molochronik

Flix: »Faust. Der Tragödie erster Teil« als Comic, oder: Ramazotti! Denn GOtt hat Kreislauf.

Eintrag No. 612 — Goethes »Faust« ist für alle leidenschaftlichen Exklusivfreunde klassischer, ernster Geschichten — die jedoch mit misstrauischem und gramvollem Blick die phantastischen Fabulationen beäugen — ein mitunter peinliches Prunkstück, denn die moralische, allegorische, romantische, tragische und zuweilen tollkühn burleske Mär über die Wette zwischen GOtt und Mephisopheles um eine treue aber zweifelnde Seele ist und bleibt trotz all ihrer wahren, guten und schönen Eigenschaften ein Glanzstück deutscher Phantastik.

Mit großer Freude habe ich letztes Jahr auf den Webseiten der F.A.Z. die in täglichen Fortsetzungen erstveröffentliche modernisierte Fassung dieser Geschichte durch Meisterfeder Flix genossen. Flix hat mich schwer beeindruckt mit seinem autobiographisch angehauchten Band »held«, indem unter anderem Monster und Ängste auf wunderbare Art mit den veranschaulichenden Kniffen, die dem Erzählen in Comicform zuhanden sind, auftreten.

»Faust« von Flix holt den hehren, für heutige Gemüter stellenweise schwer verdaubaren Stoff des Olympiers herab von den Säulen marmorner und äääääärrrrrnster Schwere und macht daraus ein Slapstick-Bravourstück, löblicherweise ohne die nachdenklichen Nuancen vollends einzubüßen. Die Götter werkeln in einem Bürokomplex, GOtt-Vater ist wegen seines mauen Kreislaufs ein Ramazotti-Dauerschlürfer; Gutelaune-Profi Mephistopheles ein Denglisch radebrechender Lifestyle-Coach; Softie Faust ein gutmütiger Taxifahrer in Nöten; Wagner ist ein nerviger Rollstuhl-Neger und das Gretchen eine von ihrer konservativen türkischen Familie drangsalierte Biokost-Verkäuferin. — Hilfreichere Orientierung als ich bieten könnte liefert die Inokulierung von Andreas Platthaus anlässlich der F.A.Z.-Fassung: »Quadratnase für Faust«.

Diese schnelle Empfehlung will ich auf den Punk bringen, indem ich meine absolute Lieblingsszene nachzuerzählen versuche:

(Seite 35): {Zusammenhang, in den weiteren Klammern folgt die Kästchen-Nummerierung} Mephisopheles, kurz: Meph, hat Faust betüdelt einen Vertrag mit ›Happy Life‹ zu unterschreiben. Leistung soll sein: Faust glücklich zu machen, was Goethe mit »Augenblick verweile doch, Du bist so schön« umschrieb. Gegenleistung: ›Happy Life‹ soll die exklusiven Nutzungsrechte an Fausts Seele nach dessen Abbleben erhalten. Nun soll es ans Unterschreiben gehen.

{Zwölfer-Gitter mit 3 Kästchen pro Zeile: 1} Fausts Hand führt einen Stift zur Linie für die Unterschrift.
{2} Faust und Meph (mit Kaffee) erschrecken, denn der Papierblock des Pakt-Vertragswerks steht plötzlich in Flammen.
{3} Meph zückt ein zweites Pakt-Werk. »Das passiert manchmal«, meint er fidel, »Zum Glück habe ich noch ein feuerfestes Exemplar dabei.«

{4} Himmel: GOtt, so ein blonder Pferdeschwanz- und Schnauzbarttyp in hellgrauem Anzug mit Krawatte, überm Kopf schwebt das ›Auge im Dreieck›-Symbol, steht am Himmelsgeländer ›snippt‹ mit den Fingern. Hinter ihm fliegt sein kleiner Sekretärs-Engel, feister Baseballkappen-Typ mit Zigarette und Headphone.
{5} Bei Faust und Meph flattern nun auf einmal die Seiten des Paktes herum.
{6} Himmel: Headphone des Sekretärs klingelt. »Käpt’n! Ein interner Anruf.«

{7} Chaos aus durcheinander fliegendem Papier bei Faust und Meph. Zweiterer versucht hektisch die herumschwirrenden Blätter einzufangen. »Ups! Da ist wohl … irgendwo … ein … Fenster … auf.«
{8} Himmel: GOtt snippt und fragt: »Wer ist dran?«. Der Sekretäts-Engel hält immer, wenn jemand anruft, eine Stellvertreterhandpuppe des Anrufers hoch, diesmal einen kleinen Papst. »Kollege Benedikt. Wann Sie Zeit hätten, mit ihm vor seinen Vortrag für die Präsentation am Sonntag durchzugehen.« — »Morgen. Morgen früh«, antwortet GOtt.
{9} Faust beim Versuch zu unterschreiben meint nun: »Hm. Schreibt nicht«, und Meph hält schon einen Füller hoch: »Der vielleicht.«

{10} Himmel: GOtt, hochkonzentriert, snippt und snippt.
{11} Faust unterschreibt mit dem Füller, hat dabei einen Indianerkopfschmuck auf und Meph trägt einen Cowboyhut.
{12} Himmel: GOtt sagt bedröppelt: »Mist« und sein Sekretät kommentiert trocken: »Versnippt.« — Voila!

•••••

Flix: »Faust. Der Tragödie erster Teil« (2009 als Serie in F.A.Z.; 2010 in Buchform); Mit einem Vorwort von Andreas Platthaus; S/W und Grau, 96 Seiten; Gebunden, Carlen Verlag; ISBN: 978-3-551-78977-8.

Inhaltsübersicht: »Lone Wolf and Cub«

Eintrag No. 590 — Schreibblockade. Kein Spaß. — Aber habe ich zwei große Comic-Romane, die mir bei diesem blöden Zustand Trost spenden. Den Vertico-Krimititel »100 Bullets« sowie (endlich komplett) die große Saga vom Rachefeldzug des betrogenen Samurai Itto Ogami und seines kleinen Sohnes Daigoro: »Lone Wolf and Cub« (Deutsch etwa: ›Einsamer Wolf mit Welpen‹). Mehr zu diesem ausgewöhlichem Werk in Bälde (hoffentlich).

Alter Listenschreiber der ich bin, biete ich nun eine Inhaltsübersicht der 28 Sammelbände (ja ca. 300 Seiten, also in etwa 8400 Seiten und damit sicherlich neben »Cerebus« das bisher umfangreichste Comic, das ich bisher gelesen habe).

Original in Japan erschienen September 1970 bis April 1976. — Unvollständige deutsche Veröffentlichungen: 1989 (in »Macao«); 1996 bis 1997 (Carlsen Verlag). — Vollständige deutsche Ausgabe der 28 Bände: Planet Manga/Paini 2003 bis 2009.

Autor: Kazuo Koike
Zeichner: Gôseki Kojima

Die deutschen Sammelbände haben keinen Titel. Ich habe mir erlaubt, die Titel der US-Ausgabe zu übersetzten und orientierungshalber anzuführen. In Klammern sind die Cover-Gestalter genannt.

BAND EINS: Der Weg des Assassinen (Frank Miller & Lynn Valery)
(001) Kind zu vermieten, Schwert zu vermieten
(002) Vater und Sohn
(003) Von Nord nach Süd, von West nach Ost
(004) Der Kinderwagen auf dem Totenfluß
(005) Das Zambatô der Suiô-Schule
(006) Warten auf den Herbstregen
(007) Die Acht Tore der Täuschung
(008) Vögel mit Flügeln, Bestien mit Fängen
(009) Der Weg des Assassinen
• Japan unter der Herrschaft der Tokugawa
• Karte

BAND ZWEI: Die torlose Grenze (Frank Miller & Lynn Valery)
(010) Die Rote Katze
(011) Das Kommen der Kälte
(012) O-Sue, die Magd
(013) Die torlose Grenze
(014) Tsuwa-no-hana

BAND DREI: Die Flöte des gefallenen Tigers (Frank Miller & Lynn Valery)
(015) Das Heulen des Windes
(016) Halbe Matte, ganze Matte, zweieinhalb Gô
(017) Der weiße Pfad
(018) Annya und Anema
(019) Shiseki-no-chi
• Blutrache im alten Japan

BAND VIER: Der Glockenmeister (Frank Miller & Lynn Valery)
(020) Der Glockenmeister
(021) Die Orisuke
(022) Der letzte Frost
(023) O-Yuki, die Gômune
• Edo – Die vormoderne Metropole Japans

BAND FÜNF: Schwarzer Wind (Frank Miller & Lynn Valery)
(024) Wegzeichen
(025) Vertraute Hügel
(026) Schwarzer Wind
(027) Asaemon der Köpfer
(028) Die Musketen von Sakai
• Karte

BAND SECHS: Laternen für die Toten (Frank Miller & Lynn Valery)
(029) Seelenrichter
(030) Hirschtreiber
(031) Stadt der Hungernden
(032) Kanjô satujin
(033) Ikkoku-bashi

BAND SIEBEN: Wolke und Drache, Wind und Tiger (Frank Miller & Lynn Valery)
(034) Treibjagd
(035) Der Zeuge
(036) Wolke und Drache, Wind und Tiger
(037) Das Gasthaus der Chrysanthemen
(038) Strafrecht, Artikel 79
• Bushido – Der Weg der Samurai

BAND ACHT: Die Ketten des Todes (Frank Miller & Lynn Valery)
(039) Die Botsvchaft der Wildgans
(040) Der frierende Kranich
(041) Die Ketten der Kurokawa
(042) Das endlose Meer
(043) Das Tränengarn
(044) Das Elend des Beku-no-Ji

BAND NEUN: Das Echo des Assassinen (Frank Miller & Lynn Valery)
(045) O-Chiyo, die Fährfrau
(046) Fussvolk
(047) Das yamabiko der Shinkage-Schule
(048) Nackte Würmer
(049) Der Yagû-Brief (Prolog)

BAND ZEHN: Geiselkind (Frank Miller & Lynn Valery)
(050) Der Yagû-Brief
(051) Diagorôs Wehklage
(052) Die Liebe der Reusenfischerin
(053) Fließende Schatten
(054) Der Helfershelfer

BAND ELF: Der Talisman des Totenreiches (Frank Miller & Lynn Valery)
(055) Der Talisman des Totenreiches
(056) Ein siecher Stern
(057) Dreizehn Saiten
(058) Ein Sterbeort wie ein Gedicht

BAND ZWÖLF: Zerbrochene Steine (Frank Miller & Lynn Valery)
(059) Nicht Ehre, nicht Leben, nicht Geld
(060) Leibesvisitation
(061) Heisse Steine
(062) Das Kartoffelversprechen
(063) Der Lauf der Zeit

BAND DREIZEHN: Der Mond im Osten, die Sonne im Westen (Bill Sienkiewicz)
(064) Der Mond im Osten, die Sonne im Westen
(065) Marohoshi Mameshô
(066) Schlaf, Diagorô, schlaf
(067) Die H1ôjiro Yagû
(068) Die Vogelfängerin

BAND VIERZEHN: Der Tag der Teufel (Bill Sienkiewicz)
(069) An einem Regentag
(070) Der Siebenmeilen-Mann
(071) Die Straßen von Tsukushi
(072) Die Vertreibung der Teufel

BAND FÜNFZEHN: Die Brüder des Grases (Bill Sienkiewicz)
(073) Die Frauenburg
(074) Die Frauen von Sodeshi
(075) Kusa-Brüder
(076) Die Fünf Räder der Yagu
(077) Lebendig Bestattet

BAND SECHSZEHN: Aufbruch in den Winter (Bill Sienkiewicz)
(078) Amme und Sonnenschirm
(079) Sayaka
(080) Seidenwolken
(081) Fangemann
(082) Aufbruch in den Winter

BAND SIEBZEHN: Das Testament des Wolfes (Bill Sienkiewicz)
(083) Ohne Morgen
(084) Eine Horde Kopfgeldjäger
(085) Unbeirrbar
(086) Wenn der Wolf kommt
(087) Leben im Tod

BAND ACHTZEHN: Das Zwielicht der Kurokuwa (Bill Sienkiewicz)
(088) Die Rauchwächter vom Schwarzen Tor
(089) Unsterbliche Wächter
(090) Glückstaler
(091) Die Spur des Lebens
(092) Die Rückkehr der Kurokuwa

BAND NEUNZEHN: Der Mond im Herzen (Matt Wagner)
(093) Zeit zum Sterben
(094) Übermut und Untreue
(095) Die Handkrone der Buei-Schule
(096) Der Geschmack einer Mutter
(097) Der Mond im Herzen

BAND ZWANZIG: Eine Kostprobe des Giftes (Matt Wagner)
(098) Gute Omen, schlechte Omen
(099) Das Haus der Dirnen
(100) Gesunde Blätter, Kranke Blätter
(101) Abe, das Monstrum
(102) Sklaven des Gifts

BAND EINUNDZWANZIG: Der Duft des Todes (Matt Wagner)
(103) Giftfluss
(104) Lauffeuer
(105) Feuer, Wasser, Gift
(106) Duftgewand
(107) Das Wiegenlied des Kaii

BAND ZWEIUNDZWANZIG: Himmel und Erde (Matt Wagner)
(108) Der fehlende Schlussstein
(109) Die Wurfminen
(110) Himmel und Erde
(111) Ein Fluss von Blut

BAND DREIUNDZWANZIG: Eistränen (Matt Wagner)
(112) Frost über Edo
(113) Eistränen
(114) Der Tag des Wiedersehens
(115) Todeskampf im Mondlicht
(116) Auf Wind folgt Schnee

BAND VIERUNDZWANZIG: Kleine Hände (Matt Wagner)
(117) Der Knabe im Ödland
(118) Kleine Hände
(119) Der Triumph des Monsters
(120) Letzte Blüten
(121) Die Mauern der Macht

BAND FÜNFUNDZWANZIG: Vielleicht im Tod (Matt Wagner)
(122) Ankunft im Tod
(123) Kusa-Geschichten (1): Oyamada Shuma
(124) Kusa-Geschichten (2): Nagodera Bushô
(125) Kusa-Geschichten (3): Mikage Shinhachirô
(126) Abe tischt auf
(127) Mit deinen Händen

BAND SECHSUNDZWANZIG: Kampf in der Dunkelheit (Matt Wagner)
(128) Totes Gras, lebendiges Gras
(129) Ruhmloser Kampf
(130) Gesang der Seele
(131) Die große Wende
(132) Sommer, Herbst und Winter
• Karte

BAND SIEBENUNDZWANZIG: Vorabend des Kampfes (Guy Davis & Vince Locke)
(133) Der Beschützer
(134) Für wen verdorren?
(135) Der Weg des Samurai
(136) Vorabend
(137) Gras, das nicht blühen darf
• Karte

BAND ACHTUNDZWANZIG: Der Lotusthron (Guy Davis & Vince Locke)
(138) Mukuroji
(139) Welle und Flöte
(140) Der Platz im Jenseits
(141) Steigbügel
(142) Arme

Zweimal David B.: »Der Tengu« und »Nocturnal conspiracies«

Eintrag No. 578 — Endlich komme ich dazu, mal etwas gegen den Mißstand zu unternehmen, dass sich bisher in der Molochronik nur Empfehlungen für anglo-amerikanische Comics finden (nebenbei spiegelte diese Ausschließlichkeit überhaupt nicht den Bestand und Mix meiner Comic- und Bildromanbibliothek wider. Da finden sich in etwa Halbe-Halbe Franko-Belgisches und Anglo-Amerikanisches, mit einem ›Exoten‹-Segment Spanier, Italiener, Japaner und Südamerikaner. Ach ja: und eine Handvoll deutschsprachige Comics.)

2008 erhielt David B. für seine zweibändige autobiographische Familien-/Brüdergeschichte »Die heilige Krankeit« (Band 1.: »Geister«; Band 2.: »Schatten«) den Max & Moritz-Preis des Comicsalons von Erlangen. Darin erzählt David B. ergreifend davon, wie es ist, mit einem an Epilepsie leidenden Bruder groß zu werden, was für Irrwege die Familie auf der Suche nach Heilung unternimmt, und trotz des realistisch-nüchternen Grundtons gönnt sich das Comic phantastische Visualisierungen, macht mit den Mitteln der Bildsprache anschaulich, welche emotionellen Auswirkungen die Krankheit auf David B. und seine Familie hatte.

Doch um diesen Comic, mit dem David B. zurecht den Respekt der ›literarischen‹ Comicleserkreise erwarb, soll es hier nicht gehen. Stattdessen möchte ich kurz zwei frühere Arbeiten des Künstlers vorstellen, in denen David B. mal ungebändigte Abenteuerphantastik, mal berauschend rätselhafte (Alpt)Träume hochleben läßt.

Das deutschsprachige Debüt von David B., »Der Tengu«, bescherte uns die Edition Moderne (ich danke Andrea, dass sie diesen Band einst in unser Heim holte). »Der Tengu« ist eine hinreissend ungestüme, wilde Liebeserklärung des Franzosen an die japanische Mythologie und deren Haudrauf-Romantik, komplett mit Schwertgemetzel, Schießereien, Überfällen, Zaubermänteln und vielen vielen grotesken Monstern.

Alle hundert Jahre steigen aus den Eingeweiden der Erde die verschlagene Füchsin und der vorsichtige Pilz an die Oberfläche, um Japan mit ihren gesichtslosen Eierkopfkriegern und Dämonenkämpfern heimzusuchen. Ihnen auf der Spur sind unzählige Polizisten und ein namenloser alter Dämonenjäger-Mönch, der sich einen Dreck um die Ehrenregeln der Mönchskaste kümmert und also mit Sichel- & Morgensternkette, sowie mit Samuraischwert herumwirbelt, sowie ganz heiß darauf ist, eine möglichst große Kanone in die Finger zu bekommen. Mit von der Partie ist der junge Schwertmeisterschüler Yashu, der einzige Überlebende eines schrecklichen Geschlachtes, das der schreckliche Parashurama angerichtet hat. Seit Samurais das Dorf von Parashurama niedergemacht haben, ist dieser bärtige Hüne mit seinem Tarnmantel auf Rache aus und will alle Samuraischulen des Landes vernichten. Yashu wiederum will sich für die Zerstörung seiner Schule an Parashurama rächen und trifft dabei auf den stets Streiche anrichtenden Berggeist Tengu. Der Tengu wurde von seinem Meister, dem ehrwürdigen weisen Eremiten Shidei, verjagd, weil der Tengu für heilloses Chaos in einem Dorf sorgte, indem er den Reis der Bevölkerung zum Sprechen brachte. — Beispiele für das köstliche Phantastikgeblödel gefällig, wenn die plappernden Reiskörner durch die Körper der Dorfbewohner strolchen und ihre Wanderung kommentieren? In einer Sprechblase die aus einem Ohr kommt, lesen wir: »Hier gehts nach draussen«; aus der Nase: »Seht mal, hier ist Licht«, vom Scheitel: »Seht euch das an! Da oben ist ein großer leerer Saal«, aus dem Magen: »Ich weigere mich, von solchen Innereien voller Geschwüre verdaut zu werden!«

Die Geschichte ist ein einziges atemloses Hauen und Stechen, die verschiedenen chaotisch durch das Land hetzenden Parteien stellen sich Fallen, tricksen sich aus, klauen sich Zauberartefakte und stellen sich Fallen. Eine extrem kurzweilige Wonne und erfrischend zu lesen, weil David B. diesen Tumult nicht mit dem üblichen (über)dynamischen Stil der meisten Manga- oder Äktschn-Comics inszeniert, sondern alles mit bewundernswert klaren, lustig stilisierten Schwarz/Weiß-Zeichnungen darbietet.

Auch wenn die Zeichnungen von »Nocturnal conspiracies« unverkennbar im gleichen Stil wie »Der Tengu« gehalten sind (jedoch: die flächig gehaltenen S/W-Kontraste und geometrisch vereinfachten Formen werden durch sparsame Grau- und Blautöne angereichert), unterscheidet sich die Stimmung dieses Bandes erstaunlich. Die neunzehn Traumprotokolle entführen die Leser in ein undurchschaubares Reich mal beunruhigend-verstörender, mal zärtlich-rätselhafter Begebenheiten. Selten habe ich so getreulich anmutende und dabei immer noch intuitiv verstehbare Traumgeschichten gelesen. Kurz: phantastische Poesie vom Feinsten!

Auf der Website des englischen Verlages NBM gibt es die komplette zehnte Geschichte, »The Bed«, als Leseprobe.

Hier meine Schnellübersetzung:

Seite 1: Traum vom 18. September 1991. / Ich bin in einem Obstgarten und werde von einem Killer verfolgt. / Ich flüchte, verstecke mich im hohen Gras und hinter den Bäumen.
Seite 2: Ich bin in der Nähe der Mauer, die den Obsthain umfasst. / Ich bin im Efeu, das die Mauer bedeckt. / Wie in einem Bett lasse ich mich darin nieder. Der Killer kann mich nicht sehen.
Seite 3: Von der Mauer aus kann ich einen arabischen Prinzen sehen, wie er einem seinen Helfer etwas überreicht. / Es sind Früchte. Pflaumen, glaube ich. / {Prinz:}»Ich gebe kein Geld, denn es korrumpiert.« / Ich bin in gleichen Palast, aber in einem Gebetsraum. Der Prinz ist auch dort.
Seite 4: Er wendet sich der Mihrab {einer nach Mekka gerichteten Nische} zu. Ich weiß, dass er meine Anwesenheit nicht verraten wird. {David B.:} »Ich kann auf die Großzügigkeit dieses Prinzen zählen.« / Ich verlasse das Gebäude. / Ich bin auf einer Landstraße. / An ihrem Ende sehe ich eine zerklüftete Küste.
Seite 5: Ich laufe auf den Felsen. Ich weiß, dass ich einen Ort erreichen muss. / Hinter mir sehe ich einen Stier. / {David B:} »Das ist der Wächter der Küste! Er ist hinter den Flüchtenden her!«
Seite 6: {David B:} »Er wird sich schwer damit tun, über die Felsen zu laufen.« / Ich laufe so schnell ich kann, springe von Felsen zu Felsen.
Seite 7: Ich blicke zurück, um zu sehen wie der Stier sich sehr vorsichtig vorwärts bewegt. Er hat Angst auszurutschen. / Ich bin in Sicherheit, er wird mich nicht einholen. / Tatsächlich, ich habe ich mein Ziel erreicht, eine Öffnung in den Felsen, geformt wie ein Bett.
Seite 8: Ich nehme die Zeitschrift. / Ich gleite in das Steinbett. / Ich bin gerettet.

In vielen der Geschichten treten wie in »The Bed« geheimnisvolle Agenten, Spione und Mörder auf, und nur selten sind deren Ziele (z.B. Weltherrschaft) klar benannt, aber immer sind sie dem Protagonisten David B. auf den Fersen. Auch menschenfressende Monster gibt es nicht zu knapp, jedoch finden sich auch unvorhergesehene Rettungen und Wunder ein. — Aufgrund der bisweilen verstörenden Natur einiger brutaler und/oder erotischer Szenen empfiehlt sich dieses Album nicht als Lektüre für allzu junge Leser.

Es ist nicht verwunderlich, dass ich über eine Empfehlung des amerikanischen Meisters moderner ›Magischer Realismus‹-Fantasy, Jeff Vandermeer, auf diesen Band gestoßen bin.

Leider liegt dieser Band (noch) nicht auf Deutsch vor. Ich hoffe, das ändert sich bald.

•••

David B.:
  • »Der Tengu«: (fr. 1997 »Le Tengû carré«), aus dem Französischen übersetzt von Martin Bude; 164 x 243 mm, Schwarz/Weiß; 14 Kapitel auf 144 Seiten; Edition Moderne 1999; ISBN: 3-907055-30-6.
  • »Nocturnal conspiracies – Ninteen Dreams from december 1979 to september 1994«: (fr. 2005 »Les Complots nocturnes«), aus dem Französischen ins Englische übersetzt von Joe Johnson; 151 x 229 mm, Schwarz/Weiß mit Grau- & Blautönen; 19 Geschichten auf 124 Seiten; NBM ComicsLit 2008; ISBN: 1-56163-541-3.

Leset & staunet: Hochliteratur-Magazin widmet sich Comics!

Zu »edition text + kritik«.Eintrag No. 565 — Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Stolper ich doch im Buchladen über den aktuellen Sonderband (V/09) der »Edition Text + Kritik: ›Comics, Mangas, Graphic Novels‹«. Mjam-mjam-mjam, feines Lesefutter für die nächste Tage.

Na das ist doch eine mittelschwere Paradigmentektonik, wenn eines der Hochseeschiffe der Literatur-Literatur sich der graphischen Erzählkunst annimmt. Wie ungewöhlich, aber auch wie überfällig so ein pubizististisches Ehrenrettungssignal ist, umzirkelt bereits der Waschzettel auf der Sonderbandrückseite (nebst einigen Allgemeinplätzen).

Ja, Comics wurden (werden immer noch) lange pauschal als ›trivial‹ abgetan. Und Doppel-Ja: gerade die Sparte ›graphic novels‹ hat in den letzten Jahren viele Werke hervorgebracht, die diese Missachtung als ignorantes Larifari enttarnen. Tripple-Ja: auch Comics können ›ernste‹ Themen angemessen, originell behandeln.

Versammelt sind Werks- und Künstler-Portraits zu solchen Kapazundern wie Will Eisner, Robert Crumb, Hugo Pratt, Pierre Christin, Jacques Tardi und Alan Moore. Themenbezogene Aufsätze behandeln beispielsweise: das Verhältnis von Comics und Literatur; die Illusionsmaschine Entenhausen; Comics im Comic, sowie Mangas. Abgerundet wird der Band durch ein Gespräch mit dem »Reprodukt«-Verleger Dirk Rehm.

Leseeindrücke werde ich hier noch ergänzen, sobald ich Zeit gefunden habe, ausführlicher in dem Band zu stöbern. Derweil freu ich mich einfach.

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Hrsg: Heinz Ludwig Arnold und Andreas C. Knigge: »Text + Kritik. Sonderband (V/09): ›Comics, Mangas, Graphic Novles‹«; 272 Seiten (15. Aufsätze); edition text + kritik München 2009; ISBN: 978-3-88377-995-9.

»Watchmen«

Eintrag No. 543 — Gestern um 22:30 aus dem Turm-Kino raus. Leichter Nieselregen hält die grauen BetonFlächen der Innenstadt feucht. Zu warm und babbich für frühen März. Frankfurt wirkt wie eine Umgebung, aus der mir jederzeit Rorschach und Co. entgegenkommen könnten.

Fühle mich alt. So ist das also, wenn die Kunst, welche mich als Jugendlicher befeuerte nun in der Mitte der Gesellschaft ankommt. Kino war fast voll (okey: es war der kleine Saal 2), und ich habe kaum Menschen unter 30 gesehen. Frage mich, was ich davon halten soll.

Vor dem Film eine »Watchmen«-Tasse besorgt. (Ich habe schon eine ›Snoopy beim Schreiben‹ und eine Lisa Simpsons-Tasse.) Zum ersten Mal in meinem Leben die ganz große Popcorn-Portion gekauft. Fast hätte ich die auch ratzeputz geschafft.

Die Geschichte von »Watchmen« kenne ich so auswendig, wie manche Gläubige ihre heiligen Texte. War also mit dem ganzen Wirren Handlungs- und Weltenbau-Wust des Filmes keineswegs überfordert. — Als Film war Zack Snyders Version der Geschichte sehr hübsch anzuschauen. Die Schauspieler haben gute bis sehr gute Arbeit geleistet. Überhaupt: die ganze Schufterei sieht man dem Film echt an. Da ist jeder Cent auf der Leinwand. Und damit es wirklich passt, hätten es gerne noch ein paar Cent mehr sein dürfen. Und vor allem mehr Zeit. Man merkt dem Film auch an, dass er in vergleichsweise kurzer Zeit in einem Kraftakt rausgewuchtet wurde (angesichts der irren Komplexität und Fülle des Stoffes).

Doch ich kann beruhigt sein, denn ich bin als »Watchmen«-Fan nicht enttäuscht, als Filmgucker nicht gelangweilt worden. Dennoch: hin- & weg vor Begeisterung und Freude bin ich aber auch nicht. Ich bin so mittenmang. Irgendwie froh es hinter mir zu haben.

Im Kleinen habe ich mich ein paar Mal geärgert: a) Bob Dylans näselnder Nicht-Gesang machten für mich die ansonsten bewundernswerten Main Title zu einer akustische Qual; — b) schon damals in den Achtzigern habe ich Nena und ihre »99 Luftballons« gehasst. Da wäre ja Kajagoogoo oder Adam Ant noch besser (nicht so peinigend) gewesen. Nena hat mir also eine Romantik-Szene von Laurie und Dan versaut.

Zu den Abweichungen, Hinzufügungen und Kürzungen lohnt es sich jetzt nicht, viel zu sagen. Nur soviel: schade, dass nirgendwo diese komische Droge in den lustigen Pfeifen geraucht wird und deshalb auch Laurie völlig unmotiviert auf den falschen Feuerzeug-Knopf drückt; — schade, dass die Hinrichtung des Kindermörders durch Rorschach so verflacht wurde; — und sehr schade, dass die Doc M.-Worte »Nichts endet jemals« von Laurie gesprochen werden und sich statt an Ozzy an Dan richten (und dass da weit und breit kein Modell eines Sonnensystems zu sehen ist).

Aber wiegesagt: all solche Änderungen sind Kleinigkeiten und durchaus im Rahmen des Erträglichen und Üblichen (wie auch das Sony-Productplacement in der Wohnung von Hollis).

Der Kinofilm ist ja nur der Trailer für den letztendlichen Schnitt. Ich bin schon gespannt auf den Piraten.

6 von 10 Sternchen geben.

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10 + + + + + Maßstabsetztendes Meisterwerk; Olympisch.
09 + + + + Überwiegend exzellent; Packend.
08 + + + Bemerkenswert mit leichten Schwächen; Anregend.
07 + + Befriedigendes Handwerk; Kurzweilig.
06 + Unterhaltsam mittelprächtig; Akzeptabel.
Unsichtbare Grenze der absoluten Mittelmäßigkeiten
05 - Brauchbar mittelprächtig; ganz nett, aber insgesamt lau.
04 - - Überwiegend mittelprächtig; Anstrengend bzw. langweilig.
03 - - - Bis auf wenige Momente daneben gegangen; Nervig.
02 - - - - Ziemlich übeles Machwerk; Zeitverschwendung.
01 - - - - - Grottenschlechtes übles Ärgernis; Pathologisch.

Jetzt auch Spiele-Rezis. Premiere mit »The Simpsons«.

{Eintrag No. 527} — Nicht nur der Umstand, dass seit Mitte Mai meine Hartz-Vierling-Existenz ein Ende fand, und ich nun einem Vollzeitjob mit an die 200 bis 230 Stunden im Monat nachgehe, sorgte und sorgt dafür, dass die Frequenz meiner Blogeinträge im letzten Halbjahr beschämend ausdünnte, nein, ich leichtsinniger Mensch bin zudem vor einigen Monaten auch auf einen dollen MobTel-Bundle-Deal eingegangen und habe mir somit für schlappe 20 Euro eine Playsie 3 leisten können.

Als Auftakt hatte ich mir im Mai für ein paar Tage aus der DVDiothek das »The Simpsons«-Spiel ausgeliehen. Ich liebe ja die Serie, fand auch den Film wunderbar und da kam mir das Spiel gerade recht. Es war eine große Gaudi, durch Springfield zu stromern, und sich von dort aus auf den verschachtelten Meta-Story-Witz der Spielehandlung einzulassen. Großartig schon das Tutoria: Homer hechelt im Süßigkeitenland dem weißen Schokohasen hinterher. Es folgen einige einfachere Aufgaben im normalen Springfield (beispielsweise das Museum vor nächtlichen Unholden beschützen, oder das Aufdecken korrupter Machaleukes des Bürgermeisters). Dann bedrohen die bekannten, geliebten bösen Außerirdischen die Stadt und also gilt es z.B. mutierten Delphinen und Haien entgegenzutreten. Doch wie sich helfen gegen die extraterristische Übermacht? HaHa!, gut dass Bart ein wundersames Lösungsbuch zum »The Simpsons«-Spiel gefunden hat, womit sich der Weg in andere Dimensionen öffnet um dort den tüftelmächtigen Professor beizuholen. Unterwegs in der Spieleentwicklerwelt-Matrix befreit man den vom Donkey Kong-Affen entführten verrückten Wissenschaftler, erledigt Quest-Aufgaben in vier schrillen Parodie-Leveln (Zwoter Weltkrieg, McTolkien-Fantasy, Gängsteräktschn und Japan-Pop), dringt vor bis zum von Rechtsanwälten verteidigten Prunkanwesen des Schöpfers Matt Groening höchstselbst, der sich, als man ihn stellt, rausredet und auf DEN Schöpfer verweist, also GOtt nochhöherselbst, den es im finalen Tanzbewerb auszudribbeln gilt.

Originell fand ich, das man mehr machen kann als nur simple Spring-, Renn- und Baller-Herausforderungen zu meistern. Man zieht immer meistens mit zweien aus der Simpson-Familie in ein Abenteuer und alle haben sie ihre ganz eigenentümlichen Heldenfähigkeiten. Ich jauchzte über den Fettball-Homer, der (fast) alles zertrümmern, weite Sprünge und ballonartig schweben kann; genoß es als cooler Bartman mit Umhang und Enterhaken herumzuturnen; verwirrte mit Lust Dank Lisas chaotischem Sax-Gedröhn die Gegner und arrangierte mit ihrer mächtigen Buddah-Hand die Landschaft zu meinen Gunsten; lediglich Marges Empörungs-Mob rekrutierende Flüstertüte und die Möglichkeit mit Baby Maggie in engen Schächten herumzukrabbeln um wichtige Schalter zu drücken fand ich etwas fad.

Wer sich durch die Levels der Story gespielt hat, kann seine Zeit damit vertändeln und die je zum Simpsons-Charakter passenden Sammelobjekte auf der großen Springfield-Karte zusammensuchen. Mir aber war das dann doch zu fizzelig.

Beeindruckt hat mich, wie vorbildlich flüssig-locker sich das Spiel durchdaddeln ließ. Der Detail- und Einfallsreichtum, mit denen das Spiel gestaltet ist, haben mich begeistert: angefangen von den vielen Soundbites der Figuren, über die gewitzten Gastauftritte bekannter Nebenfiguren aus der Serie (wenn z.B. der dicke Comic-Typ erscheint um Spiele-Klischees auszudeuten), bis hin zur gelungenen Grafik, Levelgestaltung und den vielen punktgenauen hämischen Parodien auf bekannte Klassiker der Bildschirmkultur.

Fazit: ein feiner Auftakt für meine PS3. Leider nur geliehen.

Austin Grossman: »Soon I Will Be Invincible«, oder »Dr. Impossible schlägt zurück«

Eintrag No. 519 — Kurze Meldung zu einem Buch, das ich Ende letzter Woche bei meinem Frankfurter Lieblingsbuchladen »Readers Corner« am Eschenheimer Turm entdeckt habe.

Typische Comic-Stoffe in Prosa zu erzählen ist ja eine spezielle Genre-Phantastik-Kunst für sich. Gibt nicht so viele Autoren, von denen ich sagen kann, dass sie sowohl die entsprechenden Schreibkniffe souverän beherrschen als auch die notwendige Extraportion wahnwitziger Einfälle dazu mitbringen (beispielsweise Kim Newman mit seinen »Anno Dracula«- und »Demon Download«-Bänden, Neil Gaiman mit »American Gods« und »Anansi Boys«, Stephen Fry mit »Der Sterne Tennisbälle« und Hugh Laurie mit »Der Waffenhändler«). Der aus der Computerspiele-Branche kommende Amerikaner Austin Grossman legt mit »Soon I Will Be Invincible« ein beeindruckendes und kurzweiliges Debut hin. Auf grad mal 280 Seiten reißt er ein munter geschriebenes Superhelden-Abenteuer vom Zaun, für das man als Comic viele viele Einzelheftchen zusammenstellen müßte. Dabei folgt er mit großem Geschickt der Tradition von Marvell und DC; versteht es mit Können, die ernsten und berührenden Untertöne anklingen zu lassen, durch welche sich die besseren Superhelden-Comics auszeichnen; nimmt aber auch beherzt die typischen Macken und Formeln dieses sehr amerikanischen, mittlerweile aber globalen Genres aufs Korn.

Kurz: die perfekte Lektüre für alle, die gerne mal eine richtig gute, umfangreiche Superhelden-Geschichte als Prosa lesen wollen.

Kapitelweise abwechselnd erzählen zwei Figuren. Zum einen die neue im Team der Guten, der weibliche Robocob Fatal (Andreas Eschbachs »Der letzte seiner Art« … duck dich und nimm dies!!!). Aber den Anfang macht der im Sondergefängnis einsitzende Doctor Impossible, ein Erzbösewicht der schon x Mal scheiterte, die Weltherrschaft an sich zu reissen. So klingt der Beginn in meiner schnellen Übersetzung:

Am heutigen Morgen befinden sich eintausendsechshundertachtundsechzig außergewöhnliche, überbegabte oder auf andere Art mit Superkräften gesegnete Personen auf dem Planeten Erde. Einhundertundsechsundzwanzig von ihnen führen ein normales Leben als Zivilisten. Achtunddreissig sind in Forschungseinrichtungen des Verdeitigungsministeriums oder entsprechender Institute des Auslands untergebracht. Zweihundertundsechsundzwanzig sind Wasserbewohner, angewiesen auf ein Leben in den Ozeanen. Neunundzwanzig sind strikt ortsgebunden — mächtige Bäume und Genii Loci, wie die Große Sphinx oder die Pyramiden von Gize. Funfundzwanzig sind mikroskopisch (einschließlich der Infintisimalen Sieben). Drei sind Hunde; vier sind Katzen; einer ein Vogel. Sechs bestehen aus Gas. Einer ist ein sich bewegendes elektrisches Phänomen, mehr eine Wettererscheinung als eine Person. Siebenundsiebzig sind außerirdische Besucher. Achtunddreissig gelten als verschollen. Einundvierzig sind aus dem Zusammenhang der Realität herausgerissen worden, ständige Emigranten in alternativen Wirklichkeiten und abgezweigten Zeitströmen der Erde.
Sechshundertundachtundsiebzig nutzen ihre Kräfte um Verbrechen zu bekämpfen, während vierhundertundeinundvierzig sie einsetzten um Verbrechen zu begehen. Vierundvierzig sind gegenwärtig in speziellen Sicherheitseinrichtungen für außergewöhnliche Kriminelle eingesperrt. Es ist beachtenswert, dass ungewöhnlich viele von diesen Letztgenannten einen IQ von 300 und höher haben — achtzehn, um genau zu sein. Einschließlich mir selbst.

Die irre doll gestaltete Flash-Site zum Roman bietet ausführlicher viele der Hintergrundinfos, die knapper auch als Anhang des Buches dienen (Auszüge aus der Metahuman-Datenbank und eine Chronologie). Als besonderes Zuckerl bietet die Taschenbuchausgabe von Penguin auch wunderschöne Illustrationen des Zeichners Bryan Hitch.

21. März. 2009, EDIT:

Der Roman ist nun, wie tkl freundlicherweise bescheid gibt, auch auf Deutsch erschienen. Anders als tkl finde ich die Umschlaggestaltung gar nicht schlecht, sondern sogar ganz okey. Nicht super, aber eben auch nicht schlimm. — Ungewöhnlich, dass »Dr. Impossible…« bereits im Oktober 2008 als eBook auf Deutsch erschienen ist (un dich habs verpennt), und jetzt im Mai 2009 als Taschenbuch folgt (und bald auch latürnlich als gekürztes 4-CD-Hörbuch, gelesen von Ralf Schmitz & Annette Frier).

Übersetzt hat den Roman Jürgen Langowski. Ich bin gespannt. Die Leseprobe läst mich ein wenig zittern, denn da finden sich in dem ersten Absatz schon einige komische Verrenkungen, die mir eine Spur zu umständlich dünken (trau ich mich mal als Just-For-Fun-Übersetzer zu kritteln); Lösungen wie ›Verteidigungsministerium oder dessen ausländischen Äquivalenten‹ und ›Spezialgefängnissen für verstärkte Kriminelle‹.

Noch gespannter bin ich freilich, wie Langowski den von mir überaus hoch geschätzten Nick Harkaway und dessen »The Gone-Away World« gemeistert hat (die Übersetzung soll im Herbst 2009 bei Piper-Taschenbuch erscheinen).

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Austin Grossman: »Soon I Will Be Invincible« (2007), 3 Teile, 21 Kapitel, 287 Seiten, Penguin Paperback 2008; ISBN: 978-0-141-03077-7.
Deutsch: »Dr. Impossible schlägt zurück«; aus dem Amerikanischen übertragen von Jürgen Langowski; 400 Seiten; Droemer/Knauer (eBook 2008) Taschenbuch 2009; ISBN: 978-3-426-50045-3.

Neil Gaimans »The Sandman« Band 3: »Traumland« mit »Hilfreichen Handreichungen« als PDF

Dritter Teil von Molos Empfehlungen von Neil Gaimans

inkl. »Hilfreicher Handreiche« über mythologische, historische und literarische Anspielungen.

Eintrag No. 484 — Der dritte Band der zehnteiligen Großerzählung vom Wandel des Herrschers der Träume, »Traumland«, versammelt vier für sich allein stehende Kurzgeschichten, die 1991 als Einzelhefte Nr. 17 bis 20, und im Englischen als Sammelband 1995 erschienen sind.

Der kleine Wermutstropfen der ansonsten prächtig gelungenen Ausgabe von Panini Comics sei gleich zu Beginn abgehandelt: Leider wurde das im englischen Sammelband wiedergegebene Manuskript zu dem Heft »Kalliopie« nicht für den deutschen Band übernommen. Gaiman und sein Team gewähren darin ihren englischsprachigen Lesern einen interessanten Einblick in den Herstellungsprozess der Comic-Kunst, wenn sich die 39 Seiten Text-Skript vergleichen lassen mit den 24 Seiten Comic. Es ist aufschlussreich dort zu verfolgen, wie ausführlich der Autor Gaiman im lockeren Ton eines an die Zeichner gerichteten Briefes Beschreibungsaufwand leistet, um der Illustratorenarbeit möglichst hilfreich zuzuarbeiten. — Aber außer dem Fehlen dieses Manuskriptes gibt es wirklich nichts zu jammern über die Panini-Ausgabe. Wie schon ihre beiden Vorgängerbände »Präludien & Notturni« und »Das Puppenhaus« trumpft sie auf mit einem gestochen klaren Druck und der leuchtenden, nuancenreichen Digital-Kolorierung. Wahrlich, eine Augenweide.

»Traumland« bietet einen erfrischenden Sprung raus aus dem bisherigen großen Erzählstrom der Reihe. Von Beginn an war es eine Absicht von Gaiman bei der Gestaltung von »The Sandman«, zur Abwechslung zwischen den längeren Geschichten, deren Handlungsbögen sich über mehrere Kapitel/Einzelhefte spannen, abgeschlossene Einzelerzählungen zu bieten. Insgesamt aber werden alle Sammelbände und die Sandman-Geschichte im Ganzen geprägt, von dem auffälligen Merkmal des verschachtelten Ineinander von Geschichten in Geschichten. Strukturell steht Sandman damit solchen Potpourrie-Schatzkammern wie »1001 und eine Nacht« oder Jan Potockis »Handschriften von Saragossa« nahe, und kann sich ohne dass man übertreiben muss, als moderne, eben im Comicmedium dargereichte Variante derartiger ehrenvoll-wilder Fabulations-Klassiker gelten.

Zur Erinnerung: Band 1, »Präludien & Notturni« hat uns die manchmal nur am Rande auftretende Hauptfigur des Epos, den Herren der Träume, Morpheus, Dream, vorgestellt, und wie dieser zu Beginn des 20. Jahrhunderts von einem englischen Scharlatanmagier beschworen und gefangen gesetzt wurde; wie Dream nach vielen Jahrzehnten erst in den Achtzigerjahren seinem Kerkermeister entkommt und langsam seine Kräfte wiedererlangt und sich auf eine Quest begibt, um die wichtigsten und machtvollsten seiner zwischenzeitlich verstreuten Herrschaftsartefakte einzusammeln. — In Band 2, »Das Puppenhaus«, kümmerte sich Morpheus dann um die Restauration des in seiner langen Gefangenschaft verwahrlosten Traumreiches. Vier der machtvollsten Traumreichbewohner waren ausgebüchst und sorgten in der Menschenwelt gehörig für Angst und Schrecken. Außer um diese Ausreisser, hatte sich Morpheus auch noch um einen alle Träume erfassenden Wirbel zu kümmern, der sich in Gestalt der jungen Frau Rose manifestierte. Nebenbei lernten wir zwei Geschwister von Dreams seltsamer Familie der ›Ewigen‹ kennen (eine siebenköpfige Sippe menschenförmiger, universeller Prinzipien deren Namen im englischen alle mit ›D‹ beginnen): seine ältere Schwester Tot (Death, die als überraschend gut gelauntes und bodenständiges Grufi-Chick daherkommt) und die/den gegen Morpheus intrigierende(n) geschlechtsneurtale(n) Begierde (Desire).

Mit Band 3 hat Gaiman seine bis dahin etwas tastende anfängliche Suche nach dem richtigen Ton und Rhythmus der Sandman-Comics endgültig abgeschlossen. Das soll nicht heißen, dass die Geschichten der ersten beiden Sammelbände misslungen sind, auch wenn dort noch bisweilen einige etwas umständliche Schlenker oder etwas unelegante Huppel im Erzählfluß bemerkbar sind. Immerhin ist die Ambition, die Gaiman bei seiner Saga antrieb, repekteinflößend und die gesteckten Ziele alles andere als Kinderspiele. So zeichnet sich Sandman von Beginn an durch eine äußerst eng gewobene und geschickte Mischung von alten Mythen, klassischer Literatur mit älterer und zeitgenössischer Popkultur aus, die miteinander verflochten eben nichts weniger ergeben, als eine große Geschichte über das Geschichtenerzählen selber, eine Geschichte über die Kraft von Mythen, jene trügerischen Wunschvorstellungen die mal als Orientierung, mal als Irreführung über die großen Zusammenhängen des Daseins berichten, hier vor allem über Erinnerung, Verlust und den Wunsch und die damit verbundenen Schwierigkeiten, wenn man sich verändern, formen will.

Zu den vier Geschichten von »Traumland« im Einzelnen.

»Kalliope«: Hier treten antike Gestalten in der modernen Welt auf, und eine unheimlich-spöttische Erzählung über das moderne Schriftstellerdasein wird geboten. Die Muse Kalliope wird als inspirations-liefernde Sklavin gehalten und von einem altem Schriftsteller in London an einen jungen Horror-Autoren für ein alchemistisches Artefakt eingetauscht. Von zwei der beklemmensten Schrecknissen aller Kreativen wird dabei berichtet: einerseits die Marter, wenn großer Tatendrang mit der Angst vor Ideenlosigkeit einhergeht und andererseits die ruhelosen Qualen eines überbordenden Ideenreichtums.

»Der Traum von 1000 Katzen« ist natürlich ein Fest für alle Katzenfreunde, wenn hier bei einem nächtlichen Treffen auf einem Friedhof eine versammelte Felidenschar einer Katzenerzählerin lauscht, die von ihrer Reise zum König der Träume erzählt (der sich in seiner Gestalt immer gemäß der ihm Begegnenden anpasst und hier als große schwarze Katze mit rotleuchtenden Augen auftritt). Diese Geschichte führt die Fähigkeit kraftvoller Phantastik vor wenn es darum geht, die menschliche Perspektive zu überwinden, und von ein paar Schritten Seitwärts der Wirklichkeit, in diesem Fall aus der Sicht von Katzen, über große Not und sinnstiftende Visionen (oder sind es nur scheinbar Hoffnung machende Truggebilde?) nachzudenken.

»Ein Sommernachtstraum«: Diese Geschichte ist für viele ein heißer Kandidat, wenn es um die Frage geht, welches der 75 Kapitel/Einzelhefte von Sandman die aller aller beste ist. Und tatsächlich erregte dieses herausragende Meisterstück der Sandman-Saga über die comiclesenden Phantastikzirkel hinaus für Aufsehen, als es 1991 den ›World Fantasy Award‹ als beste Kurzgeschichte gewann (woraufhin eine Regellücke des Wettbewerbs gekittet wurde, auf Drängen derer, die sich empörten, dass so eine ›unwürdige‹ Medienform wie eine Comicerzählung diesen altehrwürdigen Preis einheimsen konnte, und seitdem können nur noch Prosawerke diesen Preis gewinnen). — »Ein Sommernachtstraum« ist eines von zwei Sandman-Kapiteln, mit denen Gaiman dem großen William Shakespeare seinen Respekt zollt. Die zweite, »Der Sturm«, wird erst als letztes Kapitel den Sammelband »Das Erwachen« und damit als Epilog das ganze Epos abschließen. Shakespeare ist hier nun in Sussex unterwegs und gibt mit seiner Truppe eine exklusive Premieren-Sondervorstellung für eine illustrere Schar aus dem Feenreich, angeführt von niemand anderem als Titania und Oberon selbst, und der lustig-unheimliche Droll (auch als Puck bekannt) ist auch mit von der Partie und macht sich auf und davon für seine spätere, wichtige Rolle in der großen Sandman-Geschichte.

»Fassade«: Mit dieser Geschichte widmet sich Gaiman einer vergessenen Superheldin der 60er-Jahre, um ihr eine tragisch-melancholische Abschiedsvorstellung zu bereiten. Außergewöhnlich ist, dass Dream selbst gar nicht vorkommt in dieser tragischen Erzählung über Element Girl, die sich ängstlich zurückgezogen hat. »Fassade« ist eine sehr melancholische Geschichte über eine Person, die wegen ihrer Fähigkeit der Gestaltwandlung den Kontakt zur Außenwelt verloren hat, und die sich, da sie unsterblich ist, nach einem erlösenden Ausweg sehnt. Wie immer, wenn Sandman über unser Verhältnis zur Provokation des Sterben-Müssens sinniert, betritt Dreams Schwester Death die Erzählbühne um wie so manches Male einer in der eigenen Tragik gefangenen Figur den Kopf zurechtzurücken.

Besonders erwähnen muss ich die vier Cover des englischen Grafikmagiers und Gaiman-Kumpels Dave McKean. Okey, ich geb zu, ich folge fast allen Arbeiten von McKean mit treu ergebener Fan-Hingerissenheit, aber die vier Arbeiten der »Traumland«-Sammlung zählen für mich zu den allerfeinsten Bildern, die er je zusammengezaubert hat.

Ich kann verstehen, dass man als Neuleser zögert, ob sich die Anschaffung von zehn Sammelbänden lohnt. »Traumland« ist eine vorzügliche Möglichkeit, sich erstmal eine Kostprobe zu gönnen, denn die hier präsentierten Geschichten bereiten auch dann großes Lesevergnügen, wenn man keine Ahnung vom weiten Terrain der großen Sandman-Erzählung hat, und liefert dabei dennoch einen kraftvollen und sehr abwechslungsreichen Einblick zu diesem herausragenden Comicroman.

Und hier zum Schluß noch die deutsche Fassung der Anmerkungen zu Sandman für alle, die sich nicht mühen wollen mit der englischen Fassung, die sich dennoch aufmachen möchten, die tieferen Schichten dieses anspielungs- und zitatenreichen Comics zu ergründen. Viele Leser haben unter Leitung von Greg Morrow und David Goldfarb (und Websiten-betreut durch Ralf Hildebrandt) diese »Annotations« zusammengestellt, die ich bearbeitet, ergänzt und übersetzt habe und hier den deutschsprachigen Lesern als »Hilfreiche Handreichung« zu »Traumland« als PDF zum Download (ca. 211 KB) biete.

LINK-SERVICE:
Frank Drehmel schwärmt für »Webcritics« über die Arbeit der Zeichner von »Traumland«:

Sei es Kelly Jones feiner Strich mit seinen tiefen, harten Schatten, Charles Vess’ luftig leichter Duktus oder Colleen Dorans merkwürdig zerrissen wirkende Linienführung, immer ergänzen sich Story und Zeichnungen in nahezu perfekter Weise.

Christian Endres jubelt für »Fantasyguide« ähnlich wie ich, über die besondere Güte dieses Bandes:

»Traumland« ist mit ziemlicher Sicherheit das »unepischste« der Sandman-Tradepaperbacks. Trotzdem — oder gerade deshalb — zeigt dieser dünne Sammelband alle Stärken (und Schwächen) von Gaimans einmaligem Comic-Kosmos um die Ewigen.

Und Christel Scheja bringt für »Literra« den besonderen Charakter der Erzählungen des Bandes auf den Punkt:

In keiner der Geschichten steht die Action im Vordergrund sondern eine intelligent erzählte eher stille Geschichte, deren tiefgründige Hinweise und Zitate erst bei genauerem Lesen und Betrachten deutlich werden. Wieder gelingt es Neil Gaiman und den Künstlern, eine unwirkliche, magische Atmosphäre zu erzeugen, die zu verzaubern weiß. Er spielt mit der düsteren Melancholie, die den Träumen unterliegt, und verzaubert durch seine übersprühende Phantasie, die Gewalt durch viel tiefer unter die Haut gehende Bedrohungen und den Blick in den Spiegel ersetzt.

Neil Gaimans »The Sandman« Band 2: »Das Puppenhaus« mit »Hilfreichen Handreichungen« als PDF

Zweiter Teil von Molos Empfehlungen von Neil Gaimans

inkl. »Hilfreicher Handreiche« über mythologische, historische und literarische Anspielungen.

Eintrag 419 — Weiter geht es mit meiner Serie über die zehn Bände der »Sandman-Bibliothek« (mit exklusiver »Hilfreicher Handreiche«), die seit Frühjahr 2007 endlich in angemessener Aufmachung im Quartalsrhythmus von Panini/Vertigo herausgebracht wird.

Wer den ersten Band »Präludien & Notturni« noch nicht gelesen hat, bekommt mit Band 2 »Das Puppenhaus« eine weitere feine Einstiegshilfe. Obwohl, äh, da verzapf ich grad Quatsch, denn die meisten der zehn Einzelbände der »Sandman-Bibliothek« lassen sich ganz gut allein stehend genießen (ich werd bei den Bänden, die als Einstieg etwas zu sperrig sind bescheid geben). Aber zugleich bilden die zehn Bände zusammen eine große Saga über den Herrscher der Träume, Morpheus, und seine dysfunktionale Familie der Ewigen, die neben Dream aus sechs weiteren menschenförmigen Personifizierungen ewiger Prinzipien besteht.

Die Einstiegshilfe von »Das Puppenhaus« kommt in Form einer ›Was bisher geschah‹-Einleitung daher. Ganz schnell: Anfang des 20. Jhd. hat ein englischer Okkultguru (mehr unfreiwillig) Morpheus eingesperrt. Nach vielen Jahrzehnten kann Morpheus entkommen, er rächt sich an seinen Peinigern und macht sich auf zu einer Queste, um seine geklauten und verstreuten Macht-Artefakte wiederzuerlangen. Im letzten Kapitel (»Das Rauschen ihrer Flügel«) von »Präludien & Notturni« dümpelt Dream mit Post-Abenteuer-Depri in New York und füttert Tauben, als seine Schwester Death vorbeischneit, den Tunichtgut einen Tag lang mitnimmt auf ihre Pflichtgängen, und ihn dabei an den Wert des Lebens und seine Verantwortung als Traumherrscher und -beschützer erinnert.

Die versammelten acht Kapitel (urpsprünglich als Einzelhefte veröffentlicht) von »Das Puppenhaus« erzählen nun davon, wie Morpheus das in seiner langen Abwesenheit verlotterte Traumreich aufräumt.

Das Hauptaugenmerk des Bandes konzentriert sich in sechs Kapiteln auf die jugendliche Protagonistin Rose Walker, die zusammen mit ihrer Mutter ihre Großmutter in einem englischen Pflegeheim besucht. Großmutter Walker wurde im ersten Band kurz erwähnt. Dort war sie ein Opfer einer geheimnisvollen Schlafkrankheit die durch Morpheus Gefangenschaft verursacht wurde. Jetzt da der Herrscher des Traumreichs wieder frei ist, ist auch Großmutter Walker wieder wach und hat (vermögend wie sie ist) über Detektive ihre Verwandtschaft finden lassen. Wer aber noch fehlt, ist Roses jüngerer Bruder Jed. — Im Handlungsstrang um Rose kommt Gaimans Stärke zum Zuge, wenn er von ›ganz normalen‹ Menschen erzählt, die wundersame Abenteuer erleben. Rose zieht in Florida in eine WG und als Leser gucken wir Rose über die Schulter, wenn sie in ihren Tagebucheinträgen über die anderen WG-Bewohner lästert. Hier wimmelt es Exzentriker wie das Pärchen Ken und Barbie (die so aussehen und sich so geistlos verhalten wie die bekannten Matell-Figuren), und die Grufti-Lesben Chantal und Zelda die eine unheimliche Leidenschaft für Spinnen pflegen. — Zudem weiß Rose nicht, dass sie ein Traumwirbel ist. Und ein Traumwirbel zu sein, ist kein Zuckerschlecken, oh nein. In jedem Zeitalter taucht so ein Traumwirbel auf, oftmals in Form eines Gegenstandes, seltener auch, wie bei Rose, in Gestalt einer Person. Ein Traumwirbel strebt unwissentlich danach, für kurze Zeit alle Einzelträume der Menschen in einem großem Traum zu vermischen, und im Umfeld des Traumwirbels treten ungewöhnlich viele Zufälle auf. Somit beobachtet Rose in ihren Träumen die Träume anderer und begegnet magischen Wesen, wie den drei Hexengöttinen die eine sind, oder Traumdämonen und Alpträumen die sich während Morpheus Gefangenschaft aus dem Traumreich davongemacht haben, wie den hinterhältigen Gaunern Brute & Glob und dem schrecklichen Visonär ›der Korinther‹ (ein heimlicher Star der Sandman-Saga). — Zusammen mit Gilbert (dem entfleuchten Traumort Fiddlers Green, der sich in Gestalt des englischen Erzphantasten G. K. Chesterton als Beschützer von Rose ins Zeug schmeißt) macht sich Rose auf die Suche nach ihrem Bruder Jed und stolpert unwissentlich in einen Kongress von Serienmördern (eine köstliche Parodie auf Comic- und SF-Conventions und Serienmörder-Fanship).

Zwei Kapitel von »Das Puppenhaus« fallen aus dem Rahmen. Eröffnet wird der Band mit einer für sich stehenden Erzählung über »Geschichten im Sand«, über eine weit, weit zurückliegende tragische Liebesgeschichte von Morpheus und der (wahrscheinlich afrikanischen) Königin Nada. Hier kommt Morpheus nicht so doll weg, denn er benimmt sich so unreif und kaltherzig, dass er seine Geliebte in den Selbstmord und damit in die Hölle treibt. — In »Männer mit Glück und Geschick« sorgt zuerst eine Wette zwischen Morpheus und Schwesterchen Death dafür, dass ein einfacher Mann des Mittelalters, Hob Gadling, nicht stirbt; dann werden die alle hundert Jahre stattfindenden Treffen von Hob und Morpheus geschildert, in deren Verlauf sich eine Kumpel-Freundschaft zwischen dem unsterblichen Glücksritter Gadling und dem unnahbaren Ewigen entwickelt.

Die ganz große Klammer von »Das Puppenhaus« und Puzzlestück im weitausholenden Bogen der Sandman-Bibliothek bildet die Konkurrenz zwischen Morpheus und seinem Geschwister Desire, also das Heck-Meck zwischen Traum und Begehren. Der erste Auftritt von Desire (die im Herzen eines riesigen schwebenden Körpers wohnt) und die abschließende Konfrontation von Morpheus und Desire gehören für mich zu den Glanzpunkten der Saga. — Sind wir nur Marionetten unserer Leidenschaften? Speist unser Begehren unsere Träume, oder formen unsere Träume unser Begehren? Können wir unser Schicksal selbst bestimmen, oder sind wir nur Spielzeugpuppen in den Händen des tüdelnden Schicksals? — In derartige philosophische Gefilde führt einen Gaiman mit dem vorliegenden Band, und zeigt damit, wie man Comic- und Popkulturtrash mit Mythen und Klassikern vorzüglich vegnüglich zu gedankenanregenden Fabulationen verflechten kann. — Nicht von ohngefähr gilt Gaimans »Sandman« neben solchen Werken wie »Watchmen« & »V for Vandetta« (beide geschrieben von Alan Moore) oder »Die Rückkehr des Dunklen Ritters« & »Ronin« (beide von Frank Miller) als wichtige Wegmarke eines Wandels zum Besseren in der anglo-amerikanischen Comickultur, als die Kästchenerzählungen dort in den 80ern begannen ernsthafter und erwachsener zu werden.

Die »Sandman«-Geschichten sind reich gespickt mit Anspielungen und Zitaten und für jene, die Lust darauf haben, diese ›anspruchsvolleren‹ Schichten freizulegen, haben sich »Sandman«-Leser schon früh unter der Leitung von Greg Morrow und David Goldfarb (und Websiten-betreut durch Ralf Hildebrandt) aufgemacht, all diese Hinweise in einem großen »Annotations«-Unternehmen zu sammeln. Diese englischsprachigen »Annotations« habe ich bearbeitet, ergänzt und übersetzt und biete sie hier den deutschsprachigen Lesern als »Hilfreiche Handreichung« zu »Das Puppenhaus« als PDF zum Download (ca. 250 KB). Wiederum danke ich meinem Phantastik-Haberer Lucardus für seine Hilfe als Korrekturleser.

Besonders freut mich, dass die deutsche Ausgabe dabei auf die neue, digitale Kolorierung zurückgreift. Die ursprüngliche Färbung war zwar nicht grottenschlecht, aber doch deutlich geprägt von der schrilleren Ästhetik, die nun mal vor der Revolution der Digialkolorierung vorherrschte. Die neue Digikoloierung dürfte den ›Normallesern‹, die keine ausgeprägten Horror- und Superheldencomic-Fans sind, entgegenkommen, ist sie doch kein so heftiger geschmacklicher Extremisten-Hieb aufs Auge.

Hier ein Beispiel; Seite 10 des Kapitels: »Men Of Good Fortune« (»Männer mit Glück und Geschick«):

Links die alte Kolorierung von Robbie Bush aus meinem »Doll’s House«-Trade des DC-Verlages von 1990. Rechts die Digitalkolorierung von Zylonol aus dem neuen »Das Puppenhaus«-Sammelband des Panini-Verlages von 2007.

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LINK-SERVICE:

Olf Funke schreibt für den »Fandomobserver« (No. 219):

Wenn sich die Geschichten nur um diese vordergründigen Themen drehen würden, wäre dies nur eine nette Geschichte, aber Gaiman taucht auch hier wieder in die Abgründe der menschlichen Psyche ein und macht daraus wieder etwas ganz besonderes.

»Goon – Magazin für Gegenwartskultur« meint:

Eine Figur und eine ganze Serie stellten Heft für Heft unter Beweis, dass der amerikanische Superheldencomic eine zutiefst intellektuelle Sache sein kann und trotzdem seine Coolness nicht verliert.

Der »Comic-Neurotiker« orientiert:

Erst im »Puppenhaus« kann man wirklich entscheiden, ob man »Sandman« mag oder nicht. Der Band ist typisch für die Serie und zeigt, wohin die Reise geht. {…} Gaimans Serie verdankt ihren Ruhm vor allem der Tatsache, dass der Autor das Erzählen von Geschichten und die Lust am Träumen selbst zum Thema macht.

Neil Gaimans »The Sandman« Band 1: »Prädludien & Notturni« mit »Hilfreichen Handreichungen« als PDF

Erster Teil von Molos Empfehlungen von Neil Gaimans

inkl. »Hilfreicher Handreiche« über mythologische, historische und literarische Anspielungen.

Eintrag No. 389 — Schön langsam mutiert die Molochronik zu einem Neil Gaiman-Fanblog. Was soll ich auch machen? Gaiman ist nun mal einer der originellsten und fruchtbarsten Gegenwartsvertreter der Genre-Phantastik, und da durch so manches Ungeschick seine Werke bei uns bisher zumeist in nicht so dollen Ausgaben erschienen, werf ich mich gern ins Zeug um diesen ›modernen Multimedia-Ovid‹ lobzupreisen. Ich schätze Gaiman deshalb so hoch, weil er es (nicht immer aber eben immer wieder) schafft, einem Literatur-Ideal gerecht zu werden, daß mir durch solche respektablen Klassiker wie den Römer Horaz oder den Barock-Gelehrten Gracian schmackhaft nahegebracht wurde. Kein Zweifel: Literatur, Fiktionen, Fabulation sollten zu mehr nützen, als dem Publikum eine Wohlfühlmassage zu verschaffen. Leser von Romanen (egal ob in Prosa oder in graphischer Form) sollten auch zum Nachdenken angeregt werden. Doch zweiteres will nun mal besser schmecken, wenn die Belehrung nicht so dröge, steif und nur bildungshuberisch daherkommt. Zuerst einmal muß unterhalten werden, muß die Hemmung durch den Zweifel überwunden werden. Derart beschwingt ist es dann auch locker-flockiger möglich, den Lesern ernste Gedanken nachzubringen, auf die sie sich ansonsten nicht einzulassen die Lust gehabt hätten.

In den frühen 90gern lauschte ich auf einer Fantasy-Con Freunden beim Fachsimpeln über die »Sandman«-Comics. Es ging um die ›Endless‹, die Endlosen, jene 7-köpfige, dysfunktionale Familie anthropomorpher Personifizierungen, deren Namen auf englisch alle mit D beginnen (der ernste Destiny/Schicksal, die lockere Death/Tod, der vergrübelte Dream/Traum, der lebenslustige Destruktion/Zerstörung, die intrigante Desire/Verlangen, die selbstquälerische Despair/Verzweiflung und die jüngste im Bunde Delirium, die einst Delight/Entzücken war). — Als jemand, der schnell mal hingerissen ist, wenn philosophische Menschen- und Weltenlauf-Bespiegelung mit Äktschn, Spannung und Soap vermengt werden, spitzte ich die Ohren. Hmm, neue, neutrale ›Götter‹, eine moderner Pantheon für eine globalisierte Welt, dachte ich mir neugierig.

Worauf läßt man sich ein? Auf einen großen, zehnbändigen Epos über die Krise von Dream/Morpheus, seinen Niedergang und seine Wiederauferstehung; auf eine kecke Mischung aus Altem und Neuen, wobei Mythologien und Klassiker von frühester Zeit an und aus allen möglichen Weltgegenden Hand in Hand mit Neo-Mythen der westlichen Pop-Moderne einen abwechslungsreichen Reigen tanzen.

Entbrannt vor Begeisterung für Gaimans graphischen Wunderzyklus werde ich basierend auf den von Greg Morrow und David Goldfarb gesammelten, und von Ralf Hildebrandt betreuten englischen Anmerkungen zu »Sandman«, begleitend zur Neuauflage der Sammelbände, in der Molochronik künftig reichlich Material für bildungsinteressierte Freunde der Edel-Phantastik reichen.

Hier zum Download des PDFs der ersten Abteilung meiner »Hilfreichen Handreichungen« zu Neil Gaimans großartigen Comicroman. — 1000 Dank an lucardus für eine spendierte Runde Korrektur!

Der erste Band »Prädludien & Notturni« versammelt den aus acht Kapiteln/Heften bestehenden eröffnenden Handlungsbogen, dessen Arbeitstitel auf englisch »More than Rubies« (Mehr als Rubine) lautet.

Ein nach dem Vorbild des Scharlatan-Okkultisten Aleister Crowley gestalteter englischer Gurumotz hegt die alte Menscheitsambition den Tod zu überwinden zu wollen. Dazu zieht dieser Roderick Burgess Anfang des 20. Jhd. ein Beschwörungsritual mit seiner Kultgang durch, verhaut sich aber grob. Statt Death/Tod zu bannen, fängt Burgess deren ›kleinen‹ Bruder Dream/Traum in seinem Zauberkreis, wo der bleiche König der Traumlande über siebzig Jahre darbt. Durch Dreams Abwesenheit verfiel sein Reich, viele Traumlandbewohner haben sich auf und davon gemacht und treiben ihr Unwesen in unserer Welt.

Erster und Zweiter Weltkrieg vertreichen, wie auch die Nachkriegsepoche, bis es Dream schließlich Ende der 80-ger gelingt seinen Kerkermeistern zu entkommen und in seine Heimatgefilde zurückzukehren. Soweit das erste Kapitel.

Der Rest von »Präludien & Notturni« erzählt dann ausführlich und abwechslungsreich, wie der geschwächte Morpheus Stück für Stück seine machtvollen Artefakte wiedererlangt und sein Reich halbwegs restauriert. Zu den Höhepunkten des ersten Sammelbandes gehört ein Ausflug von Morpheus in die Hölle, wo er sich mit einem gemeinen Dämon ein ›Duell der Realität‹ liefert; ein verstörendes Kapitel über Größenwahn und Maßlosigkeit, wenn ein Straßenrestaurant zum Hort tödlichen Gruppen-Irrsins wird; und natürlich das abschließende achte Kapitel des ersten Bandes, wenn dem selbstmitleidigen Morpheus von seiner überaus symphatischen Grufischwester Death der Kopf gerade gerückt wird.

Meine ersten »Sandman«-Einzelhefte las ich noch leihweise, bevor ich im September 1992 mit Heft 41 selbst anfing zu sammeln. Im Lauf der Zeit besorgte ich mir die zehn englischen Sammelbände von Vertigo/DC. Mit großer Verstörung beobachtete ich vor Jahren, wie diese Sammelbände in schrecklicher Art und Weise das erste Mal auf Deutsch herausgebracht wurden. In zu großem (europäischem) Albumformat auf viel zu schwerem Papier, und (was am rügenswertensten ist) oftmals wurden die Original-Sammelbände für die deutsche Ausgabe einst zweigeteilt veröffentlicht. Zudem wurde diese erste deutsche Ausgabe nie abgeschlossen. Sicherlich hat das für enorm viel Frust bei der Comicliteratur-Leserschaft gesorgt (und wieviele Jungleser durch diese ›Schlampausgaben‹ dazu getrieben wurden, gleich auf Englisch zu lesen, wage ich gar nicht zu spekulieren).

Nun — endlich! — mit großer Verspätung, dafür aber auch mit erfeulicher Sorgfalt gestaltet erscheinen seit Anfang dieses Jahres die Sammelbände bei Panini/Vertigo erneut. Panini hat Sandman neu übersetzten lassen lassen und folgt dabei der neusten Sammelauflage der Amerikaner, tischt uns damit also die neue digitale Kolorierung auf. Die alte Kolorierung ist freilich nicht gänzlich zu verachten; vor allem Freunde der klassischer Gruselrießer-Comics dürften daran Gefallen finden. Immerhin: die 75 Hefte der »Sandman«-Reihe, die von 1989 bis 1996 (fast immer) monatlich erschienen, dokumentieren nebenbei auch die Geschichte der Umstellung zum digitalen Einfärben der s/w-Linienzeichnung. Der Vergleich von Seite 1 in alter und neuer Kolorierung zeigt, wie Dank digitaler Bildbearbeitung feinere Farbnuancen & -verläufe möglich sind. Die Seiten sind zugleich dezenter eingefärbt, und wirken dennoch plastischer. Dadurch geht zwar der horror-trashige Charakter der ursprünglichen Koloierung verlohren, aber alles in allem finde ich die neue Farbgestaltung angenehmer, stimmungsvoller, kurz: schöner.

Zu den bezaubernsten Markenzeichen von Gaiman gehört, wie es ihm gelingt, kleine Geschichten in der großen Geschichte unterzubringen; wie er vor allem mit »Sandman« eine Geschichtenerzähl-Maschinerie anwirft, die im Besten Sinne an die berühmte Wendung aus Michael Endes »Die Unendliche Geschichte«

Aber dies ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden

oder auch an die labyrinthische Weberei von Schahrasads Erzählungen in »Tausendundeiner Nacht« erinnert.

Wie bei jeglicher ehrwürdiger Phantastik bietet »Sandman« seinen Lesern ein facettenreiches philosophisches Panoptikum an. Philosophisch im hehresten Sinne, eignet sich dieses Epos über Niedergang und Wiederaufstieg, über Sehnsucht und Zorn doch vorzüglich dazu, den Leser unaufdringlich die Kunst des Sterbens zu lehren, ohne Verzweiflung damit fertig zu werden, daß unser aller Leben auf ein unausweichliches Ende zustrebt, es also nur in unserer eigenen Verantwortung liegt, welche Welten wir für uns und unsere Mitmenschen bauen.

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LINK-SERVICE

  • In der deutschsprachigen Wikipedia schreiben Sandman-Leser fleißig, stellen Übersichten zu den zehn Sammelbänden und die Charaktere zusammen. Guter Einstieg, um in den Tiefen der Sandman-Comics zu gründeln.
  • Jürgen Weber lobt für »Buchkritik.at« und meint trefflich, daß…
    »Sandman« Ihnen erlauben {wird} besser zu träumen.
  • Björn Backes lobt in seiner Besprechung für »Buchwurm«:
    »Sandman« ist ein ehrenwerter Fundus abstrakter Poesie, düster, betörend, verwirrend und in seiner Form definitiv einzigartig.

    Leider stößt Björn aber auch wieder in das Horn, welches tutet, daß Gaiman verschreckend und verstörend ›brutal‹ ist. Liebe Leut: »Sandman« ist gedacht für ›mature readers‹. Trotz aller Auch-Eignung für aufgeweckte Teens, ist »Sandman« eben kein Kinderfantasykram, sondern beste Phantastik für reife Leser.
  • Für »Roterdorn.de« schreibt Arielen (Christel Scheja) über Sammelband 1., und lobt sehr trefflich:
    Einerseits kann man sich einfach nur von einer spannenden und ungewöhnlichen Geschichte unterhalten lassen - andererseits ist es auch möglich in die hintergründigen Szenarien einzutauchen, die in Text und Bildern erst auf den zweiten Blick zu erkennen sind. Das macht die Serie zu Recht zu einem der Klassiker der Comic-Geschichte.
  • Blogger-Kollege Miko O. von »Screwtape’s« beschreibt das umfassende Staunen, das Sandman seinen Lesern bereitet.
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