molochronik

Zehn Etüden: Nr. Fünf — Das DAtaIiJe

Stücke für narratives Improvisationsklavier

»Von Dissonanzen, über Dissonanzen zu Dissonanzen.«
— Robert S. über Frederic C.

Das DAtaIiJe

Lugig schnorcht die Penetrem. Lisig mitfahd webickgens, lig Fallatras tatis, fon Übedrann zu Drundenhain. Tort woant die DAta. Dies habeli obe, wasli somust Drentelmas inskilpig herist Gertalmost, zoom inderwahn Wabenfenstral (sowas als aug dieslich) zermentich zu da spätzligaug Spitzenbandel.

»Ein wonnil Lustbahnfreit!«, dattelt drollig Schwan.

Obenliegenstrat, in lugig lustscheid verkanntel Schrickschrumm in Gaulafkeit verschmottelt. Wrieben Schlodderant, dininin interlost Verhikelst, drenziglast to the quersenfig Bazn. Notsch brant Schweifel in zweinem Klomerbrost, obmocht er ferzecht hat waschbasch Mechttechtel.

»Nein. Azathoth branntav! Wesel desel Fredl Fesel, lippestreß inna Schmerfut liebesstatt. Petzlich Gjörk Ligetitten.«

Das wars. Restevoll verkannt hatte Schwan seinen Gnadenakt verinnerlorn. Untertags vermutterte er Mahn ötgars, in lätschen Schait schimmer Ofen. Es bahr ihm gar so vorgekrümmt, Alp Obmann ihn schohnt bar zischt Meer zerstehen Pferde. Seine Pforte tagten den Meuten nicht, Dashwasch sie sagen volten.

»Erblinden sie, oder ich rupfe die Rotzelei!«, schrie die Pfau weiter.

Lodrig flammelzünd, zerbruzel grillwabel Fremdenschwel in hitzeschwitze Backen. Schleckelzung Dotterblock verschmachtelt. Ging weiter. Ein? Ligestrat polzerfest, polzerfest…

Pochtelohn in de kopfpflaumigster Frustbahnkeit. Trotzdas der Schwan nix schinden tut. Vermalledrich, tengt Schwan, lodrich Mösenfrack verschnauzelt immazu erkenntlich scheinerselbst. Eindammkeit verlazelt genzlung Bettrigklang. Indes Straßgekränz knoppelt schabelfick ein I. Der Schwan vergeht dat is lart. Schwimmt I ond gefällt es.

Ettlich Laugentritte flügger, wahn Denkschrein hohn es Grummel ahnt, kannt er Schwan gnauch ein weiter Buchgestab: ein J. Ho het ver I ond J. Scho zwiebens in Licht, er dezelt irdisch zu Herteldank. Wort in Löngelbusch, die DAta tarnet. Ongelbongel Hodenfrack verlotzelt Netterselbst, denmalig gabelweise Holzschmelze. Mit I ond J bei DAta verlügge Schwan quentschelgeld Juchehuch. Wo zart gepornt DAtaIiJe.

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{Diese Etüde aus den frühen Neunzigern biete ich als Übungsmaterial dafür, mit einer zu komplexen Welt zurecht zu kommen an. Bei den seltenen Lesungen von mir zeitigt diese Geschichte immer besonders begeisterte Reaktionen und hat richtiggehend Fans.

Die Illustration entstand spät am Sonntagabend (oder doch schon früh Montagmorgens), Deutschlandradio hörend und Kopf schüttelnd.}

Wahlabend September 2005

Zehn Etüden: Nr. Eins — Der Organist

Stücke für narratives Improvisationsklavier

»Von Dissonanzen, über Dissonanzen zu Dissonanzen.«
— Robert S. über Frederic C.

Der Organist

Im Dämmrig schweigenden Uterus des Domes prallten die Tack-Tack-Tucks des Organistenschrittes von einer Säule zur nächsten, ehe das Geräusch sich in der gotischen Höhe des Raumes verlor. Die wuchtigen, kupferfarbenen, schimmernd blassen Säulen trafen sich weit oben in der Höhe, an einem einsamen, zentralen Fluchtpunkt, dennoch waren sie dort oben, alleine mit den Tauben, nicht beisammen, denn von unterschiedlicher Länge konnten sie sich nur im imaginären Fluchtpunkt einer Betrachternetzhaut treffen. In Wahrheit waren die hohlen Säulen abgestimmt, auf Ton und Halbton genau.

Niemand saß in den abgewetzten Holzbänken, niemand betete vor einem der Heiligenschreine, nur der Organist und seine beiden Musterschüler bewegten sich von einer kleinen Holztür, versteckt zwischen zwei mannshohen Säulen gelegen, auf den Treppenaufgang zum Orgelmanual zu, das Tack-Tack-Tuck des Organisten voranhinkend, das in der Größe des Raumes kaum hörbare Trippeln der Knaben folgend.

Das grelle Sonnenlicht fiel durch schlanke Fenster — alt und verschmiert — und wurde durch die matten Reflexe der Säulen und die trübe Filterung der Scheiben in ein warmes Staubwogen gewandelt. Dieses Licht offenbarte nichts Gewisses über den Uterus des Instrumentendoms.

Von außen, also von der Wüste aus betrachtet, erschien der ungeheure Bau wie eine Felsformation, deren einzelne, gewagte Spitzen in den Himmel flüchteten, nur an wenigen Flecken seine wahre, schimmernde Oberfläche entblößend, einen blendenden Lichtreflex ins Auge stechend.

Und die Wüste lag still da, wie zu jener Zeit als der Cult noch blühte; wie zu jener Zeit, als die Orgel zum ersten Male von einem Organistenpriester gespielt wurde, und seitdem sich keine Melodie, kein Contrapunkt wiederholt hatte; wie zu jener Zeit, da dieses Land anfing zu vertrocknen und das Volk in den Dünen der Wüste verschwand, weg von der Oase der Musik; wie immer zur Zeit des Sonnenuntergangs, kurz bevor der Wind kommt.

Im Schatten lauerten die Manuale und Register der Orgel. Wie die Fühler und Tastorgane eines grotesken fetten Insektes, darauf wartend, von einem Mystiker erregt zu werden. Die Knaben eilten zu ihren angestammten Plätzen, um die Register zu bedienen.

Der Organist ging langsam auf die Manuale zu. Seine dicken Beine bewegten sich unsicher, als ob jederzeit der Moment wäre, da sie zum ersten Male selbständig die unzähligen Pedale beglücken sollten; sie fürchteten sich vor der Liebe zum Baßlauf, da sie wußten, welche Schmerzen die überschätzen Gelenke und malträtierten Sehnen dafür hinnehmen müssen. Der Organist ging zudem gebückt, seine stattliche Größe verlierend, weil er all die Jahre kaum noch empor zu streben vermochte.

Als er endlich bereit war und seine Finger massierte, seine Knaben ihn erwartungsvoll anschauten, der Wind durch den Uterus fegte, sagte er: »Nun wollen wir mit einer letzten Fuge diesen toten Tempel zusammenstürtzen lassen.«

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Vignette zu »Zehn Etuden No. 1: Der Organist«

{Diese kleine Prosaübung entstand ebenfalls zu Beginn der Neunzigerjahre zwischen Hepberg und Wien. Sie ist die Eröffnungsetüde einer Sammlung von zehn Etüden die ich damals zusammenimprovisierte.
Die Regel war: nach einer Initial-Idee (in diesem Fall: eine Tempelorgel in der Wüste) etwas Athmosphärisches auf höchstens drei Schreibmaschinenseiten zusammenimprovisieren. Ich habe keine Ahnung, wem ich heutzutage solche Stories anbieten wollte oder sollte. Für Phantastik-Fandomzirkel halte ich meinen Kram für zu exaltiert, und für die von mir sogenannten Literatuuur-Literaturkreise scheinen mir meine Sachen zu phantastisch-trivial.
Wenigstens Ihr geschätzten Molochronik-Leser sollt die Gelegenheit bekommen, Molosovskys Wahn zu goutieren. Ich werde mich mühen, baldiger mit weiteren (alten) Etüden aufzuwarten.}

Zehn Etüden: Nr. Drei — Nachtspaziergang

Stücke für narratives Improvisationsklavier

»Von Dissonanzen, über Dissonanzen zu Dissonanzen.«
— Robert S. über Frederic C.

Nachtspaziergang

Die Nacht spreizt sich über den Horizont. Dezemberhauchen: wirklich frische Luft. Ich stelze über den Asphalt des schlafenden Kaffs. Die Sterne blinzeln durch das schwarz gekräuselte Gewölk. Die entscheidenden Merkmale der oberbayerischen Donauumgebung von Ingolstadt?: dösend zerschundene Ackerflächen, durchstreuselt mit einigen Partisanengrüppchen Grün, alles gut eingezäunt von den endlosen Linien der Stromleitungswächter, spätestens alle zwei Kilometer kuhfladed ein Seelenweiler, bakteriell um den kleingeistigen Großstadtdilettanten Ingolstadt herum.

Von irgendwo im Osten wispert mir die Autonbahnvene Kryptisches über Geschwindigkeit und ferne Orte zu. Die mobilen Metallzellen – von hier nur als rote und weiße Lichterpaare zu sehen – strömen an den Raumhafenlichtern der Ölraffinerien vorbei. Das Brummkörperchen streift die große Feuerdrüse. Passanten des Autoblutherzens, eingeengt und eingepfercht in die jeweilige Audiobedröhnung. Stehengeblieben schließe ich die Augen um dieses Geräusch zu verwandeln: Schon raunen sich die Bäume WinternachtsNüchternheitsNeckigkeiten zu. Ein zum Waldbach gelauschter offener Kanal murmelt stetig antike Grüße: Alles fließt, Dein Heraklid.

Es hilft nichts, es bleibt Hepberg. Ich öffne die Augen wieder, der dunkle Wald klotzt wieder als Medley geschmacksneutraler Einfamilienpomeranzen den Weg um mich zurecht. Suche nach Mond in der Wolkenscham. Die Mutter der Träume, das Auge der Nacht versteckt sich. Die wenigen Wolken werden vom Wind durch den dunklen Ozean gewirbelt, wie er es braucht. Immer nur kurze, heftig kaltschnäuzige Böen, Verdammnis der Kälte. Ich suche weiter die Unauffindbare. Einmal durch Straßen oder auf Feldwegen spazieren, ohne dabei einem Trampelgesicht oder geistigen Kartoffelsack in sein gepreßtes Grüß GOtt! zu stolpern.

Ich lustwandle ohne Absicht und Ziel durch die Nacht und verpenne tagsüber alles, gerade rechtzeitig, um das Abendessen zum Frühstück zu verlunchen. Ist ja eine ganz natürliche Gesetzmäßigkeit: Wer die Nacht nutzt, um Kopfglühwürmchen zu fangen, kann die öde Sonnenwelt mit ihren sich zum Erkennen aufdrängenden Tatsachen und Präapokalypsileins kaum noch ertragen.

Rohbauten! Bieten gerade nachts einen mitleidensheischenden, zusammengedroschenen Anblick; Ziegelsteinlegoland; primitive Höhlenmenschenkulturen, wo immer man sie abstreitet. Die engen Zeilen zwischen Einfamilienparzellen rücken zu Gängen eines Verließes zusammen. Im leichten Nebel und der Dunkelheit erscheinen die hohen Bleib weg-Jägerzäune und Hau ab-Thuyenmauern wie verfallene Wände einer leblosen Korridorwelt, aus Schatten und xenophobischem Schweigen gebaut. Der Wind fängt seinen eigenen Schweif, wirbelt herum, versucht sich übermütig selbst einen zu blasen, weht plötzlich gegen die B 13 und das Autowispern verstummt, nur die Bäume flüstern weiter. Manchmal ist mir sogar die Stille zu laut.

Bäume: Wie oft bin ich von dem da schon runtergefallen? Schlank, mikadoverbogen, verpusteter Tusche auf dunkelgrauem Karton gleich. Ich bleibe vor einem Rohbau stehen, klobige Fassade. Überquere auf wogender Planke den Baugraben und betrete die Backsteinhöhle. Der Wind bleibt wie das wenige Licht freudlos an den leer glotzenden Fenstern und gähnenden Türen hängen, aber Dreck ist genug da, knirscht unter den Schuhen. Lasse unter einer zurückgelassenen Bierflasche das glasige Knistern ertönen, das ich so liebe. Zigarette. Wie viele Zementsäcke hab ich aus hochstöckigen Rohbautenfenstern stürzen lassen? Einmal in einer dunklen Nische kauern müssen, als das junge Glück den künftigen Ehekäfig abliebäugelte. Mein achtjähriges Herz pochte in der Erregung des möglichen Erwischtwerdens.

Zigarette in den Sand, Gelbschwänzchen in die Höh´. Wieder raus fäusten sich die Hände vor der Kälte fliehend in den Jackentaschen. Aufgeregt umwedelt und behechelt mich gleich wieder der Wind. (Wer geht hier mit wem Gassi?) Und alle zwanzig Meter speien die Leuchtzahnbürsten ihren Lichtkegel auf die Straße. Nachts ist dieses Spielzeugdiorama eine erträglichere Kulisse für meine dramalose Rolle.

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{Dieses Prosastückchen habe ich vor ca. 10 bis 12 Jahren geschrieben. Prosa- und Storyschreiben habe ich aus Selbstekel vor der Kunstwahnarroganz aufgegeben. Don Alphonso hat aber einen dermaßen feinen Eintrag über Ingolstadt geschrieben, daß ich gerne diese meine damalige Angekotzheit mit diesem Oberbayerischen Kaffschutzreservat teilen möchte.}

Handschrift »Nachtspaziergang«

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