Dienstag, 14. Juni 2011

Molos Wochenrückblick No. 58

Eintrag No. 721WICHTIGE DURCHSAGE: Mit der jüngsten Version der antville-Architektur gibt es neue Möglichkeiten:

1) Kann man sich nun auch zum Kommentieren anmelden, ohne sich bei antville selbst registrieren zu müssen. Wer ein Google, Twitter oder Facebook-Konto hat, kann ab jetzt auch dieses zur Anmeldung nutzen.

2) Gibt es nun auch eine Möglichkeit, mir direkt über eine Eingabemaske der Molochronik eine Mitteilung zukommen zu lassen: KONTAKT.

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Schöne Nachricht: Dem Literatur-Portal ›Literra‹ (genauer, Eric Hantsch, der selbst auch ein interessantes Blog führt: »Der dunkle Planet« Phantastik und lovecraft’scher Horror) gefallen meine Portraitzeichnung so gut, dass man sie für die Autoren-Seiten verwenden will. Als erstes wurde meine Zeichnung von Edmond ›Captain Future‹ Hamilton eingepflegt. — Freude!

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Ein schönes Sinnbild des Kapitalismus. Gehe auf dem Weg zur Arbeit frühmorgens in meine örtliche Sparkassenfiliale, um Geld abzuheben. Die Automatiktüren des Vorraums waren die Nacht über defekt und längere Zeit offen. Da die Viecher den Schein des Bankomaten-Monitors mit fernem Himmelslicht verwechseln, schwärmten hunderten kleine (und ein paar große) Mücken herein, um elendig beim Versuch sich am vermeintlichen Sternenglanz zu orientieren zu verrecken. Ihre vielen kleinen Leichen bedeckten die Handablage vor dem Montor fast zur Gänze. — Schade, dass ich keine Kamera dabei hatte.

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K. W. Jeter: »Infernal Devices«, Taschenbuch-Neuausgabe bei Angry Robot Books, 2011.Lektüre: Nicht sehr viel (ca. 100 Seiten) weiter gekommen bin ich mit meinem derzeitigen Steampunk-Klassiker »Infernal Devices« von K. W. Jeter. Ich bin jetzt auf Seite 233 von ca. 340 und mittlerweile weiß ich ein bischen mehr über die obskuren Machenschaften diverser Geheimgesellschaften (die so tolle Namen haben wie ›The Royal Anti-Society‹, ›Godly Army‹ und ›Ladys Union for the Supression of Carnal Devices‹), und über die schon von Beginn des Romanes weg einiges geraunt wurde, und in deren Händel und Konkurrenz-Gekabbel ›Held‹ George Dowes hineingezogen wurde. — So möchte ein irrer Wissenschaftler-Lord die Welt vernichten, um höheren, außerirdischen Intelligenzen ein Zeichen seiner Ebenbürtigkeit zu geben, damit sie ihn retten und er mit ihnen über Wissenschaft plauschen kann. Zudem hat jemand das Gerücht verbreitet, dass George nicht er selbst, sondern ein unglaublich geschickter Automat seines Uhrmacher-Vaters sei. Köstlich eine Szene, als alle von George, dem vermeintlichen Paganini-Imitations-Automaten, verlangen, ein Konzert für ein ausgewähltes Publikum zu geben, und eine Lady ihm an die Wäsche will, in der Annahme, dass George der Automat auch über die berüchtigten Sexmaniac-Eigenschaften des teuflischen Geigenvirtuosen verfügt. — Weiterhin ist mir sehr sympathisch, wie George mehr von Szene zu Szene stolpert und flüchtet, und dabei über die mehr oder minder derangierte Verfassung seines Verstandes spekuliert. Macht die Handlung zwar zu kaum mehr als einer simplen Episodenfolge, aber der elegante und sachte mit Humor gewürzte Stil gleicht diese Einfachheit wieder aus.

Als Einschlaf-Lektüre genieße ich den den sechsten »Hellboy«-Sammelband: »The Conquerer Worm«. Sehr fein, wie das Werk das gleichname Gedicht von E. A. Poe zitiert; dass wieder Mal Nazis mit okkulten Weltuntergangs-Plänen gestoppt werden müssen; dass der entsprechende Obernazi-Wissenschaftler eines seiner Labore unter einem Friedhof »in der Nähe von Ingolstadt« hatte. — Hab’ ich’s doch geahnt, dass in dieser oberbayrischen Gegend meiner Kindheit und Jugend Finsteres verborgen ist.

Markus Metz, Georg Seeßlen: »Blödmaschinen«.Hauptlektüre ist derzeit ein großartiges Sachbuch. »Blödmaschinen. Die Fabrikation von Stupidität« von Markus Metz und Georg Seeßlen. Vor allem ist das für mich eine sehr affirmative Lektüre, denn ich teile die Ansicht der Autoren, dass wir umgeben sind von Blödmachmaschinen: das Fernsehen, die Poltik, die Bürokratie, die Autoindustrie, die Unterhaltungsindustrie, die Mode, der Wissenschaftsbetrieb, die Schulen, der Sport, Mega-Events, Volksfeste und und und. Ganz simpel gefällt mir das dicke Buch (782 Seiten) bisher also, weil ich ihm so viel zustimmen kann, und — oh je! — mit dieser mich einlullenden Tröstlichkeit ist das Buch selbst leider teilweise auch nur eine kleine Blödmachmaschine.

Bisher habe den ersten von drei Teilen durch, der sich der Dialektik von Blödmaschinen (hervorragend veranschaulicht am Beispiele des Überraschungs-Eis), ihrer Geschichte und ihrer Manifestation als dumme Dinge widmet. Vor allem der historische Teil begeistert mich heftig. Da wird, zugegeben ziemlich vage, in Form von drei Erzählungen die Entwicklung dargestellt, von den alten, traditionellen Blödmaschinen (Kirche, Herrschaft, Wissenschaft) zu den neuen, (post)modernen (Medien, Mode, Waren). — Als einzige Makel muss ich die auffällig dünne Bibliographie und den fehlenden Index anführen.

Netzfunde

  • Einen kleinen Vorgeschmack auf das, was in »Blödmaschinen« abgeht, vermittelt nicht nur die oben beim Buch-Cover verlinkte Suhrkamp-Seite, auf der man eine Leseprobe der ersten 20 Seiten finden kann, sondern auch dieses polemische ›TAZ-Schlagloch‹ von Georg Seeßlen: Tracht und Niedertracht. — Oh, was habe ich mich mit Andrea gestritten über diesen Artikel. Kein Wunder, denn sie kennt sich mit Mode aus, und kritisiert (zu Recht) dass eine große Ironie der modernen Trachtenbegeisterung unerwähnt blieb: die Leutz kaufen sich nostalgisierte Heimatverbundenheit in Form von in China hergestellten Dirndeln. — Dennoch verteidige ich den TAZ-Artikel, auch wenn die Problematik im »Blödmaschinen«-Buch ungleich besser vermittelt wird, allein schon, weil hier der Mittelstands-Code ›Landhausmode‹ als Kontrast die Unterschichten-Gefängniskleidung der ›kik‹-Mode gegenübergestellt wird.
  • Was immer schon faul war an den ›Bilderberg-Konferenzen‹: da treffen sich hohe Politiker, Wirtschaftsleute, Medienmenschen aus aller Welt, und obwohl deren Gespräche zur Denk- und Handlungs-Koordination natürlich von keinerlei Bedeutung seien sollen, geheimniskrämern die Teilnehmer. Entsprechend freut mich der zweitteile Interview-Artikel von Marcus Klöckner bei ›Telepolis‹ zum Thema. Teil 1: »Einen ›Schweigepakt‹ kann ich mir nur schwer vorstellen« und Teil 2: »Notwendig wäre aus meiner Sicht hier ein sauberer investigativer Journalismus«.
  • Zu den erklärten Helden und Heiligen meiner Welt gehört Georg Kreisler. Wem der nicht bekannt ist, der möge sich schnell bitte mal mit den beiden Youtube-Clips seiner Lieder »Freiheit« und »Schützen wir die Polizei« weiterbilden. — Jan Pfaff hat für ›Der Freitag‹ ein lesenswertes Interview mit Kreisler geführt: Nirgendwo daheim. Es gibt Dinge über die kein Gras wächst..

(Deutschrachige) Phantastik-Links
  • Ich bin im Augenblick zu faul, meine Eindrücke zu »X-Men: First Class« zu beschreiben, außer, dass ich sehr zufrieden mit diesem Sommerblockbuster bin. Michael Fassbender spielt sich Film für Film in die Liga der von mir verehrten Mimen. Wenn ein Superheldenspektakel es schafft, dass ich mit einem ambivalenten (noch-)Helden der zum Bösewicht (oder zumindest Fanatiker) wird (Magneto) Mitgefühl habe, weil ich miterleben kann, wie er mit Hilfe seines (noch-)Freundes (Prof. X) seine eigenen Traumata-Blockaden überwindet, mittels des (Wieder-)Findens einen kleinen Restes Trostes und Freude in seinem verkorksten Seelenhaushalt, und dadurch zu neuen Höchstleistungen befähigt wird, und wie sich in diesem Augenblick des Satallitenschüssels-Drehens die Mimik von Eric/Magneto Freude, Schmerz, (Selbst-)Überraschung , Machtlust und Befreiung spiegeln, dann ist das großes Kino und eben ein toller Darsteller. — Meinem Empfinden recht nahe bringt (wieder Mal) Rüdiger Suchsland die Sache für ›Telepolis‹ auf den Punkt: Der zornige Jude.
  • Noch dürfen wir nicht sicher sein, ob die Meldung (hier bei ›io9‹), dass mit Tom Hanks als Produzent »American Gods« von Neil Gaiman zu einer HBO-Miniserie umgesetzt werden soll, nun etwas gutes oder schlechtes bedeuet. Aber hoffen wir mal, dass etwas Gescheites dabei herauskommt. Das Material des Buches wird offentlich nur als Sprungbrett genutzt und erheblich ausgeweitet, denn es sollen 6 Staffeln zu je 10 bis 12 einstündigen Folgen gedreht werden.

Zuckerl

  • Auf den ehemaligen Mitarbeiter von Rockstar-Games, Comic-Autor und Zeichner Brian Wood bin ich aufmerksam geworden, als ich bei dem lokalen Comicdealer meines Vertrauens (›Terminal Entertainment‹) den Band »Demo« entdeckt habe; danach genoss ich »Lokal« und schließlich seitdem die ›Vertico‹-Serien »Northlanders« und (vor allem) »DMZ«. — Hier nun geht es zu einer umfangreichen Umsonst-Portfolio von Brian Woods: Public Domain 2 mit Skizzen, Charakterstudien, Propaganda-Parodien, kurzen Comicgeschichten, Coverart-Skizzen. Ganz besonders reizvoll finde ich Woods Arbeiten, wenn er (ganz Erbe des großartigen Will Eisner) öffentliche Räume, Straßen, Ladenfassaden, Brücken, U-Bahnstationen portraitiert und dokumentiert. Hier geht es zur Download- bzw. Ansicht-Möglichkeit als PDF im Browser.
  • Der New Yorker Photograph Jordan Matter hat bisher vielleicht am meisten Bekanntheit mit seiner Serie »Dancers Among Us« erlangt. Hier in zwei Blog-Einträgen, berichtet er kurzweilig davon, wie diese Bilder zustande kommen: Conquering the Big Kahuna - Dancers Among Us at the Lincoln Center Fountain (mit einem ganz bezaubernden Sicherheits-Kollgen der keinen Spaß versteht); — One Coffee, One Shot... A Day of Dancers Among Us Ends with a Splash (wo unter anderem dieses irre Photo mit der Tänzerin Allison Jones entstand). — Lustig auch der Gastauftritt eines Doku-Filmteams vom ZDF.

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