molochronik
Mittwoch, 22. Juni 2005

John Dowland: »My heart and tongue were twins«

(Literatur, Lyrik) – Text und Übersetzung eines Liedes des englischen Renaissance-Komponisten und Lautisten John Dowland (1563-1626).

Ich danke Andrea für zwei klärende Verbesserungen.

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My heart and tongue were twins, at once conceived,
th'eldest was my heart, born dumb by Destiny,
the last my tongue, of all sweet thoughts bereaved:
yet strung and tun'd to play heart's harmony.

Both knit in one, and yet assunder placed:
what heart would speak the tongue doth still discover.
What tongue doth speak is of the heart embraced,
and both are one to make a new found lover.

New found, and only found in gods and kings,
whose words are deeds, but words nor deeds regarded.
Chaste thoughts do mount and fly with swiftest wings,
my love with pain, my pain with loss rewarded.

Then this be sure, since it is true perfection,
that neither men nor gods can force attention.

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Zusammen empfangen sind mein Herz und meine Zunge Zwillinge,
älter das Herz, durch's Schicksal dumpf seit Geburt,
jünger die Zunge, aller süßen Gedanken beraubt:
doch gespannt und gestimmt die Harmonie des Herzens zu spielen.

Beide zu einem geknotet, jedoch getrennt plaziert:
immer noch entdeckt die Zunge, was das Herz sprechen würde.
Vom Herz wurde umarmt, was die Zunge dann sagt,
und beide sind eins um eine neue Liebe zu gründen.

Frisch gegründet – wie nur in Göttern und Königen,
deren Worte wie Taten sind – doch weder Worte noch Taten beachtend.
Besteige keusche Gedanken und fliege mit eiligsten Flügeln,
meine Liebe mit Schmerz, meine Schmerzen mit Verlust belohnend.

Also steht fest, da es doch wahre Vollkommenheit ist,
daß weder Menschen noch Götter Zuneigung erzwingen können.

Aus »A Pilgremes Solace – The Fourth Booke of Songs«, 1612.

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