molochronik
Samstag, 23. Dezember 2006

Verborgene Orte: Vier — Fluß

(Eintrag No. 334)

Prosalyrische Wanderungen ins Unbekannte

»Reality is just a story thats taken on a life of its own.«
— John Constantine, Dez. 1997

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Fluß

Vergesse nicht.
Verspreche nichts was du nicht halten kannst;
lehne dich nicht auf gegen jene, von denen du nichts weißt.
Schönheit und Furcht haben ihre Wurzeln meist im selben Humus;
das fürchterliche Unbekannte keimt seit Denkensanbeginn
in allen Wünschen die wir gebären, deshalb ist die Schönheit
von unseren Ängsten umwoben. Versuche nicht
mit brackigem Wasser dem Verlangen feste Form zu geben;
schöpfe aus dem strömenden Naß
und schwemm deinen Staub vom Gemüt.

Harre aus.
Wache schlafend und fürchte nicht
das ewige Fließen und willkürliche Wirren der Zeit;
mach aus ihm keinen zerfressenden Strom des ätzenden Vergessens;
ertrinke nicht im reißenden Tod der potentiellen Möglichkeiten;
bewahre dir die wenigen Tropfen und wandle sie in behagliches Blut.

Erstarre nicht.
Verhake dich nicht in den Zahnrädern der Spontaneität;
die angstgepressten Kiefer maskiert als dachsisches Fletschen;
jeder Eindringling der Veränderung des Status Quo
der Diktatur wird gefoltert, mißverstanden ausgewiesen;
doch so festgefrohren statisch läßt sich kein Leben zappeln.

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