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Übersicht meiner
Filmrezis und
Buchbesprechungen.
Molos Serie zu Neil Gaimans mit umfangreichen
»Hilfreichen Handreichungen«
1: »Präludien & Notturni«
2: »Das Puppenhaus«
3: »Traumland«
Molos Wanderungen durch &raquo;Bibliothek von Babel&laquo;-Banner, gro&szlig;. der Büchergilde Gutenberg
Jaques Cazotte:
»Der verliebte Teufel«
G. K. Chesterton:
»Apollos Auge«
Lord Dunsany:
»Das Land des Yann«
J. L. Borges:
»25. August 1983«
Deutsche Fassungen (auch als PDF) der phantastischen Literaturseminare von ›Crooked-Timber‹ über:
»Der Eiserne Rat« von China Miéville
Deutsche Fassung des Interviews von Laurie Penny mit Terry Pratchett:
»Sex, Tod & Natur«
Remix von Marcus Hammerschmitt:
»White Light / White Heat«
Großes Lob für & Zitate aus:
Neal Stephensons »Diamond Age«
Großes Buh für & Zitate aus:
Tad Williams »Der Blumenkrieg«
Material zum Kapieren:
Der katholische Tolkien
Vorstellung zum 60gen:
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Molos Übersetzung von Daniel Chandler:
»Eine Einführung in die Genre-Theorie«
Wallpaper für Lovecraft-Fans:
»Soggoth-Idylle mit Hasen«
Wallpaper für Freunde farbiger Plüschodelik:
»Große Acryl-Impro«
Molos beste Dichtheit:
»Verborgene Orte«
Molos kapriziöse Kurzprosa:
»Zehn Etüden«
Exzessive Melomanie als mp3:
Molomukke Eins, Zwei, Drei, Vier & Fünf, sowie die Vertonung von »The Second Coming«
Impropathos auf 'nem Steinway-Flügel:
»Am Herzen Herumhängen – Arbeiten für den Inkubus«
MOLOsovskysCHRONIK
Netztagebuch eines amœnokratischen Phantasten, Skribblers, Kritikers & Übersetzers


geschrieben von molosovsky,
am: Dienstag, 05. Apr. 2011
Eintrag No. 709 — Doppelnummer, damit die Wochenzählung nicht aus dem Tritt kommt.

•••

Charles Yu: »How to Live Safley in a Science Fictional UniverseLektüre: Große Freude bescherte mir »How to Live Safely in a Science Fictional Universe«, der schmale, aber keineswegs schale, Debütroman des jungen amerikanischen Autors Charles Yu. Hier meine grobe Übersetzung des Klappentextes:
In einer Minute wird Charles Yu sich umbringen. Wieder einmal.

Charles arbeitet als Zeitmaschinen-Reperatur-Techniker. Er hat eine Lizenz zum Instandsetzen aller chronogrammatischen Fahrzeuge der T-Klasse, ist angestellt bei Time Warner Time, und verrichtet seine Arbeit aus dem Unter-Universum 31 heraus, einer etwas kaputten, unfertigen Raum-Zeit-Struktur & Unterhaltungskomplex. Der Job sollte eigentlich super sein: er hat seine eigene TM-31-Zeitmaschine die auf dem neuesten Stand der Technik ist; er darf sich sein Betriebssystem selbst aussuchen (er wählt TAMMY – kastanienbraunes Haar, dunkelbraune Augen hinter Bibliothekarinnen-Brille und eine Stimme wie die einer Prinzessin); er hat eine coole, gefährlich aussehende Wumme (eine paradox-neutralisierende Waffe); und er hat einen imaginären Hund namens Ed.

Warum steckt Charles nun so in der Klemme? Er ist (was sich mit einer Zeitmaschine leicht machen lässt) die längste Zeit eines Jahrzehntes seiner Arbeit und seinen Programm-Chef Phil (Microsoft Middle Manager 3.0) aus dem Weg gegangen. Er hat stattdessen die Zeit genutzt 39 alternative Versionen seines Ichs auszuspionieren (und entdeckt, dass 35 davon totale Arschlöcher sind). Und er hat sich sozusagen in TAMMY verliebt, was schlecht ist, denn dafür hat sie kein Modul.

So gesehen ist es vielleicht nicht überraschend, dass er, als er einem seiner Ichs aus der Zukunft begegnet, diesem in den Bauch schießt. Für einen Zeitmaschienen-Reperatur-Techniker ein Anfängerfehler. Nun ist Charles in einer Zeitschleife gefangen, dreht sich für immer im Kreise. Alles was er hat, in ein in braunes Papier eingewickeltes Buch, das ihm sein zukünftiges Ich geben wollte, als Charles ihn erschossen hat. Es heißt »Wie man unbescholten in einem Science-Fictionalem Universum lebt«. Und er, Charles, ist der Autor. Und irgendwo in dem Buch verbirgt sich die Information, die Charles retten könnte.

Kurz: Metaphysische & metafiktionale Kniffe en masse erwarten den Leser. Vorsicht: der plauderhafte, undisziplinierte Gedankenstrom-Stil (sprich: immer wieder laaaange, scheinbar planlos umherschweifende Sätze) und Aufbau (wenig Äktschn, viel Reflektion) sind sicherlich nichts für jedermann. Das Buch ist größtenteils eine autobiographische Selbsterforschung von Charles, die immer wieder unterbrochen wird von knappen sachlichen Einträgen eines Glossars zum Titel-Thema des Buches. — Mir hat allerdings sehr gefallen, wie der Roman das Motiv der Zeitreise nutzt, um anregende Überlegungen (fast möchte ich sagen: Meditationen) zum Thema Bewußtsein, Selbsterkenntnis und Erinnerung auszubreiten. — Ich wünsche der deutschsprachige SF-Gemeinschaft, dass dieser Roman übersetzt wird (und bringe dem, der die Übersetzung leisten soll jetzt schon mein kollegiales Mitleid entgegen).

Hier geht es zu einem ausführlichen Gespräch, das ›io9‹ mit Charles Yu über den Roman geführt hat.

Netzfunde
  • Marcus Hammerschmitt berichtet für ›Telepolis‹, mit welchen empörenden Umtrieben in USA versucht wird, den öffnetlichen Büchereien Geld abzuknöpfen: Die Plünderer kommen.
  • Passend zu dem Themenkomplex, jedoch bezüglich heimischen Gefilden, auch dieser Essay von Matthias Spielkamp für ›Perlentaucher‹: Leistungsschutzrechte schaden – auch den Verlagen.
  • Ich mache derzeit eine heftige Stanley Kubrick-Phase durch, erwerbe als Schnäppchen seine Filme auf Blue Ray, gönne mir die ganzen Dokus nebenbei. — Hier eine Auswahl der Photographien, die der junge Kubrick für das ›Look Magazine‹ angefertigt hat: Chicago, im Archiv der ›Library of Congress‹. — Hier einige Aufnahmen, die im italienischen ›Vogue‹ anlässlich einer Ausstellung gezeigt werden. — Hier eine plauschige Talkrunde mit Kubrick-Witwe Christiane, Freund, Produzenten (ergänz: & Schwager) Jan Harlan und Kollegen-Bewunderer Martin Scorcese in der »Charlie Rose«-Show anlässlich des Dokumentar-Portraits »A Life in Pictures« (welchselbigen man hier gucken kann).
  • ›Literaturkritik.de‹ hat in den letzten Tagen drei lesenswerte Rezensionen angeboten:
    Eine Rose ist eine Rose, aber nur dem Namen nach von Anett Kollmann über die Bio- und die Monographie zu Umberto Eco von Michael Nerlich. Die Rowohlt-Monographie habe ich (schon) gelesen und kann sie unumwunden empfehlen.
    — Klaus Hammer lobt den Katalog von Ingrid Pfeiffer und Max Hollein zur derzeit in der Schirn Kunsthalle Frankfurt laufenden Ausstellung »Surreale Dinge«: Der Surrealismus – eine unerschöpfliche Inspirationsquelle des 20. Jahrhunderts.
    — Und Walter Delabar fand Joe R. Lansdales »Kahlschlag« aus ›meinem‹ Golkonda Verlag richtig gut (zu meiner Rezi des Buches geht es hier entlang): Sunset, die sich wehrt.
  • Beim Stöbern entdeckte Natur- und Menschenkunde: Das Tree of Life-Web Projekt; — und das Antropolgi-Blog. Muss ich noch prüfen, machen aber beide einen sehr interessanten ersten Eindruck.
(Deutschsprachige) Phantastik-Funde
  • Anubis hat in seinem Blog ›Lake Hermanstadt‹ eine lesenswerte Rezension zu Thomas Plischkes »Die Zwerge von Amboss« geschrieben. Mein Urteil zu dem Buch ist ja eher kritisch, aber ich finde, Anubis bringt die Stärken des Romanes von Thomas Plischke fair und ohne peinliche Lobhudelei gut auf den Punkt. Muss ja nicht jeder meinen Geschmack haben.
  • Kai Müller blickt für ›Der Tagesspiegel‹ auf das Manga »Akira« zurück: Heller als tausend Sonnen.
  • PDF-Link: Fandomobserver 262 ist da. Redakteur: Florian Breitsameter. Noch keine Zeit gehabt, ausführlicher zu lesen … leider.
  • ›Der Standard‹ sollte eigentlich mal einen Preis der deutschsprachigen Phantastik-Szene dafür bekommen, die einzige (mir bekannte) große Zeitung unserer Zunge zu sein, die (im Internet) eine hochqualitative und anregend zu lesende Science Fiction & Fantasy-Rundschau pflegt. Neueste Ausgabe, zusammengestellt von Josefson: Die Wiederentdeckung des Menschen mit Rezensionen zu Büchern von Cordwainer Smith, Paolo Bacigalupi, Gerd Ruebenstrunk, Jack McDevitt, Adam Roberts, David & Leigh Eddings, Karl Schroeder, Sergej Lukianenko, Neal Asher, Patrick Lee, Edmond Hamilton, Kevin Shamel.
Zur Erinnerung:
Hinweise auf bemerkenswerte deutschsprachige Internet-Beiträge zum Thema Phantastik (in allen ihren U- & E-Spielarten) bitte per eMail an …

molosovsky {ät} yahoo {punkt} de

… schicken. — Willkommen sind vor allem Hinweise zu Texten, die wenig beachtete Phantastikwerke behandeln (z.B. also Einzelwerke statt Seriensachen), oder die über Autoren, Theorie und Traditionsentwicklungen berichten.

Zuckerl
  • Den derzeit teuersten Schießprügel der Welt stellt ›BornRich‹ vor: VO Falcon Edition. Zu haben für ca. 620.000 €. Natürlich alles handgemacht.
  • Für etwas weniger Kohle bekommt man schon den Playmobil Apple Store bei ›Think Geek‹ für seinen Nachwuchs.
  • So muss Pop-Art, bzw. Agitpop, bzw. Straßenkunst heute gehen: die Italienische Gruppe orticanoodles hat es Dank ausgefeilter Stencil-Technik richtig druff. Meine Lieblinge: der Adi mit verschiedenen Färbungen (u.a. US-Fahne) Pop Never Dies und der Sepp (auch bekannt als Pipst, Pupst oder Papst) auf der Grafik The Black Pope.
  • Der Schweizer Architekt Michael Hansmeyer zeigt, wie man mit dem Rechner komplizierte Schönheit schafft.
  • Adam Wheatley kombiniert nette Gegenstände mit Waffen.
  • Der Spieleentwickler meines Vertrauens, ›Rockstar‹, hat mkt Recht stolz vermeldet, dass es ihr (hoffentlich) im Mai erscheinender Titel »L. A. Noir« als erstes Videospiel in die offizielle Auswahl eines Filmfestivals geschafft hat.
  • Austin Kleon berichtet ist seinem Blog von einem Artikel, in dem die ursprüngliche Karte des Ortes Twin Peaks von David Lynch vorgestellt wird.
  • Ein ganz großes Bonbon für alle, die wie ich den Anime-Meister Hayao Miyazaki verehren: Das englische ›Ghibli‹-Blog präsentiert »Mononoke Hime« aus dem Jahre 1980, ein bezauberndes Bilderbuch-Comic.
  • Für die ›Los Angeles Times‹ schildert Tony DiTerlizzi (mir aus »Plainscape«-Zeiten, heute den meisten wohl als »Spiderwick«-Macher bekannt), durch welche blöden Dusseligkeiten es in den 1960er-Jahren nicht dazu gekommen ist, dass der Illustrator- & Bilderbuch-Legende Maurice Sendak (am bekanntesten für das Kinderbuch »Wo die wilden Kerle wohnen«) Tolkiens »Der kleine Hobitt« bebildert: A masterwork that could have been.
  • John Norman, Autor der berüchtigten (und von mir selbst nicht geschätzten) »Gor«-Romane, hat ›io9‹ ein Interview gegönnt. John Norman, der Philosophie-Professor, der die barbarische Welt »Gor« ersonnen hat.
•••••
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Geschieben von simifilm,
am: Dienstag, 05. Apr. 2011
Jan Harlan (der ein reizender Mensch ist und den zu interviewen mir vergönnt war) ist übrigens nicht "nur" ein Freund Kubricks, sondern sein Schwager, also der Bruder von Christiane Kubrick, geborene Harlan. Und ihr Onkel war niemand anders als Jud-Süss-Regisseur Veit Harlan …

Geschrieben von molosovsky,
am: Dienstag, 05. Apr. 2011
Danke für den Link. Ein feines Interview.
Mir war das familiäre Band Harlan-Kubrick freilich bekannt. Aber ich kann nicht immer alles so ausführlich ausbreiten.

Geschieben von Eosphoros,
am: Dienstag, 05. Apr. 2011
Via John. D. Rateliff bin ich auf den Kommentar zur Sache von Tolkien-Archivalien&Textkritik-Spezialisten Wayne G. Hammond und Christina Scull gestoßen:

Sendak may interpret events in this way […] but archival evidence says otherwise. […] Sendak and Houghton Mifflin agreed on a contract in 1964, and Sendak asked for a couple of years to do the work. […] Sendak may have made sample drawings 'begrudgingly', but they seem to have been expected of him by all concerned, especially since he appears not to have produced anything for The Hobbit until the beginning of 1967.
The article also states that Houghton Mifflin 'prepared the art samples for Tolkien’s approval', misidentifying wood-elves as hobbits in one of two finished images. But the correspondence […] clearly refers to only one image that was […] shown to Tolkien […]: the picture of Gandalf and Bilbo. […] There is no indication that Tolkien saw a picture of dancing wood-elves, […]. Nor is there any evidence of a reply by Tolkien 'that Sendak had not read the book closely and did not know what a hobbit was', though this is certainly suggested by the sample drawing.

(Habe einige Details rausgekürzt.)

Geschrieben von molosovsky,
am: Dienstag, 05. Apr. 2011
Danke Eosphoros. Da haben wir, die wir uns gerne über Verlegerblödheit aufregen möchten, anscheinend wieder mal zu früh empört. Also: woran auch immer es lag, dass es nicht dazu kam … ich hätte gerne eine »Hobitt«-Ausgabe mit Sendaks Illus.

Geschieben von Eosphoros,
am: Mittwoch, 06. Apr. 2011
Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass du die Leseprobe von China Miévilles Embassytown erwähnen würdest … aber vielleicht steht die auch einfach schon ewig online, ohne dass ichs gemerkt hab.

Geschrieben von molosovsky,
am: Mittwoch, 06. Apr. 2011
Uh-ja, die »Embassytown«-Leseprobe hätt ich eigentlich verlinken können, denn die ist erst in den letzten 14 Tagen online gegangen. Habe ich aber nicht daran gedacht, weil Miéville zu den Autoren gehört, von ich keine Leseproben (mehr) lese(n muss), sondern eben zu den Autoren, wo ich mich aufs nächste Buch freue. — Leseproben lese ich von Autoren, die ich nicht kenne.

Geschrieben von Pogopuschel,
am: Donnerstag, 07. Apr. 2011
Den Hammerschmitt-Artikel fand ich dieses Mal hochinteressant. Nach den Wasserdieben kommen nun die Dummacher. Bin mal gespannt wann diese Privatisierungswelle in Deutschland ankommt.

Seit 4434 Tagen aktiv. Am 16. April 2014 gab's zuletzt 'ne Änderung.


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