Dienstag, 12. Mai 2015

Sydney Padua: »The Thrilling Adventures of Lovelace & Babbage«, oder: Auf zur Differenz-Maschine!

Most important: Thanx to Nick Harkaway who recommended this gem in his blog & on goodreads. FULL OF WIN!

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Interesse an den geschichtlichen Wurzeln der Computertechnologie? Am sozialen Leben von Nerds, Erfindern, unkonventionellen Individualisten in der frühen Viktorianischen Epoche? An Mathematik, Kybernetik und Technikgeschichte? An Problemen zur historischen Quellenkunde und wie man sich der (menschlichen) Wahrheit anhand von Überlieferungen annähert? An Gedankenspielen und Alternativuniversen? — Dann auf, und rann an dieses Buch.

Wie es Sydney Padua gelingt, a) scheinbar ganz lässig einerseits ›einfach nur‹ lustige Cartoons zu bieten, und b) durch Anbringen von Fußnoten (die auch wieder Fußnoten haben können), Endnoten und einem umfangreichen Anhang mit extrem gut verständlichen Sachkundeausflügen zu vermengen, und dann c) die eigene Rolle als begeisterte Amateur-Biographin-Historikerin zu reflektieren, ist atemberaubend.

Entsprechend ist es schwer für mich, meine Begeisterung für den meisterlich umgesetzten Stoff und die gewitzte Autorin/Zeichnerin auseinanderzuhalten. Sydney Padua ist eine dieser einnehmenden, aufgeweckten Personen, die ihr Herz und Ideengestöber scheinbar stets auf der Zunge spazieren führen — und dass sie sich dabei selbst köstlich auf den Arm nimmt, macht sie nur sympathischer. Eigentlich verdient sie ihre Brötchen als Animatorin & Visual FX-Artist (u.a. für »The Iron Giant«, »The Golden Compass« und »John Carter of Mars«) und stolperte in eine Karriere als Comiczeichnerin, weil eine Kumpanin sie für den Ada Lovelace Day 2009 um einen Cartoon gebeten wurde. Computergeschichtlich Gebildete (oder Science Fiction-Leuz, die »Die Differenz Maschine« von Bruce Sterling & William Gibson kennen/mögen) wissen meist zumindest vage, wer Ada Lovelace war.

Fünf längere Cartoons bietet der Band:
a) Die Vorgeschichte von Ada Lovelace & Charles Babbage, und wie ein Trottel von der Zeitstrang-Polizei versehentlich ein Alternativuniverum kreiert, in dem die Lebenswege von Lovelace und Babbage nicht so tragisch verlaufen wie in der tatsächlich stattgefunden haben Wirklichkeit und aus der Difference bzw. Analytival Engine mehr wird, als lediglich Pläne und Teil-Prototypen;
b) Die junge Königin Victoria besucht das Erfinderteam, welches versucht, ihr die Maschine zwecks finanzieller Förderung schmackhaft zu machen, u.a. als Mittel die Weltherrschaft zu erlangen und Verbrechen zu bekämpfen (wobei Verbrechen für Ada — aufgrund ihrer Kindheit als Tochter des berüchtigten Lord Byron und ihrer damit verbundenen, mutmaßlichen Anfälligkeit für Wahnsinn — ›Poesie‹ als Verbrechen gilt, während Babbage allen nervigen Straßenmusikern Londons den Kampf erklärt hat);
c) Wirtschaftskrisen & Pleitebanken gefährden die Gesellschaftsordnung, also bauen Ada & Charles eine Maschine, um die wirtschaftliche Entwicklungen zu prognostizieren (mit einem fulminanten Gastauftritt von I. K. Brunel);
d) Die Analytical Engine soll ein für alle Mal Rechtschreibfehler merzen (mit kleinen Gastauftritten von Charles Dickens, Wilkie Collins und Thomas Carlyle), und bei einem Testlauf verirrt sich eine ganz putzig portraitierte George Eliot, aka Marian Evans, in den Eingeweiden der riesigen Maschine;
e) Ada ist von der Idee Imaginärer Zahlen fasziniert und macht eine »Alice im Wunderland«-artige Reise in ihre Psyche, bei der sie über die Verwandtschaft von Mathematik und Poesie nachdenkt (mit einem Gastauftritt von Lewis Carroll).

Dazwischen gibt es immer wieder kleinere Cartoons z.B. wie Babbage anhand einer seiner Statistiken Maschinenstürmer davon überzeugt, dass Maschinen gar nicht sooo böse sind; oder wie fatal es für den Logiker George Boole ist, nur mit »Nein« und »Ja« auf die Bewirtungsfragen des Dieners von Babbage zu antworten.

Am meisten Respekt gebührt Padua allerdings dafür, wie tief sie in den historischen Quellen — Briefen, Biographien, Büchern mit Klatsch & Trasch der Epoche — geschürft hat, um zig unglaubliche Details zu finden.

Mein persönlicher Favorit: Während Ada beim Besuch der Queen in die Machineninnereien aufbricht, um einer Fehlfunktion nachzuspüren, gibt sich Babbage Mühe, die Königin abzulenken zu unterhalten.

»Erzähl bloß nicht die Geschichte mit dem Käse!«, denkt sich Ada noch.

In ihrer Fußnote erklärt Padua dann, dass sich Babbage eine frühe SF-Story ausgedacht hat, über kleine Wesen, die in einem sich ausweitenden Universum leben. Es entpuppt sich dann, dass die Wesen Käsemilben und das Universum ein Käse ist. Und publiziert hat Babbage das als Sprensel seiner Biographie. Und in einer weiteren Fußnote führt Padua weitere Käsemilben-Geschichten auf, Satiren und Gedichte u.a. von Arthur Conan Dolye dem Erfinder von Sherlock Holmes.

Vollends haben sich dann meine Augen staunend geweitet, aufgrund der Hingabe und dem Vermögen, mit dem Padua etwas so irr Komplexes und Wahnwitziges anschaulich zu erklären vermag, wie die mechanischen Computer aus Zahnrädern, Schneckenwellen, Hebeln, Lochkarten und tausend anderen pfiffigen Vorrichtungen, die Babbage erfunden, und für die Lovelace 1843 (!!!) die ersten Programme geschrieben hat. Ich mein: das ist ein vollwertiger Computer, den man mit einer Kurbel bedient! — Hier ein Beispiel aus Paduas Blog (Katzen jagen die Mäuse, die in den Rechengetrieben der Maschine sonst für Fehler sorgen würden), und der ganze Blogeintrag.

Berührend fand ich, wie das Comic-Sachbuch-Wunderding mit großer Anteilnahme erzählt, was für eine außergewöhnliche Freundschaft Lovelace & Babbage verbunden hat. Beide waren komplizierte, schwierige Menschen, selbst in einer an Exzentrikern reichen Epoche wie dem frühen 19. Jahrhundert. Doch Ada war die einzige Person, die tatsächlich begriffen hat, was für eine mathematische, informationstechnologische und damit gesellschaftliche Revolution die Maschine von Charles in sich barg.

Kurz und knapp also: Charmantes, lehrreiches, unterhaltsames, lustiges und schlaues Wunderbuch. Sprichwörtlich eine eierlegende Wollmichsau. — 5 von 5 Sternchen von mir bei Goodreads, und aufgenommen in die edle Schar meiner Allzeit-Lieblinge.

Wieder einer dieser Titel, dem ich die Daumen drücke, dass ein deutscher Verlag seinen Mumm zusammenkratzt, um ihn auch vielen deutschen Lesern und vor allem jungen Leserinnen zugänglich zu machen.

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Padua, Sydney: »The Thrilling Adventures of Lovelace & Babbage«; Zehn Kapitel und zwei Sach-Anhänge auf 317 Seiten; Gebundene US-Ausgabe mit Schutzumschlag; Pantheon Books, 2015; ISBN: 978-0-307-90827-8.
Auch als eBook erhältlich.
Donnerstag, 30. April 2015

Kleinigkeiten zu »Bloodborne«

Ich spiele derzeit auf meiner PS4 »Bloodborne« und bin verzweifelt, weil ich meinen siebten Gebiet-Bossgegner nicht packe (die Kuttendrillinge ›Shadow of Yharnam‹, die mich mit schnellem Katana, Feuerspritze und Feuerbällen-Fernbeschuss feddich machen). Mindert keineswegs meine Bewunderung für dieses Gothic Horror/Äktschn-Rollenspiel, mit seinem meisterhaften Design, Weltenbau, seiner irren Spannung und ja, wenn ich nicht gerade gegen Wände meines Könnens laufe, ist auch die Äktschn goil.

Sven Kiel vom »Hören, Sehen, Knöpfe drücken«-Blog hat für »Polyneux« einen feinen Beitrag über das Spiel von Hidetaka Miyazaki (Schöpfer der legendär schweren und atmosphärisch gewaltig-beklemmenden Fantasy/Horror-Spiele »Demon’s Souls« & »Dark Souls«) geschrieben: »One more, with Miyazaki«. Kann Sven nur zustimmen, wenn er die Freude am Grauen und Überwältigtsein beschreibt:

Ich öffne eines dieser riesigen Tore, wie ich sie in den Vorgängern zuhauf geöffnet habe und mir kriecht, beim Anblick dieses unbekannten Gebiets vor mir, ein Schauer über den Rücken. Ich spiele offline, weil ich mir die Überraschungen nicht durch Nachrichten oder Blutflecken anderer Spieler vorweg nehmen möchte. Ich fühle mich klein und schwach und weiß nicht, wie ich das alles bewältigen soll. Kurz gesagt: Ich habe keine Ahnung von Bloodborne und finde das wahnsinnig befriedigend.

Einige ungewöhnliche Eigenarten des Spiel-Designs verhandeln Rick & Jack von »Previously Recorded« sehr anschaulich. Eine entscheidende Errungenschaft von »Bloodborne« kann man gut verstehen, wenn man sich Jacks Mantra durch den Kopf gehen lässt:

You are in control
and it’s all your fault.
Du hast die Kontrolle,
und die Schuld liegt nur bei dir.

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»Bloodborne« bringt Liebhaber und Kenner klassischer, dunkler Phantastik zum Sabbern, weil es sehr liebevoll die kosmischen Schrecken der Tradition von H. P. Lovecraft umsetzt. Schön erklärt wird das von youtube-Kanal »Super Bunnyhop«, freilich mit massig Enthüllungen der Geschichte des Spiels (ich mag die Art, wie ›Super Bunnyhop‹ Lovecrafts Werk treu und korrekt, aber auch mit gebotem lässigen Tadel zusammendampft):

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Als Übersetzer kann ich gar nicht anders, als aufzumerken, wenn mir Übersetzungs-Schnitzer und geradezu tölpelhafter Schwachfug unterkommen. Bei der Eindeutschung von »Bloodborne« sind einige köstliche, unfreiwillig komische Unfälle passiert (freilich sei angemerkt, dass für die Spiele-Branche zu übersetzen — in der Branche als ›Game localization‹ bekannt — ein hartes Geschäft ist, bei dem man zumeist unter enorm hohem Zeitdruck steht, was keiner Übersetzung förderlich ist.) — Mir unverständlich, dass man sich nicht darum gekümmert hat, zumindest einen Korrekturleser/Berater zu konsultieren, der vertraut ist mit Horror/Fantasy-Feinheiten. Ich stünde für sowas zur Verfügung!

  • Aus ›visceral attack‹ wurde ›Eingeweideangriff‹. Ist zwar korrekt, klingt aber ulkig. Vielleicht ›Ausweideangriff‹?
  • Hintergrundgeschichte des Weltenbaus von »Bloodborne« ist eh schon rätselhaft genug. Wer nur auf die deutsche Fassung baut, darf sich zusätzlicher Verwirrung erfreuen. Hier die komplette Gegenstandsbeschreibung einer Ritual-Zutat:
    Third Umbilical Cord: A great relic, also known as the Cord of the Eye. Every infant Great One has this precursor to the umbilical cord.
    Every Great One loses his child, and then yearns for a surrogate. The Third Umbilical Cord precipitated the encounter with the Pale Moon, which beckoned the hunters and conceived the hunter’s dream.
    Use to gain Insight and, so they say, eyes on the inside, although no one rememberes what that truly means.
    Drittel einer Nabelschnur: Großartiges Relikt, das als Schnur des Auges bekannt ist. Jeder Großartige hat als Kind diesen Vorläufer der Nabelschnur.
    Jeder Großartige verliert sein Kind und sehnt sich nach einem Ersatz. Die dritte Nabelschnur löst die Begegnung mit dem bleichen Mond aus, der die Jäger ruft und den Traum des Jägers ersinnt.
    Nutze sie um Einsicht und angeblich innere Augen zu erhalten, obwohl sich niemand daran erinnern kann, welche Folgen das hat.

    Meine Annäherung: Mächtige Reliquie, auch bekannt als Strang des Auges. Zu jedem Großen Alten im Kindstadium gehört so eine Vorform der Nabelschnur.
    Jeder Große Alte büßt sein Kind ein und sehnt sich dann nach Ersatz. Das Drittel der Nebelschnur führte zu der Begegnung mit dem Bleichmond, der die Jäger lockte und den Traum des Jägers zeugte.
    Nutze sie um Einsicht zu gewinnen und, so sagt man, ins Innere zu blicken {oder auch: Augen im Inneren zu erhalten}, auch wenn niemand mehr weiß, was das bedeuten soll.
  • Es gibt im Spiel Gesten, um im Multiplayer die Kommunikation aufzupeppen. Klein aber fein-aua, wie ›Shake off cape‹ mit ›Umhang loswerden‹ übertragen wurde {besser: ›Umhang ausschütteln‹, oder auch sinngemäß ›Staub abschnütteln‹}.
  • Verschiedene Begriffe, denen man die Hektik der Übersetzungsarbeit anmerkt:
    • ›Oedon Writhe Rune‹ wurde zu ›Oeden-Winden Rune‹; besser: ›Oedon-Windung Rune‹, vielleicht sogar simpel (traut Euch, Game localization-Verantwortliche!) ›Oedon-Schnörkel Rune‹.
    • Aus einem ›Monocular‹ {Deutsch einfach und korrekt ein ›Monokular‹} wurde ein ›Fernrohr‹.
    • Aus ›Watch Dog of the Old Lords‹ wurde ›Aufpasser der alten Fürsten‹; besser: ›Wachhund der Alten Fürsten‹.
    • Beim Gegenstand ›Hintertomb-Chalice‹ wurden ›unceremonious catacombs‹ zu ›rücksichtslosen Katakomben‹, was freilich an lebende Gräber ohne Manieren denken läßt und ir-gend-wie zur Welt des Spieles passt. Gemeint sind freilich ›schlichte‹ oder ›unfeierliche‹ Katakomben.
    • Beim Gegenstand ›Ritual Blood‹ heißt es auf Deutsch ziemlich umständlich ›dieses ewig fließende Blut‹. Auf Englisch heißt es ›this incocgulable blood‹, was einfach ›dieses nicht gerinnende Blut‹ bedeutet.

ERGÄNZ: Hab die Kuttendrillinge erledigt. Brauchte dafür ca. 800 Heiltränke. Hau jetzt mein letztes Geld für Koks und Freudenmädchen raus und werd abfeiern (hab ja morgen frei). Verwendete keine der empfolenen Taktiken.

Problemstellung: drei Gegner. No. 1 flott mit dem Katana hinter mit her, das in Phase 2 des Kampfes eine ungescheite Reichweite hat; No. 2 nicht ganz so flott zu Fuß wie 1, aber nah bei, meist in geschickter L-Stellung, greift manchmal mit Schwert an, meist jedoch mit Flammenwerfer, und hat in Phase 2 des Kampfes mit Feuerpeitsche auch ne unverschämte Reichweite; No. 3 hält sich im Hintergrund und wirft Triple-Feuerbälle mit Zielfixierung, schlägt in Phase 1 gar nicht, in Phase 2 auch mal mit Keule zu.

Phase 2 beginnt, sobald Trefferpunkte eines Kuttentyps ca. runter sind auf 30%. Phase 3 (in der die Kerle dann zwei Riesenschlangen mit Sofort-Tot-Schaden & irrer Reichweite beschwören können, denen auszuweichen Glückssache ist) beginnt, wenn ein Kuttentyp hin ist und die zwei Verbleibenden nur noch ca. 10% Trefferpunkte haben, oder wenn 2 Kuttentypen perdü sind.

Statt, wie meist empfohlen, zu versuchen, die drei durch Laufen, Flugrollen oder Ausweichschritte zu vereinzeln, oder sie in Kulissen-Grabsteinen zu fixieren (dabei verhedder ich mich nur selbst), blieb ich immer schön nah dran. Angriffen ausweichen, aber stets so, dass man die beiden flotten 1 & 2 in Richtung des Fernkämpfers 3 lockt, so dass ich stets einem, meist zweien, manchmal auch allen drei Gegenern eine verabreichen konnte. — Wichtig ist, die drei gleichmäßig runterzufeilen, um die verschiedenen Kampfphasen kurz zu halten. Die dritte Kampfphase war bei meinem Erfolgsdurchgang gleich schlangenlos vorbei.

Dienstag, 28. April 2015

Nicht wundern!

Aufgrund des neuen Layouts von antville gehe ich das Blog durch und bessere kleine Formatierugs-Macken aus.

Stoße auch ab und zu auf ›zerschossene‹ Einträge, die irgendwie spinnen. Sprich: die zurschießen das ganze Blog-Gefüge, ohne dass erkennbar ist, woran das liegt. Komischerweise kann ich den Text mit html-Auszeichnung kopieren und als neuen Eintrag posten, ohne dass dann alles durcheinander ist. Kann also sein, dass hier unter neuem Datum was kömmt, was aber eigentlich schon alt ist.

Bei diesen zerschossenen Einträgen kann ich leider die Kommentare — wenn es welche gab — nicht retten.

Einhundert Filme

(Filme, na was sonst) — Folgende Liste mit wohl einer ganz passablen Schar guter Filme, ob Klassiker oder Kult, habe ich bei Anke Groener (die in wunderbaren Filmrezis meistens - nicht immer - eine mir widerstrebende Meinung zu äußern versteht) entdeckt. Ursprünglich war die Regel beim Formatieren der Liste: schon gesehen fett, noch sehen wollen kursiv … könnte ich quasi alles einfetten. Muß ich also auf ein höheres Roß und werde in meinen Augen gelungene fett, mißlungene durchgestrichen und noch gar nicht gesehene kursiv setzten.

  1. Godfather, The (1972)
  2. Shawshank Redemption, The (1994)
  3. Godfather: Part II, The (1974)
  4. Lord of the Rings: The Return of the King, The (2003)
  5. Lord of the Rings: The Two Towers, The (2002)
  6. Casablanca (1942)
  7. Schindler’s List (1993)
  8. Shichinin no samurai (1954) (The Seven Samurai)
  9. Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring, The (2001)
  10. Citizen Kane (1941)
  11. Star Wars (1977)
  12. One Flew Over the Cuckoo’s Nest (1975)
  13. Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb (1964)
  14. Rear Window (1954)
  15. Star Wars: Episode V - The Empire Strikes Back (1980)
  16. Raiders of the Lost Ark (1981)
  17. Memento (2000)
  18. Usual Suspects, The (1995)
  19. Pulp Fiction (1994)
  20. North by Northwest (1959)
  21. Fabuleux destin d’Amelie Poulain, Le (2001) ("The Fabulous Destiny of Amelie Poulain")
  22. Psycho (1960)
  23. 12 Angry Men (1957)
  24. Lawrence of Arabia (1962)
  25. Silence of the Lambs, The (1991)
  26. Buono, il brutto, il cattivo, Il (1966) (The Good, the Bad, and the Ugly)
  27. It’s a Wonderful Life (1946)
  28. Goodfellas (1990)
  29. American Beauty (1999)
  30. Vertigo (1958)
  31. Sunset Blvd. (1950)
  32. Pianist, The (2002)
  33. Matrix, The (1999)
  34. Apocalypse Now (1979)
  35. To Kill a Mockingbird (1962)
  36. Some Like It Hot (1959)
  37. Taxi Driver (1976)
  38. Paths of Glory (1957)
  39. Third Man, The (1949)
  40. C’era una volta il West (1968) (Once Upon a Time in the West)
  41. Fight Club (1999)
  42. Boot, Das (1981)
  43. Sen to Chihiro no kamikakushi (2001) (Spirited Away)
  44. Double Indemnity (1944)
  45. L.A. Confidential (1997)
  46. Chinatown (1974)
  47. Singin’ in the Rain (1952)
  48. Requiem for a Dream (2000)
  49. Maltese Falcon, The (1941)
  50. M (1931)
  51. All About Eve (1950)
  52. Bridge on the River Kwai, The (1957)
  53. Monty Python and the Holy Grail (1975)
  54. Se7en (1995)
  55. Saving Private Ryan (1998)
  56. Cidade de Deus (2002) (City of God)
  57. Raging Bull (1980)
  58. Wizard of Oz, The (1939)
  59. Rashemon (1950)
  60. Sting, The (1973)
  61. American History X (1998)
  62. Alien (1979)
  63. Mr. Smith Goes to Washington (1939)
  64. Leon (The Professional) (1994)
  65. 2001: A Space Odyssey (1968)
  66. Vita bella, La (1997) (Life Is Beautiful)
  67. Touch of Evil (1958)
  68. Manchurian Candidate, The (1962)
  69. Wo hu cang long (2000) (Crouching Tiger Hidden Dragon)
  70. Treasure of the Sierra Madre, The (1948)
  71. Great Escape, The (1963)
  72. Clockwork Orange, A (1971)
  73. Reservoir Dogs (1992)
  74. Annie Hall (1977)
  75. Amadeus (1984)
  76. Jaws (1975)
  77. Ran (1985)
  78. On the Waterfront (1954)
  79. Modern Times (1936)
  80. High Noon (1952)
  81. Braveheart (1995)
  82. Apartment, The (1960)
  83. Sixth Sense, The (1999)
  84. Fargo (1996)
  85. Aliens (1986)
  86. Shining, The (1980)
  87. Blade Runner (1982)
  88. Strangers on a Train (1951)
  89. Duck Soup (1933)
  90. Metropolis (1927)
  91. Finding Nemo (2003)
  92. Donnie Darko (2001)
  93. Toy Story 2 (1999)
  94. Princess Bride, The (1987)
  95. General, The (1927)
  96. City Lights (1931)
  97. Lola rennt (1998) (Run Lola Run)
  98. Full Metal Jacket (1987)
  99. Notorious (1946)
  100. Sjunde inseglet, Det (1957) (The Seventh Seal)
Donnerstag, 23. April 2015

Crossover: Todorov & »Brazil«

Eintrag No. 627 — Erster Einblick in ein derzeit im Werden befindliches Illustrations-Projekt (Ergänzung 13. November 2010: Zur Buchseite von Simon Spiegels »Theoretisch phantastisch. Eine Einführung in Tzvetan Todorovs Theorie der phantastischen Literatur«). Nur soviel: es hat mit Phantastik und Todorov zu tun, und ausgebrütet hat es niemand geringerer als mein liebster Internet-Dissens-Partner Simifilm (der Mann, der dafür sorgt, dass mein Hirn und Anspruch auf Zack bleiben).

Wie Molochronik-Leser vielleicht wissen, bin ich nicht gerade begeistert über Todorovs oft zitierte Schrift »Einführung in die fantastische Literatur« … nun ja, genauer: ich bin nicht so glücklich darüber, dass diese merklich in die Jahre gekommene und von den Moden ihrer Entstehungszeit gefärbte Schrift immer noch so ein prominenter Ausgangspunkt für Beschäftigung mit ›der Phantastik‹ ist (denn das, was T. T. meint, kennt man von jeher unter dem stimmigeren Begriff ›Ambivalenz‹). Nichts desto Trotz freue ich mich darüber, dass ich da was Kluges vom Simi illustrieren darf.

Und wie sich Molochronik-Kenner vielleicht denken können, hat Terry Gilliams Film »Brazil« auf meine Entwicklung einen kaum zu überschätzenden Einfluss ausgeübt. »Brazil« funktioniert wie alle groß- und einzigartigen Kunstwerke wie ein fraktaler Kristall … immer und immer wieder fügen sich kleine Ideen-Partikel zu neuen Ästen die sich zurückkrümmen auf die Gesamtform, damit werden zum einen Verweise hinaus zu anderen Werken und in die Welt geschafen, und zum anderen kann man fast an jeder belieben Stelle ein Detail herauspicken und daran zeigen, was für das ganze Werk charakteristisch ist. Das für mich schönste Requisit dieser Art in »Brazil« ist der sogenannte ›Executive Decision Maker‹, den der Bürokrratenheld Sam nach einer Beförderung geschenkt bekommt. Aufsteigen in der Stufenleiter der Macht, aber der von Verantwortung und Paranoia Geplagte soll sich mit einem simplen ›Hirn aus, Zufall an‹-Gegenstand behelfen.

Hier also, was dabei herauskommt, wenn in Molos Hirn Todorov und »Brazil« aufeinandertreffen.

Phantastik-Entscheidungshilfe

Dienstag, 7. April 2015

Die Sprache des Films — Hilfreiche Handreiche von »Brows Held High«

Kyle Kallgren von den ›hoch erhobenen Augenbrauen‹ gehört — für mich — zu den besten Video-Bloggern überhaupt. Sein jüngstes Meisterwerk ist folgender dreiteiliger Sprachkurs, der knapp und doch umfassend erklärt, wie die wichtigsten Vokabeln und Grammatik-Bestandteile des Filmemachens bezeichnet werden (zumindest auf Englisch).

Viel Spaß!

Sonntag, 5. April 2015

Neues Layout … Dank der fleissigen Ameisen von antville.org

Die Möglichkeiten des neuen Layouts mit vielen neuen Funtionen und zeitgemässerem Code — hey, Java! — haben mich veranlasst, das Molochronik-Layout zu resetten.

Ich hoffe, dass die geschätzten Molochronik-Leser, die hier kommentieren, die neuen Eigenschaften und Möglichkeiten genauso genießen wie ich.

Mal schaun. Vielleicht führt das ja dazu, dass ich mich wieder öfter melde.

Cheers
molosovsky

Sonntag, 1. Februar 2015

George R.R. Martin: »Armageddon Rock«, oder: Herzblut mit ›Sex, Drugs & Rock’n Roll … & Fantasy‹

Diesen Roman habe ich zum ersten Mal in den frühen Neunzigern (Heyne-Ausgabe) als Teen gelesen, & er hat mich schon damals schwer beeindruckt. Vorausschicken muss ich folgendes: als 72er-Jahrgang blicke ich von Außen auf die kurze Ära der Hippies, der 68er-Gegenkultur, der Blumenkinder zurück, aber meine Perspektive auf diese Bewegung ist im Zweifelsfall von Sympathie & Respekt geprägt. — Seid also gewarnt: wer die Gegenbewegung der Spät-60er/Früh-70er & ihre (alles andere als eindeutigen Strömungen) für eine liederliche Irrung der Nachkriegsgeschichte hält, & also eher mit einer z.B. Jan Fleischauer-artigen Sicht auf diese Zeit zurückschaut, wird von Ton & Haltung des Romanes wohl ziemlich genervt werden.

Andererseits empfehle ich »Armageddon Rock« allen, die George R.R. Martin vor allem als Schöpfer des Fantasy-Epos über die »World of Ice & Fire« verehren und/oder durch die TV-Verfilmung »Games of Thrones« auf ihn aufmerksam geworden sind, & ihn als Großmeister unerwarteter Handlungsstrangverläufe schätzen, der seine Leser — z.B. mit dem Abbleben von Figuren — zu überraschen versteht. Der zeitgenössische, Weltruhm genießende Martin wirkt im Vergleich zu dem jungen Autor, der »Armageddon Rock« schrieb, fast schon (auf augenzwinkernde Art) abgebrüht, der sich nicht mehr so weit aus dem Fenster lehnt, was seine politische & ideologische Haltung betrifft. Aufgemerkt also, dass der kommerzielle Flop & die Welle negativer Kritiken für »Armageddon Rock« nach Erscheinen des Buches 1983 den Autor dermaßen knickten, dass er sich auf Jahre vom Romanschreiben abwandte, um sich im kommerziellen Betrieb der Film- & TV-Branche zu tummeln (u.a. bei Serien wie »The Beauty & the Beast«).

Was bietet also »Armageddon Rock«?

Strukturell teilt sich der Roman in etwa zwei Hälften. Die Karriere des Ex-Hippies & Polit-Aktivisten Sandy Blair verlief enttäuschend & die feste Beziehung zu einer Immobilienmarklerin bröckelt; aus dem umtriebigen Musik-Journalisten & Mitgründer eines Underground-Magazins der frühen Siebziger wurde ein erfolgloser Roman-Autor der sich leer & ziellos fühlt. Sein ehemaliger Geldgeber-Kammerad vom Magazin hat ihn schon vor Jahren rausgekegelt, & das früher engagierte, freche Blatt glattgebügelt & lässt es nun zur Melodie des Kommerzes & der Mode pfeifen. Kurz: Sandy fühlt sich in den frühen Achtzigern der Ronald Reagan-Zeit fehl am Platze, ohne genau zu wissen, warum. Doch er bekommt eine Chance von seinem alten Magazin-Kumpel: Unter mysteriös-grauseligen Ritualmord-Umständen ist der ehemalige Manager der fiktiven, super-duper-erfolgreichen Band Nazgul (stelle ich mir vor wie eine Ideal-Kreuzung aus The Doors, Led Zeppelin, Deep Purple und Hawkwind) ums Leben gekommen, & Sandy soll eine große Reportage über diesen Manager, sowie die noch am Leben befindlichen Mitglieder der Gruppe schreiben. Bald schon beschließt Sandy, dass er um die ganze Geschichte des Unterschiedes zwischen damals & heute richtig fassen zu können, nach langer Zeit auch wieder Kontakt mit seinen ehemaligen Freunden & Freundinnen aus WG- & Studienzeiten knüpfen will. Immerhin geht um den verlorenen Geist einer untergegangenen Zeit, & was aus ihm geworden ist: Wo sind all die Träume von einer besseren Welt geblieben? (Matthias Beltz hat der deutschen Sprache diesen Weltschmerz des vergeblichen Widerstandes gegen die Hegemonial-Authoritäten folgendes knappe, herzzerreißene Kalauer-Poem vermacht: »Parmesan und Partisan | Wo sind sie geblieben | Partisan und Parmesan | Alles wird zerrieben«.) Also fährt Sandy quer durch die USA & mit dieser ersten Road Trip-Hälfte breitet Martin ein abwechslungsreiches »Einst & Jetzt«-Panorama aus.

Die Nazgul: Der pragmatische Drummer Gopher John, der getrieben von einem Gefühl der Fairness versucht, seinem Provinz-Club jungen Bands Starthilfe zu geben; der sexy, geile Arschloch-Gitarrist Maggio, der über seiner Drogen- & Sexsucht fett & unansehnlich geworden ist; Faxon, der künstlerische Songschreiber-Kopf der Band, vermögend, distanziert, im Familienglück lebend & trotzdem voll Sehnsucht nach alten kreativen Zeiten. Und als Erinnerungs-Gespenst nie fern: Hobbins, der kleine, hypercharismatische Albino, der 1971 von einem Scharfschützen während eines Konzerts ermordete Sänger der Nazgul. — Sandys Freunde: die lebensfrohe, optimistische Maggie, Einsamkeit & Jobroutine machen sie schön langsam fertig; die naive Bambi, die sich früher im gewaltbereiten Protestmilieu tummelte, hat ihr Glück in einer friedlich-abgeschiedenen Kommune bei Kindern & selbstgemachtem, vegetarischem Essen gefunden; Lark, einst leidenschaftlicher Polemiker gegen das Establishment & nun singt er als zynischer Werbefuzzi das Hohelied des Neoliberalismus; der freche intellektuelle Frauenheld Froggy, der als kleiner Uni-Dozent versucht, seinen Studenten die Ideale der Vergangenheit zu vermitteln; und die tragischste Figur des Buches, Slum, der pazifistische, gutmütige Kiffer — eine Art Inkarnation von Tom Bombadil — Sohn aus wohlhabender, konservativer Familie, der vor der Einberufung zu Army nach Kanada floh & von seinem herrischen Vater an die Feldjäger verraten & in die Klapse gesteckt wurde.

Die zweite Hälfte hebt damit an, dass ein geheimnisvoller Millionär mit Leidenschaft für Okkultismus den Plan verfolgt, die Nazgul wieder zusammenzubringen, eine große Revival-Tour auf die Beine stellen will, um so mit der Macht der Nazgul-Musik & mit Hilfe von Blutmagie abzuschließen, was einst versandet ist: nämlich die finsteren, erzkonservativen, unterdrückerischen Kräfte der kapitalistischen US-Gesellschaft zu überwinden, auf die sich der Roman anhand des militärisch-industriellen Komplexes, Nixon, des Vietnamkrieges, der unverhältnismäßigen Polizeigewalt gegen Demonstranten, der Attentaten auf J. F. & Robert Kennedy sowie Martin Luther King bezieht (eingeflochten ist auch die Klage über den zu frühen Tod von Jim Morrison, Jimmy Hendrix & Janis Joplin). Sandy wird als Promotor angeheuert & begleitet also die Proben & Konzerte der wiedervereinigten Nazgul. — (Wie der ermoderte Hobbins ersetzt wurde, will ich nicht verraten. Lest selber, Ihr Süßwassermatrosen!)

Verklammert wird das alles einmal mit einer Art Detektivgeschichte, weil Sandy aufdecken will, wer den Nazgul-Manager wirklich gekillt hat (den offiziellen Ermittlungen traut er so weit, wie er ein Klavier werfen kann); zum zweiten steigert Martin mit großem Geschick die Heftigkeit der ›magischen Verwerfungen‹, die Hauptfigur Sandy drastisch anhand von Alpträumen & Visionen erlebt. Das ergibt dann umwerfend intensiv wirkende Passagen, z.B. wenn Sandy sich schlaflos im Chicago der Achtziger in einer großen Gespenster-Parade der Anti-Kriegs-Demonstranten & harsch durchgreifenden Sicherheitskräfte beim Parteitag der Demokraten 1968 wiederfindet.

Überhaupt Sprache & Stil: Eigentlich logo, dass ein Roman, der teils naiv, teils wehmütig, teils bitter, teils versöhnlich aber stets leidenschaftlich, subjektiv & emotionell danach trachtet, den Geist der »Make Love Not War!«- & »Macht Kaputt Was Euch Kaputt Macht!«-Zeit zu beschwören, in die Vollen greift. Da wird — auch Dank Sandys Schnodderschnauze — kurzweilig kalauert, gesudert, gewitzelt, gestichelt, debattiert. Auch sorgen knackige Beschreibungen von Saufen, Kiffen, Vögeln, Kater-Qualen, Musik-Lauschen & übermütigen Blödsinnsaktionen für Kurzweil. Alle Register der Stimmungsorgel zieht Martin insbesondere bei den schon orgiastischen Konzert-Beschreibung vor allem im letzten Drittel des Romans (Beispiele aus Kap. 20):

Faxons Gesicht war weiß und ausdruckslos geworden, aber seine Finger bewegten sich mit der sicheren Bestimmtheit von einst über die Saiten seines Rickenbacker, und tiefe dröhnende Töne verschmolzen mit dem Strom der Musik, Töne so tief wie das Räuspern Gottes, so bedrohlich wie das erste Grollen eines Erdbebens, so wahr und so schrecklich wie ein Atompilz. {…} Maggio tanzte wild über die Bühne wie jemand, dem man einen elektrischen Schlag versetzt hatte, aber er grinste in einem fort und fletschte höhnisch die Zähne, und seine Gitarre spuckte beißendes, tosendes Feuer. Wie rasend riss er an den Seiten, und die Akkorde flogen wie Rasiermesser. Hobbins wandte sich zu ihm um, funkelte ihn an und kratzte über sein eigenes Instrument. Klänge und Melodiefetzen schossen hin und her, während sie gemeinsam improvisierten. Die Leute standen auf den Stühlen, klatschten über den Köpfen in die Hände, krümmten sich zur Musik, schüttelten sich, fickten die Luft mit den Fäusten.

Ganz selten stieß ich auf Stellen, die ich unelegant fand (z.B. die 1-A Brüste einer Aktivistin, ihre sexy Brustwarzen, die sich stets durch den Stoff abzeichnen! Dafür ist Stoff ja da! … Und Nippel!!). — Außerdem wurde ich durch die Zweitlektüre daran erinnert, was für ein bombiger Geschichtenerzähler Martin ist. Er schreibt zwar im Großen & Ganzen gefällig, also führt keine hoch-›lüterarischen‹ Kunststückchen auf, vielmehr versteht er es z.B. geschickt, das Tempo abzuwechseln, mal zu raffen, mal zu weiten, oder mit ›Leitmotiven‹ zu arbeiten, was den Text zuweilen sehr überzeugend wie einen dieser überlangen, komplexen Prog-Rock-Songs wirken lässt. Ach, & wie es sich für einen apokalyptischen, von düsterer Hippie-Romantik geschwängerten Roman gehört, wird »The Second Coming« von William Butler Yeats ausführlich als Songtext eines Nazgul-Stückes zitiert.

Martin meidet trotz aller merklich spürbaren persönlichen Leidenschaft für ›seine‹ 68er-Gegen- & Musikkultur einseitige Polemik oder platte Parteilichkeit (einige Stellen wirken vielleicht wie blauäugige Verklärung, vor allem was die Musik tatsächlicher Gruppen von damals angeht; aber das wird durch entsprechend wehmütige Schilderungen, wie Kurzsichtig man doch damals war aufgewogen). — Martin gibt sich als nostalgisch-skeptischer Gegner von Fanatismen, Bevormundung & Beengung jeglicher Coleur zu erkennen & der Roman schließt also mit dem beherzigenswerten Fazit, dass Menschen & persönliche Beziehungen glücklicher machen & die Welt wohl besser aussähe, wenn man diese pflegte, statt sich mit kämpferischem Zorn für Ideologien einzusetzen. — Ein wunderbarer Roman, von mir bei Goodreads mit 5 von 5 Sternchen & dem Ettikett »All Time Favorite« bedacht, der glänzend verdeutlicht, dass man den Alternativkultur-Slogan »Sex Drugs & Rock’n Roll« getrost um den vierten Punkt »UND Phantastik« ergänzen kann.

Bonus:

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George R.R. Martin: »Armageddon Rock« (EV: 1983); Aus dem Amerikanischen von Peter Robert; 28 Kapitel auf 391 Seiten; Überarbeitete broschierte Neuausgabe bei Golkonda 2014; ISBN: 978-3-944720-35-7.
ISBN eBook-Ausgabe: 978-3-944720-36-4.
Für ganz innige, bibliophile Martin-Liebhaber gibt es direkt beim Verlag eine auf 111 Exemplare limitierte & signierte Vorzugsausgabe.
Samstag, 24. Januar 2015
Sonntag, 4. Januar 2015

›Liebster Award‹: Antworten auf Fragen

Nominiert wurde ich von Thomas drüben bei ›Schöner Denken‹. Hier die Antworten auf seine Fragen. — Eigene Nominierungen mit entsprechend neuen Fragen werde ich noch aussprechen.

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Warum bloggst Du eigentlich?
—Das ›eigentlich‹ gefällt mir, denn darin schwingt u.a. so ein ›könntest es auch lassen‹ mit. Tatsächlich war 2014 ein trauriges, weil mageres Jahr. Lag zum Teil daran, dass ich mich als Übersetzer und Lektor Projekten des Golkonda Verlags gewidmet habe (neben einem drögen Brotjob der um die 200 Monatsstunden beansprucht); teilweise aber dem Umstand geschuldet war, dass ich in den letzten Monaten kein gutes Händchen mit Schreiben, Zeichnen und dergleichen hatte.

Was ist das Besondere an Deinem Blog?
—Das könnten (am besten wohlgeneigte) Molochronik-Leser besser als ich beantworten.

Dein Lieblingsfilmzitat?
—Im Alltag komme ich immer wieder auf »Schön beschissen gebastelt« aus »Beetlejuice« zurück … leider ist selten ein passender Baum parat, den ich zur dramaturgisch korrekten Unterstreichung der Aussage umtreten kann.

Welches Blog gefällt Dir am besten?
—Muss ich mich entscheiden? Gibt so viele interessante Blogs, bei denen ich regelmäßig vorbeischaue.

Wie schaust Du Filme? Leinwand? DVD? On Demand?
—Größtenteils zuhause auf einem großen Fernseher (den ich seit ca. November 2014 nach fast 20-jähriger TV-Abstinenz besitze, und dessen Sendersuchlauf ich immer noch nicht benutzt habe), von Blu Ray, DVD & Festplatte oder via ›Arte‹-App bzw. ›Netflix‹-App; oder gerne auch im Kino, wobei das Angebot englischsprachiger OV-Filme (meine Lieblingsbeute) in Ffm seit Weggang der US-Army leider deutlich ausgedünnt ist.

Welche/n RegisseurIn würdest Du gerne interviewen?
—Wenn es darum geht, etwas aus einem Filmemacher rauszukitzeln, wie er so tickt, wie er warum seine kreativen und technischen Entscheidungen trifft, dann am ehesten mit David Fincher.
—Mit Ridley Scott würde ich gerne mal ein ernstes Wörtchen dazu reden, warum er sich im Lauf seiner Karriere zu einem Darling der Produzenzen entwickelt hat, der vor allem pompösen (wenn auch schön anzuschauenden) Schwachfug zusammenschustert, dessen Marketing um Klassen besser ist als das Produkt. Kann mir nicht vorstellen, dass »The Duellists«, »Alien«, »Blade Runner«, »Gladiator« und »Kingdom of Heaven« (Directors Cut) Zufallstreffer waren.

Was ist das nächste große Projekt in Deinem Blog?
—Überhaupt mal wieder mehr Einträge zustandebringen; vielleicht auch endlich mal den Mut und die Disziplin zusammenkratzen, um Podcasts oder vBlogs anzubieten … wer weiß?

Was begeistert Dich an Filmen?
—Im Idealfall das Zusammenspiel aus allem: Drehbuch, Schauspiel, Bilder, Musik, und Schnitt. Ich will die maximale Packung: was fürs Hirn und Herz (selbstverständlich auch für Augen und Ohren); explodierende Außerirdische mit philosophischem Tiefgang; künstlerisch fein gemachte Monster-Sause inklusive gesellschaftlicher Relevanz. Für Animationsfilme (aller Art), Filme, welche die aristotelische Einheit aus Thema, Raum und Zeit einhalten (wie zuletzt »Gott des Gemetzels«) und reine Bild- und Musik-Werke (wie die »Quatsi«-Trio) habe ich eine besondere Schwäche.

Der am meisten unterschätzte Film?
—Ganz aktuell: »Die Legende der Prinzessin Kaguya«. So geht Märchen. Der vielleicht reifste ›Kinderfilm‹, den ich kenne. Insbesondere als Freund der Phantastik bin ich einfach nur überwältigt, mit welch zarten, alltäglichen kleinen Dingen es das Studio Ghibli versteht, mich zu bezaubern. Leider werden die Ghibli-Filme in Deutschland saumäßig für den Lichtspielhausmarkt verwertet; laufen immer mit großer Verzögerung bei uns, in wenigen Kinos, und wenn, dann nur einmal am Tag, möglicherweise nur Wochenends und verschwinden schnell wieder. Sind aber viel zu gut und sehenswert, um vor allem für den Heimkinomarkt vermarktet zu werden.

Bist Du der Filmfestivaltyp?
—Eigentlich schon, denn ich bin früher sehr gerne auf Filmfestivals gegangen. Erinnere mich z.B. gerne an Europa- oder Deutschsprachraum-Premieren von »Akira« (70 mm Projektion!), Lars van Triers »Europa«, »Prospero’s Books« oder der erweiterten & restaurierten Version von »Lawrence of Arabia« in den Neunziger-, und »Prinzessin Mononoke« und »Steamboy« in den und Nullerjahren. Leider ging es sich in den letzten Jahren urlaubsmäßig nicht aus, mir entsprechend Urlaub zu nehmen (ich denke immer zu spät daran, welchen zu beantragen). Wie jedes Jahr, will ich auch 2015 ›wirklich‹ versuchen, mir für das ›Fantasy Film Festival‹ die Woche freizuboxen.

Was hältst Du von Creative Commons?
—Von der zugrundeliegenden Idee eigentlich viel, und alle Beiträge der Molochronik stehen unter CC BY-NC-SA 2.0 DE. Aber ich habe mich schon lange nicht mehr mit der Entwicklung auf dem Gebiet näher beschäftigt.

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BONUS: DVD/Blu Ray von »Die Legende der Prinzessin Kaguya« erscheint im April 2014. Molo befiehlt: besorgen und sich lehren lassen, wie das mit dem Seele erheben und Herz berühren beim Geschichtenerzählen geht.

Siehe dazu auch meinen Tweet, als ich aus dem Kino kam:


Deutsch: Verglichen mit einem gutem #Ghibli-Flick — z.B. #PrinzessinKaguya — wirken 99% aller anderen Filme völlig psychopathisch, unreif, grausam & zynisch.

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