molochronik
Samstag, 23. Dezember 2006

Verborgene Orte: Drei — Wüste

(Eintrag No. 335)

Prosalyrische Wanderungen ins Unbekannte

»Reality is just a story thats taken on a life of its own.«
— John Constantine, Dez. 1997

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Wüste

Wir verrichten unsere Notdurft des Geistes.

Sand schlängelt durch unsere Venen. Wasser verdunstet vor Schreck.
Unserer Angesicht wird starr, wie unsere Waffen scharf sind;
unser Blut erblaßt in konfuser Langeweile,
unsere fahle Haut nur noch Pergament der Zeit;
unsere Wünsche verfliegen schimmernd,
Hüftschüße der Platzpatronen unserer ungeborenen Tage.

Wir wischen unseren Seelenarsch mit Stacheldraht aus.

In der Ferne ein Luftspiegelungsbollwerk, der Elfengebeinturm unserer Herkunft.
Unsere Worte irren ins Leere, wie die anklagenden Zeigefinger
auf alles deuten was verwirrt, wenn bezeichnet wird um abzulenken;
unsere Gefühle verstecken sind zwischen den endlosen Dünen,
wie unsere Ehrlichkeit vom Wind sachte zerblasen wird;
unsere Sucht dörrt uns aus, wie unsere Inspirationen uns verdursten läßt.

Aus Sand und Lehm matschen wir unsere Labyrinthe;
zerstören uns selbst und helfen den anderen
sich in belanglosen Fallen des Geistes zu verirren.

Ein Vogel umkreist die Aussicht und gibt seine Wunder des Träumens preis;
Konzerte arbeitsloser Musiker trudeln durch unsere Ohren;
Salz träufelt sich auf unsere Gaumen und beißt unser Verlangen.

Wir schreiben unsere Fragen in den Sand.

Lassen uns von der Zeit erhitzen.
Echsen verwischen unser Tagwerk
und krabbeln in blinder Lebenswut
Hyroglyphen auf die Dünen;
der Vogel senkt sich auf den Horizont:
ein Geier. Wie eine Eingebung kommt er,
faltet seine schwarzen Flügel und zerrupft
die Kadaver unserer Erinnerung.

Einige Tropfen Wasser, von einer Wolke vergessen,
verdunsten eh sie glühenden Körpern Kühlung gönnen.
Wenn wir uns treffen in der unendlichen Wüste,
dann laß unsere Körper sich verflechten,
die Schuppen ineinander haken;
abtauchen in den Sand.

Bestandteil dieser Wüste werden.

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