasy regelmäßig engagiert besprochen würde. Vermutlich nicht mal, weil die keiner lesen würde. Eher, weil man in der schützenden Großen Mauer des Genreghettos keine Steine lockern will. Irgendwo dahinter lauern ja die finsteren Mächte der horrorsagenumwobenen Anspruchskultur.
Geschrieben von molosovsky, am: Donnerstag, 07. Aug. 2008
Mein persönliches Dilemma ist ja: Einerseits lege ich als gestandener Genre-Verschlinger Wert auf all die Aspekte, welche für die *Anspruchsliteratur*-Fraktion als Pfui gelten (Monster, Gadgets, Wundersames, Spektakuläres). Andererseits aber nerven mich berechnet-formelhafte Seriealien, vor allem dann, wenn sprachlich, thematisch und strukturell der Ball möglichst flach gehalten wird (um eben ein Maximum an *unbedarften* Lesern anzusprechen).
Insofern wage ich mal zuzugeben, daß ich manchmal ganz gerne eine Grenze habe/hätte, um eine *reifere* Genre-Phantastik gegen die Modewellen-Produkte abzugrenzen. Um Ihre, tkl, Aufzählung mal rannzunehmen und wiederum nur als ganz persönliche Grenzziehung zu verstehen, kann ich sagen, daß ich mich zuweilen nach einem Austauschumfeld-Umfeld sehne, wo man von Wortmeldungen zu Autoren wie John Norman, MZB, Stan Nichols verschont bleibt (alle anderen genannten Beispiel-Namen sind von meiner Warte aus okey).
Zur Sicherheit merke ich an, daß mir klar ist, das derartige Argumentationen heikel sind, weil sie arrogant und elitär klingen. Aber so exemplarisch mein persönliches Dilemma für eine gewisse Leserschaft sein mag, wäre es gut, meine Äußerungen dazu nicht als objektive Allgemeinaussagen mißzuverstehen.
Geschrieben von tkl, am: Donnerstag, 07. Aug. 2008
Einer "Wir finden alles gut, Hauptsache, es fantastelt"-Plattform will ich keinesfalls das Wort reden. John Norman zum Beispiel halte ich persönlich für ein frauenverachtendes Großar...ch vor dem Herrn, einen Akademikerpsycho von Graden. Aber eine Debatte mit jemandem, der behauptet, Norman predige eben nicht soziale Normwandlungen herbei, sondern überführe nur das erlaubte sexuelle Rollenspiel in einen grenzklaren literarischen Tagtraum, könnte interessant sein. Wenn sie in einem Umfeld geführt würde, in dem nicht die einen quengeln, man solle gefälligst nicht verkopft über ihre geile Eskapismusmucke herumlabern, und die anderen nicht über die lange Nase gifteln, dass Texte ohne mehrfache postmoderne Brechung so was von naiv vorvorgestrig seien, dass close reading gar nicht in Frage käme.
Mein widersprüchlicher Ansatz ist es, dass auch überwältigende Mehrheitsabstimmungen gegen einen Text über diesen Text nichts Negatives aussagen, dass aber die Zuneigung von Massen wie auch enthusiasmierten Einzelnen einen Text immer interessant macht. Ich will dann verstehen, was er in Leuten auslöst und aufruft, wo er andockt, wie er ins Leben passt.
Wobei ich auch völlig zufrieden wäre, den Rest meines Lebens ohne jeden Bezug zum realen Buchmarkt eigenbrötelnd meine Lieblingsautoren und -genres rauf und runter zu lesen. Wenn jemand diesen biblio-psycho-soziologischen Langzeitversuch finanzieren möchte: I'm your rat, where's my maze?
Geschrieben von molosovsky, am: Samstag, 09. Aug. 2008
Zu dem Norman gabs letztens bei Bibliotheka Phantastika eine längere Diskussion. Ich selbst kann das nicht mehr hören. Wer zu Dominance & Submission-Zeug wichsen will, kann das ja gerne tun. Nur hat das dann meines Erachtens eben kaum noch was mit Literatur und Phantastik zu tun (zumindest nicht, wenn es so platt ausgedacht und geschrieben wurde, wie Normans Zeug).
Was die Tagträumerei zu einer Phantastik-Plattform angeht: mir würde schon eine Reichen, bei der eben der ganze Hype-Serienkram aussen vor bleibt, bei der einem nicht Werbung oder twitter-artige Tratsch-Threads entegenquellen; wo Klassiker genau pflegt wie verschiedenen Richtungen der modernen Phantastik. — Ich gebe zu, ich habe auch keine Ahnung, wie man die Bedingung »… aber ein gewisses Niveau sollten die Sachen haben …« allgemeinverträglich postulieren sollte. Ich halte mich für einen denkbar ungeeignten Kandidaten, um ein solches Forum oder Mailinglisten-Plattform aufzubauen (zu unidplomatisch und verquast).
Geschieben von lucardus, am: Freitag, 08. Aug. 2008
Endlich fliegt Supermolo wieder durch das Internet! :)
Superhelden in Prosa hatte ich vor etwa 1 bis 2 Jahren bei Lethems "Festung der Einsamkeit", wobei hier neben einem Flugring das eigentliche Superheldendasein nur am Rande vorkam. Wichtiger dabei war aber, dass ich als Comic-Verächter u. a. durch diesen Roman wieder auf den Geschmack gekommen bin und seitdem die Sandman-Neuausgabe verfolge und als langjähriger "Schläfer" endlich Alan Moores Welten entdeckt habe, während ich zur Jugendzeit ab und an mal mit Der Spinne gemarvelt habe und den Eisernen auf diversen Flügen begleitet habe, wobei mir dann Perry Rhodan deutlich spannender kam und die Comicwelt irgendwann unbeachtet blieb.
Ich kann zwar nicht auf wissenschaftlichem Niveau über die Transubstantiationsmythen eidetischer Zwerg-Ork-Hybride palavern, aber mich über Mieville, Clarke und andere außergewöhnliche Phantasten auszulassen, ohne gleich ein "den Scheiß les' ich nicht" an den Kopf geschmissen zu kriegen, würde mich sehr reizen.
Aber ich hasse ganz persönlich das Scheiben und Diskutieren mittels einer Software, die ursprünglich nur zum "Anschauen" und "Blättern" gedacht war. Es macht einfach Mühe, der ganze Text geht flöten, wenn man nicht aufpasst und die Verbindung von Höllendämonen im Untergrund abgebaut wird, während man noch nachsinnt, ob der Mann nun Peak oder Peake oder Paeke geschrieben wird.
Dumm nur, dass Mailinglisten heutzutage bloß mit Offenbarungseid oder Generalerlaubnis für SPAM zu haben sind. So was wäre mein Traum für ein lesefreudiges Trüppchen, das sich gern auch mal randwärts bewegt und keine Scheu hat Dunsany oder Alternate History von Philip Roth auf der selben Plattform zu besprechen ohne gleich mit "Bähs" oder peinlicher Betroffenheit konfrontiert zu werfen.
Das klingt vielleicht elitär oder randgruppenbevorzugend, wäre in meinen Augen aber einfach eine Nische für leicht Gestörte, die nicht jeden Tag "die Hits der 80er, das Beste aus den 90ern und sonst nix" hören wollen.
Ich habe sowas noch nicht gefunden. Darum klammere ich mich auch so an Dinge wie das oliblog und dieses hier. Aber für Diskussionen sind Blogs und Foren eindeutig nicht meine bevorzugte Plattform.
Geschrieben von molosovsky, am: Samstag, 09. Aug. 2008
Umgekehrt ist es schön, auch wieder was von Dir hier zu lesen! Zu einigen von Dir erwähnten Dingelchen. Lethem: Hab ich reingelesen. Mir zu umstandshuberisch. Nicht meins. Alan Moore: Gab mit ihm gerade ein dolles, langes Interview im englischen SF-Magazin »Death Ray«. Das wichtigste: Alan wird wohl bis auf LGX mit Comics erstmal aufhören/pausieren und sich seinem großen Romanprojekt »Jerusalem« widmen, das wir frühestens um 2010 erwartetet dürfen. — Nebenbei: ich sollte mal als Fingerübung »Voice of the Fire« übersetzten :-)
Ich lese ansonsten raus, daß Du Foren und Blogs meidest und lieber eine Mailingliste hättest. Ich persönlich finde Mailinglisten ganz okey, auch wenn da schnell viel zu viel zum Lesen anfällt (bzw. eine Liste schnell verdümpelt. Es scheint da kaum einen gesunden Mittelweg zu geben).
Geschrieben von lucardus, am: Samstag, 09. Aug. 2008
Jetzt ist genau das passiert, was mich so stört. Man schreibt 10 Minuten, liest alles nochmal Korrektur, und dann behauptet der Server, man sei nicht angemeldet obwohl links deutlich "Sie sind angemeldet" steht. Und der ganze Text ist wieder weg. Obwohl alles eingeschaltet ist, was eingeschaltet sein sollte ...
Diese modernen Wege der Kommunikation sind unzuverlässig.
Jetzt hab ich auch keine Lust mehr den Text nochmal zu schreiben. Die Essenz war: Ich hasse Foren und Blog-Kommentare eben genau wegen dieser Unzulänglichkeiten und Störanfälligkeit.
Geschrieben von molosovsky, am: Samstag, 09. Aug. 2008
@lucardus: Ist deshalb meine Devise. Nur wenn ich ganz kurze Mitteilungen in Blogs und Foren hinterlasse, dann wage ich es, im Browser zu tippen. Ansonsten gilt für mich die Devise: erst im Textprogramm, dann in das Blog- oder Forums-Eingabefenster kopieren. Ich habe in meiner Internet-Anfangszeit auch einige laaaaange und elaborierte Beiträge genau wegen solcher von Dir geschilderen Macken verlohren. Seitdem bin ich umständlicher/vorsichtiger mit längeren Texten im Netzel.
Kleine Produktinfofußnote. Dem "Soon I Will Be Invincible"-Hardcover von Pantheon fehlen die Illustrationen von Bryan Hitch, die scheinen tatsächlich eine exklusive Dreingabe des Penguin-Taschenbuchs zu sein. Falls also jemand Hardcover & Illustrationen mag, wird er jetzt Buridans Esel. Oder rettet sich mit der Comicindustrieempfehlung: collect 'em all!
Danke für den Link zur Norman-Forumsdiskussion, molosovsky. Beim weiteren Herumschmökern dort drüben habe ich auch einen Hinweis von Dir auf dieses Lovecraft-Interview gefunden. Das Ding ist ein schön gestalteter Jux, aber eben doch ein Ulk der Nachgeborenen. (/alte-götter-dokumente-kontrollpolizei)
Geschrieben von molosovsky, am: Mittwoch, 13. Aug. 2008
@tkl: Danke für die Detail-Info! Auch die UK-Hardcoverausgabe müßte die Illus enthalten (da die Anzahl der Seiten gleich ist) . Ich empfehle aber hier — wenn schon, denn schon — eh nur die die gemmigeren Gemmen.
Zur ›Echtheit‹ des Lovecraft-Filmchens sag ich nur: hihihi.
Heimlich, still und leise hat sich Grossmans hochvergnüglicher Roman nun ins Taschenbuchprogramm von Droemer/Knaur geschlichen. Als "Dr. Impossible schlägt zurück". Mit typischer Kauf-mich-bloß-nicht-Covergestaltung.
Geschrieben von molosovsky, am: Dienstag, 21. Apr. 2009
Danke für den Hinweis.
Habe den Haupteintrag gleich mal ergänzt.
Dass die dollen Illustrations-Bonus-Features der Penguin-Ausgabe nicht für deutsche Ausgabe übernommen wurden, ist ja leider so was von normal, dass ich mich wundere, es hier erwähnt zu haben. (Bin halt ein Zwangsneurotiker.)
01. April 2012: Während der Layout-Neugestaltung des Blogs, gibt es vorrübergehend keine Link- oder ›Molochronik DeLuxe‹-Liste oder Buttons.
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