molochronik
Samstag, 25. Dezember 2010

»Eine andere Welt« (7) – Kap. V: Der Fasching in der Flasche von Grandville & Plinius dem Jüngsten

Eintrag No. 684Zur Inhaltsübersicht.

Die Illustrationen einer alten französischen Ausgabe habe ich dem flick-Album von blaque jaques entnommen.

V. Der Fasching in der Flasche.

Alles ist in Allem.
Axiom eines Hegelinaers.
Die Unendlichkeit des Meeres gefällt der Unendlichkeit des Gedankens.
Staberle.
Die Kutte macht den Mönch.
Aus dem Vighmara Redasastra.

Man wird die Notwendigkeit dieses Kapitels erst später einsehen, jedoch den Keim der Philosophie der Verkleidung, welche die Fortsetzung der Philosophie der Geschichte bildet, jetzt schon darin entdecken.

Puff war zu sehr Neugott, um nicht zu wissen, dass sich Nichts leichter abnutzt als der Erfolg; daher sann er auch schon darauf, etwas Neues zu erfinden, das seine gegossenen Musikanten vorteilhaft ersetzen könnte. Von tausend verschiedenartigen Ideen durchkreuzt, wandelte er am Strande des Mittelmeeres einher und fühlte in seinem Gehirne — der freundliche Leser gestatte uns die Metapher — die Flut und Ebe wechseln, die er zu seinen Füssen erblickte. Siehe da! Plötzlich trugen die schaumgekrönten Wogen, die Jungfrauen mit dem weissen Perlenschleier, eine Flasche auf ihren siegreichen Armen daher, die einem armen Gefangenen glich, der sich der Wut der Feinde preisgegeben sieht, und ihn um Hülfe anzuflehen schien. Der Doctor war menschlich genug, um in diesem Augenblicke zu bedauern, dass er kein Wasserhund sei, seo ein tüchtiger Neufoundländer nämlich. Die Flasche fuhr indessen fort, ein Notsignal nach dem anderen zu geben. Glücklicher Weise ward sie von einer starken Welle gepackt und auf den Strand geschleudert.

Als er sich nun der Schiffbrüchigen näherte, um ihr seine Hülfe angedeihen zu lassen, die ihr Zustand erforderlich machte, las Puff zu seiner eigenen Überraschung folgende Etikette, welche die Ohnmächtige auf ihrem Herzen trug.

Ich ersuche jeden, der mich auffischt, mich baldmöglichst an folgende Adresse gelangen zu lassen.

Sr. Hochwohlgebohren

Herrn Dr Puff,
Neugott.

Franco.
Zerbrechlich.

Überall.

Krack's Andenken und die Erinnerungen an seine unterseeischen Versprechungen stiegen jetzt vor der Seele seines Kollegen auf. Er nahm die Flasche in die Arme und eilte nach Hause unter den Ausrufungen:

»Ist es möglich! Kann ich meinen Augen trauen! Er ist es! Der Teuere, schmerzlich Vermisste!«, und was dergleichen Redensarten mehr sind, deren man sich bedient, wenn man tun will als zweifelte man an einer ausgemachten Sache.

Es war möglich! Er war es, der schmerzlich Vermisste; Puff durfte seinen Augen trauen; es war Krack, der seinem Freunde eine unterseeische Depesche sandte. In einer Kapsel, die an der Flasche befestigt war, befand sich ein Manuskript, das wir uns bemühen wollen, dem ungeduldigen Leser zu entziffern und vorzulegen, denn wir können uns denken, mit welchem Heißhunger derselbe eine Nachricht von seinem alten Bekannten, dem Rittmeister, Ritter vieler hoher Orden, Professor der Reit-, Fecht-, Schwimm-, Turn- und Tanzkunst, Krack von Krackenheim, Krackmandelscher Linie auf und zu Krackendorf erwartet.

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