molochronik

Kino & DVD: Eine Runde Beendiger-Filme

Eintrag No. 568 — Letztes Wochenende ging mit »Diamantenfieber« ein kleines Connery-James Bond-Festival in meinem Heim zu Ende (und »Sag Niemals Nie« zähle ich mal nicht mit). Andrea war sehr erfreut, denn sie kannte nicht einen dieser legendären Streifen, und ich selbst habe diese Klassiker noch nie auf Englisch gesehen.

Ansonsten habe ich es in den letzten Wochen tatsächlich ein paar Mal ins Kino geschafft, jeweils, um mir große Franchise-Materialschlachten zu gönnen, oder besser: zu begutachten, denn groß genossen hab ich da größtenteils nix. Fang ich mal an mit dem neusten Schiff der Terminatoren-Flotte. Die Kurzrezis zu den ersten drei Filmen habe ich ursprünglich für die Filmdatenbank des SF-Netzwerkes geschrieben, die nun schon lange offline ist. Hier zum Teil leicht überarbeitet.

»Terminator«
Hach ja! Dieser Film verbreitet nicht zu knapp diese trashige Athmo, die auch so manchem (späten) Klaus Kinski- oder Charles Bronson-Filmen eigen ist. Achzigerjahretrash bei dem man nicht weiß, ob die Gewalt oder die Frisuren grausamer sind. Ein doller Jäger und Kaninchen-Film. Neben seiner Rolle als Conan der Brbr ist der Cyborgkiller DIE ikonographische Paraderolle für die steirische Eiche Schwarzenegger. Auch Michael Biehn und Linda Hammilton brilliren in ihren Rollen.
Fazit: Exzellenter ›B-Movie‹. Eine echte Gemme des unumwundenen Baller- und Krachbumm-Kinos. Nicht umsonst ein Klassiker.
7 von 10 Punkten.

»Terminator (2) – Tag der Abrechnung«
Ohne Frage einer der drei besten Arnie-Filme (neben »Conan der Brbr«, »Total Recall«, »True Lies« und »Last Action Hero«), soweit man die eben ›ernst‹ nehmen kann. Mir waren aber die Terminator-Filme immer etwas zuuuu kalkuliert cool. Für mich hat Cameron erst ab »The Abyss« begonnen, mich wirklich zu verzaubern. —— Dennoch: T2 ist bei weitem besser als die anderen Teile des Franchise. Hier stimmt das Verhältnis aus überlebensgroßer Äktschn, kleinen besinnlichen Charakter-Momenten und sparsam dosierten ›comic relief‹-Szenen. Edward Furlong in der Rolle des jungen John Conner ist ein Glücksgriff der Casting-Geschichte. — Auch die löbliche Botschaft, dass man nicht irgendwelchem Schicksalsgedöns vertrauen sollte wie ein Lemming, sondern sich selber kümmern muss, wenns um die Zukunftgestaltung geht, wird vorzüglich transportiert. — Nur für das hysterisch-lächerliche Gekreische von Guns'n Roses muss ich ‘nen Punkt abziehen.
Fazit: Schwermetallfilmkunst vom Feinsten. Im Prinzip wie Teil 1, nur diesmal mit richtiger Blockbuster-Aussattung inklusive Prix Ars Electronica-gewüdrigten Pionier-CGI-Effekten. Entsprechend zurecht ein staatstragender Klassiker für Alle.
9 von 10 Punkten.

»Terminator (3) – Rebellion der Maschinen«
Wenn die geplanten Teile 4 und 5 genauso auf den Ideen & der Athmo der Cameron-Teile herumtrampeln, dann kann ich liebend gern darauf verzichten. — Zwei gute Äktschn-Sequenzen (Prügelei beim Tierarzt und Truck-Crashjagd) reißen den Film für mich nicht raus. Die sonst bezaubernde Clare Danes verkümmert aufgrund mangelnder Anforderungen zur (scheiternden) Kreischqueenanwärtin. Stahl und Lockan geben sich Mühe, können aber mit ihren Rollen der schwachen Story auch kein Leben einzuhauchen. Arnie ist schon ein klein wenig zu alt und schleppt sich entsprechend klobig-bratzig und unelegant durch den Film Alle Ansätze, die den Film zu einem bewegenden SF-KaBoom-Drama werden lassen könnten, wurden in einer Soße aus Augenzwinkern und Überraschungslosigkeit ertränkt. Der Schlusskampf mit den aufgemotzten ›Nummer 5‹-Killermaschenen ist ärgerlich lächerlich. Das nutzt auch das Ende mit Conner im Bunker nix mehr.
Fazit: Formelverkrusteter Augenzwinkerschmarrn, der das Franchise gefährlich weit in die Gefilde des Lachhaften und Lahmen navigiert.
4 von 10 Punkten.

»Terminator – Die Erlösung«
Der Film erzählt davon, wie John Conner von einem einfachen Kommandanten (aus der oberen Hierarchie des Widerstandes der Menschen gegen die Skynet-Maschinen) zum Erlöser-Anführer aufsteigt. Und wie er dabei seine aus den Rückblenden, z.B. in »Terminator – Judgemant Day«, bekannte Narbe bekommt. — Der Film krank an einem enormen dramaturgischen Problem: wenn man die bisherigen Terminator-Filme kennt, weiß mann ja, dass Connor sowie sein noch jugendlicher Vater Kyle »Terminator – Die Erlösung« überleben werden. Da kann schon mal keine Spannung aufkommen und die Funktion der anderen Figuren läßt sich entsprechend schnell innerhalb des ersten Aktes an drei Fingern abzählen. —— Den Prolog mit dem oberbeknackten Spruch »Now I know what death tastes like« lass ich mal aus. Das erste Drittel ist ganz okey. Dolles Geballer in einer schön-kaputten »Fallout«-artigen Welt (nur statt Mutanten halt böse Roboter). Höhepunkt ist dann die Begegnung von Marcus mit Connor im Widerstandsbunker. Ab da geht es rapide bergab in die Schlucht des totalen Schwachsinns. Da hilft auch die gelungene Optik (also die gute Art-Work- und Kamera-Arbeit) nix. Der Film nervt ab der Hälfte und schlimmer noch: er langweilt fett. Äktschn ohne Ende aber ohne echte Handlung ist halt strunzöde. Da kann ich mich gleich im Kaufhaus zu den Kiddies stellen die gerade auf ‘ner Konsole zocken und dort zugucken. Ist in etwa genau so ergiebig. —— Was mich am meisten störte, ist der mir sehr unsinnig erscheinende Weltenbau. Beispiel: Wie kommt es, dass die Maschinen die gut bestückten, ziemlich großen Flugzeughangars der Rebellen nicht finden und einfach wegbomben?.
Fazit: Optisch schöner Endzeitstreifen. Tolle Kameraarbeit (irre Bartstoppeloptik!!!), feines Editing und coole Sound-FX. Feine, bratzige Äktschnsequenzen dank CGI-Tricks nach dem letzten Stand der Kunst, die allerdings in den luftleeren Sphären einer behämmerten Story abkacken und den ach so ernsten Streifen einfach nur dröge wirken läßt.
4 von 10 Punkten.

»Terminator: The Sarah Connor Chronicles«
Bisher kenne ich nur die erste Staffel. Was ich aber da gesehen habe, hat mich um einiges mehr begeistert als die Kinofilme 3 und 4. Kein Wunder: statt enthirnte FX-Orgien zu absolvieren legt T:SCC Wert auf dramaturgische Entwicklung, originelles Aufgreifen und Weiterspinnen von Infos und Enzy aus den ersten beiden Filmen (wie entstand Skynet? Zeitenkrieg der Zukunft mit Rebellen und Terminatoren in der Gegenwart). Zudem hat man mit der Figur einer weiblichen Schutzengelterminatrix einen echten Geniestreich geleistet. Summer Glau liefert in ihrer Rolle (Roboter/K.I. auf der Mr. Data/Pinochio-Queste hin zum Menschenverstehen & -Immitieren) eine becircende Leistung ab, ja droht fast, den eigentlichen Hauptfiguren (Mama & Sohn Connor) die Schau zu stehlen. Große Schande, dass diese Serie mit Ende der zweiten Staffel eingestellt wurde.
7 bis 8 von 10 Punkten.

•••••

10 + + + + + Maßstabsetztendes Meisterwerk; Olympisch.
09 + + + + Überwiegend exzellent; Packend.
08 + + + Bemerkenswert mit leichten Schwächen; Anregend.
07 + + Befriedigendes Handwerk; Kurzweilig.
06 + Unterhaltsam mittelprächtig; Akzeptabel.
Unsichtbare Grenze der absoluten Mittelmäßigkeiten
05 - Brauchbar mittelprächtig; ganz nett, aber insgesamt lau.
04 - - Überwiegend mittelprächtig; Anstrengend bzw. langweilig.
03 - - - Bis auf wenige Momente daneben gegangen; Nervig.
02 - - - - Ziemlich übeles Machwerk; Zeitverschwendung.
01 - - - - - Grottenschlechtes übles Ärgernis; Pathologisch.

»Ich Roboter, Du Zuschauer«

Eintrag No. 132 – »Das war nicht nur ein Mensch«, so lautet ein scherzhaft-beeindrucktes Gerücht über Isaac Asimov, »hinter dem Namen hat sich ein dutzendköpfiges Autorenkollektiv pseudonym zusammengetan.«

Er war ein Vielschreiber unter den Vielschreibern und betätigte sich als Roman- und Kurzgeschichtenautor ebenso erfolgreich und fruchtbar, wie als Sachbuchautor und Herausgeber von Anthologien. In meiner Bibliothek ist er nur noch in den beiden letztgenannten Funktionen vertreten, denn mit seiner erzählenden Prosa wurde ich nie recht warm. ••• Meine Skepsis gegenüber dem Erzähler Asimov festigte sich, als ich erfuhr, daß der junge SF-Autor bei der Gestaltung seines vielbändigen Foundation/Psychohistoriker-Zyklus sich weitestgehend an Edward Gibbons »Verfall und Untergang des römischen Imperiums« orientierte. •••

Die Verfilmung seiner Pinocchio-Cyborg-Variante »Der zweihundertjahre Mann« war für mich eine nervige Zumutung an Harmoniesüchtigkeit. Meine Hoffnungen ließen mich sehnen, daß »I Robot« nicht genauso ein Lapsus würde.

Mit dem Vorspann (wässrige und luftblasenverbubbelte Alptraumerinnerung des von Will Smith dargestellten Polizisten Spooner an einen »Auto versinkt im Fluß«-Unfall) wird dem mit Asimov nicht vertrauten Publikum das Fundament von dessen Robotergeschichten geliefert, die drei Gesetze der Robitik:

1. Ein Roboter darf mit seinen Handlungen oder Handlungsunterlassung keinen Menschen schädigen;

  1. Ein Roboter hat den Anweisungen von Menschen immer Folge zu leisten, wenn nicht Gesetz 1 dabei gebrochen wird;
  2. Ein Roboter hat sich um seine eigene Unversehrtheit zu kümmern, wenn dadurch nicht die Gesetzte 1 oder 2 verletzt werden.

»Three law safety« {in etwa: »Dreifache Sicherheit durch Gesetze«} lautet passend der Werbeslogan des Robot-Monopolisten United States Robotics (USR) im Film. Der Roboter-Schöpfer (Artifex und Vater) findet sich – wenige Tage vor der Massenauslieferung einer neuen Roboter-Generation – zu Tode gestürzt mitten in der Lobby des Hauptsitzes von USR. Der Robotern mißtrauende Spooner nimmt die Ermittlung auf, begleitet von einer kühlen Roboter-Psychologin (KI- und Interface-Desingerin). Selbstmord oder Mord durch einen vom Tatort flüchtenden Roboter, die Klärung dieser Frage bedroht den gründlichen Wunsch der Bürger des futuristischen Chicago, den mechanischen Dienern vollkommen vertrauen zu können. Dem Film gelingt es für meinen Geschmack zufriedenstellend, als Mainstreamvehikel unterhaltend die zivilisatorische Abhängigkeit von Technik und unsere Kontrollillusionen sie betreffend zu thematisieren.

Hard SF-Verköstiger und Asimov-Liebhaber muß aber die »Hänsel und Gretel«-simple Gestricktheit der Geschichte und die ziemlich lockere Treue zur Vorlage {ich sag nur: suggested by…} bitter aufstoßen, und man tut deshalb gut daran, »I Robot« als weiteres Lehrstück über Hollywoods Konventionen zu nehmen.

Schwächen:
• konventionelle narrative-ironische Distanz, am deutlichsten anhand Will Smith-Charaktergestaltung zu erkennen. Peinlichkeit wegen pathetisch-katharsischer Überhöhrtheit, wie bei Tom Cruise in »Minority Report«, ist mir persönlich angenehmer, als nerven-beruhigendes Kalauern und Gewitzel;
• dummer Spruch über Schießen mit geschlossen Augen einer mit Waffen unvertrauten Person;
• Spooners nerviger babbelnder junger Kumpel;
• blasse Musik;

Aber Panoramen, große und blick-verführende Wimmel-Bilder und Äktsch'n-Sequenzen funzen durch leicht überdurchschnittliche Könnerschaft, zu der aber die dramatischen und charaktergetragenden Passagen nicht aufschließen, trotz der fast durchwegs guten Nebendarsteller. ••• Roboter-Erfinder, Großmutter, Polizeivorgesetzter, USR-Tycoon, Sicherheitsleute und CGI-Figur Sunny … alle fein. •••

Pluspunkte:
• die verschieden designten und ausgereiften Roboter-Typen, vor allem die neuesten Modelle und ihr einzigartiger Vertreter Sunny;
• die (vor allem beim Showdown überhöht beknackte, somit satirisch archetekturkritische) Gestaltung des USR-Firmensitzes, des Vorplatzes und der ganzen Stadt Chicago, nebst pitoresker Hängebrücken-Ruine;
• Bösewichter mit rot leuchtenden Herzen von der Stange;
• Audi-Vehikel, die sich benehmen wie die guten alten Magnetquirler im Physikunterricht;
• kritische Gags gegen die bedenkliche Praxis des Verbrennungsmotors;
• Flucht aus einem Haus, während es abgerissen wird;
• Kaffee und Katzen als entspannende Szenenbeigaben;
• Medizin aus der Spraydose;
• Ungeholfenheit mit Geräten, die man noch per Knopfdruck und nicht mit der Stimme bedient;

Robotische Fähigkeiten überbieten die menschlichen an Schnelligkeit, Wendigkeit und Robustheit, und so dient die neue cinematographische Grammatik der Bullet-Time {bekannt und Usus geworden durch die Matrix-Filme, aber z.B. für Kenner von Kolibri-Dokumentationen, Brain de Palma- und Eisenstein-Filmen ein alter Hut} als Zuschauer-Service, um angenhem Übersicht wahren zu können, bei den geschwinden Handlungen und Reaktionen bei Verfolgung, Kampf und Geballer. »I Robot« gehört somit zu den Filmen, in denen Gewalt und unmittelbare Gefahr in bewegtbildliche Achterbahngravitation aufgelößt wird und genossen werden können, wie die Replays von gelungen absolvierten PC-Spiel-Situation. Die zur ohnmächtigen Zeugenschaft herausfordernde Authentiziät von Gewalt, wie ich sie zuletzt beeindruckend bei »Master and Commander« empfunden habe, strebt der Film nicht an.

Wertvoll ist der Film sicherlich als für das Durchschnitts-Publikum verständliche Reflektion über die Segnungen und Gefahren von natur-mimetischer Technik. Das für die menschliche Selbstversicherung bedrohliche Motiv der ontologischen Emanzipation von Technik und Dingen klingt an, auch wenn in diesem Fall die luziferische Revolte der Roboter noch einmal abgewendet werden kann. Erstaunt hat mich deshalb das Ausklingen des im Großen und Ganzen netten aber harmlosen Films, denn ich bin nicht sicher, ob die letzte computergenerierte Panorama-Aufnahme eines trockenen Michigan-Sees mit vielen vielen ausgemusterten aber (eigen)motivierten Robotern der Hoffnung oder Furcht Ausdruck verleihen soll.

Sie sind nicht angemeldet