Samstag, 14. März 2009

DVD-Abend: Tentakel, Tropendonner, Agentenwirren

Eintrag No. 544 — Die Themensparte ›Film‹ habe ich in den letzten Monaten, ach was: Jahren!, stiefmütterlich behandelt. Dabei gucke ich durchaus desöfteren DVDs (auch gerne Serien) und in den letzten Monaten, seit ich wieder besser verdiene, gehe ich auch wieder hie und da ins Kino.

Da sich Andrea in Leipzig herumtreibt (Tag null, »Pension Völkerschlacht«, Tag eins), und ich allein zuhause herumgammel, habe ich die Gelegenheit genutzt und mir einen 3 Filme-Abend gegönnt.

Futurama: Die Ära des Tentakels
Der zweite »Futurama«-Langfilm. Wie immer bei Matt Groenings Zeichentrickwelten bin ich entzückt vom dichten Ideen-Feuerwerk, das hier abgefackelt wird und ich bin nicht sicher, ob ich nun »The Simpsons« oder »Futurama« besser finde. Diesmal gibt’s eine interkosmische Liebes- und Invasionsgeschichte, denn durch einen Riss im Universum dringt ein großer zyklopischer Himmelsball ein, der mit seinen vielen vielen Tentakeln aus Liebesbedürfdigkeit die Menschen übernimmt. Fry darf in der Rolle des zuerst Übernommenen als Papst des kosmischen Sehnsuchtsgrauens die frohe Botschaft »Liebt das Tentakel!« verkünden. — Wir lernen zudem mehr über Kiffs Heimatplaneten und über die exklusive Untergrund-›Liga der Roboter‹. Großer Höhepunkt für mich: der Professor und einer seiner Konkurrenten tragen ihre Streitigkeiten mittels eines gigantischen Kugelspiel-Labyrinths aus; Stephen R. Hawking hat einen kleinen Gastauftritt; und Bender gibt eine vorzügliche ›Jack Sparrow gegen den Kraken‹-Parodie. —— Ach ja, endlich hat jemand eine Idee umgesetzt, die ich vor vielen Jahren auch mal hatte: Frys neue Beziehung wohnt in einem Hochhaus, wo man die verschiedenen Stockwerke nicht mittels eines Fahrstuhls erreicht, sondern indem das Haus in einem Bodenschacht auf- und niedersteigt.

Fazit: Glänzend gezeichneter Zeichentrickspaß mit mehr Gags pro Minute als der Arzt gestattet.
9 von 10 Punkten.

Tropic Thunder
Überdrehte Parodie auf Hollywood-Eitelkeiten, Schauspieler-Bullshit, (sogenannte) ›Reality TV-Shows‹ und Kriegsfilme. Gute erste 20 Minuten, dann stellenweise zäh und unnötig ordinär. Enttäuschend, dass der Film selbst nicht aus dem Korsett der Formel-Rezepte auszubrechen vermag, die er eigentlich bissig auf dem Arm nehmen will. Dennoch: Robert Downey Jr. überrascht mich wieder einmal mit seiner Wandlungsfähigkeit; es hat mich gefreut Nick Nolte mal wieder in einer satirischen Blödel-Rolle zu sehen; und Tom Cruise legt eine verblüffende Vorstellung aufs Parkett, als ›Bösewicht‹-Nebenfigur, zurechtgebrezelt auf dicker und schmierig Finanzmogul. — {Nebenbei: Tom Cruise ist so ein Schauspieler, den ich als Mensch echt eklig finde, erst richtig gruselig wenn er als Scientologe herumgeistert, aber als Schauspieler schafft er es immer wieder mal, mich zu erstaunen.} — Enttäuscht hat mich jedoch Jack Black, den ich bisher immer ziemlich bis sehr gut fand. Zu hektisch-panisch zuckt und brabbelt er als Junkie-Star, und liefert dabei nur wenige zündene Schmunzel- oder Lachgranaten.

Fazit: Kurzweiliger Spaß am besten für für berauschte Filmgucker geeignet; enthält punktuell erfeuliche Schauwerte (Explosionen, lustige Splatter-Einlagen); jedoch trotz Aufwand und Staraufgebot aber enttäuschend flach und harmlos.
6 von 10 Punkten.

Burn After Reading
Vorweg: alle Filme der Coen-Brüder mag ich, wobei ich eingestehe, dass nicht alle Meisterwerke sind; und: ich habe mich bisher noch nicht getraut den berüchtigten Flop »Ladykillers« zu gucken. — »Burn After Reading« ist zuvörderst ein feiner Ensemble-Film und dabei ein ziemlich flottes Story-Durcheinander. Stinknormale kleine Popelmenschen finden eine CD-Rom mit den Aufzeichnungen eines wegen Alkoholproblemen suspendierten CIA-Analysten, und glauben nun, irgendwie Geld damit machen zu können. Zudem geht’s Ehekrisen- und Seitensprung-mäßig kreuz und quer, so dass ich beim ersten Mal gar nicht immer durchgeblickt habe, ob es in den Szenen um die brisante CD-Rom oder um Ermittlungen für anstehende Scheidungsverhandlungen geht. Und wie fast immer bei den Coens sterben plötzlich Leute die seltsamsten Tode und schlägt die Handlungen überraschende Haken wie ein übermütiger Hase. Die Kirsche auf dem Sahnehäubchen ist auch diesmal wieder die Musik von Carter Burwell, der sich ein wenig an Philip Glass orientiert hat, bzw. mit martialisch klingenden Percussions-Enselmble einen interessanten Kontrast zur normalen Welt der Washingtonbewohner schafft.

Fazit: Eine feine schwarze Charakterkomödie über (liebenswerte) Trottel- und (kaltherzige) Kalkülmenschen.
7 von 10 Punkten.

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10 + + + + + Maßstabsetztendes Meisterwerk; Olympisch.
09 + + + + Überwiegend exzellent; Packend.
08 + + + Bemerkenswert mit leichten Schwächen; Anregend.
07 + + Befriedigendes Handwerk; Kurzweilig.
06 + Unterhaltsam mittelprächtig; Akzeptabel.
Unsichtbare Grenze der absoluten Mittelmäßigkeiten
05 - Brauchbar mittelprächtig; ganz nett, aber insgesamt lau.
04 - - Überwiegend mittelprächtig; Anstrengend bzw. langweilig.
03 - - - Bis auf wenige Momente daneben gegangen; Nervig.
02 - - - - Ziemlich übeles Machwerk; Zeitverschwendung.
01 - - - - - Grottenschlechtes übles Ärgernis; Pathologisch.
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