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geschrieben von molosovsky, am: Montag, 30. Jun. 2008
…und hier sind die (meiner unmaßgeblichen Meinung nach) die beiden besten Berichterstattungen dazu, die sich im Netzel finden lassen.

(Eintrag No. 516; Woanders, Literatur)Uno: leider leider leider hatte ich auch dieses Jahr schon wieder Termine und konnte das Ringelreihlesen und die Ensemble-Kritik nicht mitverfolgen. Hoffentlich klappt es nächstes Jahr. — Due: Was für eine Wonne für mich, der ich damals (in meiner Jugend) ORF-»Kunststücke«-Fan war, diesmal Dieter Moor als Klagenfurt-Moderator zu erleben. Ein paar Schnipsel des Wettlesens und die Preisverleihung habe ich gesehen und bin ganz baff gewesen. Wie gesittet das ablief, wie wenig Knall-Peng-Schwachsinn grassierte, wie gepflogen und herzig moderiert wurde. Lediglich Burkhard Spinnens allzu getragene rethorische Spitzenstickerei hat mich ein klein wenig irritiert. Aber warum sollte ich dem einst so angriffslustigen, zeitweise perfide Stichelnden Herrn Spinnen nicht gönnen, mit dem Alter ein wenig betulicher, feierlicher zu werden? Sei ihm und dem Wettlesen gegönnt.

So. Nun aber für alle, die wie ich auch keine Gelegenheit hatten zum Gucken, hier der Linkservice zu den zwei berichtet habenden Grand Damen meines Vertrauens: Und hier noch zur von Andrea zusammengestellten Presseschau.

Vielen Dank für Eure Mühen, Euren Ezzes und Eure geteilte Leidenschaft!
abgelegt unter: Woanders
geschrieben von molosovsky, am: Donnerstag, 03. Apr. 2008
(Eintrag No. 499; Woanders, Blogosphäre, Literatur, Nazi-Fantasy) — Das freut mich freilich, wenn (nun schon zum zweiten Mal) Klaus Jarchow die »Molochronik« erwähnt. Diesmal als eine von sechs Linkempfehlungen zu interessanten, skurrilen und bekloppten Blogs (ich bin mal so frei und pick mir die Sparte ›skuril‹ als für mich passend; ist nicht zu hoch und nicht zu selbstkasteiend): »Sechsmal um den Blog«. Ich finde die Umschreibung ganz gelungen (bis auf die Erwähnung von Tolkien, den ich ja eher skeptisch beäuge):
Der Herr Molosovsky hat umdekoriert - es geht derzeit höchst schwarzweiß und holzschnittartig mit viel ›horror vacui‹ dort zu - und zwischendurch gibt es immer noch diese seltsamen Rezensionen jener Bücher, von denen ich nie vermutete, dass irgendwer sie vermissen könnte. Worum es in ihnen geht? Um Tolkien hoch drei — oder so. Jedenfalls jede Menge Magie und auch andere Substanzen auf dieser Seite. Für mich ist’s der Blick in eine ›andere Welt‹ …
Habe mich auch gleich nach Entdecken der Meldung brav bedankt.

Außerdem …

Scheinbar überall wird ja dieser Tage der Roman »Die Wohlgesinnten« von Jonathan Littell besprochen. (Nebenbei: In der aktuellen »Literaturen« illustriert ein Photo des Nazi-Golem-Bösewichts Kroenen aus dem ersten »Hellboy«-Film den Artikel. — Und ich frage mich, wann die SF- und Cyberpunk-Kreise merken und kommentieren, dass der Debutroman des damals zweiundzwanzigjährigen Littell ein waschechter SF-Hardcore-Flick namens »Bad Voltage« war. Fetzigen Verriss kann man bei »Die Welt« genießen, und dabei die feine Vokabel ›Poshlust‹ lernen.) — Wie auch immer: Derweil ich darauf warte, dass in einem der Antiquas Frankfurts eine für mich erschwingliche Ausgabe von »Die Wohlgesinnten« angeschwemmt wird, bin ich über drei lesenswerte Reaktionen zu diesem Monsterroman gestoßen.

A: — Alban Nikolai Herbst traut sich, uns in seinem Blog »Die Dschungel« mitzunehmen auf seine persönliche Lesereise durch das Buch. Bisher gibt es fünf Einträge in der Themenfach »Notate«: 1. Iris Radisch / 2. Abwehr heilt nicht / 3. Banalität des Bösen / 4. Es ist nicht ausgestanden / 5. Unverfluchtheit. — Spannend zu lesen, wie Herbst sich beim Lesen über die Schulter schauen lässt. Herbst ist derweil begeistert von dem Buch (oder auch ›nur‹ von den Gedanken, auf die ihn selbiges bringt), macht aber aufmerksam darauf, dass seine Notate eben noch kein Schluss-Urteil sind, und er sich womöglich im Laufe der Lektüre noch widersprechen wird. Ich ziehe auf jeden Fall respektvoll meinen Hut, wie Herbst hier die Möglichkeiten des Schreibens im Internet nutzt.

B: — Thor Kunkel hat sich in seiner Blog-Rubrik »Unnatürlich natürlich« Littell und das Pahö um sein Buch vorgenommen und lässt keinen Zweifel daran, dass er beides für schwer überzogen hält. Bedenkenswert, wie Kunkel ausdeutet, dass Jorge Luis Borges mit seiner ca. 2300 Worte kurzen Geschichte »Deutsches Requiem« bereits knapper und eleganter auf den Punkt gebracht hat, was der Katharsisziegel »Die Wohlgesinnten« zur Sprache zu bringen trachtet. Nett auch der Hinweis, dass der Roman in Spanien floppte.

C: — Am differnziertesten hat das italienische Autorenkollektiv Wu Ming den Roman besprochen (auf Englisch). Bei uns sind Wu Ming bekannter unter ihrem ›alten Pseudonym‹ Luther Blissett (nebenbei: dessen historischer, zu Zeiten der Reformation spielender, Infowar-Roman »Q« ist sehr feiner Stoff). Sie vergleichen, wie mir dünkt, durchaus passend, das Hybris-Unternehmen von Littell mit Melvilles »Moby Dick« und unterstreichen die Zweischneidigkeit der Wirkung von »Die Wohlgesinnten«. Einerseits macht Littell schön deutlich, dass eben auch das sogenannte ›Unmenschliche‹ etwas völlig Menschliches ist (jeder kann zum Nazi werden, jedermensch nehme also zuvörderst ›sich selbst‹ suspekt in Augenschein). Andererseits warnt Wu Ming, dass man sich als Komplettleser des Wälzers und dessen zig Seiten langen Greulbeschreibungen in Gefahr begibt abzustumpfen.
»To put it clearly: once we've finished the reading we're meaner than when we started.«
(Nochmal nebenbei: Warum eigentlich wurde von Luther Blissett/Wu Ming nix mehr auf Deutsch herausgebracht. Der Roman »54« dürfte doch bei uns durchaus in für einen Verlag ausreichendem Maße Leser finden, oder? Kalter Krieg, Füfzigerjahre, Cary Grant als Geheimagent und so.).
abgelegt unter: Woanders
geschrieben von molosovsky, am: Montag, 31. Mrz. 2008
(Eintrag No. 495; Woanders, Großraumphantastik, inverse Gebete) — Nicht nur habe ich die Gelegenheit genutzt, mich beim Besuch von Freund David für die von ihm mitgebrachten Doderer-Bücher (»Strudelhofstiege«, »Repetorium« mit einem Exemplar von Alban Nicolai Herbsts »Thetis.Anderswelt« zu revanchieren, zudem zog in den letzten Tagen auch dessen Blog »Die Dschungel« wieder vermehrt meine Aufmersamkeit an.

Hier zu einem dortigen feinen Eintrag von ›findeiss‹, zu dem ich Querbeet-Phantastschelm ein bischen Gedanken- und Zitatenwürze eingestreut habe. Kommt selten genug vor, dass ich das Gefühl habe halbwegs zu gneissen, was in »Die Dschungel« geplauscht wird.
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geschrieben von molosovsky, am: Donnerstag, 27. Mrz. 2008
(Eintrag No. 490; Woanders, Frankfurt, Photographie) — Ich bewundere alle, die mit Photographie und Photos was anfangen können. Seit Jahren versuche ich einen positiven Zugang zum Photographieren zu bekommen, oder Photographie (dort wo sie es wohlt verdient hat) mit mehr Respekt entgegenzunehmen. Das Paradox meiner Haltung: einerseits halte ich eben das ›Auf den Auslöser drücken‹ für keine große Kunst; wenn man nur genug Bilder den lieben langen Tag zusammenklickt, dann kommen unvermeidlich auch ein paar Hübsche bei raus. So what? — Andererseits bin ich selbst ein absolut verkrampfter ›Auf den Auslöser-Dücker‹ und lösche über 2/3 aller geklickten Bilder sofort wieder. Eigentlich sollte ich also durchaus einsichtig sein und eben anerkennen, dass Photographieren-Können eben durchaus eine Fähigkeit ist, die ich eben nicht hab, und deshalb meine Meinung »dass da kaum was dabei ist« eben Quatsch ist. — Kurz: Ich blick bei meiner verqueren Haltung zu Photos selbst nicht ganz durch.

Diese etwas negative Faselei hier, dient aber nur als Einleitung zum Hinweis auf dem »Frankfurt Cluster Album« von Freund David, der die letzten Tage zu Gast in Frankfurt weilte und eben viele Photos geknipst hat. Zudem: Am Sonntag hat auch Andrea Bilder von unserem gemeinsamen Osterspaziergang gemacht.
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geschrieben von molosovsky, am: Sonntag, 24. Feb. 2008
(Eintrag No. 477; Woanders, Zeichenkunst, Humorskribbel) — Ich freue mich ganz besonders, dass ich Euch verehrte Leser heute dazu anstiften kann, sich der zeichnerischen Werke zweier Freunde der Molochronik zu widmen.

Zum einen: Tagebuchforscher, Medien- und Kunstwissenschaftler aufgepasst!

Es gilt ein großartiges Zwitterwerk zu entdecken, denn vor einigen Tagen hat mein Wiener Haberer und Kunst-Kammerad David Ramirer eines seiner schönsten und erstaunlichsten Werke aus seinem reichhaltigen Fundus zugänglich gemacht. Siebzig Scans umfasst dieses Flickr-Album mit den (inkl. Vorder- und Rückumschlag) 140 Seiten visuell geführtem Tagebuch aus dem Jahre 1993. — Nehmt Euch Zeit und staunt und genießt! Wagt es, Euch auf die wagemutige Großzügigkeit und wortwörtliche ›Offenherzigkeit‹ von Meister Ramirer einzulassen.

Zum anderen: Melancholischer Slapstik!

Ebenfalls jüngst erreichte mich die Meldung von Molochronik-Mitglied ishiro (aka. Jueps), der unter »ideals gone wrong« begonnen hat, ›lustige Zeichnungen‹ zu verbreiten. Ich finde Jueps Arbeiten bewundernswert, mit ihrer berührenden Mischung aus krudem Blödsinn & schönster Weltschmerzschwelgerei. — Ich hoffe, die Sammlung wird sich eines gesunden Wachstums erfreuen!
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geschrieben von molosovsky, am: Mittwoch, 20. Feb. 2008
(Eintrag No. 474; Woanders, schöne Zeitverschwendung) — Letztens stolper ich über die Netzelecke von Kevan Davis, dessen Vielseitigkeit mich schlicht plättet. Ein Genie, anders kann ichs nicht zusammenfassen. Hier nur ein paar Beispiele seines Ideenreichtums.

Ach ja: Alles auf Englisch.

Erfahrungspunkte einheimsen für Hausarbeiten und sonstige Alltags-Pflichten? Bitteschön, dann bei »Core Wars« tummeln, die eigene WG oder Bürogemeinschaft anmelden und sich der Queste verschreiben, wer der Sauberheld der Gruppe ist.

Oder einfach nur Lust auf sinnloses Geprügel zweier Affen deren Kampffähigekten durch den eingegeben Namen ausgetrudelt werden? Bitteschon, dann auf zu »Food Eating Battle-Monkeys«.

Fast angemeldet (und immer noch am zucken, ob nicht doch) hätte ich mich ja hier: dem 20.000 Mitspieler (und ca. 830.000 Figuren) umfassenden Browser-Zombi-Rollenspiel »The Urban Dead«. Vielleicht melde ich mich ja noch an, aber ich habe Angst davor, dann wieder viel Zeit zu verschwenden. — Wenigstens ‘ne Tasse werd ich mir wohl irgendwann bestellen.

Immer wieder schön und von mir mittlerweile oft geklickt wurden die Träume vom Antiterror-Spezialisten Jack Bauer auf »24 Dreaming«. Ich hab ja nur ein paar Folgen der TV-Serie geguckt und für zu mau befunden. Aber eine Serie die mit folgendem Intro anfängt, würde ich sofort einschalten (Schnellübersetzt von mir):
»In diesem Augenblick planen Särge einen rattenarschigen Wassersprinkler in die Luft zu jagen. Meine Handtasche und mein Fischadler sind nach Norden ausgerichtet, und Konkubinen mit denen ich arbeite könnten kriminell sein.
Ich bin Federal Agent Jack Bauer, und das ist der selbst-haftenste Mumin meines Lebens.«
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geschrieben von molosovsky, am: Donnerstag, 14. Feb. 2008
(Eintrag No. 469; Gesellschaft, Woanders, Blogosphäre, Medien) — Für die edle (weil wirklich feine) »Medienlese« schrieb Klaus Jarchow gestern erfreulich gegen den vermeidlichen Blog-Blues an. Worum geht’s? Nun ja, irgendwie kommt die Bloggerei und schon gar nicht das ›Kohle machen und Ruhm anhäufen‹ durch’s Bloggen hierzulande mit Schmackes in die Pötte. Die frischgeschlüpften Neo-Bohäm-Mileus, welche mit dem Schoßrechner durch die Kaffeehäuser stromern, fallen zwar auf durch dolle Sprüche und (auch mich für ca. ne halbe Stunde) ansteckenden Enthusiasmus, aber dennoch: der links zwo drei vier Web-ZwoNull-Reibach will nicht fließen.

Im Gegenteil: fieserweise kommen dann auch noch solche kritischen Meckervirtuosen daher, z.B. der nie um ein deutliches Wort verlegene Don Alphonso, der in der »Blogbar« entsprechende Knieschuß- und Übern-Tisch-zieh-Aktionen unermüdlich verbal zerpflückt. — Klar kann man dann als herumkrebsender Web-ZwoNuller der totalen Blauschauerei verfallen (z.B. wenn man mitbekommt, das die Einnahmen durch’s bloggen die einst mal im Alter anfallenden Medizindienstleisungen, wie Organtransplantations-, Kryostase- oder Mind-Download-Kosten, nicht decken können).

Aber egal. Mensch bloggt ja auch nicht, um Organe zu zahlen, sondern um seinen Spaß zu haben beim großen modernen Pa-Hö der vielgleisigen neuen Medienwelt; weil mensch sich eben auch auf der elektronischen Agora rumtreiben und sich dort seine eigene kleine ›Speakers Corner‹ absteckt möchte, eben hinstellt und drauflosmeint und macht (mit oder ohne Handpuppen).

Aber was fasel ich planlos rum. Zurück zum Thema meiner Freude.

Klaus Jarchow meint jedenfalls, dass es halt zu viele Blogs gibt, um einen Überblick haben zu können. Jeder Ausflug in die Blogwelt kann immer noch zum Abenteuer des Abschweifens werden, und da ist es eben schwer, zu finden, was ganz speziell einem selbst taugt. (Unter anderem deshalb bin ich ein Freund von langen kommentierten Link-Listen!). Schließlich kommt Klaus zu Potte und breitet eine kleine Auswahl mit ihm gefallebdeb Blogs aus, und da entfleuchte mir mein eröffnender Freudenseufzer oben, denn …
Über den vielen Mist rede ich immer nur, wenn ich die alten Medien mal rabenschwarz anstreichen will. Deshalb geht es also auch in Blogville gezielt darum, ‘meine Medien’ abseits der Alphamedien zu entdecken. Wie zum Beispiel dies oder dies oder dies oder dies oder dies. Oder, oder, oder … was natürlich andere wiederum alles ganz anders sehen dürfen.
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geschrieben von molosovsky, am: Montag, 04. Feb. 2008
(Eintrag No. 459; Film, Woanders, Phantastik & Komödie, Geheimagent) — Heute habe ich mich zum Jubel von Oli über »Peter’s Friends« in seinem Blog dazugesellt. Im Folgenden mein Kommentar von dort, plus einer kleinen Kostprobe des zum Niederknien dollen Räuberpistolen-Romanerstlings von Hugh ›Dr. House‹ Laurie.

Abgesehen vom Spaß den »Peter’s Friends« für’s Publikum bietet, finde ich, dass dieser Film (wie auch einige vergleichbare Werke von Woody Allen) jedem selbst-kreativen Phantasten als beherzigenswerte ›unphantastische‹ Inspiration dienen kann. Hier gibts keine Magie, nichts Wundersames, keine Gadgets, aber eben erfrischend, schockierendes, komisches, absurdes und weises Geschmenschel hochkonzentriert. — Unter anderem die Latte, die dieser Film vorlegt läßt mich (noch) zögern, selber als Fabulatur (professionell) hervorzutreten. Wenn, dann würde ich selbst zu gerne etwas vorlegen können, was Ernst und Alberei wunderbar versöhnt wie »Peter’s Friends«. Allein die Idee, wilde (Genre-)Phantastik zu betreiben, die aber zugleich so berührend einfach nur vom Auf und Ab des ›Person-Sein‹ erzählt, treibt mich seit Jahren um.

Im weitesten Sinne des Wortes ›Phantasie‹ (= sehen machen, erscheinen lassen) finde ich nämlich solche menschlich, allzu menschlichen Dramen überaus ›phantastisch‹, denn in bester Theatermanier werden hier unsichtbare, innere Vorgänge (Ängste, Hoffnungen, Irrungen und Überzeugungen) anschaulich gemacht.

Und nicht zuletzt brilliert Branagh ja auch mit seiner Regie, bzw. bietet der Film atemberaubende (Steady Cam-)Bildarbeit, z.B. bei der großen Ankunftsszene auf der Eingangstreppe zu Peters Haus.

Was Branaghs Ruf und Stellung angeht: an den Vorwürfen, dass dieser umtriebige irische Energiebolzen an einer übergroßen Portion Eitelkeit krankt, ist ja was dran; und auch, dass er nicht immer ein gutes Händchen bei seinen Projekten hatte. Ich für meinen Teil aber verzeihe diese Schwächen gerne einem, der es immer wieder so gut versteht seine Zuschauer mit seiner Begeisterung anzustecken. Wo ich echte Leidenschaft zu spüren meine, bin ich milde mit Kritik.

Und natürlich ist dieser Film für mich Kult, weil Hugh Laurie hier als Mundtrompeter brilliert.

Apropos Laurie: sehr empfehlenswert ist dessen (ich glaub) bisher einziger Roman »Der Waffenhändler« (antiquarisch als Haffmans-Buch zu haben; gut übersetzt von Ulrich Blumenbach! Aber was die Preise angeht, spinnen die Damen/Herren Anbieter da wohl derzeit heftig. Neuauflage als Taschenbuch tut Not, liebe Inhaber der deutschen Rechte.)

Mit »Der Waffenhändler« (»The Gun Seller«) reicht Laurie seinen Lesern einen betörenden Mix aus James Bond und P.G. Woodehouse, wenn Thomas Lang, Ex-Geheimagent, in eine üble Intriegenkiste verstrickt wird und sich zudem noch in die Tochter des Kerls verliebt, den er killen soll.

Da der Roman ja dereit schwerst vergriffen ist, hier als Trost und Probestückerl der Anfang:
Stellen Sie sich vor, Sie müssen jemandem den Arm brechen.
Den rechten oder den linken — spielt keine Rolle. Wichtig ist, Sie müssen ihn brechen, denn wenn nicht … egal, das spielt auch keine Rolle. Sagen wir einfach, wenn nicht, passiert etwas Furchtbares.
Nun frage ich Sie: Brechen Sie den Arm schnell — knacks, hoppla, ‘tschuldigung, kann ich ihnen beim improvisierten Schienen behilflich sein —, oder ziehen Sie die Sache genüßlich in die Länge, erhöhen ab und zu in winzigen Stufen den Druck, bis der Schmerz rosa und grün und heiß und kalt und ganz generell brüllend unerträglich wird?
Jawohl. Genau. Das Richtige, das einzig Richtige ist, daß Sie es möglichst schnell hinter sich bringen. Brechen Sie den Arm, holen Sie den Brandy, seien Sie ein guter Bürger. Eine andere Antwort gibt es nicht.
Außer.
Außer außer außer.
Was ist, wenn Sie die Person am anderen Armende hassen? Und ich meine hassen, richtig hassen.
Diese Überlegung mußte ich jetzt in Betracht ziehen.
abgelegt unter: Woanders
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geschrieben von molosovsky, am: Sonntag, 03. Feb. 2008
(Eintrag No. 458; Woanders, Kunst, Alternativwelt) — Man stelle sich vor, dass die Nazis nicht nur in Europa gesiegt (wie das wäre, kann man z.B. im Alternativwelt-Krimi »Vaterland« {1992} von Robert Harris lesen), sondern auch jenseits des Atlantiks Nordamerika eingeheimst hätten ins Roich.

Die Künstlerlin Melissa Gould hat sich dazu am Beispiele eines ›Neu-Yorks‹ en detail alle Mühe gegeben diese ›schauderhafte kontrafaktische Vorstellung‹ zu veranschaulichen. Sie hat alte Karten von New York genommen und die tatsächlichen Namen durch Bezeichnungen alter Karten von Berlin ersetzt.

Das ist dann…
…an exploration of psychological transport, place, displacement and memory. This re-imagining of the city plays with comparison and misrecognition, exploring the coexistence of past and present, fiction and reality.

…eine Erforschung psychologischer Verfrachtung, Orte, Fehlplatzierungen und Gedenkinhalte. Diese Neu-Imaginierung der Stadt spielt mit der Vergleichbarkeit und dem Nicht-Wiedererkennen, ergründet so die Gleichzeitigkeit von Vergangenheit und Zukunft, von Fiktion und Wirklichkeit.
Stegreif-Übersetzung von Molo.

Hier zur Seite des Projekts »Neu-York«, mit 21 Detailansichten, Projektbeschreibung, einem Englisch-Deutschen und Deutsch-Englischen Index, Gästebuch und der Möglichkeit einen Druck der Karte zu kaufen (derzeitiger Preis: 2500 US$).

Gefunden im »Strange Maps«-Blog; darauf aufmerksam geworden durch Neil Gaiman.
abgelegt unter: Woanders
geschrieben von molosovsky, am: Freitag, 25. Jan. 2008
(Eintrag No. 448; Woanders, Film, Phantastik-Genre in Deutschland) — Oli sinniert in seinem Blog über einen Artikel des aktuellen »Filmdienst«, wo über das Symposium »Die dämonische Leinwand. Zur Wiederbelebung des phantastischen Genrefilms in Deutschland« berichtet wurde. Hier der von Oli zitierte Abschnitt, der auch mich heiß-kalt umtreibt, weil er sich voll deckt mit meinen entsprechenden Verdachtsmomenten:
Zwar signalisierten die Produzenten, dass Interesse am Phantastischen bestehe, die Widerstände bei dessen Umsetzung seien aber beträchtlich. Ein Stolperstein sei, dass die Förderanstalten entsprechenden Stoffen nicht hold zu sein scheinen. Zusammen mit der Tatsache, dass die Ambitionen und Möglichkeiten der Fernsehredakteure, ihnen auf den Weg zu helfen, eher gering sind, sind das schlechte Voraussetzungen für die Filmproduktion, für die die Gelder aus diesen Quellen existenziell sind. Auch der Rückhalt bei Genre-Freunden und damit die Marktchancen wurden als prekär eingeschätzt: Rainer Stefan (Fantasy Filmfest) meinte, die Fans würden heimischen Produkten mit Misstrauen begegnen — da muss wohl durch Pionierleistungen erst wieder der Boden bereitet werden.
Hier zu meinem Kommentar im »OliBlog« zu dieser Sache.
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geschrieben von molosovsky, am: Sonntag, 13. Jan. 2008
(Eintrag No. 435; Woanders, Spielerei) — Schönheit, Eleganz, Großzügigkeit, Ideenreichtum. Das sind ganz grob einige Eigenschaften die für mich (unter anderem) einen Amœnokraten ausmachen, also einen Anhänger oder Vertreter der ›Herrschaft der Schönheit‹. Wer von den geschätzten Molochroniklesern nix zu tun hat oder schöne Kurzweil von allzu harter Arbeit braucht, den verweise ich auf die wunderbare Seite des amerikanischen Designers Ferry Halim. Nicht nur sind seine Sachen wunderbar gestaltet und auch auf meinem alten, etwas lahmen Mac flüssig zu gucken … nein, der (oder die?) Gute hat hier ein abwechslungsreiches Potpourrie mit derzeit 59 kleinen Zwischendurchspielen zusammengestellt. Alle für umme!

Hier drei Direktlinks zu meinen Favoriten:
  1. A Daily Cup of Tea: Zwei zuckersüchtige Mäuse räumen im Regal ab und weichen Teebeuteln und grünen Kugeln (Kampferbsen?) aus. Hoher Niedlichkeitsfaktor wenn die Hinterherlaufmaus sich am Schwanz der Pioniermaus hochhangelt.
  2. Bugs: Bringe das freche Mädel zum Springen und scheuche dadurch die Krabbelkäfer auf.
  3. Cats: Wolltest Du immer schon mal eine Herde Katzen dirigieren? Wunderbar graziös animiert und einfach nur entspannend.
Ich bin sicher, es ist für jeden Geschmack etwas dabei.
Viel Vergnügen und nicht vergessen ab und zu auf die Uhr gucken (Kinder! Schon wieder soooo viel Zeit verdaddelt!!)
abgelegt unter: Woanders
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geschrieben von molosovsky, am: Donnerstag, 10. Jan. 2008
(Eintrag 432; Woanders, Hessenwahl 2008)Andrea hat sich in »Ordentliche Grüße aus dem Zuwandererviertel« eigentlich nur mal ausführlicher Gedanken über einen programmatischen Wahlkampf-Krampf der CDU gemacht, aber in den Comments artete es dann aus zu einem lustigen Ringelrei an Ideen, wie man Deutschland wieder erträglich machen könnte. Die kommentierenden Leser tauschen da munter Städte und Regionen mit Nachbarländern gegen passendere Eckchen und Örtchen ein, entwerfen feine neue Fahnen und und und.

Gesundheitshinweis: Die vielen Anlässe zum lauten Lachen könnten Raucherlungen in Turbulenzen stürzen.
abgelegt unter: Woanders
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geschrieben von molosovsky, am: Mittwoch, 19. Dez. 2007
(Eintrag No. 427; Woanders, Literatur, Pathos) — Eine der regelmäßigsten Stiche meines schlechten Gewissens, bzw. meiner selbstwahrgenommenen Unzulänglichkeit gründet darin, dass mir bisher noch viel zu wenig Einträge über Helmut Krausser gelungen sind. Immerhin ist er einer der wichtigsten lebenden Kreativen für mich.

Da freut es mich, nun »Die Sprachspielerin« gefunden zu haben. Sie berichtet nämlich über die Poetikvorlesungen von Krausser. Es geht um »Pathos und Präzision«.

Erster Teil vom 08. Nov. 2007:
Er feiert das Pathos nicht, aber er befürwortet es besonnen, möchte es wieder aufgenommen wissen ins Repertoire stilistischen Handwerkszeugs, gerne gepaart mit Ironie, verteidigt es gegen Kritiker, die nur noch Textökonomie unterstützen und Klarheit. Pathos sei eine Übertreibung und Verdeutlichung, eine Unterstreichung der Wichtigkeit, ein Schritt an die Kante, bewege manche Menschen, während es für andere nur schwer erträglich sei. Kinder und Jugendliche würden magisch vom Pathos angezogen, es scheine etwas natürliches zu sein, was den Menschen erst später ausgetrieben werde. Und schließlich: Kunst ohne Pathos sei unmenschlich und blutleer.

Zweiter Teil vom 09. Nov. 2007:
Ganz anders als Alban Nikolai Herbst in seiner Heidelberger Poetik-Vorlesung befürwortet Helmut Krausser eine Trennung zwischen U- und E-Literatur überhaupt nicht und meint sogar, die E-Literatur sei zumeist marginal, beleidigt, von sich selbst eingenommen und messianisch, obwohl sie ein Randdasein friste. Man solle doch lieber den Reichtum des Nebeneinander anerkennen und genießen. Krausser ist der Meinung, gute Literatur müsse es auch mit Harry Potter oder einem Computerspiel aufnehmen bzw. auch eine Dreizehnjährige ohne viel Leseerfahrung begeistern können.

Dritter Teil vom 06. Dez. 2007:
Kraussers Blick auf die Zukunft: eine neue Romantik, ein neuer Idealismus, ein Sturm-und-Drang des Inneren deute sich zumindest an (auch wenn eine neue Epoche sicher neue Benennungen hervorbrächte). Die Behauptung, nach Joyce könne man nicht mehr auktorial schreiben, stamme von Autoren, die weder auktorial nocht sonst wie schreiben könnten. Ein Autor könne niemals etwas für die Nachfolgenden einengen, die einfachste Definition von Kunst sei schließlich immer noch ‘Bereicherung der Welt, Erweiterung des Horizonts’, das stünde ganz im Gegensatz zu einer Einschränkung.
abgelegt unter: Woanders
geschrieben von molosovsky, am: Donnerstag, 26. Jul. 2007
… und zwar gemäß der Stoßrichtung des Satzes von Herbert Marcuse (»Versuch über die Befreiung«) aus dem Jahr 1969:
Nicht das Bild einer nackten Frau, die ihre Schamhaare entblößt, ist obszön, sondern das eines Generals im vollen Wichs.

(Eintrag No. 390, Woanders, Mode) — Wagt also nur mit stählernen Nerven Andreas aufreibend-komischen Bericht »Der Hügel des Schlechten Geschmacks« über den Auflauf der Unmoralischen wie er sich diesertage in Bayreuth ereignet zu lesen.

Zittert über den Angriff der großen Killerpflaume! Schreckt Euch vor dem gebrauchen Teebeutel! Der explodierende Hirntumor ist nichts für schwache Gemüter! Doch Linderung naht: Dumbledore steht uns bei!
abgelegt unter: Woanders
Seit 2339 Tagen aktiv. Am 17. Juli 2008 gab’s zuletzt ‘ne Änderung.
Molos Wunschliste, falls Ihnen die Molochronik gefällt, und Sie mir aus Dankbarkeit eine Freude machen möchen.
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Folge 1: »Präludien & Notturni«
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