molochronik
Mittwoch, 14. November 2018

Lebenszeichen oder Burnout, Baby, Burn!

Hab nach langem Nachdenken die ›molochronik‹ wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Zum Nachdenken komme ich seit letzter Woche — genauer: Mittwoch den 07. November 2018 — zwangsweise ausführlich … zB bei langen Spaziergängen und vermehrten meditieren. Am Dienstagabend bin ich nach der Arbeit von ca. 19–22 Uhr in ein erschöpftes Koma gefallen (meine allgemeine körperliche und vor allem geistige Stabilität hat in den letzten Jahren langsam aber stetig abgenommen), und ich bin mit heftigen beidseitigen Radio-Tinnitus auf volle Pulle wachgeworden (der dauerte insgesamt ca. 36 Stunden, bis ich vollends erschöpft endlich eingepennt bin).

Ich will hier nicht zu sehr ins Detail gehen, aber ich habe eine schlaflose Nacht verbracht und noch bevor mein Wecker wieder um 03:45 klingelte, war ich nervlich kompletto am Ende und habe es irgendwie geschafft, mich dauerflennend auf der Arbeit krank zu melden, bei meinem Arzt einen Termin für den nächsten Tag zu ergattern und einige eMails zu schreiben.

Mein Arzt hat mich dann erstmal für 12 Tage wegen ›depressiver Episode / Burnout‹ krankgeschrieben, und ich habe seitdem begonnen, mich um einige grundlegende Kurskorrekturen zu kümmern. Abgesehen von gewissen Eigentümlichkeiten in der Weise, wie ich mit mir selbst umgehe, haben die Umstände auf meiner Arbeit und mein stolz-stur-ängstlicher Umgang damit (Wut und Frust entweder sinnlos verpulvern oder runterschlucken) einen erheblichen Anteil an meinem Zusammenbruch. Der Körper führt über solche Sachen peinlichst Buchhaltung und präsentiert dann entsprechend die Rechnung (der Körper ist im Zweifelsfalle weiser als der Geist).

Markanteste Auswirkung: unkontrollierte Heulkrämpfe (atmen ist wichtig!). Klingt schlimm (ist es auch), aber ich bin selbst überrascht, wie zusammen mit dem Schrecken über diesen plötzlichen, heftigen Burnout-Stress auch bestimmte Befreiungsgefühle einhergehen … als ob eine fette Kanalverstopfung freigeschwemmt worden wäre. Im Lauf der letzten Tage habe ich mir die Finger wund geschrieben, die Ohren taub telefoniert, Orientierungsgespräche mit verschiedenen Stellen geführt, lange Spaziergänge unternommen und nun, wo die dinglichsten Erledigungen geschafft sind, habe ich mir Ruhe verordnet.

Zu den Dingen, über die ich lange nachdenken konnte, gehört mein systematischer sozialer Rückzug, den ich in den letzten Jahren betrieben habe und den ich als eines der warnenden Vorzeichen für meine bröckelnde Gesamtverfassung ignorierte. Hinsichtlich der ›molochronik‹ bin ich zu der Einsicht gekommen, dass die Unerreichbarkeit meines Blogs gegenüber den Menschen, die trotz meiner Tippfehler und verquasten Sprache/Denke meine Schreibe lesen, ja sogar zu schätzen wissen, unfair ist. — Statt mich auf meine eigene Angekotztheit aufgrund der Kluft, die zwischen dem, was ich gerne gestalterisch erreichen will und dem, was dann zu 99% dabei rauskommt zu fixieren, denke ich nun lieber daran, dass der Schmarrn, den ich fabrizier so manchen inspiriert, zu dollen Sachen leitet oder einfach angenehm die Zeit vertreibt (ist kein Komplimentgefische! … ich habe auch so schon genug Gelegenheit zu trainieren, was für mich stets sehr unangenehm ist: Komplimente, Sympathie und Zuneigung anzunehmen und mit positiven Gefühlen umzugehen).

Auf Twitter bin ich derzeit nur eingeschränkt unterwegs (kurz vor dem Burnout war ich sogar schon fast soweit, mein Twitter-Konto zu löschen). Den offenen Bereich lese ich nur sehr eingeschränkt, sprich: nur die Reaktionen auf meine Posts. Ich protokolliere dort vorsichtig die Tage seit dem Burnout. Ich reagiere offen auf gar nix (gab eine Ausnahme, aber Laurie Penny hat nun mal ihre PM-Kontaktmöglichkeit aus verständlichen Gründen deaktiviert). — Allerdings habe ich mir einen Privatmitteilungs-›safe space‹ eingerichtet, mit lieben Menschen die ich größtenteils IRL kenne, wo ich unter anderem üben kann geselliger und positiver zu sein, und wo ich jeden Tag einen ›läppischen‹ Internet-Tipp poste.

Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, die ›molochronik‹ wieder zu bespielen, will aber im Augenblick nix versprechen. Pläne zu machen, sich die Zeit zu strukturieren ist nun sehr wichtig für mich, aber für’s erste ist dieser Eintrag schon ein großer Schritt für mich … ich hoffe, für einige von euch auch.

Die Wasserwerke melden sich wieder, ich mach lieber Schluss für jetzt und begehe den Abend mit einem »Guardians of the Galaxy«-Double-Feature (meinem Lieblingsstrang des MCU, aus Gründen), in Angedenken auf Stan ›the man!‹ Lee. Hab erst heute Vormittag davon erfahren, dass er vorgestern verstorben ist.

Bis zum nächsten Mal
Licht & Liebe!
Cheers
Alex / molo

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