geschrieben von molosovsky, am: Dienstag, 14. Sep. 2010
Eintrag No. 651 — Bin seit letzter Woche allein zuhause, denn Andrea brach zu ihrem Jahresurlab und Richtung Waldviertel auf. Am Wochenende, als ich von meinem Brotjob frei hatte, legte ich eine Übersetzungssession hin (heisst: von Freitag auf Montag nur zwei Mal ins Bett gegangen). Ich bin unfassbar dankbar für das Projekt. Kurzgeschichten, die mich wirklich erfreuen, von einer Vielfalt, die mich begeistert und beeindruckt zu übersetzten fühlt sich nun mal nicht wie ›Arbeit‹.
Nachteil (= Lektüre): Bin selber kaum zum Lesen gekommen, außer, dass ich mir die deutsche Ausgabe von »The City & The City« besorgt und darin herumgeblätert habe, um knifflige Stellen zu prüfen. Soweit ich gesehen habe, kann ich absolut nichts zum Bemäkeln an Eva Bauche-Eppers deutscher Fassung von »Die Stadt & Die Stadt« finden und empfehle den Roman allen, die gerne mal eine gelungene Mischung aus Krimi und Phantastik lesen wollen. Ich denke, ich kann es wagen, dieses Buch jetzt schon zur — leider! — unterschätztesten Neuerscheinung der Saison auszurufen, denn ›Dank‹ des schröcklichen Umschlagbildes und der kümmerlichen Platzierung in den Regalen (wenn meine Umschau in den Frankfurter Buchhandlungen halbwegs repräsentabel ist) wird sich kaum herumsprechen, wie gut dieser Roman ist.
Film: Immerhin war ich letzte Woche im Kino. Leider war ich so dumm, mir »The Sorcerer's Apprentice« anzutun. Ein langweiliger, vorhersehbarer und peinsam-harmloser Streifen. So etwa 3 oder 4 Punkte von 10.
Ganz interessant dagegen meine DVD -Sichtung von Christopher Nolans Erstling »Following«. Als kleiner, fieser Krimi durchaus gelungen (und als S/W-Film sowieso), wenn auch Nolan hier schon durch seine super-ernste und (unter)kühl(t)e Inszenierung leicht nervig auffällt, die auch seine späteren Filme meist kennzeichnet. So etwa 6 bis 7 von 10 Punkten
Schlimmer noch ist allerdings das Verhältnis von demokratischem Staat und wirtschaftlicher Macht, das hier zum Ausdruck kommt: {…} Der Geheimvertrag ist das Eingeständnis, dass der demokratische Staat gegenüber den wirtschaftlich Mächtigen nicht mehr das „Gewaltmonopol“ hat, das heißt sich nicht mehr mit hoheitlicher Macht durchzusetzen vermag, sondern dass er bestenfalls noch Verhandlungspartner gegenüber wirtschaftlicher Macht ist. {…} Da sitzen also auf der einen Seite die Regierung und auf der anderen Seite die Konzernbosse und klären per Telefon die Konditionen; und das Parlament darf dann bloß noch den geheimen Deal sozusagen der demokratischen Form halber absegnen.
Diesbezüglich habe ich mich bei ›lobbycontrol‹ der Unterzeichnungs-Aktion angeschlossen, man möge doch anstandshalber das Atom-Geheimabkommen widerrufen!
›ad sinistram‹ nimmt Sprachpansch in der Rubrik ›nomen est omen‹ unter die Lupe: »Gebär- und Zeugungsstreik«. — Ich verstehe ja folgendes nicht: wenn es einerseits zuviele Menschen auf der Welt gibt, und Menschen aus schlimmen Gegenden, wo das Überleben äußerst mühevoll ist, wegwollen, warum regen sich dann andererseits irgendwelche Anzugträger darüber auf, dass die ›richtigen Frauen‹ zu wenig gebähren? — Okey, ist sicherlich richtig, dass sich Akademikerinnen (zumindest wenn sie selbst einen gut bezahleten Job haben oder mit dem Gatten eine gute Partie gemacht haben) eher bessere Kinderpflege und Schulen leisten können. Das bedeutet aber nur, dass die Qualität der Kindererziehung stärker vom privaten Geld der Bürger und den Möglichkeiten, die es eröffnet abhängt, als vom Geld der staatlichen Gemeinschaft. Das fügt sich mit der Theorie, der ich anhänge, dass ein langfristiges Ziel ›des Kapitals‹ ist, den Bereich der Bildug zu ökonomisieren, und dass es bei diesem Ansinnen auf einem erfolgreichen Weg ist.
Nathalie Roller schrieb am 12. September für ›Telepolis‹ einen löblichen Artikel über grüne Krieger in den heutigen Metropolen: Die Gartenguerilla erobert die Städte.
(Deutschsprachige) PHANTASTIK-FUNDE
Neustart des Magazins für interantionale Science Fiction: Inter Nova. Ich wünsche viele interessierte Leser!
Wieder ein Umsonst-Lesetip für alle, die noch zuviel Zeit haben: Digital Comic Museum.
Ein youtube-Filmchen, in dem Daten augenfällig aufbereitet wurden, und das damit höhere Zusammenhänge anschaulich macht. Scott Manley Asteroid Discovery from 1980 - 2010. Scott Manleys Seite beim Armagh Obsertvatorium bietet weitere wissenschaftliche Animationen zum Thema Asteroiden.
Flattrn Sie diesen Eintrag, wenn Sie der Meinung sind, dass er etwas wert ist.
Geschrieben von molosovsky, am: Dienstag, 14. Sep. 2010
Ich will schon seit Ewigkeiten mal wieder was von Gibson lesen. Ich finde, die Themen seiner neuen Bücher klingen viel interessanter, als seine früheren SF- / Cyberpunk-Sachen.
Geschrieben von micro_robert, am: Dienstag, 14. Sep. 2010
Ich glaube, die Trilogie bestehend aus "Pattern Recognition", "Spook Country" und "Zero History" könnte Ihnen gefallen. Wobei "Zero History" darunter das stärkste Buch ist. Man braucht auch die anderen beiden nicht gelesen zu haben, um es nachvollziehen zu können.
Geschrieben von molosovsky, am: Mittwoch, 15. Sep. 2010
Eben. »Pattern Recognition« habe ich gelesen und hat mir bisher von allen Gisbon-Büchern am besten gefallen. — Ich kenn mich soweit aus (?), dass die drei Bücher eine thematische Trio sind, keine plot-ianische.
Geschieben von oliverj, am: Dienstag, 14. Sep. 2010
'Following' habe ich ähnlich gesehen wie Du und war auch recht angetan: oliblog.blogg.de
Den Klavierstimmer-Artikel habe ich auch mit höchstem Genuss letzte Woche gelesen, gerade weil ich da wissensmäßig völlig unbeleckt bin, das war eine völlig fremde, aber hochinteressante Welt für mich.
Ich habe "The City & The City" auch noch auf meinem Stapel für den Herbst, vielleicht lese ich das zusammen mit "Kraken", wenn das TB im Novemeber erscheint.
Wieso hast Du Dir überhaupt den "Sorcerer's Apprentice" angesehen? Das ist keine "Wie kannst Du nur?"-Frage (das wäre albern), sondern eine danach, was Dich angesprochen hat, weil ich Trailer und Informationen über den Film eher für mich abweisend und unattraktiv fand. Kann gut sein, dass ich den gänzlich auslasse und nicht mal als Billich-DVD schieße.
Geschrieben von molosovsky, am: Dienstag, 14. Sep. 2010
Ich trug mich mit der Hoffnung, dass der zu den (wenigstens halbwegs) *guten* Bruckheimer-Filmen gehört. Ich finde ja einige der von ihm produzierten oder gedrehten Bumm-Bratz-Schinken durchaus ziemlich gut (für die Art von Flick, die sie sein sollen).
Geschrieben von simifilm, am: Mittwoch, 15. Sep. 2010
«Pianomania», der Dokumentarfilm, der der Grund für das Interview mit Stefan Knüpfer ist, kann ich allen wärmstens empfehlen. Einer der unterhaltsamsten Filme des vergangenen Jahres (und das sage ich nicht nur, weil ich für die internationale Premiere des Films mitverantwortlich war).
01. April 2012: Während der Layout-Neugestaltung des Blogs, gibt es vorrübergehend keine Link- oder ›Molochronik DeLuxe‹-Liste oder Buttons.
Die Inhalte dieses Blog dürfen nur unter Beachtung folgender Lizenz von Creative Commons bearbeitet werden. Wenn Sie bezüglich der Rechte hier nicht sicher sind, folgen Sie bitte dem CC-Link oder wenden sich per eMail an mich.