molochronik

Burnout-Link-Tipps — #3

Hier die dritte Lieferung mit kulturellen Bonbons, die mir in meiner Burnout-Zeit Freude und Kraft spenden, und die ich in meiner Arkadischen Guerilla-Twitter-PM-Gruppe teile.

Viel Spaß.

Burnout-Link-Tipps — #2

Hier die zweite Lieferung mit kulturellen Bonbons, die mir in meiner Burnout-Zeit Freude und Kraft spenden, und die ich in meiner Arkadischen Guerilla-Twitter-PM-Gruppe teile.

Viel Spaß.

PentaLink: Drogengelder, Guillermo del Toro, Neal Stephenson, Leigh Alexander, »Bloodborne«-Podcast

Karen Grass hat für die gemeinnützige Rechercheplattform ›correcti!v‹ versucht herauszufinden, wie viel Geld in der deutschen Drogenpolitik in welche Projekte fließt. Ihr Werkstattbericht »So lief die Drogenrecherche« ist das Zeugnis krasser Unübersichtlichkeit und überforderter, bzw. auskunftsbockiger Behörden.

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Im April hat Guillermo del Toro anläßlich der Verleihung des Irving M. Levin Directing Awards eine gute Stunde mit dem Chef der San Francisco Film Society geplaudert.

Nebenbei: ich habe endlich del Toros Debüt-Spielfilm »Cronos« (1993) und »El espinazo del diablo« (2001) gesehen. In akzeptabler Qualität gibt es beide Filme seit langer Zeit nicht auf dem deutschen Markt. Bin also auf UK-Ausgaben ausgewichen. Ein Filmemacher muss mir schon irre gut gefallen, dass ich mir spanische Originale mit englischen Untertiteln anschaue. Hat sich gelohnt.

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Bin auf den letzten 100 Seiten des neusten Romans von Neal Stephenson, »Seveneves«, und ziemlich begeistert, auch wenn der Erklärbar-Anteil dieses streangen Science Fiction-Titels krass hoch ist. Worum es in dem Buch geht, und was Meister Stephenson so umtreibt, kann man in dem Video dieses Autorenabends der Lesetour zu »Seveneves« erfahren.

Desweiteren hier ein interessanter Artikel von Annalee Newitz für ›gizmodo‹ über die technischen Großanlagen und Architekturen des Romanes: »Here’s How Space Megastructures Will Look, According to Neal Stephenson«

Ansonsten: wer sich fragt, was für Musik Neal Stephenson mag, oder was er beim Schreiben hört, findet Antworten in diesem Interview mit ›Gunner & Chow‹: als Teen war Stephenson ein großer »Yes«, und »Emerson, Lake & Palmer«-Fan.

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GamesGroßPresseEvent E3 hat in L.A. stattgefunden. »The Last Guardian« wird für die PS4 kommen! Alle anderen Neuigkeiten sind eigentlich egal.

Ich bin ja gerne kritisch bis mürrisch mit den von mir geliebten Kram wie Phantastik, Genrezeug und auch Games. Einen Essay wie »Let’s have a deep chat about the practical feasibility of getting our childhoods back« von Leigh Alexander begrüße und empfehle ich da entsprechend gerne.

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In eigener Sache zuletzt noch der Link zu dem Podcast »Polyneux spricht, Vol 30 (Insight-Edition)« in dem ich als ›Special Guest‹ zusammen mit den Gastgebern Don, Sven und Volker über das feine, gemeine, schöne, unheimliche PS4-Spiel »Bloodborne« plaudere (und, was man nicht hört, nebenbei zwei Bier trinke, was für mich schon krasser Exzess ist).

»Mad Max: Fury Road«, oder: »What a movie! What a lovely movie!!!« (inkl. »Mad Max« 1-3)

Letzte Woche besorgte ich mir, in Vorbereitung auf den vierten Teil, die Blu Ray-Box mit den ersten drei ›Mad Max‹-Filmen. Allein schon erfreulich, dass seit den Achtzigern die FSK-Einstufung der ersten beiden Teile überarbeitet wurde, und ich die Filme nun also mit fettem Sound und feinem Bild ungekürzt genießen konnte.

Weniger geil finde ich die dürftige Sonderausstattung der Box. Lediglich Teil 2, »The Road Warrior« bietet eine interessante Kommentartonspur mit Schöpfer & Regiesseur George Miller und Kameramann Dean Semmler, sowie eine ganz nette Einleitung zum Film vom in den USA renommierten Filmkritiker Leonard Martin.

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Den ersten »Mad Max« (1979) sah ich irgendwann in den späten Achtzigern als VHS-Video auf Deutsch, und fand ihn großartig. Ich war damals schon auf dem besten Wege ein von Schopenhauer, Orwell, Lem und Godfrey Reggio (dem Schöpfer der ›Qatsi‹-Filme) geprägter Zivilisations-Pessimist und Querulant zu werden. Folgerichtig erntete der erste »Mad Max« (ganz wie meine anderen frühen SF-Prägungen jener Jahre: »Die Klapperschlange«, »The Thing«, »Alien«, »Blade Runner« und natürlich »Clockwork Orange«) einst wie heute mein affirmatives Kopfnicken, für seine Darstellung einer Welt, die sich mit ihrer Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen selbst vergiftet, sowie seiner überzeichneten Darstellung von Männerkult-Irrsinn.

Gefreut hat mich, dass ich nun die australische Originalversion schauen konnte, und ich stellte fest, dass der Film zwar merklich gealtert ist, …

  • (für mich am auffälligsten bei den idyllischen Szenen, wenn Max zusammen mit seiner Frau Jessie eine Picknick-Auszeit nimmt, um nicht schon nach der Hälfte der Story määäd zu werden;
  • vor allem, wenn Max über seine Gefühle spricht, auch wenn ich mit Giggelm verstehen kann, warum Mel Gibson — damals noch ein strahlendes Milchgesicht — u.a. mit dieser Szene, vor allem im Kontrast zum Ende, wo er dann eben grausam Rache nimmt, zu einer neuen Art von Antiheld-Sexsymbol wurde;
  • und auch bei unheimlicher Spannung, wenn Jessie von den bösen Bikern durch den Wald gehetzt wird)

… trotzdem hat für mich weder die Rache- und ›Ich will meine moralische Mitte als anständiger Mensch nicht einbüßen‹-Geschichte an Kraft, noch der Weltenbau einer bröckelnden Zivilisation, die auf den letzten Nanometern des grünen Bereichs vor sich hin krebst, und der entsprechend Anstand, Mitleid und Hoffnung abhanden gekommen sind, ihre beklemmende Eindrücklichkeit eingebüßt.

Nicht zu vergessen das wunderbar durchgeknallte Verhalten des Hauptbösewichts Toecutter (Hugh Keays-Byrne) und seines Motoradclans. Toecutter ist auf originelle Weise zugleich bedrohlich und schräg komisch, z.B. wie er Leute auf äußerst seltsame Art beim Dialog im Gesicht berührt, oder wie er Zeichentrickfigur-gleich ›erschrickt‹, wenn er von einer wehrhaften, alten Frau mit Schrotwumme bedroht wird.

Zugegeben: vielen Szenen merkt man heute das niedrige Budget (das meiste wurde mit Bier bezahlt; das Setting ergab sich größtenteils dadurch, dass George Miller & sein Team kein Geld hatten, um Ortschaften und Straßen absperren zu lassen, oder Drehortmiete zu zahlen, weshalb man auf verlassene, verfallene Bruchbuden und abseitige Landstraßen auswich) dieses Debüts deutlich an — was andererseits aber bedeutet, wie erstaunlich es ist, was für großartige Äktschnszenen die Macher für wenig Kohle zusammengezaubert haben. Die Eröffnungssequenz mit der Polizeihatz auf Nightrider kann immer noch als eine der olympischen Verfolgungsjagdten der Kinogeschichte gelten. Die Musik, auch wenn sie große Suggestionskraft hat, wirkt bisweilen geradezu bizzar altmodisch. Aber immerhin altmodisch-bizzar mit Charakter!

Fazit: Dreckiger, kompakter Racheflick der trotz seines Alters & seines knappen Budgets immer noch beeindruckt. — 7 von 10 Punkten.

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In Folge meines kleinen Blu Ray-Festivals konnte ich eine meiner krassesten SF-Genre-Bildungslücken schließen, denn endlich endlich endlich habe ich »Mad Max: Road Warrior« (1981) gesehen. In den vergangenen Jahrzehnten hätte ich zwar hie und da mal Gelegenheit gehabt, gekürzte Fassungen zu sehen, aber da trotzte und verzichtete ich lieber. Entweder ganz oder gar nicht.

Kein Wunder, dass viele Fans von der ursprünglichen Trio diesen Teil für den Besten halten, denn er bietet alle Pluspunkte des ersten Films und hat sie prächtig weiterentwickelt. Liegt sicherlich vor allem daran, dass George Miller diesmal ein richtiges Budget und mehr Erfahrung hatte. Sein Ziel, sich an der Ästhetik von Stummfilmen zu orientieren und ›visuelle Musik‹ zu schaffen, gelingt hier schon ziemlich gut. Die Texte würzen die Geschichte, sind aber zu deren Verständnis absolut nicht notwendig. Der Film erzählt vor allem mittels stilsicherer Bildkomposition und Schnittfolge, sowie einem diesmal atmosphärisch richtig gut passenden, wuchtigen, bedrohlichen Soundtrack.

Der erste Teil entpuppt sich nun als Prolog, in dem Max mit dem Ringen um seinen Verstand, seinem Verlust desselben nach Ermordung seiner Familie, und seiner Rache an den Rockern noch die Hauptfigur gibt. Ab »Road Warrior« ist er ›nur‹ noch ein durch die Wüstenei der zusammengebrochenen Zivilisation ziehender Wanderer, der in die Konflikte anderer Leute verstrickt wird. Kern der Geschichte ist dabei noch deutlicher die Abhängigkeit von Treibstoff, ohne den es keine Bewegung, kein Fortkommen, keine Flucht vor Bedrohungen oder vor sich selbst gibt.

Ich bin ja sehr skeptisch gegenüber der — vor allem auf Joseph Campell gründenden — Monomythos-Gestaltung kulturindustrieller Narrationen, aber bei »Road Warrior« finde ich es ganz okay, dass es auf der einen Seite ‘nen braven, weiß/pink-gekleideten Raffinerie-Clan mit seinem Sprecher Pappagallo (Mike Preston) — ein idealistischer ›Gutmensch‹ — gibt, der von einer verrohten, größtenteils (denn es gibt einen Fiesling, der ein Pink-Mobile steuert & sich sogar den Bart entsprechend gefärbt hat … wird allerdings bald gegrillt) schwarze Kluft bevorzugenden Punk/Rocker-Horde, unter der Führung von Lord Humungus (Kjell Nielsson), belagert und verfolgt wird. Das simple Strickmuster funktioniert, weil es mit sicheren Händchen für markante Details und originelle Momente inszeniert wurde.

Auch jetzt noch macht »Road Warrior« gute Laune und bietet Spannung, Äktschn, sowie die Kurzweil, sich anhand der Optik von Kulissen, Fahrzeugen, Requisiten und Kostümen den tieferen Weltenbau selbst auszumalen, sprich: der Film ist extrem gut gealtert und zurecht ein Klassiker.

Fazit: Furchterregende Bösewichte und naive Paradies-Sucher, ein cooler Hund, ein gefährlicher, verwilderter Junge und ein Max, der sich widerwillig zu den Guten gesellt. Passt alles. — 9 von 10 Punkten.

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Hab von »Mad Max: Beyond Thunderdome« (1985) öfter mal nebenbei Passagen gesehen, aber nie aufmerksamer hingeguckt. Erst jetzt auf Blu Ray die Nerven und Geduld gehabt, den Film aufmerksam von Anfang bis Ende zu gucken (okey, ich hab mir zur Linderung zwischendurch was zum Saufen holen müssen, um das ganze zu erstragen). Strenggenommen: Desto weniger man über diesen Film sagt, desto besser. Meiner Meinung nach gehört der gar nicht zum ›Mad Max‹-Kanon, sondern ist ein Hochstapler. Macht doch voll keinen Sinn, der Schmarrn.

Viele Stimmen meinen, dass die Peter Pan-Gefilde, in die der Films etwa ab der Hälfte abdriftet, voll unpassend sind. Gegen diese Handlungswendung (ja, gegen die damit verbundenen, ideologischen Obertöne) habe ich — theoretisch — gar nix. Dass Max nach seinen schief gelaufenen Verhandlungen in der von Aunty Entity (Tina Turner) kontrollierten Bartertown in die Wüste geschickt wird, dort dann auf einen Stamm ›verwilderter‹ Kindern und Teens trifft und zu deren Messias wird, ist an sich eine interessante Geschichte. Doch im Gegensatz zu den anderen ›Mad Max‹-Filmen ist »Thunderdome« merklich harmloser, die Härte fehlt, und sie fehlt schmerzlich, was dem Weltenbau die Luft rauslässt. Vor allem die Äktschn des letzten Drittels, wenn die Kiddis und Max in Bartertown den Bösen auf die Pelle rücken, sowie die abschließende Autohatz durch die Wüste sind zu unbeschwert, zu glatt, zu easy, und das Markenzeichen der ›Mad Max‹-Filme, lange, gnadenlose Verfolgungsäktschn, kommt viel zu kurz. Statt dessen gibts fröhliche Rutschpartien und ›Ab 12‹-gerechtes Umhaun von bösen Schergen mit Schaufel und Bratpfanne.

Was ist mit dem (für mich unverständlicherweise) als legendär geltenden Thunderdome-Kampf von Max gegen den hühnenhaften Blaster (»Two men enter. One man leaves«)? Selten etwas so Planloses und Lächerliches gesehen … Cartoon-Geräusche wenn die Gummiseile schnalzen!

Am sauersten ist mir allerdings die Musik von Maurice Jarre aufgestoßen. Ab einem gewissen Punkt, wenn Max in der Oase der Kinder erwacht, übernimmt eine verspielt-fröhliche Melodie den Soundtrack, rennt gefühlt auf Dauerwiederholung, und hat zumindest mir die Stimmung gehörig vertüdelt (gar nicht zu reden von Tina Turnes schröcklichen Vor- & Abspann-Songs, die ich im Radio schon furchtbar fand).

Das erste Drittel des Films, vor allem die Audienz von Max bei Aunty Entity und ihrer Crew, ist ziemlich okay und lässt von einem besseren Film träumen … der Rest ist, leider, eher zum Vergessen.

Fazit: Abgesehen von einigen Szenen (vor allem des ersten Drittels) und dem schön gestaltetem Setting der enttäuschendste, weil zu weiche und harmloser Eintrag der Reihe. — 4 von 10 Punkten.

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Und nun also »Mad Max: Fury Road«. Lange her, dass mich die Trailer eines Filmes dermaßen angefixt haben. Lange her, dass ich befürchtet habe, mit zu hochgeschraubten Erwartungen ins Kino zu gehen, und mir eine entsprechend bratzige Enttäuschung einzuhandeln. Doch dieser Kinobesuch war (trotz meiner Abneigung für 3D) für mich wie eine segensreiche Messe.

Egal, wie viele Filme von George Miller man großartig findet (und die beiden »Schweinchen Babe«-Streifen gehören zu meinen Allzeitlieblingen, bieten sie doch Tierfabel-Fantasy auf konkurrenzlos exzellentem Niveau), dass »Fury Road« derartige Begeisterungs- und Debatten-Wellen aufbrausen lässt, und man vielstimmig ein »Diesmal kann man dem Hype glauben« vernimmt, hätte wegen der über 10 Jahre langen Produktionszeit mit ihren zahlreichen Stolperstellen kaum jemand zu hoffen gewagt.

Aber die Beharrlichkeit der Macher, sowie u.a. solch strategisch kluge Entscheidungen, sich nicht von einem fixen Starttermin gängeln zu lassen, sondern solange an dem Film zu pfriemeln, bis er eben perfekt ist, haben dazu geführt, dass wir Zeuge werden, wie ein Film sein Genre eine umfangreiche Frischzellenkur verpasst, und mit geschickten Kombos dringend nötiger Konventionsbrüche aktuelle Denkfaulheits-Moden in die ›Schäm Dich‹-Ecke schickt.

Was ich auch an Hintergrundinfos über die Arbeit und die kreativen Entscheidungen lese, erfüllt mich mit Bewunderung und Zustimmung. Millers eigentlich bevorzugte Version — schwarz/weiß — war dem Studio/Vertrieb zu heikel, also her mit dem Zweitbesten: einer extrem übersättigten Farbskala, bei der man den Eindruck hat, dass in jedem Augenblick gleich Acryl-Masse von der Leinwand trieft.

Dem Weltenbau und Wahn seiner Bewohner angemessen richtet sich der Film an Erwachsene (bei uns ›Ab 16‹, in USA ›Restricted‹), ist entsprechend rau, schnell, überladen, atemlos, und bombardiert sein Publikum mit verstörenden Dingen, heftigem Sound Getöse und bratziger Musik. — Im Kino haben nach der bis zur Titeleinblendung dauernden Eröffnungssequenz, wo ich wohlig geseufzt habe, um mich herum einige Zuschauer gestresst aufgestöhnt.

Noch so eine kluge Entscheidung: Chefin des Schnitts war Millers Lebensgefährten Margaret Sixel (Oscar her für die Dame, zumindest eine Nominierung!), die sich selbst eigentlich für unqualifiziert einschätzte, weil sie keine Äktschmfilm-Erfahrung hatte (worüber man angesichts ihrer Arbeit bei »Schweinchen Babe in der großen Stadt« und den »Happy Feet«-Filmen streiten kann). Genau dieser frische Blick allerdings, sowie der Umstand, dass sie zwei Jahre (!!!) Zeit hatte (10 Stunden Arbeit am Tag, 6 Tage die Woche = ca. 6000 Stunden Arbeit am Schnitt), um 450 Stunden Material mit über 2000 Cuts auf zwei kurzweilige Stunden zu verdichten, machen den Film zu einem gloriosen Fest der Bewegung.

Ich kann gut nachvollziehen, dass der Film manche vor den Kopf stößt, bzw. sie vor lauter ›Wrömm-Wrömm‹, ›Krach-Peng‹, ›Hetz-Hetz-Ächz‹ und ›Ka-Ploink‹ die subtileren Aspekte schlicht an ihnen vorbeigerauscht sind.

Ich wage die hochmütige These: »Fury Road« ist ein Shibboleth-Test, an dem sich zeigt, wer Filme zu lesen, bzw. zu überblicken vermag. — Das Spektakel erdrückt die Handlung, es mangelt daher an Story und Charakterentwicklung? — Weit gefehlt, allerdings werden Handlungs- und Figurenentwicklung eben kaum in fein abgepackten Erklärungswortmeldungen vermittelt, sondern vielmehr mit den Einzelheiten des Weltenbaus, mit Stimmungs- und Stil-Kontrasten, mit Körpersprache und Mimik, sowie vor allem damit, wie die Figuren handeln, wie sich im Laufe des Filmes ihre Konstellationen zueinander und Verhaltensweisen miteinander wandeln.

Die dümmsten Gegenstimmen — ich meine natürlich die jämmerlichen Männerrechtswirrköpfe — bekunden lediglich ihre Unkenntnis (oder unaufmerksame Lesart) der Reihe, wenn sie kritisieren, dass Max ja gar nicht der Hauptheld der Story ist. War er in Teil 2 und 3 auch nicht, und in Teil 1 erst ab dem Zeitpunkt, als der beherztere und charismatischere Polizei-Kumpel, Goose, von den Rockern abgefackelt wurde.

Jeff Vandermeer hat freilich vollkommen Recht, wenn er derartiges Unvermögen, ein Werk fruchtbar zu lesen, exemplarisch übertreibt und entsprechend bemängelt:

Mad Max: Fury Road ist die schlechteste Umsetzung eines Agatha Christie ›Mord in einem verschlossenen, leeren Zimmer‹-Rätsels, das ich je gesehen habe.

Fazit: Ich zitiere meinen nach dem Kinobesuch geschriebenen Tweet.

10 von 10 Punkten.

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10 + + + + + Maßstabsetztendes Meisterwerk; Olympisch.
09 + + + + Überwiegend exzellent; Packend.
08 + + + Bemerkenswert mit leichten Schwächen; Anregend.
07 + + Befriedigendes Handwerk; Kurzweilig.
06 + Unterhaltsam mittelprächtig; Akzeptabel.
Unsichtbare Grenze der absoluten Mittelmäßigkeiten
05 - Brauchbar mittelprächtig; ganz nett, aber insgesamt lau.
04 - - Überwiegend mittelprächtig; Anstrengend bzw. langweilig.
03 - - - Bis auf wenige Momente daneben gegangen; Nervig.
02 - - - - Ziemlich übeles Machwerk; Zeitverschwendung.
01 - - - - - Grottenschlechtes übles Ärgernis; Pathologisch.

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ZUCKERL:

Hier meine Auswahl an Besprechungen, Texten und Videos zu »Mad Mad: Fury Road«.

• Meine Heldin Laurie Penny hat für ›Buzzfeed‹ den Text »Mad Max« Is A Feminist Playbook For Surviving Dystopia (What might happen if women’s rights evaporate has been examined in nightmare detail. »Mad Max: Fury Road« offers a solution) geschrieben.

• Ziemlich begeisterte Reaktion auf Furiosa von Laura (auf Englisch), die mit eineinhalb Armen geboren wurde: My Reaction to Mad Max: Fury Road and the Utter Perfection that is Imperator Furiosa.

Lindsay Ellis von ›Chez Apocalypse‹ bietet einen Mini Canon über alle (zwei) Inkarnationen von Mad Max:

Movie Bob’s Besprechung (Engl.). Wem der Mann zu schnell babbelt — hier die Textversion:

• In Cannes lief »Mad Max: Fury Road« außerhalb des Wettbewerbes. Hier die inforeiche Pressekonferenz:

• Und schließlich Meister George Miller selbst im Gespräch mit ›vice‹:

• Als Kontrastprogramm, hier noch eine wahnsinnig prätentiöse deutsche youtube-Kritik von ›Filmanalyse‹:

Sydney Padua: »The Thrilling Adventures of Lovelace & Babbage«, oder: Auf zur Differenz-Maschine!

Most important: Thanx to Nick Harkaway who recommended this gem in his blog & on goodreads. FULL OF WIN!

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Interesse an den geschichtlichen Wurzeln der Computertechnologie? Am sozialen Leben von Nerds, Erfindern, unkonventionellen Individualisten in der frühen Viktorianischen Epoche? An Mathematik, Kybernetik und Technikgeschichte? An Problemen zur historischen Quellenkunde und wie man sich der (menschlichen) Wahrheit anhand von Überlieferungen annähert? An Gedankenspielen und Alternativuniversen? — Dann auf, und rann an dieses Buch.

Wie es Sydney Padua gelingt, a) scheinbar ganz lässig einerseits ›einfach nur‹ lustige Cartoons zu bieten, und b) durch Anbringen von Fußnoten (die auch wieder Fußnoten haben können), Endnoten und einem umfangreichen Anhang mit extrem gut verständlichen Sachkundeausflügen zu vermengen, und dann c) die eigene Rolle als begeisterte Amateur-Biographin-Historikerin zu reflektieren, ist atemberaubend.

Entsprechend ist es schwer für mich, meine Begeisterung für den meisterlich umgesetzten Stoff und die gewitzte Autorin/Zeichnerin auseinanderzuhalten. Sydney Padua ist eine dieser einnehmenden, aufgeweckten Personen, die ihr Herz und Ideengestöber scheinbar stets auf der Zunge spazieren führen — und dass sie sich dabei selbst köstlich auf den Arm nimmt, macht sie nur sympathischer. Eigentlich verdient sie ihre Brötchen als Animatorin & Visual FX-Artist (u.a. für »The Iron Giant«, »The Golden Compass« und »John Carter of Mars«) und stolperte in eine Karriere als Comiczeichnerin, weil eine Kumpanin sie für den Ada Lovelace Day 2009 um einen Cartoon gebeten wurde. Computergeschichtlich Gebildete (oder Science Fiction-Leuz, die »Die Differenz Maschine« von Bruce Sterling & William Gibson kennen/mögen) wissen meist zumindest vage, wer Ada Lovelace war.

Fünf längere Cartoons bietet der Band:
a) Die Vorgeschichte von Ada Lovelace & Charles Babbage, und wie ein Trottel von der Zeitstrang-Polizei versehentlich ein Alternativuniverum kreiert, in dem die Lebenswege von Lovelace und Babbage nicht so tragisch verlaufen wie in der tatsächlich stattgefunden haben Wirklichkeit und aus der Difference bzw. Analytival Engine mehr wird, als lediglich Pläne und Teil-Prototypen;
b) Die junge Königin Victoria besucht das Erfinderteam, welches versucht, ihr die Maschine zwecks finanzieller Förderung schmackhaft zu machen, u.a. als Mittel die Weltherrschaft zu erlangen und Verbrechen zu bekämpfen (wobei Verbrechen für Ada — aufgrund ihrer Kindheit als Tochter des berüchtigten Lord Byron und ihrer damit verbundenen, mutmaßlichen Anfälligkeit für Wahnsinn — ›Poesie‹ als Verbrechen gilt, während Babbage allen nervigen Straßenmusikern Londons den Kampf erklärt hat);
c) Wirtschaftskrisen & Pleitebanken gefährden die Gesellschaftsordnung, also bauen Ada & Charles eine Maschine, um die wirtschaftliche Entwicklungen zu prognostizieren (mit einem fulminanten Gastauftritt von I. K. Brunel);
d) Die Analytical Engine soll ein für alle Mal Rechtschreibfehler merzen (mit kleinen Gastauftritten von Charles Dickens, Wilkie Collins und Thomas Carlyle), und bei einem Testlauf verirrt sich eine ganz putzig portraitierte George Eliot, aka Marian Evans, in den Eingeweiden der riesigen Maschine;
e) Ada ist von der Idee Imaginärer Zahlen fasziniert und macht eine »Alice im Wunderland«-artige Reise in ihre Psyche, bei der sie über die Verwandtschaft von Mathematik und Poesie nachdenkt (mit einem Gastauftritt von Lewis Carroll).

Dazwischen gibt es immer wieder kleinere Cartoons z.B. wie Babbage anhand einer seiner Statistiken Maschinenstürmer davon überzeugt, dass Maschinen gar nicht sooo böse sind; oder wie fatal es für den Logiker George Boole ist, nur mit »Nein« und »Ja« auf die Bewirtungsfragen des Dieners von Babbage zu antworten.

Am meisten Respekt gebührt Padua allerdings dafür, wie tief sie in den historischen Quellen — Briefen, Biographien, Büchern mit Klatsch & Trasch der Epoche — geschürft hat, um zig unglaubliche Details zu finden.

Mein persönlicher Favorit: Während Ada beim Besuch der Queen in die Machineninnereien aufbricht, um einer Fehlfunktion nachzuspüren, gibt sich Babbage Mühe, die Königin abzulenken zu unterhalten.

»Erzähl bloß nicht die Geschichte mit dem Käse!«, denkt sich Ada noch.

In ihrer Fußnote erklärt Padua dann, dass sich Babbage eine frühe SF-Story ausgedacht hat, über kleine Wesen, die in einem sich ausweitenden Universum leben. Es entpuppt sich dann, dass die Wesen Käsemilben und das Universum ein Käse ist. Und publiziert hat Babbage das als Sprensel seiner Biographie. Und in einer weiteren Fußnote führt Padua weitere Käsemilben-Geschichten auf, Satiren und Gedichte u.a. von Arthur Conan Dolye dem Erfinder von Sherlock Holmes.

Vollends haben sich dann meine Augen staunend geweitet, aufgrund der Hingabe und dem Vermögen, mit dem Padua etwas so irr Komplexes und Wahnwitziges anschaulich zu erklären vermag, wie die mechanischen Computer aus Zahnrädern, Schneckenwellen, Hebeln, Lochkarten und tausend anderen pfiffigen Vorrichtungen, die Babbage erfunden, und für die Lovelace 1843 (!!!) die ersten Programme geschrieben hat. Ich mein: das ist ein vollwertiger Computer, den man mit einer Kurbel bedient! — Hier ein Beispiel aus Paduas Blog (Katzen jagen die Mäuse, die in den Rechengetrieben der Maschine sonst für Fehler sorgen würden), und der ganze Blogeintrag.

Berührend fand ich, wie das Comic-Sachbuch-Wunderding mit großer Anteilnahme erzählt, was für eine außergewöhnliche Freundschaft Lovelace & Babbage verbunden hat. Beide waren komplizierte, schwierige Menschen, selbst in einer an Exzentrikern reichen Epoche wie dem frühen 19. Jahrhundert. Doch Ada war die einzige Person, die tatsächlich begriffen hat, was für eine mathematische, informationstechnologische und damit gesellschaftliche Revolution die Maschine von Charles in sich barg.

Kurz und knapp also: Charmantes, lehrreiches, unterhaltsames, lustiges und schlaues Wunderbuch. Sprichwörtlich eine eierlegende Wollmichsau. — 5 von 5 Sternchen von mir bei Goodreads, und aufgenommen in die edle Schar meiner Allzeit-Lieblinge.

Wieder einer dieser Titel, dem ich die Daumen drücke, dass ein deutscher Verlag seinen Mumm zusammenkratzt, um ihn auch vielen deutschen Lesern und vor allem jungen Leserinnen zugänglich zu machen.

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Padua, Sydney: »The Thrilling Adventures of Lovelace & Babbage«; Zehn Kapitel und zwei Sach-Anhänge auf 317 Seiten; Gebundene US-Ausgabe mit Schutzumschlag; Pantheon Books, 2015; ISBN: 978-0-307-90827-8.
Auch als eBook erhältlich.

Antwort Umfrage »bzgl. deutsch- & englischsprachiger Titel — Science-Fiction & Fantasy«

Der geschätzte Übersetzer-Kollege Markus Mäurer fragt in seinem Blog ›TranslateOrDie‹ für einen kommenden Artikel für ›Phantastisch‹, wie es mit dem Leseverhalten bezüglich deutsch- & englischsprachiger Titel auf dem Gebiet der Fantasy & Science-Fiction aussieht.

Hier meine Antworten.

  • Lest ihr auf Deutsch, Englisch oder beides?
    Beides.
  • Lest ihr in Deutschland abgebrochene Serien/Reihen auf Englisch weiter? Lest ihr nicht übersetzte aber interessante Titel auf Englisch?
    Da ich Serien weitestgehend meide, habe ich dieses Problem nicht mehr. Als Teen und noch Anfang meiner Zwanziger ist mir das einige Male passiert und war ein Grund dafür, dass ich meine Unsicherheit Englisch zu lesen überwinden wollte. — Was ›interessante Titel‹ angeht lese ich das allermeiste auf Englisch, weil es dort weit mehr Titel gibt, die mich interessieren: sprachlich, literarisch, thematisch ungewöhnlichere (aber immer noch) Unterhaltungsliteratur. Gramvoll beobachte ich, wie Autoren, die dann doch übersetzt bei uns rauskommen, regelmäßig floppen oder bei weitem nicht den Ruf bzw. die Leserschaft gewinnen, die sie im englischsprachigem Raum haben. (Ich hoffe ja, dass es z.B. mit Jeff Vandermeer dieses Jahr klappen wird, wenn der Kunstmann Verlag die ›Southern Reach‹-Trio bringt.)
  • Wenn ja, lest Ihr trotzdem auch noch deutsche Titel bzw. Übersetzungen?
    Ich lese noch deutsche Titel.
    Übersetzungen lese ich auch: (a) wenn ich weiß, dass der englische Text sprachlich nicht sooo einzigartig ist, dass ich etwas vermisse, wenn ich zur deutschen Ausgabe greife und ich (b) sicher bin, dass die Übersetzung von guter Qualität ist (Beispiele: John Irving bei Diogenes, oder die neue Melville-Übersetzungen bei Hanser); (c) bei von mehr sehr geschätzten Autoren lese ich gerne Englisch und Deutsch, um die Übersetzung mit dem Original zu vergleichen und meinen Spaß daran zu haben, die Entscheidungen und Strategien des Übersetzers zu beobachten.
  • Wer liest nur noch auf Englisch? Und warum?
    Nicht der Fall.
  • Wer liest weiterhin ausschließlich auf Deutsch? Seid ihr mit dem Angebot zufrieden?
    Nicht der Fall.
  • Wie seht ihr die aktuelle Lage auf dem Fantasy und SF-Buchmarkt?
    Zu wenig gute Bücher finden zu den entsprechend guten Lesern. Fandom-Leser oder Fantasy/Science-Fiction-Fans sind nicht zwangsläufig gute Leser. Die Genre-Phantastik krankt daran, dass sie zu viele schlechte Leser hat. Ohne ausreichend gute Leser verfestigt sich bei Verlagen der Eindruck immer mehr, dass Fantasy/Science-Fiction-Leser vor allem Ex & Hopp-Franchise-Zeug genießen wollen. Entsprechend eintönig ist das Angebot.

Grenzübergang 2013 / 2014

Ich stecke fest und der diesjährige Jahresrückblick kommt nicht voran. Habe mich nun entschieden, dass ich via Twitter — Molos Zwitscherei — bescheid gebe, wenn ich fertige Kategorien hier ergänze. Damit ihr geschätzte MolochronikLeser aber schon mal was habt, hier das bisherige ›Work in Progress‹.

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Willkommen bei meinem Jahresrückblick zu den edelsten Zeitverschwendungen, der explosivsten Unterhaltungsmunition, lindernsten Seelenmedizin & potentesten Bewusstseinshanteln des Jahres 2013.

Überflüssig zu erwähnen – aber sicherheitshalber hier noch extra betont –, dass dies meine persönlichen Favoriten des Jahres 2013 sind, & ich deshalb mit GOttgleicher Objektivität alle anderen Bestenlisten zunichte mache. Wenn Eure Lieblinge hier nicht aufgeführt werden, könnt Ihr ja zur Abhilfe Haare raufen & mit den Zähnen klappern. Vielleicht bringts ja was.

Titel, die ich nicht gesehen, gelesen, gehört oder gespielt habe, bleiben natürlich aussen vor. Vor allem bei den Filmen & Games wurde ich vieler Sachen, die mich brennend interessiert hätten, 2013 noch nicht habhaft (ganz besonders bitter beklage ich, dass der neuste in Deutschland anlaufende Ghibli-Zeichentrickfilm »Der Mohnblumenberg« in der ach so mondänen Metropole Frankfurt grad mal eine Woche in den Kinos war).

Die Sortierung folgt diesmal dem Alphabet (nach Autorennachnamen oder Titel), die Reihenfolge stellt also in sich keine Wertung dar (besondere Hervorhebungen wurden in die Kurzbeschreibung integriert).

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GUT BUCH (Prosa)
  • »Pulsarnacht« von Dietmar Dath: Siehe meine Besprechung in diesem Blog. Spontane Kurznotiz nach Beenden des Buches: »Es ist für mich 100 x vergnüglicher, mich mit den Romanzumutungen von Dath abzurackern, als Spaß zu haben mit den mundgerechten Schreibformel-Ergebnissen eines Eschbach«
  • »Nimmèrÿa 1: Geschichten aus Nimmèrÿa« von Samuel R. Delany: Meine erstes Buch von Delany mit dem er sich in meine oberste Fantasy-Liga katapultiert hat (in der sich auch Mervyn Peake, John Harrison & China Miéville befinden). Mit wunderschöner Sprache & erlesenem Stil schildern fünf Kurzgeschichten Schicksale größtenteils einfacher Leuz in einer gut geerdeten Fantasywelt (kann aber auch eine verschollene, unbekannte Vorgeschichtsepoche sein, wie ein fiktives akademisches Vorwort andeutet). Es geht um die Queste der Erkundung der eigenen Sexualität, um sozialen Wandel im Zuge sich ausbreitenden Handels & Geldwirtschaft, um Adelsintrigen, Drachenreiter & Befreiungen aus Verließen. Mich begeistert, wie scheinbar spielerisch Delany es versteht hohen Ton, philosophische Spekulation und gewöhnliches Leben zu vereinen. Freue ich schon sehr auf die weiteren Bände dieser deutschen Ausgabe der Geschichten aus Nimmèrÿa und anderer Bücher von Delany.
  • »The Quantum Thief« (Jean le Flambeur #1)von Hannu Rajaniemi: Was für ein Debüt! Schon mal vom Start weg grandios, wenn ein Hi-Tech-SF-Thriller sich vor dem ehrenwerten Klassiker »Arsene Lupin« von Maurice Leblanc verbeugt. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt: interessanten Weltenbau; entsprechend der vielfältigen ausgeklügelten Technik-Gadgets & Szenerien wohlfeile SF-Poesie. Die Handlung verläuft zweigleisig: a) ein Meisterdieb auf der Suche nach seinem irgendwo versteckten Selbst und b) ein idealistischer Amateurdetektiv soll einen Mord an einen Chocolatier aufklären. Die Äktschnszenen sind bombastisch, Humor- & Emotionseinlagen sind gelungen, die Schreibe ist komplex & kompakt und der Roman damit ein Feuerwerk der Vielfalt: Kurz: ein Spitzen-Titel der Lust auf mehr macht (Band zwei »The Fractal Prince« liegt schon bereit).
  • Thomas Pynchon hat sich seit »Against the Day« in den letzten Jahren zu einem meiner Helden gemausert, zu einem der Autoren, von denen ich mich mit Freuden überfordern lasse. »Mason & Dixon« & »Gravity’s Rainbow« stehen mir noch bevor. Zweiteren habe ich mittlerweile drei Mal angefangen & stecke immer noch irgendwo in der Mitte. — Aber folgende beiden Romane habe ich letztes Jahr genossen:
    »Bleeding Edge«
    »Vineland«
  • Neal Stephenson:
    »Zodiac«
    »Interface«
  • Tad Williams: »The Dirty Streets of Heaven« (Bobby Dollar #1), ungekürztes engl. Hörbuch, gelesen von Joe May: Finde ich ja total toll, dass ich nach vielen, vielen Jahren mal wieder was von Tad Williams gefunden habe, was mir richtig gefällt (Mega-Verrisse schreibe ich nämlich eigentlich nicht so gern). Obwohl dieser Roman nicht mehr darstellt, als dass Herr Williams aufgeschlossen hat an die Mode, sich klassische Mythen, wozu auch der Fundus phantastischer Figuren & Themen der Bibel gehören, in zeitgenössischer Stadtlandschaft tummeln zu lassen (er ist nun also da angekommen wo »The Sandman«, die »Books of Blood«, »Hellblazer«, »Preacher« & mannigfache andere urbane Fantasy schon seit Jahrzehnten weilen), ist das Ergebnis doch eine sehr kurzweilige Freude. Krimi, Komik & Tragik, Spannung, ein bisschen Horror, dargeboten durch einen sich am Noir Krimi-Schnodder orientierenden Erzähler, eine gute Portion »Fuck You!« in Richtung religiöses Schwarz-Weiß-Denken, ein Engel der sich mit einer Höllenschönheit im Bett wälzt … und die Sache ist perfekte Kurzweil. — Habe leider noch nicht prüfen können, was die deutsche Fassung taugt & bin sehr gespannt, welche Umsetzung & Reaktionen Buch 2, »Happy Hour In Hell«, auf dem Deutschen Markt erleben wird, denn da dreht Williams richtig heftig auf und bietet (für seine Verhältnisse heftig krasse) Grausamkeit, Groteskerien, Blutorgien & Ekelsex, dämonische Frauen die mit bezahnten Muschies Männer vergewaltigen, bis zum wonniglichen Brechreiz.
  • Desweiteren erwähnenswert & einen Versuch wert:
    • J. R. R. Tolkien: »The Lord of the Rings«, ungekürztes Hörbuch gelesen von Rob Inglis:
    • Suzanne Collins: »The Hunger Games«-Trio (»The Hunger Games«, »Catching Fire«, »Mockingjay«)
GUT BUCH (Sach)
GUT COMIC
  • Hiromu Arakawa: »Fullmetal Alchemist«:
  • China Miéville: »Dial H for Hero«:
  • Osamu Tezuka: »Buddah«, 8 Bände
  • :
GUT MUKKE
  • »Random Access Memory« von Daft Punk:
  • »The Last of Us« von Gustavo Santaolalla:
  • »The Golden Age« von Woodkid:
GUT GAME (PS3)

Zum ersten Mal die Sparte ›Games‹ & hier kommt die alphabetische Sortierung voll sinnvoll zum Zug, denn mich bei diesen Titel entscheiden zu müssen, welches nun die anderen überragt, ist mir unmöglich. Alle Gold!

  • »The Last of Us« von Naughty Dog: Immer wieder klopfe ich meine Gemütslage in Sachen Games ab, & komme stets zu dem Ergebnis, dass TLoU mein bisheriger Lieblingstitel aller Zeiten ist. Okey, der Multiplayer ist mörderschwer & ich inmitten lauter Kopfschuss- & Schleichkünstler eine absolute Nulpe. No Fun. Aber wer braucht Mehrspieler, wenn die Einzelspieler-Geschichte so überragend gut geschrieben & inszeniert ist. Das Genöle von Rezensenten, die meinen, TLoU wäre eigentlich arg flach & glänze nur darin, die Spieler ›emotionell zu manipulieren‹, entstammt zwar einer durchaus bedenkenswerten Kritik-Tradition, die 90° zur ›Effekt bewirkt Affekt‹-Programmatik des Urvaters der modernen Reisser-Poetik Edgar Allan Poe verläuft, aber völlig verkennt & entsprechend fehlurteilt, wie heftig & imho relevant die Tragödie ist, die dieses Spiel erzählt & spürbar macht. — Ein Mensch reisst nieder, weil er nicht loslassen kann; wird zum Zerstörer, weil er Nähe erzwingen will; raubt der Mehrheit die Hoffnung, weil er seine eigene Verzweiflung alleine nicht bewältigen kann. — Nicht nur die reisserischen, spektakulären, schockenden Sequenzen & Aspekte wurden hochwirkungsvoll umgesetzt, auch & gerade die umsichtige Sorgfalt, mit der die zarten (»You’re gonna so sing for me when we get through this«), kleinen (»Gnomes are super cute. Not Fairies though. They creep me out.«), beiläufigen (»Your watch is broken«) menschlichen Details platziert wurden, macht das Spiel für mich so groß. Überall subtil verteilte Spuren von Kindern & zerstörten Familien, der Härte des Überlebens in der Postapokalypse. und dann erst die Giraffen, der Schwan, der Hirsch, der Schneehase. — Taschentücher bereithalten.
  • »Grand Theft Auto V« von Rockstar: Eingestanden, dass auch mich leichte Wehmut umflorte, weil der Titel nicht mit der Wirkmacht bei mir einfetzt, wie ich erwartet habe. Andererseits war meine Erwartung eben auch ungescheit heftig uffgedreht … eine Grundstellung, mit der man sich fast zwangsläufig einen Kick ins Gemüt reserviert. Doch trotz der ein oder anderen nervigen Nebenfigur, kleiner Macken des Einzelspieler-Modus, & des mich ziemlich frustrierenden, weil lahmarschigen Mehrspieler-Modus, wurde ich beschert mit einer überwältigend gestalteten Welt, vielen amüsanten Details, ‘nem flockigen Gameplay & mit Michael, Franklin & Trevor eine wuchtige Spielfiguren-Trio. — Sonderpunkte gibt’s für den coolen Soundtrack unter anderem mit Tangerine Dream. — Weitere Sonderpunkte gibt’s für Yoga als Minispieleinlage. Macht immer gute Laune, wenn Michael mit hochrotem Kopf wieder in die Senkrechte kommt.
  • »Ni no Kuni« Take-5 & Studio Ghibli: Dummerweise habe ich »Ni no Kuni« gar nicht fertig spielen können, weil mein Speicherstand bei einem Crash verlorenging. Aber die ¾ der Geschichte, die ich absolviert habe, riechen locker (!) für einen Platz unter den Jahresbesten. Die Gestalter von Studio Ghibli & ihr Hauskomponist Joe Hisaishi brillieren darin, allen zu zeigen, wie umfassend doll ein Game daherkommen kann. Die Bossfights auf ›normal‹ brachten mich lustvoll zum Schmitzen. Besonders begeistert mich, wie die Story unerschütterlich auf Prinzipien des Ausgleich-Schaffens und der Harmonie-Verbreitung aufbaut. Hier kann man seine (völlig unironisch gemeint) Gutmenschen-Mukkis trainieren, und das sollten viel mehr große Titel wagen. — Zur Sicherheit Taschentücher bereithalten. — Genuss des Spieles kann dazu führen, dass man mit Decke als Umhang und Stecken als Schwert durch die Nachbarschaft rennt um Leuten zu helfen.
  • »Ico« von Team Ico: Okey, ich hinke ein klein wenig hinterher, dass ich erst im vierten Quartal 2013 dazu kam, diesen Klassiker aus dem Jahre 2001 zu spielen. Ändert aber nix an meiner Begeisterung für dieses eigentlich sehr simple Spiel. Junge mit Hörnern & Mädchen in Weiß wollen aus einer gigantischen Burgruine entkommen. Rufen. Händchen halten. Schattenmonster kloppen. Kisten schieben. Klettern. Hebel umlegen. Was für eine überraschende Stimmungs-Melange aus kraftvoller Zärtlichkeit & unheimlicher Menschenleere. Habe nach über 10 Jahren sofort verstanden, was ein Freund damals meinte, als er mir »Gormenghast«-Fan dieses Spiel empfahl. — Für den Schluss unbedingt Taschentücher bereithalten.
GUT FILM
  • »Django Unchained«: Herr Tarantino trifft stets meinen Geschmack & jeder seiner Flicks beglückt mich mit grandiosen Ideen, kreativem Erzählen, aufwühlenden Wendungen & Perspektiven, vor allem aber mit knackigen, langen Dialogen. Herr Waltz diesmal als heldenhaft guter Deutscher, Herr Caprio zu Abwechslung mal als egomanischer Herrenmensch & viele weitere Darsteller in hinreissenden Rollen. Zudem: angenehm humorig-launig diese engagierte Anklage des ansonsten missachteten Themas Sklaverei in USA.
  • »The East«: Überraschungstreffer. Wollte eigentlich nur mal wieder einen Film mit der mich stets begeistern Ellen Page gucken. Trotz der enttäuschend konventionell-feigen Schlussvolte ein aufwühlender, ruhiger Film über die Rache der Leute mit zuviel Gewissen. Allein die Szene mit der Widerstandskämpfer-Initiation beim gemeinsamen Abendessen zog mir den Teppich unter den Füssen weg. So geht Publikumsbeschämung die inspiriert. — Ein halbes Taschentuch bereithalten.
  • »Gravity«: Abgesehen von der umwerfen Achterbahnfahrt im All; den spektakulär perfekten Bildern & teilweise irre langen Kamereinstellungen; der überzeugenden Veranschaulichung, dass das Kaporresgehen von Dingen große Schönheit zeitigt; erstaunte mich hier, wie gut Frau Bullock sein kann, wenn man ihr entsprechend was zu tun gibt.
  • »The Hobbit (2): The Desolation of Smaug«: Siehe meine Besprechung in diesem Blog. Kurzfassung: Bisher mein liebster Mittelerde-Rambazamba.
  • »Jack Reacher«: Derzeit mit liebster Film mit Tom Cruise, was weniger an Herrn Cruise liegt (der hier schlicht gutes Handwerk abliefert), sondern der geschickten, angenehm altmodischen Inszenierung zu verdanken ist. Absoluter Hammer allerdings ist Werner Herzog (& seine leblosen, vor niederträchtiger List funkelnden Augen) als gieriger, strenger & grausamer Oberböser. — Siehe auch meine Rezension zu dem (hier nicht verfilmten) ersten Roman von Lee Child mit Titelhelden Jack Reacher.
  • »Pacific Rim«: Auch Herr del Toro ist so einer, der bisher nichts abgeliefert hat, was mir missfällt. Guckt genau hin, wie edel, wahrhaftig & freudvoll stumpfe Prügeleien zwischen Riesenmonstern & Titanen-Roboterrüstungen sein können, wenn sie ohne dummes Ironie-Augenzwinkern, sondern mit viel Detail-Liebe & Choreographie-Können aufgeführt werden. Bienchen jeweils für Rinko Kikuchi als zarte aber wehrhafte Mako Mori; den feinen Stockkampf; & die allerliebst gestaltete fremdartige Welt, aus der die Monster kommen. — Mein persönlicher Lieblingsfilm des Jahres!
  • »Silver Linings Playbook«: Sozusagen »Harry Meets Sally« für Leuz mit bipolarem Dachschaden (also MelanchoManiker wie mich, auch wenn ich bisher nur laienhaft von meinen Freunden diagnostiziert wurde). Nicht mehr als eine Gute Laune-Romanze, aber eben erfreulich herzhaft gegen das verständliche Theater anstänkernd, normal & brav sein zu wollen. Wenn schon normal sein, dann weil es einem selbst gut tut, nicht weil es ›die anderen‹ halt gern so hätten. Hut ab für das Tanzfinale, das mit all seiner Ungeschicklichkeit menschlich berührt. — Mindestens ein Taschentuch bereithalten.
  • »12 Years A Slave«: Neben »The East« sicherlich der ernsteste, erwachsenste Film dieser Liste, & im Gegensatz zu »Lincoln« eine rundum gelungene, notwendige, schmerzliche, intensive & plättende Geschichtslektion. Auch die Inszenierung traut sich immer wieder Sachen aufführen, die man selten so konsequent gemacht vorgesetzt bekommt. Ein Meisterwerk. — Mindestens eine Packung Taschentücher bereithalten.
  • Ebenfalls gut, wenn auch mit Abstrichen oder Vorsicht zu genießen:
    »The Conjuring«: Gute Gespensterfilme sind rar, aber hier wurde fast alles richtig gemacht. Herausragende Geräusch- & Klanggestaltung, sachte Steigerung, geschickte Kamera & überzeugende Darsteller — Bienchen für Lily Taylor — sowie eine Menge frischer Ideen lassen diese eigentlich ausgelutsche Formel knackig-firsch erscheinen.
    »Elysium«: Schade, dass Herr Blomkamp das Niveau nicht halten kann, das er mit »District 9« selbst vorgelegt hat. Aber immerhin trumpft Sharlto Copley als energischer Söldner & Judy Forster als skrupellose Präsidentin auf. Zudem immer noch einer der besten SF-Weltenbauten der letzten Jahre & unübersehbar sozialkritisch obendrein.
    »Hänsel & Gretel: Witch Hunters«: Sicherlich der behämmerste Streifen, der es auf diese Liste geschafft hat. Da aber hier Schwachsinn erstaunlich hoch gestapelt wird, gepaart mit haarsträubend planlosen Schauspielern & einer Schwemme lachhafter Gimicks ein kurzweiliges Vergnügen … vorausgesetzt man hat was zu Kiffen oder (wie in meinem Fall) Saufen.
    »How I Live Now«: Frau Ronan seh ich ja immer gern, & wenn schon Bürgerkrieggrauen & Atombombendystopie, dann bitte auch mal einfach aus der Sicht von Jugendlichen auf dem Land, die von den anspringenden Ausnahmezustand-Maßnahmen überrollt werden & ums Zusammenfinden & Überleben kämpfen. Mindestens ein Taschentuch bereithalten.
    »Iron Man 3«: Shane Black hat’s halt druff & deklassiert locker die Vorgänger-Teile. Überraschend, wie bissig so ein Megabudget-Vehikel die jüngere ›War on Terror‹-Zeitgeschichte kommentieren kann. Bienchen für Ben Kingsley der in diesem Film wieder Mal zeigt, wie groß seine Bandbreite ist.
    »I Spit On Your Grave«: Wollte dieses Remake eines stur durchgezogenen Schnetzlers eigentlich nur nebenbei gucken. Die ersten ca. 40 Minuten sind äußerst unangenehm, wenn eine Schriftstellerin ausführlich zuerst belästigt, dann psychisch & schließlich körperlich vergewaltigt wird. Der erbarmungslose Racheparkour mit seinen originell-grausamen Hinrichtungsmethoden entschädigt jedoch voll & hat mich begeistert. Der sadistische Feministen-Sympatisant in mir kam voll auf seine Kosten.
    »Lincoln«: Mit seiner ungehemmt aufdringlichen Absicht, hier ein schultaugliches Geschichtslehrstück abzuliefern nervt Spielberg freilich volle Kanne, aber das mindert nicht das Vegnügen, Herrn Lewis dabei zuzusehen, wie er sich in den beliebtesten Präsi der USA verwandelt.
    »Prisoners«: Die Kamera von Meister Deakins & die ruhige Musik von Jóhannson machen aus diesem beklemmenden Depri-Thriller um eine entführte Tochter etwas ganz Besonders. Bienchen für die Person, die sich am Ende als Bösewicht entpuppt. — Ganz toll & mich fibbern lassend: Regiesseur Denis Villeneuve wird die von mir ins Deutsche übertragene Geschichte »Geschichte Deines Lebens« von Ted Chiang verfilmen!!!
    »Rush«: Ich hasse Autos & noch inniger hasse ich Formel 1. Aber Daniel Brühls Portrait von Niki Lauda ist atemberaubend. Zudem wird eine beherzigenswerte Lektion über fruchtbare & schädliche Arten Rivalitäten zu pflegen geliefert.
    »The Worlds End«: Obwohl dies der schwächste Teil der ›Cornetto‹-Trio ist, wird hier vor dem Hintergrund einer clandestinen Alien-Invasion wieder mal die Geistlosigkeit provinzieller Bürgerlichkeit vorgeführt & zudem die Herausforderung des Erwachsenwerdens sowie Verzweiflung des Klammerns am Jugendlichkeitswahn veranschaulicht. Und Herr Pegg glänzt als ergreifender Tragikomiker.
    »World War Z«: Als Verfilmung der packenden, fiktiven Interview-Collage von Max Brooks freilich Mist, aber wenn man das mal außen vor lässt & den Film für sich nimmt, ein ganz vergnüglicher Zombie-Äktschnkracher, mit unverschämt wimmeligen & quirligen Untoten-Tsunamis. Bienchen für Daniella Kertesz als zähe israelische Soldatin.
GUT SERIE
  • »Elementary«:
  • »Legend of Korra«, Staffel 1 »Air«, Staffel 2 »Spirits«:
  • »Person of Interest«:
  • »Sleepy Hollow«:
  • »Star Trek« (»Next Generation«, »Deep Space Nine«, »Voyager«, »Enterprise«):
  • »Veronica Mars«:
  • »West Wing« und »The Newsroom«:
BESTE/SCHLIMMSTE MOMENTE
  • Twittern macht großen Spaß. Traue mich auch immer mehr auf Englisch zu schreiben.
  • Kaum gebloggt. Molochronik hat darben müssen.
  • Zum ersten Mal via Bildschirmtelefonie mit jemanden über große Strecke kommuniziert (Hi David!). — Würd ich gern öfter machen.
  • Sommerurlaub in Berlin inkl. Übersetzerklause & Grillfest beim Golkonda Verlage.
  • Einen Abend in Berlin angeregt mit einem sehr hellen Zehn(?)-Jährigen über Kosmologie, Wissenschaftstheorie & Mathematik ausgetauscht.
  • Gäste im Herbst. Unter anderem wurde eine Kurzgeschichte geschrieben (wobei mir eine Zeichnung aus dem Ärmel geplumpst ist) & an einem Roman gearbeitet (ich durfte als Ideenabklopf-Gehilfe dienen) .
  • Erschöpfte Verfassung meinerseits & Brüllangriff gegen meine Person führte zu schlaflosen Alptraumtagen & -nächten.
  • PS3-Leseköpfe kaporres. Dann aber Wahnsinninsaktion von hilfreichem Freund, der sich darum kümmerte, dass Ersatz gestellt wird (im Zuge dieses Vorgangs ist mir die zweite Zeichnung des Jahres aus dem Ärmel geplumpst).
  • BuCon in Dreieich. Michael Marrak wiedergetroffen! Spontan für Herrn Mäurer die zwei von Carl Amery herausgegeben G. K. Chesterton-Bände der SF-Klassiker-Reihe des Heyne-Verlages beim anwesenden Antiquariathändler besorgt.
  • Musste Zähne knrischend aus Zeitgründen zurücktreten von dem Projekt, die zweiteilige Bastei-Ausgabe von »Perdido Street Station« für die im März 2014 bei Heyne erscheinende einbändige Neuausgabe abzuklopfen. — Konnte immerhin bescheid geben, dass ›theology‹ auf Deutsch nicht ›Theosophie‹ heißt.
  • TV-Literaturkritiker Denis Scheck empfiehlt den von mir übersetzten Golkonda-Band mit Kurzgeschichten von Ted Chiang (»Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes«) sowohl auf der Buchmesse, als auch in seiner Sendung »Durckfrisch« als eines der besten Bücher des Jahres.

Dietmar Dath: »Pulsarnacht«, oder: Überforderung schafft Lustgefühle

Dath ist ein Autor, den zu besprechen für mich sehr schwer ist.

Einerseits: seine Sprache & seine Ideen bezaubern mich; ich finde toll, welche Probleme in seinen Romanen verhandelt werden; ich mag seinen Humor (auch wenn ich nicht immer sicher bin, ob ich den auch korrekt erkenne). — Andererseits: bei wenigen Autoren habe ich derart große Probleme was die Handlungsstruktur angeht; manche Abschnitte (vor allem ruhige, die Zwischenmenschliches schildern) gehen mir bald gehörig auf den Zeiger, obwohl sie für sich selbst genommen eigentlich sehr schön sind, aber innerhalb des Romangefüges wirkt dieses Raunen im Imax-Format, diese mit großem Ernst vorgetragenen ›poetisch-zwischenmenschlichen‹ Bemühungen, diese Handlungsstillstandzonen ohne entsprechend geschickt platzierte Aussichten, blöderweise wie sommerliches Auf-dem-Fleck-Wanderungen durch Weichkäsefelder.

Die eigentliche Schwierigkeit für mich einen Dath-Roman zu besprechen rührt aber daher, dass ich gegenüber diesem Autor einen ansehnlichen Minderwertigkeitskomplex schiebe, weshalb ich auch schnell zu der Annahme neige, dass ich schlicht zu doof bin, um wirklich was Gescheites zu seinen Büchern von mir geben zu können (egal, ob im Guten oder Schlechten). Aber trotzig hält mein Instinkt dagegen, dass Dath zwar ein brillanter Essayist, auch ein bewundernswerter Prosalyriker ist, aber als Erzähler vor lauter Programmatik und Hirn sich selbst dabei im Wege steht (oder ganz eigenwilliger Künschtler: stehen will), einfach nur ein wirklich souveräner Romanautor zu sein.

Der Plot, die Handlung von »Pulsarnacht« war für mich nur mäßig spannend. Es gibt viele Figuren die für mich kaum Profil entwickeln, da sie sich überwiegend alle sehr ähnlich sind. Die paar Figuren, die sich wunderbar als Protagonisten geeignet hätten, werden nach dem ersten von sechs Teilen zum Hintergrundensemble degradiert (absoluter Höhepunkt für mich: Weltraumsoldatin Saskia verbringt nach einem Einsatz einige Zeit mit Hardcore-Entspannung, also Saufen, Ficken, Schlägereien. Das kommt in Daths kräftiger, biegsamer und köstlicher Sprache so doll rüber, dass ich hoffe, Dietmar möge doch bitte irgendwann einfach einen – für seine Verhältnisse – ›platten‹ Abenteuergarn liefern. Braucht ja kein langes Großwerk zu sein. Ein kleines 200-Seiten Romänchen würde mir vollends reichen zum deutschsprachigen Genre-Glück.)

Eine gut geknüpfte Handlung ist für mich nicht allzu deutlich zu erkennen, denn auf der einen Seite wird das, was sich eigentlich als typische Space Opera-Handlung anbietet (siehe Titel: »Was ist die Pulsarnacht?«) mit zu viel Geheimnisgetue und zu vage dargeboten, um für mich zugänglich oder spannend zu sein. Zudem wird die zweite wichtige Handlungsebene, die ich erkennen konnte, welche sich um die Beziehungen ehemaliger politisch-militärischer Gegner eines Bürgerkrieges rankt, von der zugrundeliegenden Theorie-Pflicht, die der Autor sich abgesteckt hat (und die er in einem Nachwort offenbart, was ich für ein heikles Unternehmen halte, und deshalb zu schätzen weiß) erstickt.

Dennoch gebe ich »Pulsarnacht« gerne 4 ›Goodreads‹-Sterne, weil Dath zu lesen auch diesmal bei mir zu interessanten rauschartigen Zuständen geführt hat. Die Denkanregungen welche »Pulsarnacht« bietet, gefallen mir, und ich habe mich oft amüsiert, auch wenn ich nicht durchwegs sicher bin, ob ich mich mit dem Autoren oder über ihn, oder an ihm vorbei amüsiert habe.

Wenn es um Weltenbau-Ideen geht, und wie man diese mal mit sprachlicher Wucht, mal mit schon lyrischem Schillern, mal mit kalaueraffinen Witz, mal mit grüblerischer Seelenschüferei zum Ausdruck bringt, kann es wohl derzeit keiner mit Dath aufnehmen. Das Gesamtgefüge mag nicht mein Gefallen finden, aber es gibt so viele einzelne glänzende Facetten – Stadtbeschreibung, Kampfsequenz, Dialog, eingestreutes Märchen, Schildung wirtschaftlich-politischer Geflechte, Technik-Babbel –, dass es mir schwer fällt, ignorant gegenüber der Errungenschaft des Romans zu bleiben. Womöglich werde ich ihn mir beizeiten schlicht ein zweites Mal vorknöpfen müssen, wissender darum, auf welche Details ich mein Augenmerk richten muss, um den größeren Zusammenhang der Handlung ergiebiger würdigen zu können. — (Spontane Schlussnotiz: »Es ist für mich 100 x vergnüglicher, mich mit den Romanzumutungen von Dath abzurackern, als Spaß zu haben mit den mundgerechten Schreibformel-Ergebnissen eines Eschbach«)

•••••

Dath, Dietmar: »Pulsarnacht«; 34 Abschnitte in sechs Teilen, inkl. Glossar & Nachwort des Autoren auf 431 Seiten; Broschierte Erstausgabe, Heyne Verlag, 2012: ISBN: 978-3-453-31406-1.
Auch als eBook erhältlich.

Falsche Hugo Award-Kategorien

Der ›Hugo Award‹ gehört zu den bekanntesten, ältesten, wichtigsten und wohl auch zu den angeseheneren Preisen für Science Fiction-Literatur (& Filme). — Gestern hatte ich nach der Arbeit ca. drei Stunden lang meinen Spaß (fett!) mit dem Lesen, Favoritisieren, Retweeten & Selber-Schreiben von Tweets zu dem Stichwort (= ›hashtag‹) ›Falsche Hugo-Award-Kategorien‹ (#FakeHugoAwardCategories), auf das ich ich durch einen Tweet von Matt Ruff gestolpert bin:

Best Use of Cover Art to Alienate Potential Readers.
Beste Verwendung der Umschlags-/Titelbildgestaltung zur Befremdung von potentiellen LesernLink

Hier nun meine Beiträge (ursprünglich auf Englisch geschrieben, von mir selbst übersetzt. Hoffentlich um alle Flüchgtiekitzfehler breenigit):

  • The ›Háček‹ = fantastic exotism by way of using typography and/or spelling-Award. #FakeHugoAwardCategories #WineStainsTabaccoCrumbsOnManuscript ••• Der ›Háček‹ = Bester Einsatz von Typographie und/oder Schreibung zur Erzeugung von Phantastik-Exotismen. #FalscheHugoAwardKategorien #WeinFleckenTabackKrümelAufManuskript
  • Best techno babble rephrasing of traditional spirituality/religion. ••• Bester Neuaufguss traditionaller spiritueller/religiöser Konzepte mit Hilfe von Technobabbel.
  • Award for biggest pile of worldbuilding exposition without payoff. ••• Preis für größte Anhäufung von Weltenbau-Exposition, die sich nicht auszahlt.
  • Best approximation of naturalist/realistic literature (Flaubert, Zola ect) in a Space Opera setting. ••• Beste Annäherung naturalistisch-realistischer Literaturtradition (Flaubert, Zola usw.) mit einer Weltraumabenteuer-Szenerie.
  • Best stand alone novel so dense other writers would’ve made at least a trilogy out. ••• Bester abgeschlossener Einzelroman, der so prall ist, dass andere Autoren mindestens eine Trilogie daraus gemacht hätten.
  • Best story that represents the middleground between John Norman and Samuel R. Delany. ••• Preis für die Geschichte, die sich am besten der Mitte zwischen John Norman und Samuel R. Delany annähert.
  • Most daring use of onomatopoetic words in a totally serious context. ••• Gewagteste Verwendung onomatopoetischer Wörter in einem völlig ernst gemeinten Zusammenhang.
  • Best appendix and/or glossary that is way more intriguing than the story itself. ••• Bester Anhang und/oder Glossar, die um ‘ne ganze Ecke interessanter sind als die Geschichte selbst.
  • Special Classicist-Revival-Trophy for first 21-century-SF-epic actually written in hexameters. ••• Klassizismus-Sondertrophäe für das erste SF-Epos des 21sten Jahrhunderts, das tatsächlich in Hexametern geschrieben wurde.
  • Most mindboggling Rube Goldberg machine like plot just for the fun to describe stuff going BOOOM! ••• Preis für die abgefahrenste Rube Goldberg-Maschinen-artige Handlung die zu nichts anderem dient, als zu beschreiben, wie Zeugs in die Luft fliegt.
  • Best poetic appreciation of nature incorporated in a story about cosmological horror. ••• Schönste poetische Natur-Wertschätzung im Rahmen einer Geschichte über das kosmologische Grauen.
  • Most effective meme bomb that causes readers to forsake all mundane trappings & become a (deadly) hermit. ••• Wirkungsvollste Meme-Granate, die ihre Leser dazu bringt, alle weltlichen Verstrickungen hinter sich zu lassen, um ein (tödlicher) Einsiedler zu werden.
  • Best SF-homage to classic philosophical dialogues (aka »Anathem«-Award). ••• Beste Science Fiction-Würdigung der Form des klassischen philosophischen Dialoges (auch bekannt als: »Anathem«-Preis).
  • Most sensitive failing of Bechdel test. ••• Für das empfindsamste Scheitern des Bechdel-Tests.
  • Best skiping at least 1000 years halfway through the story-Award. ••• Bestes Überspringen von mindestens 1000 Jahren mitten in der Handlung.
  • Best intimidation of editor to spineless coward-Award. ••• Beste Einschüchterung seines Lektors zu einem rückgratlosen Feigling.
  • Best follower of the suggestions made by PR- & Consumer Research-Office-Award. ••• Bestes Befolgen der ›Anregungen‹ von PR- & Marktforschungs-Abteilungen.
  • The Joseph Campbell Monomyth Bullsh*t Bingo-Award. ••• Der Joseph Campbell-Monomythos-Schwirrwort-Bingo-Kacke-Preis.
  • The Gibbon-Asimov-Award for best remaking of literary classic into a SF story. ••• Der Gibbon-Asimov-Preis für den besten Wiederaufguss eines literarischen Klassikers als SF-Geschichte.
  • Most courageous utilization of deus ex machina after having written story into a cul de sac. ••• Mutigster Einsatz eines deus es machina, nachdem man sich mit der Geschichte in die Ecke geschrieben hat.
  • Best application of irony to hide the fact that author is a cynical square. ••• Beste Verwendung von Ironie um zu verbergen, dass der Autor ein zynischer Spießer ist.

Molos Nominierungen für den Kurd Laßwitz Preis 2013

Kurz vor knapp. Gerade das PDF abgeschickt.

Bester (deutschsprachiger SF-)Roman mit Erstausgabe 2012:
• Dietmar Dath, »Pulsarnacht«, Heyne-Verlag. — Stilistisch kraftvoll & extrem abwechslungs- & stimmungsreich. Thematisch anregend, phantasie- & ideenvoll, sowie engagiert.

Bestes ausländisches Werk (zur SF mit Dt. Erstausgabe) von 2012:
• China Miéville, »Stadt der Fremden«, Bastei-Verlag. — Gelungene Großmetapher über die Beziehung von Sprache, Bedeutung, Sucht & Abhängigkeit.
• John Scalzi, »Redshirts«, Heyne-Verlag. — Humorvolle & gehaltvolle Untersuchung narrativer Klischees der Space Opera, sowie berührende Meditation über die Verantwortung von Kreativen gegenüber ihrem Publikum und Figuren.

Beste Graphik 2012 (für Titelbild/Illustration einer deutschsprachigen Ausgabe zur SF von 2012):
• benSwerk (bürgerlichen Namen bitte z.B. über Hannes Riffel vom Golkonda-Verlag erfragen). Beispiel Titelbild- & Buchgestaltung der 3-bändigen Ausgabe von Samuel R. Delanys »Geschichten aus Nimmeya«, deren erster 2012 bei Golkonda erschienen ist. — Stellvertretende Titel-Nennung, da benSwerk seit Bestehen des Golkonda-Verlages für diesen tätig ist und zeigt, wie man geschmackvoll zum Inhalt passend Bücher und Umschläge gestalten kann, ohne billige Lösungen oder ausgelutsche Klischees heranzuziehen.

Sonderpreis 2012 (für einmalige herausragende Leistung im Bereich der deutschsprachigen SF im Jahr 2012):
• Ralf Bold & Wolfgang Jeschke (Herausgeber), Michael Haitel (Verlag) & Team. — Für Zusammenstellung, Gestaltung & Herausgabe der SFCD-Preisträger-Anthologie »Die Stille nach dem Ton«.

Sonderpreis 2012 (für langjährige herausragende Leistung im Bereich der deutschsprachigen SF mit besonderem Anlass 2012):
• Josefson (aka Jürgen Doppler) & Wissenschafts- bzw. Website-Verantwortliche von ›www.standard.at‹. — Verfasst bzw. veröffentlicht seit 5 Jahren (Mai 2008, soweit ich weiß) engagierte, kurzweilig zu lesende, mit Kennerschaft verfasste, klar argumentierende Rezensionen von deutscher & internationaler Genre-Phantastik für den Online-Auftritt der österreichischen Qualitäts-Tageszeitung ›Der Standard‹; immer noch das einzige Medium seiner Art, dass regelmäßigen Raum für Genre-Phantastik einräumt und damit hilft, die vermeintlichen Gräben zwischen U- & E-Literatur zu überwinden.

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