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Eine Runde X-Men-Franchise

Eintrag No. 583 — Mann, hab ich viele Filmwertungen aufzuholen, denn in den letzten Wochen gönnte ich mir zwar oft Kino, hatte aber meist kein Glück, sprich: kaum Gefallen an dem, was ich da sah. Beginne ich mein Abarbeiten mit dem neuesten »X-Men«-Film und pflege auch meine alten Kurzrezis aus der SF-Netzwerkdatenbank hier ein.

»X-Men«
Da hat aber jemand (Singer) ein glückliches Händchen für Story und Charaktere. Wie fein, denn das ist ja nicht unbedingt die Schokoseite von Superhelden-Flicks. So aber können sich einige exzellende Mimen als Übermenschen austoben (bis auf Balle Harry macht mir das auch ungeheuren Spaß; ich find die Frau bisher in jedem Film lahm … inklusive »Monsters Ball«). Besonderes Lob verdienen dabei die schönen ruhigen Gefühlspassagen mit Paquin und Jackman.

Die Äktschn wackelt hie und da noch, z.B. beim Kampf gegen Sabertooth im Schnee. So richtig einspielen wird sich das Filmteam erst im zweiten Teil. Doch alles in allem funktioniert das Narrationsschiff, die großen Effekte und wahnwitzigen Phantastereien geben einen aufregenden Tanz um Probleme, die sich aus dem Thema Evolution herauswringen lassen.

Fazit: Hübsch spannendes Superheldenmärchen über die Moral, dass auch der beste Zweck nicht alle Mittel heiligt.
7 von 10 Punkten.

»X-Men 2«
Und wiedermal ist's der zweite Teil einer Trio, der meine Ansprüche am erquicklichsten bedient. Äktschn mit Tiefgang, diesmal sogar richtigen Menschenparkhorror, wenn ein durchgeknallter militaristischer Fundamentatlisten-Papa (wiedermal überragend Brian Cox) seinen zur mentalen Biowaffe gegen Mutanten degradierten (Ex-)Sohn einsetzt.
Ein kleines Wunder für mich, wie dieser Teil brilliant zwischen Comic-Augenzwinkern und emotionell glaubhaften Ensembledrama balanciert. Hier ist Spektakel und Dialog auch ausgewogenerweise gleichwichtig. Einzigartig, wie z.B. die Choreographie des Kampfs der Stahlklauenmutanten enorm viel über die Persönlichkeiten erzählt.
Lieblingsmoment: Magneto schwebt dem Ausgang seines Gefängnisses entgegen.
Lieblingszitat: »Have you ever tried … not being a mutant?«

Fazit: Enorm spannendes Gerangel zwischen Menschen und Mutanten mit Zwangskoalitionen und einer der mitleiderregensten Biowaffen ever.
8 von 10 Punkten.

»X-Men (3): Der letzte Widerstand«
Ach du liebe Zeit! Schon lange nicht mehr so einen offensichtlich durch Studio-Schluri makelbehafteten Blockbusterkandidaten gesehen. Schlampiger Storyaufbau. Was ist aus dem Off-Intro/Outro von Prof. X geworden? Die meisten Kämpfe waren lahm und wirr (besonders z.B. Wolferine im Wald, wo er plötzlich keine Jacke mehr an hat). — Hab ich Beweise? Warum liefert ein und derselbe Komponist (Powell) für den zweiten Teil einen schmissig-themenreichen Track, und bringt im dritten Teil nur planloses Gefidel und Getute zustande? Wahrscheinlich weil er (genau wie der Schnitt) nicht mehr genug Zeit für Sorgfalt hatte. — Schade um die Trio. Einen so deutlich absackenden dritten Teil hat sie nicht verdient.

Fazit: Mehr vom bewährten war angestrebt, es reichte aber nur zu wirrer Masse statt ausgesuchter Klasse.
6 von 10 Punkten.

»X-Men Origins: Wolverine«
Feine Titelsequenz, mittelprächtiger Äktschnbeginn, dann pappsüße Schmalzidylle, dann Hetz und Jagd mit z.T. atemberaubend auffällig schluderig zusammengestoppelten Spezialeffekten. Es folgt ein Rekrutierungs-Mutantenstadel mit albernen Klischees statt Charakteren und nur ein halbwegs brauchbarer (also halbwegs enttäuschender) Showdown. Der Film wirkt vom Drehbuch und der technischen Umsetzung zu schnell und planlos zusammengewixt.

Fazit: Selbst die paar exzellenten überdurchschnittlichen Darsteller, die der Film bieten kann, reissen ihn nicht aus dem Mittelmaß raus. Reicht, wenn man was glotzen will, während man eine mittelgroße Popcornportion niedermacht.
5 von 10 Punkten.

•••••

10 + + + + + Maßstabsetztendes Meisterwerk; Olympisch.
09 + + + + Überwiegend exzellent; Packend.
08 + + + Bemerkenswert mit leichten Schwächen; Anregend.
07 + + Befriedigendes Handwerk; Kurzweilig.
06 + Unterhaltsam mittelprächtig; Akzeptabel.
Unsichtbare Grenze der absoluten Mittelmäßigkeiten
05 - Brauchbar mittelprächtig; ganz nett, aber insgesamt lau.
04 - - Überwiegend mittelprächtig; Anstrengend bzw. langweilig.
03 - - - Bis auf wenige Momente daneben gegangen; Nervig.
02 - - - - Ziemlich übeles Machwerk; Zeitverschwendung.
01 - - - - - Grottenschlechtes übles Ärgernis; Pathologisch.

Kino & DVD: Eine Runde Beendiger-Filme

Eintrag No. 568 — Letztes Wochenende ging mit »Diamantenfieber« ein kleines Connery-James Bond-Festival in meinem Heim zu Ende (und »Sag Niemals Nie« zähle ich mal nicht mit). Andrea war sehr erfreut, denn sie kannte nicht einen dieser legendären Streifen, und ich selbst habe diese Klassiker noch nie auf Englisch gesehen.

Ansonsten habe ich es in den letzten Wochen tatsächlich ein paar Mal ins Kino geschafft, jeweils, um mir große Franchise-Materialschlachten zu gönnen, oder besser: zu begutachten, denn groß genossen hab ich da größtenteils nix. Fang ich mal an mit dem neusten Schiff der Terminatoren-Flotte. Die Kurzrezis zu den ersten drei Filmen habe ich ursprünglich für die Filmdatenbank des SF-Netzwerkes geschrieben, die nun schon lange offline ist. Hier zum Teil leicht überarbeitet.

»Terminator«
Hach ja! Dieser Film verbreitet nicht zu knapp diese trashige Athmo, die auch so manchem (späten) Klaus Kinski- oder Charles Bronson-Filmen eigen ist. Achzigerjahretrash bei dem man nicht weiß, ob die Gewalt oder die Frisuren grausamer sind. Ein doller Jäger und Kaninchen-Film. Neben seiner Rolle als Conan der Brbr ist der Cyborgkiller DIE ikonographische Paraderolle für die steirische Eiche Schwarzenegger. Auch Michael Biehn und Linda Hammilton brilliren in ihren Rollen.
Fazit: Exzellenter ›B-Movie‹. Eine echte Gemme des unumwundenen Baller- und Krachbumm-Kinos. Nicht umsonst ein Klassiker.
7 von 10 Punkten.

»Terminator (2) – Tag der Abrechnung«
Ohne Frage einer der drei besten Arnie-Filme (neben »Conan der Brbr«, »Total Recall«, »True Lies« und »Last Action Hero«), soweit man die eben ›ernst‹ nehmen kann. Mir waren aber die Terminator-Filme immer etwas zuuuu kalkuliert cool. Für mich hat Cameron erst ab »The Abyss« begonnen, mich wirklich zu verzaubern. —— Dennoch: T2 ist bei weitem besser als die anderen Teile des Franchise. Hier stimmt das Verhältnis aus überlebensgroßer Äktschn, kleinen besinnlichen Charakter-Momenten und sparsam dosierten ›comic relief‹-Szenen. Edward Furlong in der Rolle des jungen John Conner ist ein Glücksgriff der Casting-Geschichte. — Auch die löbliche Botschaft, dass man nicht irgendwelchem Schicksalsgedöns vertrauen sollte wie ein Lemming, sondern sich selber kümmern muss, wenns um die Zukunftgestaltung geht, wird vorzüglich transportiert. — Nur für das hysterisch-lächerliche Gekreische von Guns'n Roses muss ich ‘nen Punkt abziehen.
Fazit: Schwermetallfilmkunst vom Feinsten. Im Prinzip wie Teil 1, nur diesmal mit richtiger Blockbuster-Aussattung inklusive Prix Ars Electronica-gewüdrigten Pionier-CGI-Effekten. Entsprechend zurecht ein staatstragender Klassiker für Alle.
9 von 10 Punkten.

»Terminator (3) – Rebellion der Maschinen«
Wenn die geplanten Teile 4 und 5 genauso auf den Ideen & der Athmo der Cameron-Teile herumtrampeln, dann kann ich liebend gern darauf verzichten. — Zwei gute Äktschn-Sequenzen (Prügelei beim Tierarzt und Truck-Crashjagd) reißen den Film für mich nicht raus. Die sonst bezaubernde Clare Danes verkümmert aufgrund mangelnder Anforderungen zur (scheiternden) Kreischqueenanwärtin. Stahl und Lockan geben sich Mühe, können aber mit ihren Rollen der schwachen Story auch kein Leben einzuhauchen. Arnie ist schon ein klein wenig zu alt und schleppt sich entsprechend klobig-bratzig und unelegant durch den Film Alle Ansätze, die den Film zu einem bewegenden SF-KaBoom-Drama werden lassen könnten, wurden in einer Soße aus Augenzwinkern und Überraschungslosigkeit ertränkt. Der Schlusskampf mit den aufgemotzten ›Nummer 5‹-Killermaschenen ist ärgerlich lächerlich. Das nutzt auch das Ende mit Conner im Bunker nix mehr.
Fazit: Formelverkrusteter Augenzwinkerschmarrn, der das Franchise gefährlich weit in die Gefilde des Lachhaften und Lahmen navigiert.
4 von 10 Punkten.

»Terminator – Die Erlösung«
Der Film erzählt davon, wie John Conner von einem einfachen Kommandanten (aus der oberen Hierarchie des Widerstandes der Menschen gegen die Skynet-Maschinen) zum Erlöser-Anführer aufsteigt. Und wie er dabei seine aus den Rückblenden, z.B. in »Terminator – Judgemant Day«, bekannte Narbe bekommt. — Der Film krank an einem enormen dramaturgischen Problem: wenn man die bisherigen Terminator-Filme kennt, weiß mann ja, dass Connor sowie sein noch jugendlicher Vater Kyle »Terminator – Die Erlösung« überleben werden. Da kann schon mal keine Spannung aufkommen und die Funktion der anderen Figuren läßt sich entsprechend schnell innerhalb des ersten Aktes an drei Fingern abzählen. —— Den Prolog mit dem oberbeknackten Spruch »Now I know what death tastes like« lass ich mal aus. Das erste Drittel ist ganz okey. Dolles Geballer in einer schön-kaputten »Fallout«-artigen Welt (nur statt Mutanten halt böse Roboter). Höhepunkt ist dann die Begegnung von Marcus mit Connor im Widerstandsbunker. Ab da geht es rapide bergab in die Schlucht des totalen Schwachsinns. Da hilft auch die gelungene Optik (also die gute Art-Work- und Kamera-Arbeit) nix. Der Film nervt ab der Hälfte und schlimmer noch: er langweilt fett. Äktschn ohne Ende aber ohne echte Handlung ist halt strunzöde. Da kann ich mich gleich im Kaufhaus zu den Kiddies stellen die gerade auf ‘ner Konsole zocken und dort zugucken. Ist in etwa genau so ergiebig. —— Was mich am meisten störte, ist der mir sehr unsinnig erscheinende Weltenbau. Beispiel: Wie kommt es, dass die Maschinen die gut bestückten, ziemlich großen Flugzeughangars der Rebellen nicht finden und einfach wegbomben?.
Fazit: Optisch schöner Endzeitstreifen. Tolle Kameraarbeit (irre Bartstoppeloptik!!!), feines Editing und coole Sound-FX. Feine, bratzige Äktschnsequenzen dank CGI-Tricks nach dem letzten Stand der Kunst, die allerdings in den luftleeren Sphären einer behämmerten Story abkacken und den ach so ernsten Streifen einfach nur dröge wirken läßt.
4 von 10 Punkten.

»Terminator: The Sarah Connor Chronicles«
Bisher kenne ich nur die erste Staffel. Was ich aber da gesehen habe, hat mich um einiges mehr begeistert als die Kinofilme 3 und 4. Kein Wunder: statt enthirnte FX-Orgien zu absolvieren legt T:SCC Wert auf dramaturgische Entwicklung, originelles Aufgreifen und Weiterspinnen von Infos und Enzy aus den ersten beiden Filmen (wie entstand Skynet? Zeitenkrieg der Zukunft mit Rebellen und Terminatoren in der Gegenwart). Zudem hat man mit der Figur einer weiblichen Schutzengelterminatrix einen echten Geniestreich geleistet. Summer Glau liefert in ihrer Rolle (Roboter/K.I. auf der Mr. Data/Pinochio-Queste hin zum Menschenverstehen & -Immitieren) eine becircende Leistung ab, ja droht fast, den eigentlichen Hauptfiguren (Mama & Sohn Connor) die Schau zu stehlen. Große Schande, dass diese Serie mit Ende der zweiten Staffel eingestellt wurde.
7 bis 8 von 10 Punkten.

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10 + + + + + Maßstabsetztendes Meisterwerk; Olympisch.
09 + + + + Überwiegend exzellent; Packend.
08 + + + Bemerkenswert mit leichten Schwächen; Anregend.
07 + + Befriedigendes Handwerk; Kurzweilig.
06 + Unterhaltsam mittelprächtig; Akzeptabel.
Unsichtbare Grenze der absoluten Mittelmäßigkeiten
05 - Brauchbar mittelprächtig; ganz nett, aber insgesamt lau.
04 - - Überwiegend mittelprächtig; Anstrengend bzw. langweilig.
03 - - - Bis auf wenige Momente daneben gegangen; Nervig.
02 - - - - Ziemlich übeles Machwerk; Zeitverschwendung.
01 - - - - - Grottenschlechtes übles Ärgernis; Pathologisch.

DVD-Woche: Präsidentengestrüpp, Spiegelkabinett & Bühnenzauberei

Eintrag No 546 — Hier die kurzen Bewertungen zu den in der letzten Woche geguckten Filme.

W. – Ein missverstandenes Leben.
Oliver Stone ist so einer, der auch dann einen spannenden Film abliefert, wenn eigentlich nur geredet wird. »W.« ist zwar nicht so spektakulär wie »JFK«, und nicht so unheimlich-tragisch wie »Nixon«, kann aber trotzdem mit diesen beiden anderen Präsidenten-Filmen von Meister Stone mithalten. — Die Handlung schreitet auf zweifache Weise episodisch pendelnd voran: a) zwischen der Vergangenheit des jungen W. und (dann grauhaarig) seiner Amtszeit zu Beginn des Irakkrieges; b) zwischen Bush dem Politiker (Abgehordneter und Präsi) und Bush den Privatmenschen (Sohn und Ehemann). Das zusammenklammernde Über-Thema ist die Emanzipation des jungen W. weg von seinem Vater, hin zum höheren GOtt-Vater. Gerade das religiöse Elememt des Filmes hat mich zugleich gruseln und schmunzeln lassen (z.B. wenn nach Konferenzrunden zum gemeinsamen Gebet die Hände gefaltet werden). — Einige Szenen und Aspekte haben mich laut auflachen lassen: als W. eine Eingabe zu harten Befragungsmethoden gutheißt und Waterboarding, Reizentzug und Reizüberlastung mit den Ritualen aus seinen Burschenschaftlertagen vergleicht. Wie die Oberstreberin Concoleza Rice als Alien im Männerkabinett herumwichtelt. Und grandios das ›Finale‹, wenn W. unkontrolliert zu plappern anhebt bei einer Pressekonferenz nach dem Einmarsch im Irak. Auch der Einsatz von schunkeltauglicher Country- und Bierfest-Musik brachte mich zum Lächeln.

Fazit: Obwohl insgesamt zu zahm, unterhält der Film vor allem Dank seiner überragenden Darsteller, vorausgesetzt man bringt die Nerven mit, dem Menschen Bush jr. näher kommen zu wollen.
8 von 10 Punkten.

Mirrors
Das Gute an dem Film: Ex-Detective Kiefer Sutherland dreht als Nachtwächter eines brandgeschädigten, leerstehenden Art-Deko-Kaufhaus (ehemals eine Klinik) in New York seine einsamen Runden, ringt als Ex-Alkie mit Psychoproblemen (mit dem fing er überhaupt erst an, weil er als Bulle jemanden im Dienst erschossen hat), und wird schön langsam irre wegen des dämonischen Spiegelspukes der zuerst im kaputten Gebäude, später auch außerhalb um sich greift. Das Nervige an dem Film: eine aufgesetzte Familien-Beziehungskiste mit einer überspannten Frau und zwei Kindern, von denen der kleine Junge im Lauf des Filmes zum Wirt für die Dämonen zu werden droht. Irgendwann verfranzt sich die Handlung auch in die Provinz zu Hinterwäldlern, bzw. in ein Kloster, wo eine Nonne ein finsteres Geheimnis pflegt. — Die paar pfundigen Gruselpassagen mit Brandopfern die nur im Spiegel existieren, einem maulaufreissendem Mord an einer hübschen Blondine in der Badewanne und die überraschende Schlußvolte machen das Kraut auch nicht fett.

Fazit: Kann trotz ›schöner‹ Verfalls-Optik und einem (wie meistens) überzeugend intensiv spielenden Sutherland nicht überzeugen. Zu lang, zu zäh und (tödlich für jegliche Phantastik) zu bieder-schwachsinnig.
4 von 10 Punkten.

Der Illusionist
Da leider die wichtige Rolle der von zwei Männern umgarten Herzensdame dieses romantisch-historischen Zauberer-Thrillers enttäuschend fade von Jessica Biel dargestellt wird, zündet der Schmacht- und Seufz-Faktor nicht. Bleibt aber immerhin noch das Männertrio, dessen Spiel überzeugt. Ed Norton gibt als die Massen faszinierender Illusionist (der aus einfachen Handwerkermilieu stammt) den zurückhaltenden und stets kontrollierten Perfektionen; Rufus Sewell glänzt als österreichischer Kronprinz wieder mal in der Rolle eines energischen Unsympathlers; und Paul Giambetti darf als Inspektor hin- und hergerissen sein, denn seine Figur ist ein begeisterter Fan des Illusionisten, muß aber der Dienstpflicht wegen dessen vermeindlichen betrügerischen oder gar mörderischen Umtriebe auf die Schliche kommen. — Die Rekonstruktion der Bühnenauftritte des Illusionisten sind fein gemacht (wenn auch die ersichtlichen CGI-Effekte den Zauber abschwächen); der z.T. auf alt getrimmte optische Stil paßt gut zur Stimmung; und die Musik von Philip Glass trägt wie immer bereichernd zur Athmo bei.

Fazit: Tolles männliches Darsteller-Trio in einem ruhig-gediegenen inszenierten Historienkrimi.
6 von 10 Punkten.

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10 + + + + + Maßstabsetztendes Meisterwerk; Olympisch.
09 + + + + Überwiegend exzellent; Packend.
08 + + + Bemerkenswert mit leichten Schwächen; Anregend.
07 + + Befriedigendes Handwerk; Kurzweilig.
06 + Unterhaltsam mittelprächtig; Akzeptabel.
Unsichtbare Grenze der absoluten Mittelmäßigkeiten
05 - Brauchbar mittelprächtig; ganz nett, aber insgesamt lau.
04 - - Überwiegend mittelprächtig; Anstrengend bzw. langweilig.
03 - - - Bis auf wenige Momente daneben gegangen; Nervig.
02 - - - - Ziemlich übeles Machwerk; Zeitverschwendung.
01 - - - - - Grottenschlechtes übles Ärgernis; Pathologisch.

DVD-Abend: Sternen-/Nachbau-Krieg, Clankrieg-Sündenpfuhl

Eintrag No. 545 — Molo allein zuhaus die zweite. Gestern ›nur‹ zwei Filme geguckt. Ich hab mich diesertage auch noch um die »MAGIRA«-Portraits (und den diesjährigen Text) für die 2009-Nummer zu kümmern.

$tar Wars – The Clone Wars
Mein »$tar Wars«-Geschmack ist pervers. Ich finde die neue Trio mit Sissi Anakin und Franz-Padme besser als die alte mit Luki & Leier; ich mag die beiden Zeichentrick-DVDs und nun bin ich durchaus angetan von dieser DVD mit CGI-Abenteuern der Jedis im Kampf gegen das Böse. Angesiedelt sind diese Abenteuer irgendwo zwischen den Filmen »E2: Attack of the Clones« und »E3: Revenge of the Sith«. In dieser Phase zerbröckelt die föderal-demokratische Ordnung der Galaktischen Republik angesichts eines um sich greifenden extremistischen Separatismus (aus dem Hintergrund von den bösen, elitären Siths geschürt). — Anlass für viele Schlachten, wo es denkersparenderweise einfach nur ums Stellung- und Linienhalten geht. Neu dabei ist eine kleine bunte und von Tentakeln auf’n Kopf gezierte Jedischülerin, die dem Anakin auf den Nerv gehen darf (und dabei natüüürlich dafür sorgt, dass der für seine Ungestümheit berüchtigte Anni etwas über Verantwortung lernt). — Hauptmission dieses Films: der Sohn von Jabba the Hut wurde entführt, die Jedis sollen ihn retten, damit Jabba der Republik gewogen bleibt (denn der fette Wurm kontrolliert weite Teile des Randbereichs der bekannten Galaxis). — Die Schauwerte sind grandios, wenn man akzeptiert, dass man es hier mit einer CGI-Grafik- und Animationsqualität zu tun hat, die von so manchen NextGen Spiele-Konsolen (PS3, XBox360) übertroffen wird. Aber die Design-Mukkis der »$tar Wars«-Schmiede sind immer gut, um bonbonfarbsatte Landschaften, aberwitzige und stimmungsvolle Architekturen, und mehr harmlos-zünftigen Lasergeballer zu stemmen, als die Retina auf Dauer aushält.
Fazit: Hier passt inhaltliches und filmisches Niveau zusammen. Statt einer Bong (wie bei den protzigen Spielfilmen) reicht hier ein bescheidenes Gläschen Sekt, um sich trotz des biederen Humors und der vorhersehbaren HAndlung am knackig-bunten Desgin und der ›Zack Bumm Zisch Blitz Wuusch‹-Choreographie zu erfreuen.
7 von 10 Punkten.

Gomorrah – Reise in das Reich der Camorra
Vorausgesetzt, man ist kein krankes A*loch (das sich an realistisch dargestelltem kriminellem Elend aufgeilt), muss man sich bei diesem Film auf eine herbe, aufzehrende Erfahrung gefasst machen. Nichts desto Trotz aber ein Filmerlebnis, das sich lohnt. Erzählt werden verschiedene Facetten aus dem Krieg zweier Gangstergruppen um die Macht. Im Mittelpunkt stehen aber nicht die großen Macker und Krieger, sondern größtenteils Leute, die in anderen Gangster-Filmen bestenfalls als Nebenfiguren auftreten. — Allen, die auf irgendeiner Weise naiv-romantischen Träumen von vormodernen Krieger-Clan- und -Stammgesellschaften anhängen, sollten sich die hier gezeigten Typen und ihr Umfeld genau anschauen. Hier wird die Welt des Verbrechensproletariats und dessen Verflechtung mit der ›normalen‹ & ›ehrenwerten‹ Unternehmenswelt geschildert; es wird anschaulich gezeigt, wie fatal die Faszination für Gewalt und (vermeintlicher) Macht für heranwachsende Männer ist; vor allem aber wird die Trost- und Freudlosigkeit des Gangster-Milieus offenbart, einem Milieu, das oftmals bedenklich ins Spannend-Abenteuerliche verklärt wird. — Ein packender und aufregender Film, obwohl ich zweimal Pause machte, um mich zwischendurch wieder von den Depri-Aromen zu erholen.
Fazit: Interessanter Blick in die Welt des Verbrechens. Wegen des Mangels an Spektakel anfangs gewöhnungsbedürftig; macht das aber bald Wett, weil man merkt, dass hier mal zur Abwechslung nicht gelogen und beschönigt wird.
9 von 10 Punkten.

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10 + + + + + Maßstabsetztendes Meisterwerk; Olympisch.
09 + + + + Überwiegend exzellent; Packend.
08 + + + Bemerkenswert mit leichten Schwächen; Anregend.
07 + + Befriedigendes Handwerk; Kurzweilig.
06 + Unterhaltsam mittelprächtig; Akzeptabel.
Unsichtbare Grenze der absoluten Mittelmäßigkeiten
05 - Brauchbar mittelprächtig; ganz nett, aber insgesamt lau.
04 - - Überwiegend mittelprächtig; Anstrengend bzw. langweilig.
03 - - - Bis auf wenige Momente daneben gegangen; Nervig.
02 - - - - Ziemlich übeles Machwerk; Zeitverschwendung.
01 - - - - - Grottenschlechtes übles Ärgernis; Pathologisch.

DVD-Abend: Tentakel, Tropendonner, Agentenwirren

Eintrag No. 544 — Die Themensparte ›Film‹ habe ich in den letzten Monaten, ach was: Jahren!, stiefmütterlich behandelt. Dabei gucke ich durchaus desöfteren DVDs (auch gerne Serien) und in den letzten Monaten, seit ich wieder besser verdiene, gehe ich auch wieder hie und da ins Kino.

Da sich Andrea in Leipzig herumtreibt (Tag null, »Pension Völkerschlacht«, Tag eins), und ich allein zuhause herumgammel, habe ich die Gelegenheit genutzt und mir einen 3 Filme-Abend gegönnt.

Futurama: Die Ära des Tentakels
Der zweite »Futurama«-Langfilm. Wie immer bei Matt Groenings Zeichentrickwelten bin ich entzückt vom dichten Ideen-Feuerwerk, das hier abgefackelt wird und ich bin nicht sicher, ob ich nun »The Simpsons« oder »Futurama« besser finde. Diesmal gibt’s eine interkosmische Liebes- und Invasionsgeschichte, denn durch einen Riss im Universum dringt ein großer zyklopischer Himmelsball ein, der mit seinen vielen vielen Tentakeln aus Liebesbedürfdigkeit die Menschen übernimmt. Fry darf in der Rolle des zuerst Übernommenen als Papst des kosmischen Sehnsuchtsgrauens die frohe Botschaft »Liebt das Tentakel!« verkünden. — Wir lernen zudem mehr über Kiffs Heimatplaneten und über die exklusive Untergrund-›Liga der Roboter‹. Großer Höhepunkt für mich: der Professor und einer seiner Konkurrenten tragen ihre Streitigkeiten mittels eines gigantischen Kugelspiel-Labyrinths aus; Stephen R. Hawking hat einen kleinen Gastauftritt; und Bender gibt eine vorzügliche ›Jack Sparrow gegen den Kraken‹-Parodie. —— Ach ja, endlich hat jemand eine Idee umgesetzt, die ich vor vielen Jahren auch mal hatte: Frys neue Beziehung wohnt in einem Hochhaus, wo man die verschiedenen Stockwerke nicht mittels eines Fahrstuhls erreicht, sondern indem das Haus in einem Bodenschacht auf- und niedersteigt.

Fazit: Glänzend gezeichneter Zeichentrickspaß mit mehr Gags pro Minute als der Arzt gestattet.
9 von 10 Punkten.

Tropic Thunder
Überdrehte Parodie auf Hollywood-Eitelkeiten, Schauspieler-Bullshit, (sogenannte) ›Reality TV-Shows‹ und Kriegsfilme. Gute erste 20 Minuten, dann stellenweise zäh und unnötig ordinär. Enttäuschend, dass der Film selbst nicht aus dem Korsett der Formel-Rezepte auszubrechen vermag, die er eigentlich bissig auf dem Arm nehmen will. Dennoch: Robert Downey Jr. überrascht mich wieder einmal mit seiner Wandlungsfähigkeit; es hat mich gefreut Nick Nolte mal wieder in einer satirischen Blödel-Rolle zu sehen; und Tom Cruise legt eine verblüffende Vorstellung aufs Parkett, als ›Bösewicht‹-Nebenfigur, zurechtgebrezelt auf dicker und schmierig Finanzmogul. — {Nebenbei: Tom Cruise ist so ein Schauspieler, den ich als Mensch echt eklig finde, erst richtig gruselig wenn er als Scientologe herumgeistert, aber als Schauspieler schafft er es immer wieder mal, mich zu erstaunen.} — Enttäuscht hat mich jedoch Jack Black, den ich bisher immer ziemlich bis sehr gut fand. Zu hektisch-panisch zuckt und brabbelt er als Junkie-Star, und liefert dabei nur wenige zündene Schmunzel- oder Lachgranaten.

Fazit: Kurzweiliger Spaß am besten für für berauschte Filmgucker geeignet; enthält punktuell erfeuliche Schauwerte (Explosionen, lustige Splatter-Einlagen); jedoch trotz Aufwand und Staraufgebot aber enttäuschend flach und harmlos.
6 von 10 Punkten.

Burn After Reading
Vorweg: alle Filme der Coen-Brüder mag ich, wobei ich eingestehe, dass nicht alle Meisterwerke sind; und: ich habe mich bisher noch nicht getraut den berüchtigten Flop »Ladykillers« zu gucken. — »Burn After Reading« ist zuvörderst ein feiner Ensemble-Film und dabei ein ziemlich flottes Story-Durcheinander. Stinknormale kleine Popelmenschen finden eine CD-Rom mit den Aufzeichnungen eines wegen Alkoholproblemen suspendierten CIA-Analysten, und glauben nun, irgendwie Geld damit machen zu können. Zudem geht’s Ehekrisen- und Seitensprung-mäßig kreuz und quer, so dass ich beim ersten Mal gar nicht immer durchgeblickt habe, ob es in den Szenen um die brisante CD-Rom oder um Ermittlungen für anstehende Scheidungsverhandlungen geht. Und wie fast immer bei den Coens sterben plötzlich Leute die seltsamsten Tode und schlägt die Handlungen überraschende Haken wie ein übermütiger Hase. Die Kirsche auf dem Sahnehäubchen ist auch diesmal wieder die Musik von Carter Burwell, der sich ein wenig an Philip Glass orientiert hat, bzw. mit martialisch klingenden Percussions-Enselmble einen interessanten Kontrast zur normalen Welt der Washingtonbewohner schafft.

Fazit: Eine feine schwarze Charakterkomödie über (liebenswerte) Trottel- und (kaltherzige) Kalkülmenschen.
7 von 10 Punkten.

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10 + + + + + Maßstabsetztendes Meisterwerk; Olympisch.
09 + + + + Überwiegend exzellent; Packend.
08 + + + Bemerkenswert mit leichten Schwächen; Anregend.
07 + + Befriedigendes Handwerk; Kurzweilig.
06 + Unterhaltsam mittelprächtig; Akzeptabel.
Unsichtbare Grenze der absoluten Mittelmäßigkeiten
05 - Brauchbar mittelprächtig; ganz nett, aber insgesamt lau.
04 - - Überwiegend mittelprächtig; Anstrengend bzw. langweilig.
03 - - - Bis auf wenige Momente daneben gegangen; Nervig.
02 - - - - Ziemlich übeles Machwerk; Zeitverschwendung.
01 - - - - - Grottenschlechtes übles Ärgernis; Pathologisch.

»Watchmen«

Eintrag No. 543 — Gestern um 22:30 aus dem Turm-Kino raus. Leichter Nieselregen hält die grauen BetonFlächen der Innenstadt feucht. Zu warm und babbich für frühen März. Frankfurt wirkt wie eine Umgebung, aus der mir jederzeit Rorschach und Co. entgegenkommen könnten.

Fühle mich alt. So ist das also, wenn die Kunst, welche mich als Jugendlicher befeuerte nun in der Mitte der Gesellschaft ankommt. Kino war fast voll (okey: es war der kleine Saal 2), und ich habe kaum Menschen unter 30 gesehen. Frage mich, was ich davon halten soll.

Vor dem Film eine »Watchmen«-Tasse besorgt. (Ich habe schon eine ›Snoopy beim Schreiben‹ und eine Lisa Simpsons-Tasse.) Zum ersten Mal in meinem Leben die ganz große Popcorn-Portion gekauft. Fast hätte ich die auch ratzeputz geschafft.

Die Geschichte von »Watchmen« kenne ich so auswendig, wie manche Gläubige ihre heiligen Texte. War also mit dem ganzen Wirren Handlungs- und Weltenbau-Wust des Filmes keineswegs überfordert. — Als Film war Zack Snyders Version der Geschichte sehr hübsch anzuschauen. Die Schauspieler haben gute bis sehr gute Arbeit geleistet. Überhaupt: die ganze Schufterei sieht man dem Film echt an. Da ist jeder Cent auf der Leinwand. Und damit es wirklich passt, hätten es gerne noch ein paar Cent mehr sein dürfen. Und vor allem mehr Zeit. Man merkt dem Film auch an, dass er in vergleichsweise kurzer Zeit in einem Kraftakt rausgewuchtet wurde (angesichts der irren Komplexität und Fülle des Stoffes).

Doch ich kann beruhigt sein, denn ich bin als »Watchmen«-Fan nicht enttäuscht, als Filmgucker nicht gelangweilt worden. Dennoch: hin- & weg vor Begeisterung und Freude bin ich aber auch nicht. Ich bin so mittenmang. Irgendwie froh es hinter mir zu haben.

Im Kleinen habe ich mich ein paar Mal geärgert: a) Bob Dylans näselnder Nicht-Gesang machten für mich die ansonsten bewundernswerten Main Title zu einer akustische Qual; — b) schon damals in den Achtzigern habe ich Nena und ihre »99 Luftballons« gehasst. Da wäre ja Kajagoogoo oder Adam Ant noch besser (nicht so peinigend) gewesen. Nena hat mir also eine Romantik-Szene von Laurie und Dan versaut.

Zu den Abweichungen, Hinzufügungen und Kürzungen lohnt es sich jetzt nicht, viel zu sagen. Nur soviel: schade, dass nirgendwo diese komische Droge in den lustigen Pfeifen geraucht wird und deshalb auch Laurie völlig unmotiviert auf den falschen Feuerzeug-Knopf drückt; — schade, dass die Hinrichtung des Kindermörders durch Rorschach so verflacht wurde; — und sehr schade, dass die Doc M.-Worte »Nichts endet jemals« von Laurie gesprochen werden und sich statt an Ozzy an Dan richten (und dass da weit und breit kein Modell eines Sonnensystems zu sehen ist).

Aber wiegesagt: all solche Änderungen sind Kleinigkeiten und durchaus im Rahmen des Erträglichen und Üblichen (wie auch das Sony-Productplacement in der Wohnung von Hollis).

Der Kinofilm ist ja nur der Trailer für den letztendlichen Schnitt. Ich bin schon gespannt auf den Piraten.

6 von 10 Sternchen geben.

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10 + + + + + Maßstabsetztendes Meisterwerk; Olympisch.
09 + + + + Überwiegend exzellent; Packend.
08 + + + Bemerkenswert mit leichten Schwächen; Anregend.
07 + + Befriedigendes Handwerk; Kurzweilig.
06 + Unterhaltsam mittelprächtig; Akzeptabel.
Unsichtbare Grenze der absoluten Mittelmäßigkeiten
05 - Brauchbar mittelprächtig; ganz nett, aber insgesamt lau.
04 - - Überwiegend mittelprächtig; Anstrengend bzw. langweilig.
03 - - - Bis auf wenige Momente daneben gegangen; Nervig.
02 - - - - Ziemlich übeles Machwerk; Zeitverschwendung.
01 - - - - - Grottenschlechtes übles Ärgernis; Pathologisch.

Übersicht von Molos Filmbewertung

Hinweis, 15. Mai 2015: Die Übersicht würde gesäubert und somti beschränkt auf die Titel, zu denen sich in der Molochronik längere oder kürzere Besprechungen finden lassen.

Die Liste enthielt lange Zeit alle Titel, die ich vor vielen Jahren in der (immer noch nicht reparierten) Film-Datenbank von SF-Netzwerk bewertet habe.

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10 + + + + + Maßstabsetztendes Meisterwerk; Olympisch.

9 + + + + Überwiegend exzellent; Packend.

8 + + + Bemerkenswert mit leichten Schwächen; Anregend.

7 + + Befriedigendes Handwerk; Kurzweilig.

6 + Unterhaltsam mittelprächtig; Akzeptabel.

5 - Brauchbar mittelprächtig; ganz nett, aber insgesammt lau.

4 - - Überwiegend mittelprächtig; Anstrengend bzw. langweilig.

3 - - - Bis auf wenige Momente in die Hose gegangen; Nervend.

Noch kein Eintrag.

2 - - - - Ziemlich übeles Machwerk; Zeitverschwendung.

  • Twilight (Vampirschnulze nach Stephanie Meyer)

1 - - - - - Grottenschlechtes übles Ärgernis; Pathologisch.

Noch kein Eintrag.

»Ich Roboter, Du Zuschauer«

Eintrag No. 132 – »Das war nicht nur ein Mensch«, so lautet ein scherzhaft-beeindrucktes Gerücht über Isaac Asimov, »hinter dem Namen hat sich ein dutzendköpfiges Autorenkollektiv pseudonym zusammengetan.«

Er war ein Vielschreiber unter den Vielschreibern und betätigte sich als Roman- und Kurzgeschichtenautor ebenso erfolgreich und fruchtbar, wie als Sachbuchautor und Herausgeber von Anthologien. In meiner Bibliothek ist er nur noch in den beiden letztgenannten Funktionen vertreten, denn mit seiner erzählenden Prosa wurde ich nie recht warm. ••• Meine Skepsis gegenüber dem Erzähler Asimov festigte sich, als ich erfuhr, daß der junge SF-Autor bei der Gestaltung seines vielbändigen Foundation/Psychohistoriker-Zyklus sich weitestgehend an Edward Gibbons »Verfall und Untergang des römischen Imperiums« orientierte. •••

Die Verfilmung seiner Pinocchio-Cyborg-Variante »Der zweihundertjahre Mann« war für mich eine nervige Zumutung an Harmoniesüchtigkeit. Meine Hoffnungen ließen mich sehnen, daß »I Robot« nicht genauso ein Lapsus würde.

Mit dem Vorspann (wässrige und luftblasenverbubbelte Alptraumerinnerung des von Will Smith dargestellten Polizisten Spooner an einen »Auto versinkt im Fluß«-Unfall) wird dem mit Asimov nicht vertrauten Publikum das Fundament von dessen Robotergeschichten geliefert, die drei Gesetze der Robitik:

1. Ein Roboter darf mit seinen Handlungen oder Handlungsunterlassung keinen Menschen schädigen;

  1. Ein Roboter hat den Anweisungen von Menschen immer Folge zu leisten, wenn nicht Gesetz 1 dabei gebrochen wird;
  2. Ein Roboter hat sich um seine eigene Unversehrtheit zu kümmern, wenn dadurch nicht die Gesetzte 1 oder 2 verletzt werden.

»Three law safety« {in etwa: »Dreifache Sicherheit durch Gesetze«} lautet passend der Werbeslogan des Robot-Monopolisten United States Robotics (USR) im Film. Der Roboter-Schöpfer (Artifex und Vater) findet sich – wenige Tage vor der Massenauslieferung einer neuen Roboter-Generation – zu Tode gestürzt mitten in der Lobby des Hauptsitzes von USR. Der Robotern mißtrauende Spooner nimmt die Ermittlung auf, begleitet von einer kühlen Roboter-Psychologin (KI- und Interface-Desingerin). Selbstmord oder Mord durch einen vom Tatort flüchtenden Roboter, die Klärung dieser Frage bedroht den gründlichen Wunsch der Bürger des futuristischen Chicago, den mechanischen Dienern vollkommen vertrauen zu können. Dem Film gelingt es für meinen Geschmack zufriedenstellend, als Mainstreamvehikel unterhaltend die zivilisatorische Abhängigkeit von Technik und unsere Kontrollillusionen sie betreffend zu thematisieren.

Hard SF-Verköstiger und Asimov-Liebhaber muß aber die »Hänsel und Gretel«-simple Gestricktheit der Geschichte und die ziemlich lockere Treue zur Vorlage {ich sag nur: suggested by…} bitter aufstoßen, und man tut deshalb gut daran, »I Robot« als weiteres Lehrstück über Hollywoods Konventionen zu nehmen.

Schwächen:
• konventionelle narrative-ironische Distanz, am deutlichsten anhand Will Smith-Charaktergestaltung zu erkennen. Peinlichkeit wegen pathetisch-katharsischer Überhöhrtheit, wie bei Tom Cruise in »Minority Report«, ist mir persönlich angenehmer, als nerven-beruhigendes Kalauern und Gewitzel;
• dummer Spruch über Schießen mit geschlossen Augen einer mit Waffen unvertrauten Person;
• Spooners nerviger babbelnder junger Kumpel;
• blasse Musik;

Aber Panoramen, große und blick-verführende Wimmel-Bilder und Äktsch'n-Sequenzen funzen durch leicht überdurchschnittliche Könnerschaft, zu der aber die dramatischen und charaktergetragenden Passagen nicht aufschließen, trotz der fast durchwegs guten Nebendarsteller. ••• Roboter-Erfinder, Großmutter, Polizeivorgesetzter, USR-Tycoon, Sicherheitsleute und CGI-Figur Sunny … alle fein. •••

Pluspunkte:
• die verschieden designten und ausgereiften Roboter-Typen, vor allem die neuesten Modelle und ihr einzigartiger Vertreter Sunny;
• die (vor allem beim Showdown überhöht beknackte, somit satirisch archetekturkritische) Gestaltung des USR-Firmensitzes, des Vorplatzes und der ganzen Stadt Chicago, nebst pitoresker Hängebrücken-Ruine;
• Bösewichter mit rot leuchtenden Herzen von der Stange;
• Audi-Vehikel, die sich benehmen wie die guten alten Magnetquirler im Physikunterricht;
• kritische Gags gegen die bedenkliche Praxis des Verbrennungsmotors;
• Flucht aus einem Haus, während es abgerissen wird;
• Kaffee und Katzen als entspannende Szenenbeigaben;
• Medizin aus der Spraydose;
• Ungeholfenheit mit Geräten, die man noch per Knopfdruck und nicht mit der Stimme bedient;

Robotische Fähigkeiten überbieten die menschlichen an Schnelligkeit, Wendigkeit und Robustheit, und so dient die neue cinematographische Grammatik der Bullet-Time {bekannt und Usus geworden durch die Matrix-Filme, aber z.B. für Kenner von Kolibri-Dokumentationen, Brain de Palma- und Eisenstein-Filmen ein alter Hut} als Zuschauer-Service, um angenhem Übersicht wahren zu können, bei den geschwinden Handlungen und Reaktionen bei Verfolgung, Kampf und Geballer. »I Robot« gehört somit zu den Filmen, in denen Gewalt und unmittelbare Gefahr in bewegtbildliche Achterbahngravitation aufgelößt wird und genossen werden können, wie die Replays von gelungen absolvierten PC-Spiel-Situation. Die zur ohnmächtigen Zeugenschaft herausfordernde Authentiziät von Gewalt, wie ich sie zuletzt beeindruckend bei »Master and Commander« empfunden habe, strebt der Film nicht an.

Wertvoll ist der Film sicherlich als für das Durchschnitts-Publikum verständliche Reflektion über die Segnungen und Gefahren von natur-mimetischer Technik. Das für die menschliche Selbstversicherung bedrohliche Motiv der ontologischen Emanzipation von Technik und Dingen klingt an, auch wenn in diesem Fall die luziferische Revolte der Roboter noch einmal abgewendet werden kann. Erstaunt hat mich deshalb das Ausklingen des im Großen und Ganzen netten aber harmlosen Films, denn ich bin nicht sicher, ob die letzte computergenerierte Panorama-Aufnahme eines trockenen Michigan-Sees mit vielen vielen ausgemusterten aber (eigen)motivierten Robotern der Hoffnung oder Furcht Ausdruck verleihen soll.

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