Samstag, 5. Oktober 2002
Die offene Gesellschaft ist eine geschlossene Anstalt
Eintrag No. 15 — Zwei schelle Empfehlungen:
1) Der wunderbare Stephen Fry hat mich mit seinem neuestem Roman »Der Sterne Tennisbälle« reichlich unterhalten, aber auch verstört. Damit also - nach meinen Maßstäben — eine sehr gute Lektüre.
Was als hochromantische Liebesgeschichte zweier junger Menschen aus unterschiedlichen Elternhäusern beginnt, mit einem Komplott der Neidischen gegen sie fortfährt, wandelt sich in eine harte und schicksalsmächtige Geschichte von Verschleppung und Verwahrung wider Willen in einer Psychatrischen, der Flucht aus derselben und schließlichen Rache gegen die Unrechtstuer. Grob gesagt also, um einen Remix des Grafen von Monte-Christo unter fruchtbarer Nutzung von Möglichkeiten, die diese Geschichte durch unsere heutige Lebens- und Arbeitswelt erfrischt.
2) Der kräftige Nachklang der Lektüre hat mich verleitet, an einer interessanten Argumentation zu einem Beitrag über Cannabis (Legalisierung »Ja« oder »Nein«) von Andrea teilzunehmen.
Sonntag, 15. September 2002
Kopfschmuck
Eintrag No. 12 — Endlich habe ich es mal wieder geschafft, was zusammenzuscannen, was mir taugt. Die Figur stammt von meinem ehemaligen Wiener WG-Kollegen Anton, das komische Gestrüpp und Rest von mir.
Ein Webblog oben ohne Graphikschnickschnackschmuck ist wie eine Dame ohne Handschuh und Hut. Nämlich nackt, sogut wie.
(Dank an Andrea für die moralische Unterstützung beim Einpfriemeln!)
Freitag, 13. September 2002
Kann sein, ich bin kopfkrank oder Übungen im optimistischen Nihilismus.
Eintrag No. 11 — Zum Einjährigen der IX.XI-Anschläge hatte ich kein großes Vergewisserungsbedürfnis; hab also nicht herumgefernseht.
Ausnahme: zufällig die Doku über die Architektur des WTC auf Phoenix erwischt und mich amüsiert. Gut, die Bauweise war damals innovativ, aber Technik ist halt nicht gegen Zeitraspel und Kreativität gefeit, auch wenn die architektonischen Werke der Technik zuweilen solange in der Gegend herumstehen, daß die kurzlebigen Menschleins gerne glauben möchten, es hätte irgendwas Menschgemachtes in dieser Welt doch so was wie einen Ewigkeitsfreischein.
Insofern bekenne ich ein Apokalyptiker zu sein, der das Kleinklein menschlichen Tuns größtenteils als eitel Tand einstuft. Da ist mein Zeitfokus sicherlich zu unmenschlich weit gefaßt, um im Alltagsleben praktikabel Meinung geben zu können. (Aber: Freudvoll vertraue ich dem Nichts.) Seltsamerweise hat mich der Anschlag gelassener gestimmt. Die Welt hat sich (mir zuliebe) zur Abwechslung mal auf der Bühne so aufgeführt, wie sie es meiner Einschätzung nach jenseits der zivilisatorischen Scheuklappenkulissen eh die ganze Zeit tut.
Die Naivität des Gemensches geht mir aber zuweilen doch sehr gegen den Strich. Dann setzte ich meine Misantrophenkappe auf und Wünsche mir einen Holocaust gegen die Dummheit. Natürlich gibt es Ausnahmen. Die Bewohner New Yorks im Besonderen und die Amerikaner allgemein haben bei mir sozusagen emotionellen Kredit, bevor ich sie für vollkommen naiv und ignorant halte. Sollen sie Trauern, sollen sie an einer Neuformatierung ihres Kollektivgemüths arbeiten (Reboot America, wie die wunderbare Seite Unamerican Activities fordert). Es gibt ja inzwischen erkennbare Anzeichen dafür, daß die Amerikaner lange nicht so einseitig und unkritisch auf die Ereignisse reagieren, wie es das Verhalten von Teilen der US-Regierung suggerieren und sogenannte antiamerkanische Panikhanseln diagnostizieren.
Nun aber mein derzeitiges Weltanschauungsexperiment:
Versuchen, Prezel-Bush, Ashcroft, Cheny, Rice und Co. wirklich und wahrhaftig für DIE GUTEN zu halten. Wie muß ich mir die Welt der Menschen denken, damit daß, was diese Mächtigen anstellen, als DIE praktikabelste und weiseste Option erscheint?
Zum Beispiel die letzte Bush-Rede, mit der die Uno (und andere) unter Druck gesetzt werden: Schon einen Tag nach der Rede macht sich die Arabische Liga auf, mal ein ernstes Wörtchen mit Hussein bezüglich der Waffeninspektion zu reden.
Na bitte.
Das lenkt zwar den Blick nicht wesentlich deutlicher auf das eigentliche Problemland des arabischen Kontinentes - die Saudis - aber es bringt doch begrüßenswerte politische Bewegung in die Region. Zugegeben ist mein Experiment zumindest aus deutscher Befindlichkeitsperspektive recht abseitig.
Zwischenschritt: Weil es uns (1. Welt) zu gut ging und geht, weigert sich der Pelbs, die Wirklichkeit zu sehen wie sie ist: sinnlos, zufällig und unbequem bis wir mit unserer Sinngebung eingreifen. Zu letzterem gehört aber Engagement, und das geht einer Gesellschaft, die sich auf Konsum ausrichtet natürlich pö-a-pö abhanden. Bleibt Eigenintiative im kleinen aus, werden die großen Verhältnisse mehr und mehr von Entropie infiziert.
Angewandt auf mein Gedankenspiel: Die Bush-Regierung (und die US-Tradition des Unilateralismus) setzt nun genau das, machtpolitische Eigeninitiative, auf die Tagesordnung.
Das Problem ist uns vom deutschen Besitzstandswahrunghickhack bekannt. Die Mehrheit sieht die Notwendigkeit zu Erneuerungen, aber niemand will dafür auf Bequemlichkeit verzichten oder etwas riskieren. Aber der Gürtel schnallt sich materiell bedingt auch ohne unsere Zustimmung enger. Die Chance selbst dabei gestaltend einzugreifen wird vertan. Und das wollen sie Bush-Krieger nun nicht ertragen. Lieber machen sie sich unbeliebt, nehmen die Buh-Rufe aus der Staatengemeinschaft in Kauf. So denke ich mir, muß man mal versuchen das zu sehen.
Märchen für die Neuzeit halt.
Mittwoch, 4. September 2002
Nimbussplitter (2)
Überlegung letztens: Auf kosmische Zeitalter umgelegt, ist der bisherige Auftritt des Menschen auf seinem ach so einzigartigen Planeten nur ein Blip im Kosmos. Und Blip macht das Universum auf allen Ebenen ja andauernd. Es kracht ja allein schon ein ziemliches Supernovafeuerwerk.
In solchen Maßstäben gedacht, mach ich mit absolut keine Sorgen um die Menschheit, selbst wenn sie sich demnächst wieder zurück in die Steinzeit entwickeln sollte.
Völlig ohne Zusammenhang dazu, kamen mir folgende Zeilen zu meinem großen Versepos (zur ersten Lieferung):
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Wie schön war die Steinzeit, als Jäger und Sammler
durch die Wälder streiften und brüllten:
»Hurrah! Wilde Erdbeeren!«,
oder:
»Wuaargh! Wilde Eber!«
Plakatverbot — Fortsetzung
Den Anfang der Geschichte um das Verbot des »Wir machen's gleich«-Wahlplakates der Grünen könnt Ihr hier nachlesen. Nun die Fortsetzung (aus Diskretion habe ich den Namen des netten Ordnungsamtmitarbeiters außen vor gelassen):
Königstein an mich:
Sehr geehrter Herr Müller,
es war das erste Mal, dass ein Plakat in Königstein verboten wurde. Es war auch sicher das erste Mal, dass eine Partei ein derartiges Wahlplakat hat drucken lassen. Zwischenzeitlich wurde die Verbotsverfügung jedoch aufgehoben, um den Bundestagswahlkampf nicht zu beeinflussen.
Falls Sie weiter Interesse an den Beweggründen haben, übermitteln wir Ihnen nachfolgend die Begründung:
»Die Darstellung von zwei unbekleideten Frauen gemeinsam mit zwei unbekleideten Männern auf einem Wahlplakat mit der zweideutigen Aufschrift "Wir machen's gleich" lässt zu (oder beabsichtigt), dass darunter der Geschlechtsakt verstanden wird. Das Wahlplakat überschreitet mit seiner Aussage die Grenze zu einer ornographischen Schrift bzw. Darstellung.
Da dieses Wahlplakat im öffentlichen Verkehrsraum oder auf einem öffentlich zugänglichem Grundstück aufgestellt auch von Kindern und Jugendlichen jeden Alters gesehen wird, darf es deren seelisches Wohl nicht beeinträchtigen.
Nach den allgemein geltenden Moralvorstellungen ist die Darstellung von sexuellen Handlungen nicht für Kinder und Jugendliche geeignet. Daher ist durch § 6 JÖSchG des Gesetzes zur Neuregelung des Jugendschutzes in der Öffentlichkeit-Jugendschutzgesetz (JÖSchG) festgelegt, dass Filme für bestimmte Altersklassen freigegeben werden müssen und nur vor diesen vorgeführt werden dürfen. Dies gilt nach § 7 JÖSchG ebenso für Videokassetten, Bildplatten und Bildträger. § 8 Abs.5 JÖSchG verbietet die Aufstellung von Unterhaltungsspielgeräten, mit denen sexuelle Handlungen dargestellt werden, an für Kinder und Jugendliche zugänglichen Orten.
Diese Aufzählung belegt, dass die bildhafte Darstellung von sexuellen Handlungen für Kinder und Jugendliche nach dem JÖSchG als seelische Gefährdung zu werten ist. Gemäß § 1 JÖSchG haben die zuständigen Behörden die zur Abwendung der Gefahr erforderlichen Maßnahmen zu treffen, wenn sich Kinder an Orten aufhalten, an denen Ihnen eine Gefahr für ihr seelisches Wohl droht. Kinder und Jugendliche von den betreffenden Orten, z.B. der Ausfahrt des großen öffentlichen Parkplatzes in Königstein gegenüber dem Haus Hauptstraße 13 ist nicht möglich, da viele die in unmittelbarer Nähe befindlichen Bushaltestellen im Rahmen Ihres täglichen Schulweges benutzen müssen. Daher ist es ein geeignetes Mittel, die restlose Entfernung der betereffenden Plakate aus dem öffentlichen Verkehrsraum zu fordern.«
Mit freundlichen Grüßen
im Auftrag
Ich wieder an Königstein:
… vielen Dank für Ihre Antwort-eMail, ich kann mir vorstellen, die Stadt hat besseres zu tun, als Neugierigen seltsame eMails zu beantworten. Sehr sympathisch Ihre Gesprächsbereitschaft.
Ich gebe zu, daß mich als weitgereisten Bayern das Vorgehen der Königsteiner Ämter doch ehr belustigt als ärgert. Die Entscheidung das Verbot derzeit nicht anzuwenden ist vernünftig.
Einfach ausgedrückt ist es doch sehr schmerzhaft zu sehen, wie einerseits auf mannigfaltige Art für kommerzielle Zwecke sehr agressiv sexuelle/koitusative Motive verbunden mit sprachlicher Mehrdeutigkeit eingesetzt werden können, andererseits aber eine Partei (egal welche) nicht auf Sexuelles verweisen darf, wenn es denn Gegenstand ihrer Politik ist.
Das Wahlplakat empfinde ich in erster Linie als spielerisch; dann durch den Verweis auf das klassische Louvre-Bild etwas bemüht; schließlich technisch sauber gearbeitet und in seiner Aussage angemessen.
Zuletzt möchte ich anmerken, daß ich zwar ein Verteidiger (guter) Pornographie und Erotica bin, der aber bedauert, daß (wie Alfred Döblin sagte) das größte Fenster zu unserer Seele, die Erotik und Sexualität, wie selten was zugepflastert worden sind, von dem Geschrei der Leute.
Meine Komplimente an Sie (und an Ihren Auftraggeber),
mit freundlichem Gruß
Molosovsky
Königstein wieder an mich:
… ich habe mir Ihren Eintrag in Ihrem Web-Tagebuch angesehen und muss Ihnen leider mitteilen, dass Ihre Phantasie nicht annähernd der Realität gleich kommt. Urheber des Plakatverbots sind besorgte Mütter aus Königstein, die es nicht hinnehmen wollten, dass ihre Kinder dieses Plakat nun über mehrere Wochen auf dem Schulweg ansehen müssen. Aufgrund dieser Beschwerden wurde Plakat bewertet und letztlich verboten.
Da Sie ansonsten wohl recht sachlich dieses Thema diskutieren gebe ich Ihnen die Freigabe zur Veröffentlichung der Antwort (Bitte entfernen Sie nur vorab meine Kontaktadresse; einer Überflutung mit Emails und Telefonaten bin ich leider nicht gewachsen).
Mit freundlichen Grüßen
im Auftrag
Ich wieder an Königstein:
… vielen Dank für Ihre Antwort.
In der Tat versuche ich alle Perspektiven auf dieses Problem zu verstehen und bin nicht an einseitiger Polemik interesiert, dafür ist mir das Thema des Konfliks zu sehr mit dem echten Leben verbunden.
Es muß mehr kommuniziert werden heutzutage, viele ausgeblendete Differenzen in der Gesellschaft wollen geklärt werden.
Meine Vorstellung des Verbotsursprungs ist natürlich stark von der polemischen Berichterstattung zB der Bild-Zeitung beeinflußt. Die Information, daß es Ihr Bürgermeister war, der das Verbot anregte, stammt ebenfalls aus der Presse (die den Vorfall hauptsächlich auf seine Skalndalträchtigkeit hin aufbreitet).
Im nächsten Teil werde ich mich selbst als "kleinen Panikhuber" hinstellen, bei dem sofort die Alarmglocken im Gemüth losgehen, wenn er zB CDU-Machtmißbrauch wähnt. Eben diese meine (aber leider auch allgemeine) Verstörtheit ist es, die ich zu thematisieren versuche.
Darum wird es mit bei meiner Berichterstattung gehen: darzustellen, daß es hier um Probleme/Differenzen der Kultur geht, letztendlich um das (Selbst)Verständnis Menschsein und Gemeinschaft.
Ich danke Ihnen nocheinmal für Ihre Bereitschaft zum ›Gespräch‹ und kann Ihnen versichern, daß ich desweitern keine Anliegen (blöde Fragen pp) in dieser Sache habe. Sie können mir aber mailen, falls Sie mit meinen kommenden Berichten Probleme haben. Ergänzen Sie bitte ruhig über die Kommentarfunktion, wenn Sie meine Darstellung ergänzen, relativieren wollen.
Ich bin mehr als froh über Ihr Engagement um Klärung und Sie sind viel weiter auf mich zugekommen, als ich erwartet hätte. Und auch darum geht es: zu zeigen, dass man doch noch ruhig über ideologische Positionen reden kann, ohne gleich in Ressentiments zu verfallen. Alleine, daß Sie mich nicht böswillig verstehen, trotz meiner Sprache, ist ein tolles Zeichen, daß Königstein hiermit setzt (denke ich mal).
Kontaktadresse wird natürlich nicht genannt. Wer es selbst nicht schafft, sowas zu recherchieren, bekommt von mir keine Anweisung/Anleitung zum Amtsbelästigen.
Ich wünsche Ihnen noch ein schönes Wochenende,
mit freundlichem Gruß
Molosovsky
(in glücklicher Hetero-Partnerschaft lebend).
Montag, 2. September 2002
Stoiber von Punkten umzingelt.
Zu einer Zeit, als Edmund Stoiber sich noch mit allen Vieren an den Brüsten der Frauenkirche festhielt, nicht nur um den Anschein zu wahren, aus München, seiner Landeshauptstadt, nicht weg zu wollen … er wollte damals, also Januar 2000, wahrscheinlich wirklich alles andere als nach Berlin für die, äh, die CSU, äh, die CDU/CSU, da brachte der Spiegel mein immer noch Lieblingsbild vom damaligen Niemalskanzlerkanidat.
Und weil Herr Stoiber seine Presseauftritte so schön absolviert, daß meine zwei »Äh’s« im vorherigen Absatz schon obsolete dumme Gags sind, gibt's hier meine Interpretation des Händereibenden.
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Edmund Stoiber Surrounded By Dots
Based on a photography in Der Spiegel (weekly magazine). Drawn in January 2000, before the Minister President of Bavaria Edmund Stoiber thought about candidating for Federal Chancellor (which he did later and lost).
Versäumen Sie nicht die anderen Portaits von Unions-Größen wie:
Don't miss other portraits of politicians from the CDU/CSU-Union (conservativ Democratic/Socialist Christian Partiy):
Wolfgang Schäuble, Roland Koch, Helmut Kohl, Angela Merkel.
Donnerstag, 29. August 2002
Plakatverbot
Im schönen Taunus liegt das noch schönere Königstein, gegen unsittliche Umtriebe geschützt vom Bürgermeister der CDU. Der sah das Wahlplakat der Grünen und da fuhr der heilige Geist der Entrüstung in ihn: »Das ist ja eine pornographische Darstellung, mindestens jugendgefähredend, wenn nicht gar staatszersetzend!«
Dann laß er auch noch den Spruch »Wir machen’s gleich« und da gneiste der Gute, daß dies, zusammen mit dem Bild ja eine unmißverständliche und nichtzuwiderstehende Zwangsaufforderung zum totalen Gruppensex ist, womöglich mit Tieren und Minderjährigen. Kurzum: das Ordnungsamt muß rann und verbot der durchgeknallten Sittenschandepartei das Anbringen des Wahlplakates in Königstein, im schönen Taunus.
So stellte ich mir das vor, und wie ich mir das so vorstellte, da dachte ich mir, so geht's aber nicht ihr Heuchler, und schrieb an die Stelle für Plakatierungsgenehmigungen im Ordnungsamt Königstein.
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Gerade las ich in der BILD-›Zeitung‹, daß das Ordnungsamt Königstein die Plakatierung des Wahlplakates der Grünen verhinderte, dem Schutz der Jugend wegen, weil das Plakat pornographisch sei. Dazu habe ich zwei Anliegen:
- Ist es möglich, eine genauere Stellungsnahme mit Begründung von Ihnen oder den für die entsprechende Anordnung Verantwortlichen Königsteins ob des Verbotes zu bekommen?
- Mich würde auch interessieren, welche anderen Plakate aus der Vergangenheit in Königstein aus ähnlichen Gründen nicht plakatiert werden durften und dürfen.
Ich hoffe, daß das Ordnungsamt Königstein in dieser Sache konsequent handelt, und zB die Auslage der BILD-›Zeitung‹ verbietet und den Verkauf nur unter dem Ladentisch (unter Vorlage eines Altersnachweises nur an Personen ab 18) zuläßt. Die im Vergleich zum Plakat der Grünen gallopierende Pornographie auf den Titelseiten der BILD ist geeignet, vor allem männlichen Jugendlichen ein Frauenbild zu vermitteln, daß ungefähr so geht: »Natasha ist traurig denn der Reisverschluß ihrer Hotpants klemmt… Wer hilft Natasha?«
Sehr würde ich mich über eine Antwort freuen,
mit freundlichem Gruß
molosovsky
Hier geht es zum zweiten Teil der Korrespondenz.
Dienstag, 27. August 2002
Schemagedicht
Erstellt von molosovsky um 16:59
in
Lyrik
Keine Ahnung, wie man kurz, ohne Begriffe der Psychopathologie zu verwenden, sagen kann, warum man als Schreibender dem Schöpfen (Auslöffeln) moderner Lyrik verfallen ist. Vielleicht reizt mich an Lyrik, daß sie beansprucht heikel zu sein, also Artistik zeigen will, und daß sie angenehmerweise kurz sein kann und daher gleich gesaugt ist und schnelles Aburteilen ermöglicht.
Lyrik, das wird selten gesagt, ist ein verdammt schnelles Medium, funktioniert unabhängig von irgendeinem Material, außer unserem Körper (Stimme und Hirn). Aber bitte, wovon rede ich, hier das Schemagedicht:
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Der 1. Satz fängt an.
Der 2. Satz gibt ab.
Es wandelt das Schema der 3.
Knapp der 4.
Es festigt das Thema der 5.
Der 6. Satz legt vor.
Der 7. Satz setzt fort.
Es spiegelt das Thema der 8.
Kurz der 9.
Es endet das Schema der 10.
Montag, 19. August 2002
Hundejammer
Erstellt von molosovsky um 09:19
in
Alltag
Hund bellt ununterbrochen den ganzen Sonntag 14:00 bis 19:30 Uhr. Die Prollfamilie aus dem Paterre gegenüber macht einen Ausflugstag, sperrt die zwei Katzen in den einen, den Kläfferhund in den anderen Teil der Wohnung und braust in den schwülen, heißen Tag. Fenster angelehnt mit dreiviertel herabgelassenen Rollo.
Das nächste Mal wenn das vorkommt, drück die das Rollo hoch, steig ein und erschlag den Hund. Ein Schwert haben wir ja.
Überhaupt bade ich mich mit immer größerer Hingabe in dem Gedankenspiel, daß man einen Hund erschlagen dürfen sollte, wenn er einen Haufen gesetzt hat und der Besitzer einfach weiter zieht. Bekomme das Bild nicht mehr aus dem Kopf, einen Schäferhund mit dem Morgenstern zu perforieren oder wie eine Degenklinge unter dem Gewicht eines frisch aufgespießten Pekinesen wobbelt.
Freitag, 16. August 2002
Leben ist Krieg
In den Achzigern wurde wohl so mancher gehirngewaschen von dem Film <a href="www.koyaanisqatsi.org"target="_blank">Koyaanisqatsi, dieser bild- und musikmächtigen Feststellung, daß das Leben verrückt ist. Es folgte der ebenso unaussprechliche Powaqqatsi, der das Leben in Verwandlung zeigte. Bis heute ragen diese Filme ziemlich solitär aus dem Sumpf der Filmgeschichte.
Ich kann mich noch gut erinnern an die Kunststücke, dem damals von Dieter Moor moderierten Kulturprogramm von ORF II, dem Geheimtip, wenn man einmal die Woche von Mitternacht bis in die Puppen stranges Zeug sehen wollte. Neben Down by Law, Eraserhead und Co., lernte ich als Teenager damals auch Koyaanisqatsi kennen. Hab geheult wie ein Schloßhund nach dem Film, so gewaltig der Strom an Eindrücken, dem ich da ausgesetzt war.
Ein spielfilmlanger Phillip Glass Zeitraffer Zeitlupe Makro Mikroobejektiv Zivilisationskritik Musikclip. Es wundert und ärgert mich, daß bis auf die zweifelhaften Disney-»Fantasia«s, und löblichen Konzertfilm-Versuchen wie »Rattle’n Hum« (U2) und »Big Time« (Tom Waits) nicht mehr solche Kinomusikfilme produziert wurden.
Gute Nachricht aber: mit Naqoyqatsi wird die Qatsi-Trilogie dieses Jahr abgeschlossen.
There is no more nature.
The is only technology.
Everyday life is war.
So der Werbesloagen zum Trailer des im Herbst/Winter anlaufenden Filmes.
AKTUALISIERUNG: Der deutsche Start des Films ist der 12. Juni 2003.
Link-Tipp: Oli hat mittlerweile eine begeisterte Rezension zu »Koyaanisqasti« in seinem Blog veröffentlicht.