Freitag, 6. März 2009

»Watchmen«

Eintrag No. 543 — Gestern um 22:30 aus dem Turm-Kino raus. Leichter Nieselregen hält die grauen BetonFlächen der Innenstadt feucht. Zu warm und babbich für frühen März. Frankfurt wirkt wie eine Umgebung, aus der mir jederzeit Rorschach und Co. entgegenkommen könnten.

Fühle mich alt. So ist das also, wenn die Kunst, welche mich als Jugendlicher befeuerte nun in der Mitte der Gesellschaft ankommt. Kino war fast voll (okey: es war der kleine Saal 2), und ich habe kaum Menschen unter 30 gesehen. Frage mich, was ich davon halten soll.

Vor dem Film eine »Watchmen«-Tasse besorgt. (Ich habe schon eine ›Snoopy beim Schreiben‹ und eine Lisa Simpsons-Tasse.) Zum ersten Mal in meinem Leben die ganz große Popcorn-Portion gekauft. Fast hätte ich die auch ratzeputz geschafft.

Die Geschichte von »Watchmen« kenne ich so auswendig, wie manche Gläubige ihre heiligen Texte. War also mit dem ganzen Wirren Handlungs- und Weltenbau-Wust des Filmes keineswegs überfordert. — Als Film war Zack Snyders Version der Geschichte sehr hübsch anzuschauen. Die Schauspieler haben gute bis sehr gute Arbeit geleistet. Überhaupt: die ganze Schufterei sieht man dem Film echt an. Da ist jeder Cent auf der Leinwand. Und damit es wirklich passt, hätten es gerne noch ein paar Cent mehr sein dürfen. Und vor allem mehr Zeit. Man merkt dem Film auch an, dass er in vergleichsweise kurzer Zeit in einem Kraftakt rausgewuchtet wurde (angesichts der irren Komplexität und Fülle des Stoffes).

Doch ich kann beruhigt sein, denn ich bin als »Watchmen«-Fan nicht enttäuscht, als Filmgucker nicht gelangweilt worden. Dennoch: hin- & weg vor Begeisterung und Freude bin ich aber auch nicht. Ich bin so mittenmang. Irgendwie froh es hinter mir zu haben.

Im Kleinen habe ich mich ein paar Mal geärgert: a) Bob Dylans näselnder Nicht-Gesang machten für mich die ansonsten bewundernswerten Main Title zu einer akustische Qual; — b) schon damals in den Achtzigern habe ich Nena und ihre »99 Luftballons« gehasst. Da wäre ja Kajagoogoo oder Adam Ant noch besser (nicht so peinigend) gewesen. Nena hat mir also eine Romantik-Szene von Laurie und Dan versaut.

Zu den Abweichungen, Hinzufügungen und Kürzungen lohnt es sich jetzt nicht, viel zu sagen. Nur soviel: schade, dass nirgendwo diese komische Droge in den lustigen Pfeifen geraucht wird und deshalb auch Laurie völlig unmotiviert auf den falschen Feuerzeug-Knopf drückt; — schade, dass die Hinrichtung des Kindermörders durch Rorschach so verflacht wurde; — und sehr schade, dass die Doc M.-Worte »Nichts endet jemals« von Laurie gesprochen werden und sich statt an Ozzy an Dan richten (und dass da weit und breit kein Modell eines Sonnensystems zu sehen ist).

Aber wiegesagt: all solche Änderungen sind Kleinigkeiten und durchaus im Rahmen des Erträglichen und Üblichen (wie auch das Sony-Productplacement in der Wohnung von Hollis).

Der Kinofilm ist ja nur der Trailer für den letztendlichen Schnitt. Ich bin schon gespannt auf den Piraten.

6 von 10 Sternchen geben.

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10 + + + + + Maßstabsetztendes Meisterwerk; Olympisch.
09 + + + + Überwiegend exzellent; Packend.
08 + + + Bemerkenswert mit leichten Schwächen; Anregend.
07 + + Befriedigendes Handwerk; Kurzweilig.
06 + Unterhaltsam mittelprächtig; Akzeptabel.
Unsichtbare Grenze der absoluten Mittelmäßigkeiten
05 - Brauchbar mittelprächtig; ganz nett, aber insgesamt lau.
04 - - Überwiegend mittelprächtig; Anstrengend bzw. langweilig.
03 - - - Bis auf wenige Momente daneben gegangen; Nervig.
02 - - - - Ziemlich übeles Machwerk; Zeitverschwendung.
01 - - - - - Grottenschlechtes übles Ärgernis; Pathologisch.
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